Do it yourself – Hobbyheimwerker in der Stadt // 24.09.17

Deine Bastel-Leidenschaft muss mit dem Umzug nach Wien kein Ende nehmen. Wir zeigen dir, wo Hobbyheimwerker in der Stadt (fast) ungestört werken können.

Ein Umzug nach Wien bringt einige Veränderungen mit sich. Auch was die Hobbys betrifft. Während begeisterte Sportler in der Stadt schnell Alternativen zum ländlichen Sportprogramm finden, tun sich Hobbyheimwerker da etwas schwerer. Ob es wirklich eine gute Idee ist, die Bretter für das neue Blumenkisterl mit der Handkreissäge am Küchentisch zu kürzen? Wie kommt man in Wien überhaupt an Bretter? Und eine Handkreissäge?

Gleich mal vorweg: du musst dein Hobby nicht aufgeben. Aber deine bisherigen Freiheiten etwas einschränken. Der 200m2 Garten und die gut sortierte Werkstatt des heimischen Elternhauses sind in Wien nur schwer zu ersetzen. Aber das wurde den meisten Hobbyheimwerkern wahrscheinlich bei der Wohnungssuche schon bewusst.

Werkbank

pixabay.com// Der Bastel-Leidenschaft kann auch in Wien weiterhin nachgegangen werden

Ich und mein Holz – auch in Wien?

Du spazierst in den Schuppen, die Garage oder die Werkstatt, schnappst dir das notwendige Material für dein Projekt und legst los. Kommt dir bekannt vor? Das kannst du auch weiterhin tun – am Wochenende, wenn du daheim zu Besuch bist. In Wien musst du die Suche nach deinem Bastelmaterial an die örtlichen Gegebenheiten anpassen. Keine Sorge, es ist einfacher als du denkst. Da sich auch unter den Stadtbewohnern viele Hobbyheimwerker tummeln, gibt es passende Geschäfte für deine Ansprüche.

Bevor du in den Shoppingwahn verfällst, solltest du bedenken, dass du mit den Öffis unterwegs bist. Wenn du dir das Geld für ein Taxi sparen möchtest, gilt das Motto: Nur kaufen, was du auch tragen kannst. Im Idealfall denkst du zuhause bereits daran und nimmst genügend Taschen und Sackerl mit. Falls du einen Baumarkt in deiner Nähe hast und etwas Größeres kaufen möchtest, empfiehlt sich eine Sackrodel. Mittlerweile gibt es sie zum Zusammenklappen und aus sehr leichtem Material. Sie eignet sich ideal zum Transportieren – solange man damit keine Öffis betreten muss. Der Einstieg in eine alte Bim oder Schnellbahn (Höhenunterschied) sowie in eine U-Bahn oder einen Bus („Gap“ zwischen Bahnsteig und Innenraum) macht selbst der altbewährten „Sogrodl“ zu schaffen, wenn sie vollbeladen ist.

Baumärkte in Wien

Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, wird früher oder später einen Baumarkt entdecken. Oft sogar ganz in der Nähe. Versteckt zwischen Wohnhäusern und Supermärkten finden sich unscheinbare, kleine Einmannbetriebe, die Werkzeug und Material verkaufen.

Aber auch bekannte Baumarktketten sind in der Stadt vertreten:

  • OBI (6x in Wien; 1x in Wien Vösendorf)
  • Hornbach (1x in Wien; 1x in Brunn am Gebirge)
  • Bauhaus (7x in Wien)

Auf Wunsch wird dir in allen drei Baumärkten dein Holz auch gleich auf die passende Größe zugeschnitten.

Wohnst du im 9. Gemeindebezirk, kannst du dein Material sogar in einem Lagerhaus besorgen. Alle, die im 15. Bezirk oder in U3-Nähe wohnen, haben mit dem Citybaumarkt im Meiselmarkt (U3-Station Johnstraße) einen gut ausgestatteten Fachmarkt. Von der Bohrmaschine über Silikon bis hin zu Möbelbeschlägen – die Grundbedürfnisse des Hobbyheimwerkers werden auf jeden Fall befriedigt. Für einen Preisvergleich in Sachen Werkzeug befindet sich direkt gegenüber ein Conrad Megastore (2x in Wien; 1x in Vösendorf). Für den Werkzeugkauf stehen in Wien auch vier Zgonc-Filialen und eine Filiale in Brunn am Gebirge zur Verfügung.

Wer nicht sehr wählerisch ist, findet mit etwas Glück passendes Material auf Plattformen wie willhaben.at. Pressspannplatten, furnierte Holzplatten oder Regalbretter suchen kostenfrei (Selbstabholung) oder kostengünstig einen neuen Besitzer.

Wo du deine Bastellaune ausleben kannst

Für akute Bastelgelüste empfiehlt sich der Balkon, die Terrasse oder der Garten – sofern die Wohnung Freiflächen besitzt. Tisch lackieren, Bilderrahmen zimmern oder Regal leimen. Wenn das Wetter mitspielt, können Kleinigkeiten einfach nach draußen verlegt werden. Wer keine Scheu vor Zusehern hat, kann kurze Arbeiten auch im Innenhof seines Wohnhauses durchführen. Schon alleine wegen der Staubentwicklung empfiehlt es sich, den Bandschleifer eher draußen als drinnen anzuwerfen.

Viele Wohnungen haben ein zugehöriges Kellerabteil. In modernen Wohnhäusern sind diese gut beleuchtet und haben eine ordentliche Größe. Kleine Bastelarbeiten können mangels Freiflächen auch dort durchgeführt werden.

Für eine professionelle Arbeitsumgebung gibt es in Wien Werkstätten, die an Privatpersonen vermietet werden. Gegen Bezahlung steht einem die Werkstatt inklusive Geräte zur Verfügung. Die Werkstücke können vor Ort zwischengelagert werden, bis sie fertig sind. Ist Basteln und Werken dein einziges Hobby, wirst du am besten Mitglied bei der Werkstatt und erhältst günstigere Konditionen. Werkstätten zur Mitbenutzung findest du hier:

  • 3. Bezirk: Work and Store (Rennweg)
    • Kosten für Mitglieder: € 29,-/Monat
    • Kosten für Nicht-Mitglieder: € 10,-/ 4 Stunden; € 59,-/ 30 Tage
    • Arbeits-/Lagerfläche: 15 Arbeitsplätze; Lagerfläche gegen Entgelt je nach Bedarf zwischen 0,5m² und 50m²
  • 5. Bezirk: Maker Austria (Schönbrunner Straße)
    • Kosten für Mitglieder: zwischen € 10,-/Monat (beschränkt auf einen Wochentag) und € 80,-/Monat (alle Wochentage) – Mindestlaufzeit drei Monate
    • Kosten für Nicht-Mitglieder: Nutzung nur bei einer Mitgliedschaft von mindestens drei Monaten
    • Arbeits-/Lagerfläche: Gesamtfläche von rund 800m², aufgeteilt auf verschiedene Bereiche (Ton, Holz, Laser etc.); Boxen für privates Werkzeug gegen Entgelt; Holz kann kostenfrei in Regalen gelagert werden; Werkstücke finden im allgemeinen Bereich bis zur Fertigstellung ihren Platz
  • 7. Bezirk: Werkimpuls (Kandlgasse)
    • Kosten für Mitglieder: € 65,-/Monat (Mindestlaufzeit drei Monate)
    • Kosten für Nicht-Mitglieder: Nutzung nur bei einer Mitgliedschaft von mindestens drei Monaten
    • Arbeits-/Lagerfläche: nach Auskunft ist man beim Werken oft alleine und ungestört; die Boxen zum privaten Gebrauch messen rund 1x1x2 Meter; Werkstücke können im allgemeinen Bereich zwischengelagert werden
  • 22. Bezirk: Werksalon (Stadlauer Straße)
    • Kosten für Mitglieder: € 99,-/Monat
    • Kosten für Nicht-Mitglieder: € 89,-/Tag oder € 14,-/Stunde
    • Arbeits-/Lagerfläche: mobile Werkbank; Lagerfächer – stehend (3m Höhe) oder liegend (2m Länge) – und weitere Lagerplätze (zB unter einem großen Tisch) gegen Entgelt

Offene Werkstätte

pixabay.com// Offene Werkstätten bieten ein gutes Umfeld zum Basteln und Werken

Vor- und Nachteile der Örtlichkeiten

Basteln daheim

Die Nähe des Balkons, der Terrasse oder des Gartens bietet sich an, kleine Bastelarbeiten dort zu erledigen. Aber mitten in der Stadt und vor allem als einer unter vielen muss man etwas Rücksicht nehmen. Vor 6 Uhr morgens und nach 22 Uhr abends ist Lärm zu vermeiden. Abgesehen von der Lärmbelästigung können geruchsintensive Farben und Lacke für Ärger mit den Nachbarn sorgen. Wenn du mehrmals pro Woche an deinem Bastelprojekt werkst, ist ein Arbeitsplatz in einer Werkstatt besser für dich (und eine gute Nachbarschaft).

Bastelst du im Kellerabteil, ist auch dort die Ruhezeit von 22:00 – 06:00 Uhr zu beachten. Der Geruch von Farbe stört im Keller wahrscheinlich weniger. Du solltest jedoch vorab die Umgebung erkunden. Manche Wohnhäuser haben neben dem Waschraum, der oft im Keller platziert ist, auch einen Raum, um Wäsche zu trocknen. Befindet sich dieser ebenfalls im Keller könnte die Wäsche beim Trocknen den Geruch der Farbe annehmen.

Der Vorteil beim Basteln daheim ist nicht nur die Nähe zur Wohnung sondern auch, dass man die Werkstücke zB zum Trocknen über Nacht liegen lassen kann.

Basteln in der Werkstatt

Werkstätten, in denen man gegen Entgelt werken kann, haben großzügige Ausstattungen mit professionellen Maschinen. Für anspruchsvolle Hobbybastler ist das die ideale Lösung. Die halbfertigen Stücke müssen zwar weggepackt werden, können aber vor Ort gelagert werden. Einige Werkstätten bieten auch Verbrauchsmaterial wie Schrauben und Leim zum Verkauf.

Zu bedenken gilt, dass man sich an Öffnungszeiten halten muss und spontanen Bastellaunen nicht immer nachgegangen werden kann. Alle, die beim Werken gerne ungestört sind, fühlen sich in einer Werkstatt neben anderen Hobbybastlern vielleicht eingeschränkt. Hinzu kommen die Kosten, die für die Mitgliedschaft oder das Tages-/Stundenticket anfallen.

Einfach ausprobieren

Um herauszufinden, welche Lösung für dich die Beste ist, einfach mit einem kleinen Projekt starten und die Möglichkeiten ausprobieren. So findest du bestimmt schnell die idealen Bedingungen, um deine Bastel-Leidenschaft auch in der Stadt auszuleben.

veröffentlicht von Kerstin

“Ist in einem kleinen Dorf im Waldviertel aufgewachsen und mit 19 Jahren der Arbeit wegen nach Wien gekommen. Erkundet die Stadt am liebsten zu Fuß bei spontanen Spaziergängen quer durch Wien.”