FREIZEIT & SPORT

veröffentlicht von sophia castellhoff

29. März 2018

FREIZEIT & SPORT

„Und ich wusste nicht was ich tun sollte…“. Dass dies nicht passiert, haben wir hier 10 Fragen rund um einen Erste-Hilfe-Kurs beantwortet.

APA-FOTO: WWW.FOTOPLUTSCH.AT (Symbolfoto) Quelle: derstandard.at

Wann war nochmal mein letzter Erste-Hilfe-Kurs ? Diese Frage stellt man sich zwar nicht oft, allerdings ist man froh, in einer Notsituation rasch und kompetent zu handeln. Die ersten Minuten, noch vor Eintreffen der Rettung, sind schlichtweg entscheidend und können Leben retten.
Vielleicht seid ihr auch schon einmal Zeuge einer dramatischen Situation geworden. Ein Fahrradfahrer liegt verletzt mitten auf der Straße, viele bleiben stehen, aber keiner hilft so recht. Abgesehen davon, dass es immer schaulustige Leute geben wird, wissen die meisten nicht, wie sie mit solch einer Situation umgehen sollen und denken, dass Sie ohnehin falsch handeln, weil der letzte Erste-Hilfe-Kurs einfach schon zu lange zurückliegt.

Der Artikel enthält Fragen mit den jeweiligen Antworten dazu, alles kurz, kompakt und leicht zu merken! Außerdem möchte ich euch auch eine persönliche Empfehlung geben. Ich habe selbst erst im Zuge einer bevorstehenden Ausbildung einen 16 Stunden Grundkurs abgelegt und kann mich daher wirklich für die Johanniter aussprechen. Dazu aber später.

1. Die fünf wichtigsten Nummern +  drei Eselsbrücken für den Notfall!

144 Rettung (die 4 sieht mit ein bisschen Fantasie wie ein Rollstuhl)
133 Polizei (die 3 gleicht ein bisschen dem Bild einer Handschelle)
122 Feuerwehr (die 2 sieht aus wie ein Feuerwehrschlauch)
112 Euro Notruf (betrifft alle Länder der EU und leitet automatisch an die zuständige Zentrale weiter)
01/4064343 Vergiftungsinformationszentrale (leider keine kurze, prägnante Nummer, ein Anruf dort kann aber genauso wichtig sein, um Leben zu retten)

Außerhalb der EU empfiehlt es sich, vor Besuch des jeweiligen Landes einen Screenshot der möglicherweise gebrauchten Nummern am Handy zu haben. Wichtig: Ihr braucht hierfür nie Guthaben oder etwaige Kosten zu befürchten. Die angeführten Notrufe sind gratis und können von jedem Handy, auch im Sperrzustand, gemacht werden.

2. Wie oft sollte ich einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen?

Es lohnt sich auf jeden Fall alle vier Jahre einen kleinen Auffrischungskurs zu besuchen! Schnappt euch ein paar Freunde und zusammen vergeht die Zeit noch schneller! Einiges kann man natürlich auch via Internet auffrischen, allerdings sollten Dinge wie Herz-Lungen-Wiederbelebung einfach aktiv geübt werden.

3. Wo kann ich den Kurs besuchen?

Nicht nur im Waldviertel gibt es einige Anlaufstellen, auch in Wien findet ihr zahlreiche Anbieter für Auffrischungskurse. Die große Auswahl an Terminen, auch unter der Woche, ist in Wien natürlich ziemlich praktisch ;).
Ich habe hier drei „Wiener“ aufgelistet, natürlich könnt ihr mit ein bisschen Recherche auch weitere finden.

Johanniter
www.johanniter.at oder telefonisch unter 05 011
(anbei eine kurze Beschreibung des Unternehmens und mein persönliches Fazit)
Rotes Kreuz
Samariter-Bund Österreich

 

Copyright: Johanniter-Unfall-Hilfe/POV Quelle:https://www.johanniter.at/fotodownload/erstehilfe/

4. Welche Erste-Hilfe-Kurse gibt es überhaupt und was ist deren Inhalt?*

Grundsätzlich gibt es mehrere Modelle, jedoch ist es wichtig zu beachten, wie lange der letze Kurs zurückliegt.
Hier nun die drei wichtigsten Kurse aufgelistet.

16 Stunden Erste-Hilfe-Kurs 
Dieser kann jederzeit besucht werden und benötigt keine Voraussetzungen.

  • Rettungskette und Notruf, Unfallverhütung
  • Notfallcheck
  • stabile Seitenlage
  • Herz-Lungen-Wiederbelebung und Umgang mit halbautomatischen Defibrillator
  • starke Blutung, Vesorgung von Wunden, Knochen- Gelenksverletzungen
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Maßnahmen bei plötzlichen Erkrankungen, Verletzungen und Vergiftungen

8 Stunden Erste-Hilfe-Kurs
Ein 16-stündiger Erste-Hilfe-Kurs bzw. 8-stündiger Erste-Hilfe-Auffrischungskurs innerhalb der letzten vier Jahre ist erforderlich.

  • Rettungskette und Notruf
  • Notfallcheck
  • stabile Seitenlage
  • Herz-Lungen-Wiederbelebung
  • starke Blutung
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall

4 Stunden Erste-Hilfe-Kurs
Ein 16-stündiger Erste-Hilfe-Kurs bzw. 8-stündiger Erste-Hilfe-Auffrischungskurs innerhalb der letzten zwei Jahre ist erforderlich.

  • Rettungskette und Notruf
  • Notfallcheck
  • stabile Seitenlage
  • Herz-Lungen-Wiederbelebung
  • starke Blutung

5. Welche Kosten kommen bei einem Erste-Hilfe-Kurs auf mich zu?

  • 16 Stunden: ab 70 Euro*
  • 8 Stunden: ab 60 Euro*
  • 4 Stunden: ab 50 Euro*

6. Ein Erste Hilfe Kasten für die WG , ist das wirklich wichtig?

Vorab kann ich die Frage mit Ja beantworten. Es kann immer etwas passieren, und Verbandszeug wird ja nicht schlecht. Manchmal gibt es z.B. bei Hofer ein Angebot für einen Erste Hilfe Kasten für Zuhause, da kann man preisgünstig zuschlagen und fühlt sich zumindest im Ernstfall nicht so hilflos. Auf Amazon kann man das ganze schon ab 15 Euro kaufen, je nach Ausstattung!

Zwettler Zwickl
Waldviertler Sparkasse

7. Kann ich bestraft werden, wenn ich nicht helfe, bzw. werde ich bestraft wenn ich etwas falsch mache?

JEIN!
In Österreich ist man dazu verpflichtet Hilfe zu holen. Das kann auch per Anweisung an einen Passanten erfolgen (sprecht den Passanten z.B. mit: „Sie, mit dem roten Tshirt – rufen Sie die Rettung“, an und haltet währenddessen Blickkontakt mit diesem. Natürlich kann man selbst auch gleich die Rettung, Feuerwehr oder Polizei anrufen, jedoch kann man sich zum Vorteil machen, dass in Wien meist mehrere Menschen auf der Straße unterwegs sind und so mit Arbeitsteilung vielleicht auch ein Leben retten.

Wichtig: Auch wenn ihr am Unfall nicht direkt beteiligt wart, macht ihr euch strafbar wenn ihr nicht helft (Quelle: §94, Strafgesetzbuch „Im Stich-Lassen eines Verletzten“.)  Die Angst, einen Fehler zu machen, ist begründet. Ihr steht womöglich unter Stress, seid aufgeregt und habt vielleicht auch Angst. In diesem Zustand seid ihr während der Ersten Hilfe nicht strafbar. Versetzt euch aber in die Lage des Verletzen. Er wird eure Aufregung auf jeden Fall verstehen, versteht aber sicherlich nicht, warum ihr euch umdreht und geht, ihn möglicherweise hilflos am Boden liegen lasst. Ein schief angelegter Verband ist ebenso nicht vorwerfbar, die Person allerdings verbluten zu lassen, ist strafbar. Wenn jemand einen Herzstillstand hat, ist das einzig Schlimme, nichts zu tun. Denn dann stirbt die Person in jedem Fall.
Hierzu findet ihr einen Link mit den ausformulierten Gesetzen, für alle, die mehr wissen wollen.

8. Gibt es eine Eselsbrücke für die Reihenfolge im Ernstfall?

Ja – diese heißt GAS. G steht für Gefahr erkennen. A für Abstand halten und S für Spezialkräfte anfordern. Eure Sicherheit steht natürlich an erster Stelle. Das heißt, dass ihr euch kurz einen Überblick verschafft, etwaige Folgegefahren erkennt und die Unfallstelle so gut und schnell wie möglich absichert. Also, Gefahr erkennen, Abstand halten, Spezialkräfte anfordern! Natürlich gibt es hierbei auch wieder mehrere Gefahrensituationen, merkt man sich diesen Grundsatz, hat man zumindest die Basis!

9. Was will der Notarzt von mir wissen?

Grundsätzlich braucht ihr euch hier nicht viel überlegen. Die Fragen werden so gestellt, dass ihr sie leicht und unkompliziert, aber auch knapp und schnell beantworten könnt. Die Person am anderen Ende der Leitung folgt einem gewissen Abfrageschema. Während ihr also mit dem Notruf telefoniert, schickt dieser, schon während des Gespräches, ein Einsatzfahrzeug los und gibt via Telefon Tipps, z.B. zählt er mit euch zusammen die Intervalle einer Herzdruckmassage (die sollte z.B. im Tempo des Radetzymarsches erfolgen).

Wichtig: Erst auflegen, wenn das Gespräch von der Einsatzzentrale beendet wird !

10. Zusammenfassung gefällig?

  • Nummern einprägen (144,133,122…)
  • Nicht schauen, handeln!
  • Unfallort absichern
  • auf eigene Sicherheit achten
  • HILFE HOLEN (z.B. 144)
  • Erste Hilfe Leisten
  • warten bis Rettung eintrifft und übernimmt

Warum also die Johanniter? Und überhaupt, ist es komisch, einem „fremden“ Menschen so nahe zu kommen ?

Hier meine Erfahrung zu einem Erste-Hilfe-Kurs inkl. Fazit!

Wie oben erwähnt, musste ich einen Erste Hilfe Grundkurs vor Studienbeginn ablegen, die erste Intention, einen Kurs zu besuchen, war also quasi Pflicht für mich. Online fand ich viele Angebote, preislich lagen die Firmen auch relativ gleich auf, jedoch gab es für mich, alleine schon wegen des Informationsaustausch der auch per Telefon stattfand, große Unterschiede. Abgesehen davon, dass einfach alles „hängen“ geblieben ist und die Infos nach wie vor in meinem Kopf herumschwirren (spricht ja manchmal so gar nicht für eine Pflichtveranstaltung), war der Kurs einfach extrem gut aufgebaut. Unsere Kursleiterin war wahnsinnig kompetent, hatte auf alles eine sinnvolle Antwort und erreichte somit, dass jeder gut zuhörte und Gelerntes auch gemerkt werden konnte.

Der Kurs, der auf zwei Tage á 8 Stunden aufgeteilt war, begann mit einer kurzen Vorstellungsrunde, den Beweggründen der einzelnen Teilnehmer und auch einer kurzen Vorstellung der Vortragenden. Die Aufteilung des Kurses war so gestaffelt, dass man meist nach 50 Min. eine kurze Verschnaufpause erhielt und Gelerntes kurz sacken lassen konnte. Der Billa, gleich gegenüber tat sein übriges, natürlich war der Kaffeeautomat direkt im Gebäude auch ein großes Plus. Die Mittagspause konnte man auf Grund der Lage der Einrichtung toll im Grünen verbringen, ein Gastgarten, (Cafe Mokka, Eingang Gersthof Ubahn) der 5 Gehminuten davon entfernt liegt, bot somit eine wirklich entspannende Auszeit.

Copyright: Johanniter-Unfall-Hilfe / Foto: POV/Herbst / Quelle: www.johanniter.at

Die Johanniter verfolgen mehrere Aufgaben, so sind deren Dienstleistungen z.B. Rettungsdienst, Krankentransport und Behindertenfahrdienst, ebenso aber auch Sanitätsdienste, Soziale Dienste, Hausnotruf und Katastrophenhilfe. Ich konnte das Angebot des Aus-und Weiterbildung in Pflege, z.B. den Erste-Hilfe-Kurs in Anspruch nehmen. Kostenpunkt waren für mich 70 Euro, die gemütlich vorab überwiesen, oder einfach direkt beim Kursbeginn bar entrichtet werden können. Allein schon das Preis-Leistungs-Verhältnis lässt verraten, dass nur die Informationsweitergabe für den Ernstfall im Vordergrund steht, ebenso war die Gruppe mit 8 Personen wirklich nicht zu klein, aber auch auf keinen Fall zu groß.
Nach etwas Recherche fand ich heraus, dass es sowohl Unternehmen mit weit mehr Teilnehmern gibt, wovon ich persönlich nur abraten kann, da die Praxis der wichtigste Teil ist und so jeder auch wirklich dran kommt. Das beschränkte sich nicht auf einmal „probieren“ sozusagen, sondern wir konnten sogar bis zu fünf mal üben, wie eine Herz-Lungen-Wiederbelebung oder die stabile Seitenlage funktionieren. Unsere Kursleiterin spielte zwischendurch auch selbst die Verletze, um einfach zu sehen, wie schwer wirklich ein Kopf sein kann, oder auch, dass es nicht immer möglich ist, einen bewusstlosen Menschen „einfach“ in die stabile Seitenlage zu bewegen. Die Teilnehmer untereinander helfen natürlich unbewusst mit, heben den Kopf an und wissen im Prinzip ja schon, wo der rechte Arm, das linke Knie usw. hinkommen.

Das bringt mich auch schon zu meiner letzen Frage, die ich hiermit beantworten möchte. Ist es eigentlich komisch, fremde Leute während des Kurses aus einem Auto zu zerren, ihnen den Helm abzunehmen oder eine Mund zu Mund Beatmung durchzuführen? Gleich vorweg, NEIN. Nein, es ist deswegen nicht komisch, weil nach kurzer Zeit und Vorstellungsrunde jeder ein Bild über den jeweiligen Kursteilnehmer bekommt und eben theoretisches noch schneller erlernt werden kann, wenn man es gleich praktisch umsetzen kann. Alle Kursteilnehmer verfolgen das gleiche Ziel und nach kurzer Zeit empfand ich persönlich die Pause schon fast zu kurz, weil sich zwischendurch wirklich interessante Gespräche herauskristallisierten. Mund zu Mund an einem Fremden, wie funktioniert das? Keine Angst, hierbei und auch bei der Herzdruckmassage übt ihr an einer lebensgetreu gebauten Puppe. Jeder bekommt ein Beatmungstuch vor Ort und muss somit auch hygienisch nichts befürchten.

Zusammenfassung!
Nur empfehlenswert, Theoretisches wird zusammen erarbeitet, spielerisch erlernt und Praktisches mehrmals wiederholt. 70 Euro für zwei Tage sind sinnvoll investiertes Geld. Inklusive ist auch eine Erste Hilfe Fibel, wo man Erlerntes nach zwei Wochen nochmal wiederholen kann und den Kursinhalt in Bildern und kurzen Texten Revue passieren lässt.

Schnappt euch eine Freundin, besucht den Erste-Hilfe-Kurs und merkt euch:
Falsch ist nur, wenn ihr nichts unternehmt!

Wollt ihr mehr zum Thema Gesundheit in Wien wissen,  dann besucht doch folgenden Artikel. Hilfe, ich bin krank! Alles zum Thema Ärzte in Wien! 

* kann je nach Unternehmen variieren, dies hier sollte lediglich ein Richtwert sein

 

 
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veröffentlicht von stefanie

29. März 2018

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Ob Oper, Operette, Musical, Komödie, Drama, in der Wiener Theaterlandschaft ist für jeden Geschmack etwas dabei.