Wia z'Haus in Wean - Wirtshaus in Wien

Figlmüller Wollzeile. /// www.figlmueller.at
ESSEN & TRINKEN

veröffentlicht von sebastian

29. April 2019

ESSEN & TRINKEN

Im Wirtshaus kannst du dich wirklich wie zu Hause fühlen, egal ob im Waldviertel oder in Wien. Doch was ist zu beachten, wenn man ein Wirtshaus betritt? Und wo kann ich am besten essen? Alles kein Problem, wir helfen dir gerne weiter.

Wir Waldviertler kennen das alle: Kurz auf einen Kaffee ins Wirtshaus gehen. Am Sonntag mag niemand kochen? Gehen wir ins Wirtshaus. Deine Verlobte oder dein Verlobter hat „Ja“ gesagt? Feiern wir auch im Wirtshaus. Schnell auf ein kühles Zwettler Bier ins Wirtshaus? Auch da sagen wir nicht nein. Das ist doch typisch Waldviertel, aber lässt sich diese Wirtshauskultur auch auf unsere Bundeshauptstadt übertragen? Lasst es uns herausfinden!

Waldviertel vs. Wien: Grundlegendes bezüglich Wirtshauskultur

Grundsätzlich haben alle Wirtshäuser in Österreich eine gewisse Ähnlichkeit. Eines haben sie mit Sicherheit gemeinsam: Die Leute treffen sich dort, also ist eine wichtige Aufgabe die Stärkung des sozialen Umfelds. Auch wenn jetzt viele schmunzeln, es ist einfach so. Ich spreche aus Erfahrung, da ich selbst in einem Wirtshaus im Waldviertel aufgewachsen bin. Die Leute treffen sich, um den neuesten Klatsch und Tratsch des Dorfes zu erfahren.

„Wennst a Wirtin bist, hast eh scho a halbes Psychologiestudium wegen de Probleme und Sorgen, de dir alle erzählen!“ (Die Wirtin dieses Zitats möchte unerkannt bleiben)

Ein großer Vorteil von Wirtshäusern im Waldviertel ist mit Sicherheit die Funktion als Nahversorger. Glaubt ihr nicht? Schon oft kamen Menschen an einem Sonntagmorgen ins Wirtshaus, um sich Milch oder andere wichtige Zutaten zu holen, die sie blöderweise beim Freitagseinkauf vergessen haben. Ich kann nur erneut aus Erfahrung sprechen. Und natürlich zählt hier auch die Versorgung mit etwaigen Getränken und Speisen dazu, denn wer möchte schon für ein Seiterl Bier nach der Arbeit 20 Kilometer fahren? Noch dazu ist Fahren unter Alkoholeinfluss verboten und da wäre es doch schade, wenn es kein örtliches Wirtshaus mehr geben würde.

„Wer im Wirtshaus zu Hause ist, ist selten zu Hause.“ (Erhard Horst Bellermann)

Die Wiener haben das Glück, sich im Wirtshaus einer gewissen Anonymität erfreuen zu dürfen. Lediglich die Stammgäste sind allseits bekannt. Auch wenn du ein noch so großes Geheimnis hütest, im Wiener Wirtshaus wird es keiner herausfinden, wenn du nicht willst. Egal, welche „Leiche“ du im Keller hast, du kannst dich seelenruhig an die Schank setzen und einen Spritzer genießen.

„Wo die Gastgeberin schön ist, ist der Wein gut.“ (Russisches Sprichwort, lässt sich aber mit Sicherheit auch auf das Waldviertel und Wien übertragen)

Und was sie alle wieder gemeinsam haben: Im Wirtshaus entstehen die besten Erinnerungen. Egal, ob du dich im schönen Waldviertel oder in unserer geliebten Bundeshauptstadt an den Stammtisch setzt, es wird dir in Erinnerung bleiben. Ich selbst liebe es, die alten Geschichten und Weisheiten des Waldviertels zu hören. Doch auch die Wiener haben mit Sicherheit ihre erzählenswerten Schmankerl. Setz dich einfach dazu, sie beißen normalerweise nicht.

gast_kellner

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Top 5 der Wiener Wirtshauskultur

Vom Waldviertel sollte man sich immer ein eigenes Bild machen. Für jeden ist ein anderes Wirtshaus wichtiger beziehungsweise besser. Ich beziehe mich nun auf die Wiener und werde sie genau unter die Lupe nehmen. Meine Top 5 Wirtshäuser in Wien:

1. Waldviertlerhof

Na schön, ganz ohne Waldviertel geht’s halt dann doch nicht. Wer sich auf die Spuren des Waldviertels in Wien machen möchte, sollte direkt beim Waldviertlerhof beginnen. Du findest dort wirklich alles, was dein Waldviertler Herz begehrt und mit Sicherheit triffst du auch den einen oder anderen Einheimischen, mit dem du wie gewohnt im Dialekt sprechen kannst. Preislich liegen wir hier im guten Mittelfeld, also nichts wie hin!

Kontakt und Information

Waldviertlerhof

Schönbrunner Straße 20
1050 Wien

http://www.waldviertlerhof.at/

Am besten zu erreichen mit der U4 durch die Stationen Pilgramgasse oder Kettenbrückengasse.

2. Figlmüller Wollzeile

Da bekommt der Begriff „Wir panieren alles, was uns in die Quere kommt“ eine ganz neue Bedeutung. Figlmüller trumpft mit seinen perfekten Wiener Schnitzeln auf, für die Leute aus aller Welt extra anreisen. Auch diverse andere panierte Schmankerl gibt’s hier für einen guten Preis.

Kontakt und Information

Figlmüller Wollzeile

Wollzeile 5
1010 Wien

https://figlmueller.at/

Am besten zu erreichen mit der U1 durch die Station Stephansplatz oder mit der U3 durch das Stubentor.

3. Gmoakeller

„Typisch österreichisch“ wird hier ganz groß geschrieben. Früher noch recht urig wurde der Gmoakeller vor einigen Jahren ein wenig modernisiert, wobei einige typische Elemente erhalten blieben. Preislich sicher der höheren Klasse anzuordnen, aber man muss ja nicht jeden Tag hingehen!

Kontakt und Information

Gmoakeller

Am Heumarkt 25
1030 Wien

http://www.gmoakeller.at/

Am besten zu erreichen mit der U4 durch die Station Stadtpark.

4. Wild

Meiner Meinung nach ähnelt das Wild am meisten einem Waldviertler Wirtshaus. Man legt hier sehr viel Wert auf Bodenständigkeit und eine angemessene Küche mit fairen Preisen. Faire Preise und gutes Essen? Das lassen wir uns nicht zweimal sagen! Überzeugt euch einfach selbst von der verblüffenden Ähnlichkeit mit einem Waldviertler Wirtshaus.

Kontakt und Information

Wild

Radetzkyplatz 1
1030 Wien

https://gasthaus-wild.at/

Am besten zu erreichen mit der 1er-Bim durch die Station Radetzkyplatz.

5. Gasthaus Kopp

Möchtest du einfach ein kühles Seiterl Bier genießen? Kein Problem. Knurrt aber der Magen auch? Immer her damit! Das Gasthaus Kopp ist seit Jahren immer wieder unter den Top-Gasthäusern der Stadt und punktet mit einer großen Auswahl. Ist vielleicht nicht überall bekannt, aber sicher einer meiner Favoriten.

Kontakt und Information

Gasthaus Kopp

Engerthstraße 104
1200 Wien

http://www.gasthaus-kopp.at/

Am besten zu erreichen mit der U6 durch die Station Handelskai oder mit den Buslinien 5A, 11A und 11B durch die Station Allerheiligengasse.

 
 
 

Das ABC des Wirtshauses

Im Wirtshaus fallen mal bekanntere, mal unbekanntere Wörter und Phrasen. Kennst du sie alle? Wurscht, ob Waldviertler oder Wiener! 😉

  • A wie .. A Obi g’spritzt mit Schaum, bitte (bedeutet so viel wie ein Krügerl Bier)
  • B wie .. Bier (gut, das war zu offensichtlich)
  • C wie .. Cappy g’spritzt (mit Cappy meint man Orangensaft; kennt nicht jeder Wiener Kellner, also aufpassen)
  • D wie .. Du, geh her do amoi (eine eher unfreundliche Art und Weise, den Kellner zu rufen)
  • E wie .. Entschuldigen Sie, bitte. (geht doch eh freundlich auch)
  • F wie .. Fünfe in da Friah (eine beliebte Zeit zum Heimgehen, wo auch dann der Wirt gerne ins Bett gehen möchte)
  • G wie .. Getrennt oder zusammen? (das sind drei Wörter, die jeder Kellner im Schlaf kann)
  • H wie .. Hau di üwa de Heisa (bedeutet so viel wie: Geh jetzt heim, du hast schon genug! – Wird gerne von diversen Wirten und Kellnern verwendet)
  • I wie .. I hob scho bezahlt (eine gern verwendete Lüge von Gästen, um die Zeche zu prellen)
  • J wie .. Jägermeister (wahnsinnig beliebtes Getränk bestehend aus 56 Kräutern)
  • K wie .. Kau i numoi sowos haum? (ein Gast möchte bitte nochmal dasselbe wie vorhin)
  • L wie .. Leberknödelsuppe (mitunter eine der beliebtesten Suppen Österreichs)
  • M wie .. Melange (aus der Wiener Kaffeehauskultur nicht mehr wegzudenken)
  • N wie .. Neue Registrierkassenpflicht (ein rotes Tuch für die Waldviertler Wirtshausszene)
  • O wie .. Oh, fünfe in da Friah is scho? (siehe weiter oben bei dem Buchstaben F)
  • P wie .. Polnische Bank (ein beliebtes Spiel am Stammtisch)
  • Q wie .. Quetschn (Synonym für die steirische Harmonika)
  • R wie .. Rumkugeln (1. beliebte österreichische Süßspeise, 2. tun manche um „Fünfe in da Friah“ im Wirtshaus)
  • S wie .. Stammtisch (gibt’s in jedem Wirtshaus; es gibt eine bestimmte Sitzordnung, also aufpassen, wohin du dich setzt!)
  • T wie .. Tafelspitz (eine Delikatesse der österreichischen Küche und in vielen Wirtshäusern auf der Karte)
  • U wie .. Ur gut („ur“ bezieht sich eher auf die Wiener und wird verwendet, wenn zum Beispiel eine Speise im Wirtshaus „ur“ gut schmeckt, also sehr köstlich ist)
  • V wie .. Verlängerter (es handelt sich hierbei um eine der vielen Kaffeevariationen neben Melange, Großer Brauner, Kleiner Schwarzer, Cappuccino, Latte, ..)
  • W wie .. Wos trink ma denn? (beliebte Phrase bei Kellnern, um die Siezen-Duzen-Barriere zu umgehen)
  • X wie .. Xöchz (ganz schwierig, übersetzt bedeutet es Geselchtes und kommt aus dem tiefsten Waldviertel)
  • Y wie .. Yoga (ja, es gibt auch Yoga im Wirtshaus. Habt ihr noch nie vom „An-der-Schank-stehenden-Mann“ gehört? Ist eine sehr anstrengende Yoga-Übung)
  • Z wie .. Zuckerpuppal (Synonym für eine weibliche Bedienung, die sehr herablassend wirkt und auf keinen Fall verwendet werden sollte!)

Fallen euch noch weitere Wirtshaus-Floskeln ein, die unbedingt fehlen? Lasst es uns auf jeden Fall wissen! 😉

Zahlen, bitte!

Das war sie nun, die Wirtshauskultur. Mitunter ist jene eine sehr komplizierte Materie, die von jedem auf eine andere Art und Weise interpretiert wird. Ihr dürft auch vieles nicht so eng sehen, auch wenn einiges oben „derb“ klingen mag. Aber ich finde es wichtig, dass jene Kultur in Österreich weiterhin bestehen bleibt. Es wäre sehr schade, wenn es in näherer Zukunft keine Wirtshäuser mehr geben würde, vor allem am Land. Möglicherweise erfahren die Wirtinnen und Wirte im Waldviertel und in Wien nun einen wahren Besucheransturm, weil jeder einen guten Platz am Stammtisch ergattern möchte. Prost!

 
Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von Thomers

29. April 2019

ESSEN & TRINKEN
Es gibt einige Pay as you wish Restaurants in Wien. Darunter fällt auch der Wiener Deewan. Wir waren für euch vor Ort und haben das pakistanische Restaurant getestet.