Orchideenstudien? Ich studier doch keine Orchideen!

Genauso wie Orchideen haben auch Orchideenstudien ihre Vor- und Nachteile. Quelle: Pixabay
STUDIEREN & ARBEITEN

veröffentlicht von Alexandra

3. April 2018

STUDIEREN & ARBEITEN

Was sind Orchideenstudien eigentlich? Macht es Sinn, soetwas zu studieren? Welche Vor- und Nachteile gibt es? Alle Fragen werden hier beantwortet.

In einer Vielfalt an Studiengängen, die auswendig zu können unerreichbar erscheint, findet man sich nicht so leicht zurecht.
Die Studien, die niemand kennt, sind Orchideenstudien, welche eine Alternative für die üblichen Studiengänge bieten.

Was genau ist ein Orchideenstudium?

Wie man vielleicht erwarten würde – nein, es gibt kein eigenes Studium über Orchideen an der Boku.
Ein Orchideenstudium ist das Gegenteil eines Massenstudiums.
Eine Orchidee braucht viel Pflege, hat aber so gut wie keinen Nutzen. Darum wird die Bezeichnung „Orchideenstudium“ für Fächer vewendet, welche kleine Studierendenzahlen haben und die Nachfrage nach Absolvent*innen am Arbeitsmarkt gering ist.
Diese Studien werden oft als „unnütz“ bezeichnet und bestimmte Studiengänge sind der Ökonomisierung zum Opfer gefallen und eingestellt worden.
Die Universität Wien bietet die vielfältigsten Studiengänge in Österreich an und die meisten Orchideenstudien können dort studiert werden.

 

Ein Foto der Universität Wien von der gegenüberliegenden Seite des Rings fotografiert.

Die Hochburg der Orchideenstudien in Österreich – die Uni Wien. Quelle: Wikipedia

 

einige Beispiele für Orchideenstudien

  • Numismatik und Geldgeschichte
  • Byzantistik
  • Judaistik
  • Regionalstudiengänge wie Südasienkunde oder Orientalistik
  • verschiedene Archäologie-Studiengänge

 

Die Vorteile eines Orchideenstudiengangs

Viele Fächer galten jahrelang als unnütze Orchideenstudien. Mittlerweile werden durch die Globalisierung und weltweite Vernetzung vor allem Sprachen immer wichtiger.
Ein Orchideenstudium, welches diesen Ruf schon verloren hat, ist zum Beispiel die Sinologie. Früher wurden Studierende noch belächelt, welche ihre Zeit für das Lernen von Chinesisch investierten. Heute sind Absolvent*innen aufgrund der  wirtschaftlichen Beziehung zu China immer gefragter.

Das Verhältnis von Lehrenden und Studierenden in diesen Studiengängen ist ausgeglichen, weil es keine 1000 Studierenden gibt. Es wird ein persönliches Verhältnis mit den Lehrenden und anderen Institutsmitarbeiter*innen gepflegt. So ist man auch an einer großen Universität wie der Uni Wien keine (Matrikel-)Nummer, sondern der Mensch, der man ist.

Knock-Out Prüfungen und Kreuzerltests sind eher die Seltenheit. Man hat viele Pflichtübungen und muss auch aktiv an Lehrveranstaltungen teilnehmen. Das Diskutieren in einer kleinen Gruppe ist nicht zu vergleichen mit einer Vorlesung mit 300 Teilnehmenden.

Der Spezialisierungsgrad ist hoch und man wird teilweise für bestimmte Berufsfelder ausgebildet.

Zwettler Zwickl
Waldviertler Sparkasse

 

Nachteile

Ein großer Nachteil ist die geringe Nachfrage am Arbeitsmarkt. Viele Studienabsolvent*innen finden sich nach ihrem Abschluss beim AMS ein. Davon kann dich aber ein klassisches Studium auch nicht zu 100% bewahren.

Wenn du neben dem Studium berufstätig bist, ist es oft schwer genügend Zeit für die Lehrveranstaltungen und Arbeitsaufgaben zu finden.

Die Anonymität auf der Uni ist dir wichtig? In einem Orchideenstudium ist es schwer, dass sich Lehrveranstaltende nicht mehr an dich erinnern. Du kannst nicht so einfach in der Masse abtauchen, weil es keine Masse gibt.

 

Die Kombination machts!

Ein Abschluss eines Orchideenstudiums allein macht die Jobsuche oft nicht sehr einfach. Die Fächerkombination eines Kultur- und Sprachenstudiums mit einem Wirtschaftsstudium z.B. wird dir bei global agierenden Firmen bessere Chancen einräumen als jemand, der ’nur‘ Wirtschaft studiert hat.
Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, bei einer Auswahl von über 2000 Studiengängen gibt es viele Kombinationsmöglichkeiten.

 

Die Berufschancen

Obwohl die Berufschancen allgemein als gering eingeschätzt werden, gibt es doch bestimmte Sparten, welche hauptsächlich von Absolvent*innen von Orchideenstudien belegt werden.
Für eine Arbeitsstelle in einem Museum oder eine Bibliothek oder eine akademische Laufbahn an der Universität hast du in diesen Gebieten große Chancen.
Außerdem werden Geisteswissenschafter*innen immer beliebter bei Firmen, da sie anders und vielleicht auch innovativer denken und frischen Wind in den Arbeitsalltag bringen.

Das Studium der Orientalistik z.B. wird mittlerweile aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen immer wichtiger und öffentliche Einrichtungen wie Ministerien suchen dringend Absolvent*innen.
Richtig viel über andere Kulturen lernt man oft nur im Studium oder in Ausstellungen, welche auch von Fachpersonal geplant werden müssen.
Die Arbeit von Kulturschaffenden und -vermittelnden ist ein großes Gut einer aufgeklärten Gesellschaft.

 

Meine Erfahrungen

Durch Zufälle habe ich meinen Hang zu Orchideenstudien entdeckt und studiere momentan zwei Orchideenstudiengänge an der Uni Wien. Durch meine Erweiterungscurricula habe ich auch schon in andere Studiengänge und große Hörsäle geblickt und die STEOP eines ‚Massenstudiums‘ besucht.
Für mich sind Vorlesungen im Seminarraum – Hörsäle sind viel größer – mit nur höchstens 40 anderen Studierenden angenehm. Ich kann mich dann besser konzentrieren. Mit großer Wahrscheinlichkeit bekommt man einen Sitzplatz und muss nicht auf Stiegen sitzen. Es gibt keine Probleme mit einem Mikrophon, weil man dieses einfach nicht benötigt. Wenn Fragen von Studierenden gestellt werden, hört diese Frage nicht nur der halbe Hörsaal. Knock Out Prüfungen sind nicht notwendig, um die ohnehin schon geringe Anzahl der Student*innen zu verringern. Die Professor*innen und Studierenden haben einen vergleichsweise größeren Austausch und ein persönlicheres Verhältnis, man kennt sich beim Namen und es gibt auch größere Erfolgschancen, wenn man mal eine Anmeldefrist verpasst oder mehr Zeit für eine Aufgabe braucht.
Für mich vereint ein Orchideenstudium die Vorteile von einem Studium an der Uni und dem Studium an der FH. Wie in FHs gibt es kleinere Gruppen und man kann sich auch aktiv an Vorlesungen beteiligen. Die Freiheiten der Universität sind das selbstständige Wählen von Lehrveranstaltungen und dass man sich den Alltag selbst gestalten kann und keinen Stundenplan vorgegeben bekommt.

 

Ein Resümee

Die Auswahl des Studiums fällt oft schwer und der Druck von außen macht die Entscheidung oft nicht leichter.

Egal was du studieren willst, ob du dich erst durch 1000e von Bewerber*innen bei einem Aufnahmetest durchkämpfen willst oder aber auch ein Orchideenstudium wählen willst, von dem die wenigsten wissen, dass man soetwas studieren kann. Das Wichtigste bei der Studienwahl ist, dass du das machst, was dich interessiert.

Mit genug Ehrgeiz, Elan und Flexiblität lässt sich immer ein Job finden und das Leben hat noch viele Möglichkeiten für dich, die du dir jetzt noch gar nicht vorstellen kannst.

Viel Glück bei der Suche!

 
2

veröffentlicht von Carina

3. April 2018

STUDIEREN & ARBEITEN
Du bist noch ratlos, welchen Ausbildungsweg du einschlagen möchtest? Wir zeigen dir bewährte Tipps, wie du dein perfektes Studium finden kannst.