Lehramtsstudien in Wien - Ein Guide // 27.07.17

Alljenige, die sich für Lehramtsstudien in Wien interessieren, wissen, dass es im Vorhinein viel Unklarheiten diesbezüglich geben kann. Alle wichtigen Facts zu den Studienrichtungen, die sich mit einem Lehramt verbinden lassen, findest du hier.

LehrerIn ist ein Beruf, den viele junge, zum Teil aber auch ältere Menschen anstreben. In Österreich gibt es verschiedene Institutionen, in denen der Lehrberuf erlernt werden kann. Welche Einrichtungen in Wien zu finden sind und warum man mittlerweile als Waldviertler auch das NMS-Lehramtsstudium nur mehr in den Großstädten absolvieren kann? Der Guide für die Lehramtsstudien in Wien soll das näher erläutern.

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Lehramtsstudien in Wien

Die Studienwahl ist bekanntlich eine der schwierigsten Entscheidungen, die man treffen muss (beziehungsweise kann), wenn man mit der Matura fertig ist. Mir persönlich erging es gleich; ich entschied mich nach einem Semester, das Studium zu wechseln. Von Theater-, Film- und Medienwissenschaften zum Lehramtsstudium für Sekundarstufe I (im Konkreten bedeutet das für die Neue Mittelschule) in Deutsch und Biologie. Für Interessenten der Lehramtsstudien in Wien gibt es hier einen kleinen Überblick und wichtige Tipps.

Änderungen in der Ausbildung

Veränderungen gibt es vor allem im Bereich Schule sehr viel. Das betrifft auch immer wieder die Ausbildungsanstalten für Lehrkräfte. Früher gab es Volksschulen, Hauptschulen, Gymnasien, berufsbildende Schulen und weiterführende höhere Schulen. An den ‚Pädagogischen Akademien‘ konnte man den Lehrberuf für die Volksschule und Hauptschule und zum Teil auch für die berufsbildenden Schulen erlernen. Gymnasiallehrende beziehungsweise Lehrkräfte für weiterführende Schulen mussten an den Hauptuniversitäten auf Lehramt studieren.

Die ‚Pädaks‘ wurden zu pädagogischen Hochschulen, die Studierenden schlossen von nun an mit dem Titel „Bachelor of Education“ in 6 Semestern ab. Doch auch hier gab es in den letzten Jahren Umwälzungen.

Veränderungen in den Lehramtsstudien in Wien

Ob Veränderung immer gut ist, ist nicht immer von Anfang an klar ersichtlich. In der LehrerInnenausbildung bedeuten die Veränderungen zum einen Undurchsichtigkeit am ersten Blick, zum anderen mehr Möglichkeiten nach Studienende. Ganz zu schweigen von den zusätzlichen Verdienstmöglichkeiten.
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Institutionen, die ein Lehramtsstudium anbieten

In Wien, aber auch in Niederösterreich gibt es verschiedene Einrichtungen, die Lehramtsstudien anbieten. Ein Überblick darüber, soll das Verständnis erleichtern.

Primarstufe – Volksschule

Beginnen wir an dieser Stelle von vorne und widmen uns am Anfang dem Lehramtsstudium für die Primarstufe, also dem Lehramt für Volksschulen. Dieses Studium wurde umstrukturiert und dauert seit wenigen Jahren 8 Semester. Das bedeutet, dass man 240 ECTS erreichen muss, um mit dem Titel „Bachelor“ abzuschließen. Damit verpflichtet man sich allerdings, ein weiteres Jahr zu studieren und den Master dranzuhängen – das muss aber nicht unmittelbar nach dem Bachelorabschluss geschehen. Nur mit dem Master (im Master muss man einen Schwerpunkt setzen) kommt man zum Lehramtszeugnis und kann schlussendlich dauerhaft an Volksschulen unterrichten. Die Arbeit in der Volksschule ist sehr vielfältig. Hier muss von Mathematik, über Deutsch und Englisch, auch gezeichnet und musiziert werden können. Informiere dich also ausreichend über die Aufnahmekriterien für die Primarstufe. Folgende Institutionen bieten Lehramtsstudien in Wien für die Primarstufe an.

KPH Wien/Krems

Die Kirchlich Pädagogische Hochschule in Strebersdorf (21. Bezirk) bietet das 8-semestrige Bachelorstudium und darauf aufbauend auch das Masterstudium für die Primarstufe an. Informiere dich auf der Homepage unter dem Punkt „Studieren“ über die Aufnahmekriterien und das Curriculum des Studiums.

PH Wien

Die Pädagogische Hochschule in Favoriten (10. Bezirk) bietet ebenfalls ein 8-semestriges Bachelorstudium in Verbindung mit dem Masterstudium für das Volksschullehramt an. Auch hier hilft ein Blick auf die Homepage, um sich über das Curriculum und die ersten wichtigen Schritte zu informieren.

Sehr vielfältig ist das Primarstufenstudium

Die Primarstufe prägt Kinder wesentlich. Gerade deshalb ist es der Wunsch vieler Menschen, die besonders Jungen zu unterrichten. Das Primarstufenstudium ist wohl einer der vielfältigsten Lehramtstudiengänge.
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Sekundarstufe Allgemeinbildung – APS, AHS, BMHS und ASO

Die Neue Mittelschule ist heute das, was früher die Hauptschule war und fällt unter den Begriff APS (Allgemeinbildende Pflichtschulen). Gravierend ist hier der Unterschied, dass es keine Leistungsgruppen mehr gibt. Seit dem Wintersemester 2016/2017 hat sich auch dieser Studiengang ausschlaggebend verändert und wird nur mehr in Verbindung mit einem Lehramtsstudium an der Hauptuni angeboten – das bedeutet, dass es kein eigenes Studium mehr für die Neue Mittelschule gibt. Mit dem Studium „Sekundarstufe Allgemeinbildung“ kann man an Neuen Mittelschulen (NMS), Allgemeinbildenden höheren Schule (AHS), Berufsbildende mittlere oder höhere Schule (BMHS), Polytechnischen Schulen (PTS) und Allgemeinen Sonderschulen (ASO) unterrichten. Das bedeutet, dass es eigentlich keinen Unterschied mehr zwischen den verschiedenen Sekundarstufenstudien gibt und alle Studien 5 Jahre dauern.

Informationen zur Studienrichtung „Sekundarstufe Allgemeinbildung“

Das alles klingt ganz schön kompliziert. Das ist es auch auf den ersten Blick.
Wie bei der Primarstufe, verpflichtet man sich beim Studium für die Sekundarstufen I und II ein 8-semestriges Bachelorstudium mit anschließendem 1-jährigen Masterstudiengang einzugehen (auch hier muss der Master nicht direkt angeschlossen werden, es empfiehlt sich aber, da man so am schnellsten fertig ist). Mit dem Bachelor kann man zwar bereits auch unterrichten, verdient aber weniger und darf „nur“ in der Sekundarstufe I (NMS und Gymnasium Unterstufe) lehren. Dabei kann man aber aus einer Vielzahl von Unterrichtsgegenständen wählen. Diverse Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Ungarisch, Latein, etc.) können mit Fächern wie Physik & Chemie, Biologie oder zum Beispiel Haushaltsökonomie und Ernährung kombiniert werden. Einen ausführlichen Überblick über diverse Fächerkombinationen und deren Voraussetzung findet man in Infobroschüren der Hauptuni Wien. Hier findest du auch Infos, wie du zum Studium aufgenommen wirst und welche Voraussetzungen du erfüllen musst.

Das Lehramtsstudium „Sekundarstufe Allgemeinbildung“ und ihre Institutionen

Erste Anlaufstelle für Studieninteressierte ist auf jeden Fall die Hauptuni Wien. Jedoch ist Weiterbildung im Lehrberuf sehr wichtig. Deswegen bieten in Wien verschiedene Institutionen diverse Aufbau-, aber auch Masterlehrgänge an, über die man sich, wenn man ein Lehramtsstudium beginnt, informieren sollte. Folgende Institutionen arbeiten in Kooperation mit der Hauptuni Wien.

  • Die KPH Wien/Krems bietet sich an, wenn man sich auf Religion und/oder Pädagogik spezialisieren will.

  • Die PH NÖ erschließt vor allem neue Wege in Sachen „Inklusive Pädagogik“.

  • Die PH Wien bietet einen Lehrgang für FreizeitpädagogInnen an.

"Alggeminbildende Sekundarstufe" ist sehr vielfältig.

Sehr vielfältig ist das Angebot des Studiengangs „Allgemeinbildende Sekundarstufe“. Wenn der Wunsch zu unterrichten da ist, sollte sich hier für jede und jeden etwas finden lassen.
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Weitere Lehramtsstudien in Wien

In der österreichischen Hauptstadt lassen sich einige Universitäten finden, die ein eigenes Lehramtsstudium mit spezifischen Spezialisierungen anbieten. Eine kleine Auflistung soll einen Überblick über die zusätzlichen Lehramtsstudien in Wien geben.

  • Die Universität für angewandte Kunst bietet eigene Bachelor- und Masterstudiengänge an. An dieser Stelle muss wohl nicht weiter erwähnt werden, dass hier die künstlerische Praxis und Theorie im Vordergrund steht. Aber Achtung: Zuerst musst du hier aufgenommen werden.

  • Die Technische Universität bietet ein eigens konzipiertes Lehramtsstudium für „Darstellende Geometrie“ an. Wegen der großen Umstellung in Sachen Lehramtsstudien geschieht das aber bereits in Verbindung mit der Uni Wien.

Kompliziert. So könnte man die ersten Eindrücke schildern, wenn man sich die Lehramtsstudien in Wien genauer ansieht. Die Infobroschüren und hilfreichen Websides erleichtern das Recherchieren und Informationen sammeln jedoch immens.

Was bedeuten die Änderungen in den Lehramtsstudien konkret?

  • Zum einen: Akademisierung. Die Lehramtsstudien in Wien werden angepasst und gleichgestellt; man munkelt, dass in ungewisser Zukunft die Gesamtschule eingeführt werden soll und alle LehrerInnen dasselbe können und wissen sollen.

  • Weniger Praxiseinheiten in den Sekundarstufen: Die Hochschulen haben sich durch die wöchentlichen Praxiseinheiten ausgezeichnet. Diese fallen nun größtenteils weg. Viele Sekundarstufenstudierende machen ihre Praxiserfahrungen erst kurz vor Studienende.

  • Längere Studienzeit: Das 8-semestrige Studium setzt voraus, den 2-semestrigen Masterlehrgang zu belegen. Nur so kommt man schlussendlich zum Lehramtszeugnis, das für das Unterrichten bei den Landesschulräten beziehungsweise dem Stadtschulrat vorgelegt werden muss.

  • Mehr Geld: Je höher der Abschluss, desto bessere Verdienstmöglichkeiten.

  • Weniger Lehrende in den NMSn? Eine Befürchtung, die sich durchaus Bewahrheiten könnte. In der Neuen Mittelschule ist der Verdienst im Vergleich zu Allgemeinbildenden Höheren Schulen geringer. Es werden wohl die meisten ausgebildeten Lehrkräfte der „Allgemeinbildung Sekundarstufe“ dazu tendieren, in eine AHS zu kommen.

Die bald Graduierten der "neuen" Lehramtstudien in Wien sind jetzt noch fleißig am studieren.

Die „neuen“ Lehramtsstudien haben gerade erst begonnen. Wie sich die Graduierten dann im schulischen Alltag einbinden und wie ihre Erfahrungen sein werden, kann erst in den kommenden 1-2 Jahren gesagt werden.
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Persönliche Erfahrungen von Waldviertler Lehramtsstudierenden

Lisa, 23, alte Primarstufe

Ich habe das Studieren an der KPH in Wien als sehr angenehm empfunden. Das tägliche Pendeln nach Strebersdorf war zwar manchmal etwas nervig, jedoch war man dafür im Grünen und konnte auch an der Hochschule gut entspannen. Für mich waren besonders die Praxiseinheiten spannend, weil man sich da als Lehrerin ausprobieren konnte und die ersten Erfahrungen in den Klassenräumen sammeln durfte. Außerdem wuchsen einem die Kinder nach einem halben Jahr doch irgendwie ans Herz. Ich freue mich jetzt auf mein erstes Dienstjahr und bin schon gespannt, welche Unterschiede sich zu den Studieredenen, die gerade das neue Lehramtsstudium der Volksschule bestreiten, zeigen werden.

Benjamin, 25, alte Sekundarstufe I

Der Beginn an der KPH in Strebersdorf war für mich besonders spannend. Ich wusste ja nicht wirklich was da auf mich zukam. Neue Menschen und ein komplett neues Studium, in dem ich eigentlich keine Erfahrungen hatte. Geplagt habe ich mich im Studium selber eigentlich nicht. Am spannendsten waren für mich die Didaktikeinheiten. Die Lehre über das Lehren klingt zwar nicht sonderlich spannend, hat mich aber sehr interessiert. Spannend war für mich in den Praxiseinheiten vor allem die Vielfalt an den Schulen in Wien und wie diese ausgelebt wird. Ich bin sehr froh, dass ich noch das 6-semestrige Studium abschließen durfte (ich war im vorletzten Jahrgang des alten Studiums) und bin gespannt, wie sich das Schulwesen weiter entwickeln wird.

Sabine, 27, alte Sekundarstufe II

Mein Plan ist es, an einem Gymnasium zu unterrichten. Ich beginne jetzt das 4. Jahr an der Hauptuni, brauche wohl aber noch 2 weitere. Ich finde es ein wenig schade, dass wir bis jetzt nur hospitieren (Anm.: Bereits Lehrende beim Unterrichten beobachten und protokollieren) durften und nicht selber vor der Klasse stehen konnten. Ich muss an dieser Stelle aber auch gestehen, dass ich davor etwas Respekt habe und uns auch immer wieder gesagt wird, dass es nicht einfach ist, eine Klasse im Zaum zu halten. Das Studium selbst gefällt mir sehr gut, auch wenn es, wie bereits erwähnt, etwas theorielastig ist. Am meisten interessiert mich dabei Geschichte. Mein Erstfach ist Französisch. Ich hoffe sehr, dass ich in den kommenden Semestern auch unterrichten darf und freue mich auf diese Erfahrungen.

 

 

 

veröffentlicht von benji

“25 Jahre. Geboren in Zwettl.
Seit 2013 in Wien.
Im Waldviertel schätzt er die Natur;
In Wien die Urbanität.”