Woodman: Aus der Sicht deiner Barkeeperin

© Philipp Lipiarski
EVENTS & NIGHTLIFE

veröffentlicht von sophie

21. September 2016

EVENTS & NIGHTLIFE

Woodman ist DER Event für WaldviertlerInnen und Freunde. Wie BarkeeperInnen dieses Fest des Tanzes und der alten Bekannten erleben, liest du hier.

Heute ist Woodman und es ist 19:26 Uhr. Schnell wird noch ein Salzsspitz vom Supermarkt um die Ecke besorgt. Der Hunger ist groß. Verpackung aufreißen, essen. Dann: Laufen. Mit schnellen Schritten nähere ich mich meinem Ziel, dem Palais Eschenbach in der Eschenbachgasse. Pünkltich um halb acht stehe ich vorm Eingang. Jetzt sind nur mehr gefühlte 534 Stufen zu überwinden. Keuchend und kauend komme ich im zweiten Stock an. Da stehen sie, die schwarz gewandeten Gestalten. Sie bilden einen Kreis in der Eingangshalle. Vereinzelt glimmen Zigaretten im schummrigen Licht…

Das Zentrum bildet Fabian Todt, aka Gambo, aka der Mann mit dem Überblick. Mit einem Klemmbrett in der Hand schaut er zugegebenermaßen extrem wichtig aus. Rund um ihn wird schon heftig diskutiert. Die Barkeeperbesprechung hat bereits begonnen. Für ein Bussi links, Bussi rechts ist trotzdem Zeit. Ich freue mich über die vielen bekannten Waldviertler Gesichter und finde mich hinter der Eingangsbar ein. Los geht´s!

20:00 Uhr
Während sich unsere zukünftigen Gäste aufbrezeln, besprechen wir den Zeitplan für den heutigen Woodman.

  1. LKW ausladen
  2. Barstock aufbauen
  3. aufsperren
  4. Party/Arbeiten
  5. zusperren
  6. wegräumen
  7. frühstücken
Woodman-Team

© Philipp Lipiarski / www.goodlifecrew.at

Gleich kommt ein Kleinlastwagen mit Longdrinkbechern und diversen anderen Utensilien aus dem Revolution in Zwettl. Wir helfen zusammen und schleppen alles gemeinsam in den zweiten Stock. Bei uns ist keiner und keine zimperlich. Beim Woodman heißt´s anpacken und das können wir. Ich bin heute für das Wechselgeld zuständig. Während die anderen die Bars fertig machen, rechne ich und teile das Wechseldgeld auf 14 KellnerInnen in vier Bars (Eingangsbar, Zwettler-Bier-Bar, Elektro-Bar und Hauptbar) auf.

Bierzapfen

© Philipp Lipiarski / www.goodlifecrew.at

21:00 Uhr
Während ihr euch noch beim Vorglühen vergnügt, sperren wir auf. Von 21:00 – 22:00 gibt´s Zwettler Bier, Wein und Whiskey verbilligt. Für mich bedeutet das vor allem eines: Bierzapfen.

22:00 – 04:30 Uhr
In dieser Zeit erstrahlt der Woodman in seiner vollen Pracht, denn jetzt seid ihr da. Die Leute tanzen zu guter Musik (endlich spielt´s beim Fortgehen in Wien Red Hot Chili Peppers, Tenacious D und Ceasar Palace!). Hinter und vor der Bar ist die stressigste Zeit des Abends angebrochen und unsere Köpfe glühen vor lauter Kopfrechnen. Aber wir haben Spaß, wenn ihr Spaß habt. Das war schon immer so…

DJ Woodman

© Philipp Lipiarski / www.goodlifecrew.at

Woodman: The Beginning

Spaß stand beim Woodman schon immer im Vordergrund. Die Geschichte des Woodman beginnt 1992. Damals wurde eine überschaubare Party in einem Keller im 8. Wiener Gemeindebezirk gefeiert. 14 BarkeeperInnen brauchte damals noch keiner. Die feierfreudigen Studierenden aus dem Waldviertel haben sich einfach selbst nachgeschenkt. Heute ginge ohne uns – da gehören ca. 40 Personen wie Produktionsleiter, Techniker, Securities, DJs und Personal für die Garderobe dazu – gar nichts mehr, denn der Woodman hat sich zu dem Event für WaldviertlerInnen entwickelt. In den 24 Jahren Woodman wurde bereits in vielen Locations gefeiert. Getanzt wurde im Tunnel, Manchester Club, Reigen, Arena, WUK, Altes Wagenwerk (EXX) und in der Hofstallung des Museumsquartiers. Seit fünf Jahren feiern wir den Woodman im Palais Eschenbach. Allen Locations ist eines gemein: Wir tanzen immer an Donnerstagen – seit ein paar Jahren auch am eigenen Electro-Floor. Der Erfolg vom Woodman liegt aber nicht nur an der coolen Location und am Wochentag. Ich habe mich unter die Menge gemischt und genauer nachgefragt.

Warum gehst du zum Woodman?

Kathi reist für den Woodman extra aus dem Waldviertel an. Sie sagt:
Der Woodman ist ein super Grund dafür, dass ich wieder in Wien fortgehen kann. Die Getränkepreise stimmen, man trifft soviele bekannte Menschen und ich mag die Location.

Carola studiert in Wien. Sie meint:
Das coolste ist, dass man so viele Leute trifft, die man kennt und teilweise lange nicht mehr gesehen hat. Das passiert mir ja sonst beim Fortgehen in Wien nicht in dem Ausmaß. Die Location gefällt mir sehr gut und ich mag die vielen Räume. Da wird einem nie fad! Die Stimmung ist immer gut. Außerdem sind die Leute einfach nett und die Bedienung ist hübsch. (My favorite statement so far!)

Marl kommt für den Woodman auch extra aus dem Waldviertel nach Wien. Er sagt:
Für mich ist Woodman einfach Tradition. Ich bin schon seit Ewigkeiten dort und es ist immer wieder nice! Man geht zwar immer mit den „eigenen“ Leuten hin, aber man trifft halt immer Leute, die man sonst nicht oft sieht. Das ist einfach leiwand. Das familiäre und lässige, das machts aus! Mir daugt einfach, dass die Stimmung dort immer gut ist und man nie Probleme oder was Negatives hat. Auf gut österreichisch: Afoch a lässigs Festl!

Benjamin studiert in Wien. Er meint:
Zum einen geh ich gerne hin, weil man einfach viele Leute trifft – Auch Leute, die man schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat. Woodman ist eben ein inoffizielles Treffen für alle. Zum anderen gehe ich natürlich hin, weils Zwettler Bier gibt und weil die Musik immer sehr gut zum Klientel passt. Die Preise sind für Wien auch sehr angemessen.

Nach der Fragerunde muss ich wieder weiter arbeiten. Folgendes darf dabei nie fehlen:

Was man beim Woodman unbedingt braucht

© Philipp Lipiarski / www.goodlifecrew.at

Neben gutem Schuhwerk, dunkler Kleidung, einer Kellnerbörse und Halterung, brauche ich unbedingt auch andere Dinge für einen langen Woodman-Abend:

  • Traubenzucker
    • Ohne kleine Aufputschmittel wie Traubenzucker oder Schoko-Bons (Danke Sasa! Damit rettest du allen BarkollegInnen immer wieder das Leben!) geht nichts. Sie heben die Stimmung und lassen uns die müden Füße vergessen.
  • Handcreme
    • Unsere Hände leisten Schwerstarbeit. Sie schrauben, drehen, wischen, stemmen, drücken non-stop. Eine feuchtigkeitsspendende Handcreme als Gegenleistung ist das Mindeste.
  • Deo
    • Jeder will die Aufmerksamkeit der BarkeeperInnen für sich. Oftmals sind wir hin und hergerissen, wer zuerst bestellt hat. Wer sein Sackerl so gewissenhaft packt wie ich, kommt dabei nicht ins Schwitzen. Zauberwort: Deo.
  • Block und Stift
    • Wir BarkeeperInnen mutieren beim Woodman zwar zu wahren Zahlenakrobaten, Stift und Block schaden trotzdem nicht.
  • Taschentücher
    • Um die Tränen der Gäste zu trocken, wenn´s dann „Sperrstunde“ heißt. True Story: Es ist 04:00 Uhr. Manche Gäste müssen dann schon den Woodman verlassen, weil sie zu betrunken sind. Für diese Leute heißt´s dann eben Sperrstunde. Ein netter Security kommt mit fünf Becher in der Hand zu mir an die Bar: „Wir haben gerade einen Gast rausgeschmissen. Weil er seine Becher nicht zurückgeben konnte, weint er jetzt unten am Eingang. Gibst du mir bitte den Bechereinsatz zurück, damit ich ihm das Geld geben kann?“ – „Logo, hier sind die 2,50 Euro… und ein Taschentuch.“

Was sind eure Erfahrungen oder schrägsten Geschichten beim Woodman? Teilt sie mit mir!

04:30 – 07:00 Uhr
Die Musik wird leiser, das Palais Eschenbach leert sich. Wenn ihrt  die Tanzschuhe auszieht und erschöpft ins Bett fällt, geben wir nochmal alles. Flaschen werden verschlossen, Becher gewaschen, Tische zusammengeklappt und die Besen geschwungen. Alles, was wir vorher raufgeräumt  haben, transportieren wir wieder runter und verstauen es im Kleinlastwagen. Zu dieser Zeit tun die Beine schon richtig weh. Doch jetzt steht nur mehr ein Punkt auf der Agenda: Frühstücken! Gemeinsam holen wir uns noch einen wohlverdienten Kakao und ein Kipferl bevors auch für uns vom Woodman heißt: over and out.

 
Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl
 
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veröffentlicht von Carina

21. September 2016

EVENTS & NIGHTLIFE
Der nächste WOODMAN steht vor der Tür - diesmal in einer neuen Location! Wir haben die Veranstalter zum Interview gebeten und spannende Details erfahren.