Wieden - der 4. Wiener Gemeindebezirk // 17.07.17

Vom Karlsplatz bis zum Hauptbahnhof: Wir waren für euch im vierten Wiener Gemeindebezirk unterwegs und haben spannende Infos über die Wieden gesammelt.

Was verbindest du mit dem vierten Bezirk? Vielleicht die Technische Universität Wien, die hier ihren Sitz hat. Vielleicht die vielen Restaurants, Cafés oder Bars, die eine bunte Mischung darstellen. Oder vielleicht Botschaften, Arbeiter- und Wirtschaftskammer. Die Wieden ist einer der kleineren Bezirke und ein typischer innerer Bezirk: wenig Fläche, dicht besiedelt, gute Infrastruktur.

Von hier aus hast du es nicht weit zu einigen wichtigen und beliebten Plätzen Wiens. Innenstadt, Naschmarkt, Hauptbahnhof und Belvedere sind leicht zu Fuß zu erreichen, je nachdem, auf welchem Fleckchen du genau wohnst. Es scheint, als ob Wieden nah zu allem liegt. Viele bekannte Plätze oder Sehenswürdigkeiten gibt es im Bezirk selbst aber nicht. Gut, da ist der Karlsplatz mit der Karlskirche und dem angrenzenden Wien Museum, aber sonst nicht besonders viel. Das lässt den Bezirk zurückhaltend wirken. Genau diese Zurückhaltung und die praktische Lage machen die Wieden für ihre Bewohner aber zu einem dankbaren Wohnbezirk.

Übrigens: Der Name „Wieden“ mag vielleicht etwas seltsam klingen. Noch seltsamer für deine Waldviertler Ohren klingt vielleicht der Ausdruck „auf der Wieden“. Wer nämlich sagt, er wohnt „in“ Wieden, outet sich sofort als Zuagroaster, Ur-Wiener wohnen strikt „auf der“ Wieden.

Grenzen und Grätzeln

Die Wieden liegt südlich des ersten Bezirks innerhalb des Gürtels. Im Norden bildet der Karlsplatz die Grenze zum ersten Bezirk, im Osten geht es weiter über den Schwarzenbergplatz und die Prinz-Eugen-Straße am Belvedere vorbei bis zum Gürtel. Über den Wiedner Gürtel und den Südtiroler Platz am Hauptbahnhof verläuft die Grenze zum zehnten Bezirk. Im Südwesten grenzt Wieden an den fünften Bezirk, die Grenze verläuft im Bereich der Blechturmgasse, Ziegelofengasse, des Mittersteigs und über die Kleine Neugasse und Kettenbrückengasse bis zur Wienzeile. Die rechte Wienzeile grenzt Wieden vom sechsten Bezirk ab und schließt die Grenze bis zum Karlsplatz. Dir war das etwas zu viel? Dann wirf einfach einen Blick auf unsere Karte.

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Wieden liegt zwischen einigen wichtigen Punkten der Stadt. Quelle: Google Maps.

Freihaus- und Schleifmühlviertel

Im Norwesten des Bezirks findet sich das Freihaus- und Schleifmühlviertel. Bei den TUlern unter euch klingelt es sicher beim Begriff Freihaus – so heißt eines der Gebäude der TU am Karlsplatz. Früher stand hier ein riesiger Wohnkomplex namens Freihaus, der 1937 abgerissen wurde und seinen Namen an das neue TU-Gebäude vererbte. Die Schleifmühlgasse ist gesäumt von vielen Cafés und Restaurants und führt direkt zum angrenzenden Naschmarkt. Früher gehörte der Naschmarkt selbst auch zur Wieden, nach einer Umstrukturierung wurde er aber dem sechsten Bezirk zugeordnet.

Gußhaus- und Paulanerviertel

Gußhaus- und Paulanerviertel heißt das Gebiet vom Karlsplatz und Resselpark ausgehend Richtung Süden.  Der Karlsplatz ist einer der Hotspots des Bezirks, hier finden im Sommer etwa ein gratis Filmfestival (wieder ab 2018) oder das Popfest Wien statt. Auch finden sich hier eine bunte Lokalszene, viele Hotels und einige wichtige Gebäude der Technischen Universität.

Elisabethviertel

Den (Süd-)Osten des Bezirks nimmt das Elisabethviertel ein. Hier finden sich viele Botschaften, das macht das Viertel zu einer relativ noblen Wohngegend. Einen großen Teil davon macht das Theresianum aus, eine Stiftung mit Kindergarten, Volksschule und Gymnasium. In Kritk steht das Areal immer wieder, da es die Verbindung zwischen Favoritenstraße und Argentinierstraße unterbricht und ein öffentlicher Durchgang nicht gestattet wird.

Schaumburgergrund und Hungelbrunn

Der Schaumburgergrund und Hungelbrunn waren einstige Vorstädte von Wien. Die Namen der Grätzel sind bis heute erhalten geblieben, verwendet werden sie aber nur mehr eher selten. Durch die Nähe zum neuen Hauptbahnhof haben ein paar Ecken in den letzten Jahren eine Aufwertung erfahren. Das Gebiet ist im Grunde Wohngebiet, im Grätzel befinden sich auch zwei der größeren Parkanlagen der Wieden.

Typisch Wieden – das gibt’s nur hier

Großes Aushängeschild des Bezirks: die Karlskirche.

Wenig grün aber eine gute Infrastruktur machen den Bezirk aus. Es gibt in Wieden zwar elf städtische Parkanlagen, Grünflächen nehmen aber nur zehn Prozent des Bezirks ein. Die Wiedner wissen sich da aber zu helfen: Etwa durch den Gartenhofverein Planquadrat, wo mehrere öffentlich zugängliche Innenhöfe zusammengelegt und begrünt wurden. Sehr beliebt – auch unter Studenten – ist der Resselpark am Karlsplatz. Hier ist ständig etwas los, von kulturellen Veranstaltungen über den beliebten Adventmarkt bis hin zu spontanen Straßenmusikern.

Vielleicht kommst du bei deinen täglichen Wegen von A nach B durch den vierten Bezirk durch. Mit dem Karlsplatz liegt hier nämlich die größte U-Bahn-Station Wiens. Die Station ist  gleichzeitig der wichtigste Verkehrsknotenpunkt des Bezirks: Von hier aus geht es nicht nur mit der U-Bahn, sondern auch mit zahlreichen Straßenbahnlinien oder mit der Badner Bahn rasch in alle Ecken der Stadt. Die gute Infrastruktur zeigt sich auch in der Anzahl an Schulen, Arbeitsstätten und Arztpraxen. Bedenkt man die Größe und Einwohnerzahl des Bezirks, ist die Wieden hier im Bezirksvergleich wirklich gut mit dabei. Das Jahreslohnniveau im Bezirk liegt übrigens auf gesamt Wien bezogen mehr als 3.000 Euro über dem Durchschnitt. Die Wiedner gehören somit – rein statistisch betrachtet natürlich – eindeutig zu den reicheren Bewohnern Wiens.

Ein Bezirk im ständigen Wandel

Wieden wurde bereits im frühen 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Wie andere Bezirke auch, wurde das Gebiet über die Jahrhunderte hinweg zweimal belagert und zerstört. Trotzdem herrschte eine rege Bautätigkeit. Brücken, Kirchen, Wohnhäuser entstanden, vieles davon ist bis in die heutige Zeit geblieben. Vor allem die Karlskirche erinnert als eine der wichtigsten Barockkirchen Österreichs eindrucksvoll an den Prunk früherer Zeiten.

Im 19. Jahrhundert standen wichtige Veränderungen für den Bezirk an. Einerseits gründete man das Polytechnikum, die heutige Technische Universität. Frühere Vorstädte wurden zum vierten Bezirk zusammengefasst, durch den Abbruch der Stadtmauer um den ersten Bezirk wurde der Kontakt zum Zentrum einfacher. Einige Jahre später wurde auch die Stadtbahn gebaut und band den Bezirk mit dem Karlsplatz und der Kettenbrückengasse an das öffentliche Verkehrsnetz an.

Das Gebiet des vierten Bezirks hat sich über die Jahre verändert. Schon kurze Zeit nach der Gründung der Wieden wurden Teile davon zum fünften und zum zehnten Bezirk erklärt. Aber auch erst in den letzten Jahren hat sich der Bezirk verändert. Die Grenze zum sechsten Bezirk verlief vor 2009 direkt durch den Naschmarkt durch, zur Vereinheitlichung wurde das ganze Marktgebiet dem sechsten Bezirk zugeteilt. Wenn du den Naschmarkt mit seinen Köstlichkeiten kennst, fragst du dich vielleicht, wie man ihn einfach so hergeben kann. Wieden hat im Ausgleich dafür an anderen Stellen gewachsen. Dank der neuen Grenzziehung liegt nun der gesamte Resselpark am Karlsplatz im vierten Bezirk, auch im Süden sind Teile des zehnten Bezirks wieder zu Wieden gekommen. Dadurch hat sich der Bezirk auch wichtiges Mitspracherecht bei der Errichtung des Hauptbahnhofs gesichert.

Wohnen im vierten Bezirk

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Wer im vierten Bezirk wohnt, lebt zugegebenermaßen in attraktiver Nachbarschaft. Die Infrastruktur ist top und es gibt in den angrenzenden Gegenden viel zu entdecken. Wieden selbst kann einem da vielleicht sogar fast etwas unspektakulär vorkommen, im Vergleich zu anderen Bezirken sticht wirklich wenig hervor. Das macht den Bezirk auf der anderen Seite etwas ruhiger als andere Innenstadtbezirke, mit großen Touristenansammlungen muss man beispielsweise nur bei der Karlskirche rechnen. Der Bezirk ist einfach „praktisch“ zum Wohnen.

Die durchschnittlichen Mietpreise besetzen Platz fünf im Wien-Ranking der teuersten Mieten. Für einen Quadratmeter legst du im Schnitt 15,64 Euro hin. Wohnungen sind durchschnittlich 84 Quadratmeter groß, einer Person stehen dabei durchgerechnet 48 Quadratmeter zur Verfügung. Wenn du durch den Bezirk spazierst, werden dir vermutlich die vielen Altbauten auffallen. Fast zwei Drittel aller Häuser sind sogenannte Gründerzeithäuser, das bedeutet, vor 1918 gebaut. Prunkvolle Stuckfassaden nach außen, dicke Wände und hohe Decken sind für Wohnungen in solchen Häusern üblich.

Unsere Tipps für Wieden

Typisch für Wieden sind die zahlreichen, vielfältigen Lokale. Ein Tipp für hochwertige Speisen aus nachhaltiger Produktion mit einzigartigem Konzept ist das Heuer am Karlsplatz. Solltest du hingegen mitten in der Nacht Hunger bekommen, empfehlen wir dir das Goodman, das erst um 2 Uhr früh aufsperrt und dich nach dem Feiern mit Köstlichkeiten wie Gulasch verwöhnt. Ebenfalls für Nachtschwärmer interessant ist das Four Belles, wo es sich auch gut Geburtstag feiern lässt. Steht dir der Sinn eher nach Süßem, solltest du dir die Vollpension nicht entgehen lassen. Hier lautet das Konzept „wie bei der Oma daheim“, im Café arbeiten Omas und Opas in der Küche und hinter der Schank. Wer bei Mehlspeisfreuden auf gewisse Dinge aufpassen muss, ist vielleicht im Allergikercafé besser aufgehoben. Sehnst du dich eher nach etwas Kultur, statte am besten dem Wien Museum einen Besuch ab, wenn du weißt wie, sogar gratis. Ebenfalls am Karlsplatz etabliert sich eine Skateboardszene, die für die Sportlichen unter euch sicher spannend ist. Na, Lust bekommen? Wieden wartet darauf, von dir entdeckt zu werden!

veröffentlicht von Carina

“21 Jahre jung, studiert seit Herbst 2014 in Wien, lebt auch zur Hälfte dort. Liebt Reisen, die Natur im Waldviertel und das Schreiben.”