Landstraße - der 3. Wiener Gemeindebezirk // 03.07.17

Zwischen Ring und Südosttangente: Tauch ein mit uns in den dritten Wiener Gemeindebezirk Landstraße und erfahre, was ihn ausmacht.

Botschafter, Hundertwasser, Belvedere aber auch Erdberg, Südosttangente und die S-Bahn-Stammstrecke. Der dritte Wiener Gemeindebezirk hat einerseits prunkvolle Gebäude und Parks zu bieten, andererseits ganz gewöhnliche Wohngegenden und Verkehrsknotenpunkte.

Grenzen und Grätzeln

Begrenzt wird die Landstraße im Nordwesten vom Ring, im Westen vom Belvederegarten und der Bahnstrecke Richtung Süden, im Nordosten und Osten vom Donaukanal und im Süden von der Südosttangente und dem Gebiet rund um das Gasometer.

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Die Landstraße liegt südöstlich vom Stadtzentrum. Quelle: wiki voyage.

Weißgerber

Das nördlichste Zipferl des Bezirks bildet das Weißgerberviertel. Der Name lässt es schon vermuten, hier haben früher Gerber gearbeitet, die man aus der Innenstadt vertrieben hat, weil ihr Handwerk mit einer unbeliebten Duftnote verbunden war. Davon ist heute natürlich nichts mehr zu spüren, umso mehr kann man dafür aber den Einfluss des Künstlers Friedensreich Hundertwasser spüren. Drei der vier Hundertwasser-Bauten in Wien liegen in diesem Stadtteil, das Hundertwasserhaus selbst, das Kunsthaus Wien und das Village. Ein Muss für Kunstfans!

Erdberg und Erdberger Mais

Weiter im Südosten liegt der Stadtteil Erdberg. Bekannt ist dir diese Gegend bestimmt, wenn du schon einmal einen Fernbus in eine andere Stadt genommen hast, in der Arena feiern warst oder als FH-Student erst eine Berechtigungskarte im Wiener-Linien-Center beantragen musstest, bevor du dein Semesterticket bekommen hast. Ein großer Teil dieses Gebiets besteht aus Betriebsflächen, ansonsten finden sich große Wohnbauten hier. Den östlichsten Teil macht der Stadtteil Erdberger Mais aus. Nein, hier geht es nicht um Kukuruz, „Mais“ ist ein altes Wort für Jungwald, von dem bis in unsere Tage aber so gut wie nichts geblieben ist.

Landstraße

Namengebend für den Bezirk ist das Viertel Landstraße. Hier findest du viele repräsentative Bauten, zahlreiche Botschaften haben sich in dieser Gegend angesiedelt, das Schloss Belvedere lässt dich barocken Prunk erleben. Schön anzusehen ist auch der Belvederegarten, mit dem Stadtpark oder dem botanischen Garten kann das Grätzel mit vielen gepflegten Grünflächen auftrumpfen.

Fasanviertel

Auch wenn es vielleicht kurios klingt, der Name dieses Stadtviertels kommt von der Liebe zu Bier. Genauer gesagt von der Liebe zum Biergasthof „Zum Fasan“, der sich in der Fasangasse befindet. Kulinarisch gibt es im Grätzel ein paar einladende Geschäfte und Restaurants zu entdecken, wer sein Essen lieber selbst mitbringt, macht es sich am besten mit einer Picknickdecke im Schweizergarten gemütlich.

St. Marx

Straßennamen wie Schlachthausgasse oder Viehmarktgasse erinnern noch daran, dass hier bis in die 1990er Fleischproduktion und Viehhandel ansässig waren. Sankt Marx ist ein Stadtteil, der sich momentan stark entwickelt, in den letzten Jahren entstanden viele neue Wohnungen und Betriebsgebiete. Der Name des Grätzels hat übrigens nichts mit Kommunismus zu tun. Ab dem 13. Jahrhundert gab es hier ein Krankenhaus mit einer Sankt Markus-Kapelle, die namensgebend für die Gegend wurde.

Aspanggründe/Eurogate

Auf dem Gebiet des ehemaligen Aspang-Bahnhofes entsteht seit 2011 ein neues Wohnviertel. Das Stadterneuerungsprojekt versucht auf Niedrigenergie zu setzen, durch Initiativen wie Gemeinschaftsgärten versucht man, die Bewohner näher zusammen zu bringen.

Typisch Landstraße

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Touristenmagnet und Staatsvertragsunterzeichnungsstätte: das Schloss Belvedere im dritten Bezirk.

Die Landstraße ist ein Bezirk der Gegensätze. In der östlichen Hälfte finden sich einfache Wohngegenden mit modernen Bauten, im Westen siedeln sich Botschaften rund um alte Prunkbauten an. Ein gutes Sechstel aller offiziellen ausländischen Vertretungen in Wien findet sich im dritten Bezirk, mehr als in allen anderen Bezirken. Fast zwei Drittel der Gebäude im Bezirk sind Altbauten, die Zahl der Neubauten nimmt aber rasant zu. Auf der einen Seite gibt es zahlreiche Parks, im Norden und Osten kann man es sich auch am Donaukanal gemütlich machen. Andererseits ist fast ein Drittel der Bezirksfläche dem Verkehr gewidmet: 48 Kilometer Radwege, 6000 Quadratmeter Fußgängerzone, die S-Bahn-Stammstrecke, zwei U-Bahn-Linien und der City Airport Train finden sich im Dritten. Auch in religiöser Hinsicht zeigt sich die Landstraße vielfältig. Katholische, evangelische, anglikanische, armenische, russisch-orthodoxe und serbisch orthodoxe Gotteshäuser finden sich im Bezirk, mehr Gotteshäuser von verschiedenen zugelassenen Religionsgemeinschaften gibt es in keinem anderen Bezirk.

Der Dritte belegt Platz drei bei der Anzahl der Gästenächtigungen, übertrumpft wird er nur vom ersten und zweiten Bezirk. Hundertwasserhaus, Belvedere und Co. sind sicher „schuld“ daran. Wirtschaftlich steht die Landstraße recht gut da, das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei 107% des mittleren Wiener Einkommens. Der Bezirk nimmt zwar nur 2% der Stadtfläche ein, dafür finden sich hier aber 7% aller Unternehmen und Arbeitsstätten. Banken, Anwaltskanzleien oder aber auch der Rechnungshof haben ihren Sitz im Dritten. Dennoch erreichte die Bevölkerungszahl im Jahr 2001 einen Tiefstand – der Bezirk war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts also nicht gerade sehr beliebt bei den Wienern. In den letzten Jahren wird die Gegend aber wieder beliebter, bis 2034 könnte die Bevölkerung fast um ein Fünftel wachsen.

Keltische Funde, Türkenbelagerungen und Viehindustrie

Den dritten Wiener Gemeindebezirk in seiner heutigen Form gibt es seit 1850, als bei der ersten Stadterweiterung ehemalige Vorstädte eingegliedert wurden. Das Gebiet war schon lange Zeit bewohnt, keltische Funde aus der Zeit um das Jahr null sind Beweis dafür. Später errichteten die Römer hier eine Zivilstadt, die zum Militärlager Vindobona gehörte. Wenn deine Wohnung im Bereich des Aspangbahnhofes liegt, wohnst du ziemlich genau dort, wo sich die Römer früher niedergelassen haben. In den darauffolgenden Jahrhunderten musste das Gebiet mit einigen schweren Zerstörungen fertig werden, unter anderem in der Zeit der Türkenbelagerung. Deshalb gibt es auch kein Gebäude, das aus der Zeit vor 1683 stammt – mit Ausnahme der Rochuskirche, die die Belagerung überstanden hat.

Später begann die Industrie aufzublühen. Neben dem regen Viehhandel in St. Marx und den Gerbern im Norden des Bezirkes gab es ebenfalls eine Zuckerraffinerie, Kleiderhäuser, Schneider, Tuchfabriken, Buchdruckereien, Spiegelfabriken und viele weitere. Viele alte Fabriksgebäude kannst du heute noch sehen, sie gehören eindeutig zum Charme des Bezirks. Von der Regulierung des Wienflusses und dem Bau der Stadtbahn profitierte die Landstraße, die Stadtbahn verlief im Norden des Bezirkes im Bereich der heutigen U4. In der jüngeren Zeit wurde der Bezirk vor allem durch den Bau der U3 sowie durch Einkaufszentren und Verwaltungsgebäude belebt.

Wohnen im dritten Bezirk

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Viele Altbauten prägen die meisten Wohngegenden der Landstraße.

Im Bezirksvergleich der höchsten Mietpreise landet die Landstraße auf Platz 7 – ein Quadratmeter Wohnfläche kostet hier im Schnitt 15,50 Euro pro Monat. Einwohner des Bezirks jammern über steigende Mietpreise, wie das auch in andern Teilen der Stadt der Fall ist. Mehr als 88.000 Menschen wohnen in 46.000 Wohnungen, fast die Hälfte davon sind dabei Singlehaushalte, 28% leben zu zweit und knapp über 23% der Haushalte bestehen aus mehr als zwei Personen. Einer Person stehen durchschnittlich 42 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung.

Beliebt ist der dritte Bezirk zum Wohnen auf jeden Fall. Er vermittelt ähnliches Großstadtflair wie die hippen Bezirke Mariahilf oder Neubau, ist aber doch ein bisschen günstiger. Dank der U3 und der Schnellbahn kommst du rasch in andere Teile der Stadt, auch veranstaltungstechnisch gibt es einiges zu entdecken.

Unsere Tipps für die Landstraße

Wenn du dich auf eine kleine Entdeckungstour durch den Bezirk begeben willst, gibt es einige Dinge, die du dir auf keinen Fall entgehen lassen solltest. Flexibel, was die Jahreszeiten anbelangt, zeigt sich die Freizeitgestaltung am Heumarkt. Im Winter heißt es hier Eislaufen beim Wiener Eislaufverein, im Sommer kannst du bei Sand in the City ein kleines bisschen Urlaub gönnen. Für Musikliebhaber und Newcomer gibt es im Viper Room die Möglichkeit, neue musikalische Talente kennenzulernen oder auch sein eigenes Talent auf der Bühne unter Beweis zu stellen. Wenn ihr eher gerne knifflige Rätsel knackt, steht euch der Sinn vielleicht nach einem „Escape the Room„-Spiel. Für die Naschkatzen unter euch gibt es seit neuestem mit dem macaroom eine breite Auswahl französische Macarons in der Landstraße zu ergattern.

veröffentlicht von Carina

“21 Jahre jung, studiert seit Herbst 2014 in Wien, lebt auch zur Hälfte dort. Liebt Reisen, die Natur im Waldviertel und das Schreiben.”