"Du hast Sorgen, seien es diese, seien es jene - ins Kaffeehaus!"

Foto: Anders Nord
ESSEN & TRINKEN

veröffentlicht von david

10. Mai 2019

ESSEN & TRINKEN

Wien, oh Wien. Gibt’s was Schöneres als deine Cafés? Das Kaffeehaus ist ein Stück Wiener Leitkultur – und gehört damals wie heute zu den zentralsten Institutionen der Stadt. Wir stellen fünf der geschichtsträchtigsten vor.

Kaffeehäuser gehören zu Wien wie Boulangerien zu Paris oder Coffeeshops zu New York. Und das seit mehr als 100 Jahren. Sie sind eine Institution und fest ins Stadtbild integriert. Kaffeehauskultur ist Wiener Kultur. In Kaffeehäusern hat man es nicht „gnedig“, sondern geht „gmiadlich auf an Kaffee“. Kaffeehäuser sind ein kleiner Brauner, ein Verlängerter, eine Melange, Apfelstrudel, Torte, ein G’spritzter, Zeitungslesen, Diskutieren oder einfach nichts tun.

Der Schauspieler Fritz Muliar sagte in einem Interview mit dem ORF einmal: „Im Kaffeehaus ist man nicht zuhaus‘ und doch nicht an der frischen Luft“. Und damit hat er absolut Recht. Im Kaffeehaus ist man unter Freunden, Bekannten, Fremden oder einfach unter sich. Man widmet sich seiner Arbeit oder genießt seinen freien Tag. Das Kaffeehaus ist irgendetwas zwischen Zuhause und Nicht-Zuhause.

Dabei gibt es nicht einmal „das Wiener Kaffeehaus“. Die Unterschiede zwischen den vielen Kaffeehäusern in Wien sind groß. Ein Literatencafé wie das Café Central bietet ein völlig anderes Erlebnis als eines kleines Eckcafé in Ottakring oder das typische Wiener Beisl. In gewisser Weise sind dann aber doch alle gleich. Sie sind ein Ort „in dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht“, wie die Unesco schreibt. Denn: Die Wiener Kaffeehauskultur ist immaterielles Weltkulturerbe. Die Marmortische und Logen, das Zeitungssortiment, die Kaffeeauswahl, die hausgemachten Torten und natürlich das Glas Wasser zu jedem noch so kleinen Kaffee – sie alle sind Teil einer Kultur, die Wien bis heute prägt.

Falls du jetzt auch den inneren Drang verspürst, sofort in alle größeren Cafés in Wien zu gehen – wir haben gleich auch die besten Tipps parat.

1. Café Central

„Wenn ich nicht im Café Central bin, bin ich zumindest am Weg dahin“, erklärte der Schriftsteller und Kaffeehausliterat Peter Altenberg einmal. Der Mann verbrachte sein halbes Leben im Kaffeehaus, allen voran im Café Central. Wer einmal im Café Central war, weiß auch warum – es ist unglaublich inspirierend, speziell durch die hohen Marmordecken. Kein Wunder also, dass Schriftsteller wie Karl Kraus, Egon Friedell oder der Philosoph Siegmund Freud hier Stammgäste waren.

Foto: Thomas Ledl

Heute überzeugt das Café vor allem durch seine bekannten Gäste. Vom Charme ist seit der Gründung vor 140 Jahren aber kaum ein Stück verloren gegangen. Ein Besuch im Café Central ist zwar teuer – ein Kaffee kostet zwischen 3 € und 5 € – und es ist ständig überfüllt. Aber das Café gehört einfach zu Wien wie kaum etwas anderes. Und das spürt man.

Adresse: Herrengasse 14, 1010 Wien
U-Bahn: U3 Herrengasse, U2 Schottentor
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 07:30 – 22:00 Uhr / Sonn- und Feiertage 10:00 – 10:00 Uhr

2. Café Hawelka

Mindestens genauso geschichtenumrankt wie das Café Central, ist das Café Hawelka. Eröffnet im Jahr 1939 von Leopold Hawelka wuchs es schnell zu einem der wichtigsten Kaffeehäuser Wiens heran. Zu den Stammgästen gehörten die Schriftsteller H.C. Artmann und Konrad Bayer oder die Künstler Ernst Fuchs und Friedensreich Hundertwasser.

Foto: Sniper Zeta

Den Flair der frühen 50er Jahre hat das Hawelka bis heute behalten. Für den Schriftsteller Heimito von Doderer war es vor allem dieser einmalige Stil, der das Kaffeehaus so beliebt machte: „Es ist bereits in London bekannt, und es treffen auch Leute aus Paris und den Niederlanden im Café Hawelka ein […]“. Warum? „[…] Letzten Endes nur deshalb, weil Herr Hawelka nicht renoviert.“ – schrieb Doderer 1960. Die Preise im Hawelka sind im Prinzip wie in jedem anderen Wiener Kaffeehaus. Aber: Wer dem Hawelka einen Besuch abstattet, sollte auf jeden Fall die legendären Buchteln probieren, die Kaffeehaus-Mama Josefine Hawelka bis 2005 noch selbst backte.

Zum Erfolg des Hawelka trug übrigens auch Georg Danzer mit seinem Lied „Jö schau“ bei. Das handelt nämlich zumindest indirekt vom Café Hawelka – aber hört selbst.

Adresse: Dorotheergasse 6, 1010 Wien
U-Bahn: U1, U3 Stephansplatz
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 08:00 – 24:00 Uhr / Freitag bis Samstag 08:00 – 01:00 Uhr, / Sonn- und Feiertage 10:00 – 24:00 Uhr

3. Café Landtmann

Direkt an der Ringstraße neben dem Burgtheater findet sich das bei seiner Eröffnung im Jahr 1973 „eleganteste und größte Kaffeehaus Wiens“ – das Café Landmann. Auch heute ist es eines der frequentiertesten Kaffeehäuser Wiens und vor allem Schauspieler- und Politikertreff.

Foto: Querfeld GesmbH

Das gesamte Gebäude des Café Landtmann sowie die Einrichtung stehen unter Denkmalschutz – nur eines der vielen Details, die das Landtmann so besonders machen. Vor allem die Lage direkt am Ring beschert dem „Grand Café“ einen entscheidenden Vorteil. Zu den Stammgästen gehören unter anderem die Schauspielerin Romy Schneider, der Literat Peter Altenberg oder der Ex-Bundeskanzler und Politiker Julius Raab.

Adresse: Universitätsring 4, 1010 Wien
U-Bahn: U2 Schottentor
Öffnungszeiten: täglich von 07:30 – 24:00 Uhr

4. Kaffee Alt Wien

Etwas rauer geht es im Kaffee Alt Wien zu. Es wurde 1936 von Leopold Hawelka – der 1939 auch das Café Hawelka eröffnete – gegründet. Das Kaffee Alt Wien sieht aus wie ein Beisl und fühlt sich auch so an. Es flimmert schummriges Licht und die Wände zieren unzählige originale Gemälde und Plakate aus alter Zeit.

Foto: Johann Werfring

Das Kaffee Alt Wien ist weniger ein Ort zum Kaffee-Trinken, sondern eher für ein Bier oder einen G’spritzten – im besten Fall zusammen mit einer Portion des bekannten hauseigenen Gulasch. Zu den Stammgästen des Kaffee Alt Wien zählt anderem der Schauspieler und Kabarettist Helmut Qualtinger.

Adresse: Bäckerstraße 9, 1010 Wien
U-Bahn: U3 Stubentor, U4 Schwedenplatz
Öffnungszeiten: täglich von 09:00 – 02:00 Uhr

5. Café Frauenhuber

Eher traditionell ist hingegen das Café Frauenhuber – das älteste durchgehend betriebene Kaffeehaus Wiens. Es wurde im Jahr 1824 vom ehemaligen Leibkoch Maria Theresias als Gastronomiebetrieb gegründet und entwickelte sich über die Jahre zu einem traditionellen Wiener Kaffeehaus.

Foto: Zyance

Seitdem hat sich im Inneren nicht viel verändert. Fast jedes Kaffeehaus ist eine Zeitreise – aber im Café Frauenhuber spürt man das ganz besonders.

Adresse: Himmelpfortgasse 6, 1010 Wien
U-Bahn: U1, U3 Stephansplatz
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 8.00 – 23.00 Uhr / Sonn- und Feiertage 10.00 – 22.00 Uhr

 

Wiener Kaffeehäuser sind gewissermaßen alle gleich und doch so unterschiedlich. Es gibt kein typisches Wiener Kaffeehaus, sondern nur das ganz persönliche Lieblingskaffeehaus. Es ist diese Entscheidung bekannter Persönlichkeiten, die die heute bekannten Kaffeehaus-Koryphäen zu dem machen, was sie sind. Gründe für die Entscheidungen gibt es wohl allemal. Das Café Central, Hawelka oder Landtmann sind eben, was sie sind. Und das macht sie charmant. In diesem Sinn möchte ich diesen Artikel mit den Worten des Schriftstellers Peter Altenberg enden:

„Du hast Sorgen, sei es diese, sei es jene – ins Kaffeehaus!
Sie kann, aus irgend einem, wenn auch noch so plausiblen Grunde, nicht zu dir kommen – ins Kaffeehaus!
Du hast zerrissene Stiefel – Kaffeehaus!
Du hast 400 Kronen Gehalt und gibst 500 aus – Kaffeehaus!
Du bist korrekt sparsam und gönnst Dir nichts – Kaffeehaus!
Du bist Beamter und wärest gern Arzt geworden – Kaffeehaus!
Du findest Keine, die Dir passt – Kaffeehaus!
Du stehst innerlich vor dem Selbstmord – Kaffeehaus!
Du hasst und verachtest die Menschen und kannst sie dennoch nicht missen – Kaffeehaus!
Man kreditiert Dir nirgends mehr – Kaffeehaus!“

 

 
Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von marlies

10. Mai 2019

ESSEN & TRINKEN
Zum dritten Mal haben wir uns nun für euch auf die Suche nach Tipps zum Frühstücken in Wien gemacht. Warnhinweis: Dieser Beitrag könnte euch hungrig machen!