Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Unsplash / Anita Jankovic
ESSEN & TRINKEN

veröffentlicht von Julia

31. Mai 2021

ESSEN & TRINKEN

Lebensmittelverschwendung ist ein großes Problem – vor allem für unsere Umwelt. Wie können wir aktiv werden und der Verschwendung den Kampf ansagen?

Obst und Gemüse liegen tagelang vor sich hin und verderben. Die Reste vom Sonntagsessen stehen am nächsten Wochenende immer noch im Kühlschrank und werden entsorgt. Das offene Joghurt in der Wiener Wohnung ist über das lange Wochenende im Waldviertel wieder mal schlecht geworden. Das kommt euch bekannt vor? Immer wieder passiert es, dass wir in unseren eigenen vier Wänden Lebensmittel wegwerfen.

Besonders anschaulich wird die Menge an Lebensmittelabfällen, wenn man sie in ein Verhältnis setzt. Von Neujahr bis 2. Mai werden sämtliche Lebensmitteleinkäufe für die Mülltonne produziert. Wir ÖsterreicherInnen sind im Jahr für eine Million vermeidbare Lebensmittelabfälle verantwortlich. Das ist rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel, was wiederum circa so viel Essen ist, wie die Salzburger und Kärntner Bevölkerung in einem Jahr verbraucht!

Ein Bericht des WWF zeigt auch: besonders die Corona-Pandemie hat die Lage nochmal angeheizt. Die fehlende Planbarkeit, verändertes Konsumverhalten und wegfallende Absatzmöglichkeiten haben dazu geführt, dass die Lebensmittel nicht mehr weiterverarbeitet oder den BürgerInnen angeboten werden können.

Lebensmittelverschwendung ist also ein großes Problem. Ein verschwenderischer Umgang mit Lebensmitteln ist nicht nur kostenintensiv und schlecht für die Klimabilanz, sondern hat auch Folgen für die biologische Vielfalt.

Sind Politik und Handel in der alleinigen Verantwortung?

Die Politik setzt Regeln und Verbote fest, an die sich Handel und Co. halten müssen. Das politische System hat mitunter auch die Aufgabe, Strategien gegen die Lebensmittelverschwendung zu erarbeiten. Daher wird PolitikerInnen eine große Rolle in diesem Thema zugeschrieben. Die österreichische Bundesregierung hat Besserung versprochen und sich darauf geeinigt, die vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Handel und Haushalt bis 2030 zu halbieren. Auch im Produktionsverfahren soll der Müll reduziert werden. Das betrifft Landwirtschaft, Produktion und Außer-Haus-Verpflegung wie Hotels oder Restaurants. Allzu konkret sind die Maßnahmen in diesem Aktionsplan allerdings noch nicht. Neben einer Kampagne zur Bewusstseinsbildung für KonsumentInnen sind Evaluierungen von Gesetzen und Systemen, sowie die Einrichtung neuer Stellen vorgesehen.

Lebensmittelverschwendung ist auch eine Sache des Handels. In Supermärkten werden Tag für Tag genießbare Lebensmittel entsorgt. Bisher war ein Wegwerfverbot nur mit einer freiwilligen Vereinbarung geregelt. Das soll sich im Zuge des Aktionsplans nun zu einem Verbot entwickeln. Trotz allem macht der (Groß-) Handel bei der Lebensmittelverschwendung den kleinsten Anteil der weggeworfenen Lebensmittel aus. Hier fallen jährlich 89.500 Tonnen vermeidbare Abfälle an.

Neben Landwirtschaft, Produktion oder Handel tragen aber auch wir KomsumentInnen in großen Teilen zur Verschwendung bei. In den heimischen Haushalten beläuft sich der Müll auf 521.000 Tonnen. Pro Kopf sind das 60kg pro EinwohnerIn im Jahr – 57% des österreichischen Restmülls sind vermeidbare Lebensmittelabfälle. Als „nicht vermeidbar“ werden dabei nur die Teile bezeichnet, die bei der Zubereitung entfernt werden, wie zum Beispiel fettige Fleischanteile oder das Innenleben einer Paprika.

Lebensmittelverschwendung

Wikimedia Commons / Taz

Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Jetzt wissen wir, was Sache ist: wir alle können diese unschönen Zahlen in den eigenen vier Wänden verbessern. Wie das geht? Wir stellen euch einige Tipps vor, wie wir der Verschwendung im Haushalt den Kampf ansagen können.

Einkauf und Planung

  • Essensplan
    Legt euch einen Essensplan für jeden Tag zurecht und kauft auch möglichst genau danach ein. So könnten Abfälle noch stärker eingespart werden.
  • Einkaufszettel
    Verwendet unbedingt einen Einkaufszettel oder Listen-Apps. So vermeidet ihr, dass ihr Lebensmittel einkauft, die ihr eigentlich gar nicht braucht. Die Einkaufsplanung ist einer der größten Bereiche, wo Haushalte ihren Lebensmittelmüll verringern können.
  • Genaue Mengen
    Wenn euch abgepackte Portionen Fleisch, Schinken, Käse usw. oft zu viel vorkommen und deswegen übrigbleiben: Kauft bewusst genau die Menge an der Theke, die ihr verkochen wollt. Auch bei Gemüse oder Obst ist es manchmal besser, die benötigten Stücke für die Kochmenge einzeln zu kaufen.
  • Nicht von Aktionen locken lassen
    Vermeidet es, „XXL“ oder „1+1“ Aktionen zu kaufen. Meistens braucht man die Lebensmittel in diesen Mengen nicht und man lässt sich von Aktionen verleiten, mehr zu kaufen.
  • Hungrig?
    Geht nicht hungrig einkaufen. Mit leerem Magen kauft man tendenziell mehr.
  • Günstig und gut
    Greift im Supermarkt auch zu den reduzierten Lebensmitteln mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum. Denn wir wissen: "mindestens haltbar bis" heißt nicht "sofort tödlich ab"!
  • All groceries are beautiful!
    Habt Mut zu Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern! Solche Exemplare bleiben oft lange im Geschäft liegen und werden letztendlich weggeworfen.

Initiativen wie Too Good To Go oder Foodsharing sind weitere Möglichkeiten, Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren. Wir haben beide genauer unter die Lupe genommen:

Lebensmittelverschwendung

Bereits beim Einkauf können wir viel gegen Lebensmittelverschwendung bewirken.

Lagerung

  • Weg mit dem Plastik
    Entfernt Plastikverpackungen bei Gemüse. Durch das entstehende Kondenswasser werden die Lebensmittel schneller schimmlig oder schlecht.
  • Kühlschrank einräumen: gewusst wie
    Achtet bei der Lagerung im Kühlschrank darauf, dass die oberen Fächer wärmer sind. Gut geeignet für die oberen Bereiche sind Eier oder Butter. Leicht Verderbliches lagert ihr am besten ganz unten, Milchprodukte in der Mitte.
  • Tropisch:
    Süd- und Zitrusfrüchte lagert ihr am besten bei Zimmertemperatur.
  • Logisch:
    Lagert angebrochene Lebensmittel kühler als frisch verpackte.
  • schlechte Nachbarschaft
    Äpfel und Tomaten solltet ihr getrennt von anderen Sorten lagern, denn diese lassen durch den Stoff Ethylen das Obst und Gemüse in der Umgebung schneller reifen.
  • Trockene Produkte
    Reis, Nudeln oder Mehl müssen rein rechtlich zwar ein MHD haben, sind ordentlich verschlossen aber viel länger haltbar.

Hier könnt ihr noch mehr darüber erfahren, wie man Obst und Gemüse richtig lagert.

Kochen und Verwertung

  • Auf die eigenen Sinne verlassen
    Auch wenn das MHD bereits überschritten ist, sind Produkte meistens noch problemlos genießbar. Öffnet das abgelaufene Joghurt und riecht daran. Wenn der Geruch unauffällig ist, steht einer Geschmacksprobe nichts mehr im Wege.
  • Vorkochen?
    Viele von uns sorgen gerne für die kommenden Tage vor. Beim Vorkochen gibt es aber das Problem der Unplanbarkeit: manchmal isst man unterwegs oder es kommen andere Dinge dazwischen. Achtet beim Vorkochen deswegen auch auf die Mengen und sprecht euch genau mit eurer Familie oder mit den MitbewohnerInnen ab, um das zu vermeiden.
  • Was tun bei Resten?
    Manchmal wird zu viel gekocht und es bleibt eine Kleinigkeit übrig. Daher der Tipp: notiert euch die Mengen von übriggebliebenem Reis, Nudeln und Co., um beim nächsten Mal um genau diese Menge weniger zu kochen.
  • Weiterverwerten
    Falls doch eine kleine Portion übrigbleiben sollte: versucht, diese beim Abendessen miteinzubeziehen oder am nächsten Tag etwas damit zu kochen.
  • Brot und Gebäck
    Altes Brot und Gebäck könnt ihr anfeuchten und im Ofen neu aufbacken. Wenn das Gebäck schon sehr hart ist, verarbeitet ihr es am besten zu Croutons oder Semmelwürfel.
  • Einfach dranlassen
    Achtet beim Kochen darauf, möglichst wenig wegzuschneiden. Der Strunk bei Cherrytomaten, diverse Gemüseschalen oder auch der Stiel eines Brokkolis kann ohne Probleme verkocht werden.
  • Apropos Abschnitte und Schalen:
    Aus Überbleibseln von Gemüse wie Zwiebeln, Karotten, Zucchini, Kartoffeln oder auch Kräuterresten könnt ihr ganz einfach eine Gemüsebrühe kochen.
  • Obst neu verwerten
    Obst mit Druckstellen muss nicht sofort in die Tonne wandern: macht daraus Mus oder Smoothies! Zu reif gewordene Bananen könnt ihr zum Beispiel auch in kleinen Stücken einfrieren und dann für Smoothies oder Eis direkt in den Mixer geben.
  • Haltbar machen
    Einkochen, Einlegen, Fermentieren oder Trocknen rettet Obst und Gemüse vor der Tonne.
  • Regrowing
    Viele Gemüsesorten könnt ihr nach der Verwendung nachwachsen lassen. Das funktioniert zum Beispiel mit Frühlingszwiebeln, Salat oder Lauch. Mehr Infos findet ihr unter dem Suchbegriff Regrowing.

Diese Tipps sind grundsätzliche Vorschläge gegen Lebensmittelverschwendung. Nehmt euch die Punkte heraus, die ihr realisieren könnt und versucht, sie bestmöglich umzusetzen!

Ein Ausflugstipp:

Im Naturhistorischen Museum Wien könnt ihr aktuell eine Ausstellung zu Lebensmittelverschwendung besuchen. „Ablaufdatum“ findet noch bis 5. September 2021 statt und beschäftigt sich mit der gesamten Wertschöpfungskette: also von der Ernte bis zu den VerbraucherInnen. Es werden Zahlen und Fakten, aber auch Lösungswege gezeigt. Denn unser persönliches Konsumverhalten kann so einiges verändern.

 
 
 
 
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von MarleneK

31. Mai 2021

ESSEN & TRINKEN
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