Die Regenbogenparade in Wien: Das müsst ihr darüber wissen!

EVENTS & NIGHTLIFE

veröffentlicht von MarleneK

2. Juni 2021

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Die Regenbogenparade findet in Wien einmal im Jahr statt. Was das genau ist und wie sie abläuft, beantworten wir euch hier!

Einmal im Jahr wird es um den Ring richtig bunt – denn dann findet die Regenbogenparade statt. Vielleicht habt ihr euch schon einmal gefragt, warum es diese überhaupt gibt und wie sie in Wien abläuft. In diesem Artikel fassen wir alle relevanten Informationen zur Regenbogenparade in Wien zusammen!

Für wen ist die Regenbogenparade?

Die Regenbogenparade ist eine weltweit stattfinde Demonstration, um für die Rechte der LGBT+ Minderheit zu kämpfen. Aber wofür steht diese Abkürzung eigentlich?

  • das L steht für lesbisch
  • das G für gay (=schwul)
  • das B für bisexuell
  • das T für transsexuell
  • und das + steht für alle weiteren Sexualitäten und Geschlechtsidentifikationen (z. b. Asexualität, Intersexualität Queer,…). Um diese Personen auch zu inkludieren, wird die Abkürzung manchmal auf LGBTQIA+ erweitert.

Auf der Regenbogenparade findet ihr deshalb hauptsächlich Menschen aus der LGBT+ Gemeinschaft. Aber es ist natürlich genauso gern gesehen, wenn heterosexuelle Personen ihre Unterstützung ausdrücken und mitgehen. Insgesamt ist es also immer ein bunter Mix aus vielen verschiedenen Identitäten.

Wichtig ist, dass die Regenbogenparade sowohl eine politische Demonstration, um für die Rechte der LGBT+ Gemeinschaft einzutreten, als auch eine ausgelassene Feier, auf der viel gelacht wird, ist. Eine Anmeldung zur Regenbogenparade ist auf jeden Fall nicht erforderlich.

Quelle: https://unsplash.com/photos/JngP0kqu6JQ

Warum gibt es überhaupt eine Regenbogenparade?

Ihr wisst sicherlich, dass sich die Situation für LGBT+ Personen zwar langsam bessert, diese Personengruppe es in der Vergangenheit aber sehr schwer hatte. Ausgrenzung und Diskriminierung standen an der Tagesordnung. Homosexualität wurde bis in das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts als behandlungsbedürftige Krankheit angesehen. Diese „Krankheit“ wurde oft mit brutalen Behandlungsmethoden wie der Elektroschocktherapie zu behandeln versucht. Es wurde nicht akzeptiert, wenn jemand seine Homosexualität frei auslebte, deshalb hielten viele Menschen ihre Homosexualität geheim und lebten sie nur in speziellen Etablissements aus.

Ein Beispiel dafür ist das „Stonewall Inn“ aus New York. Dort kam es in regelmäßigen Abstanden zu polizeilichen Razzien. So auch in der Nacht des 28.6.1969. Jedoch wehrten sich die Besucher diesmal aktiv. Sie weigerten sich, Ausweise herzuzeigen und gingen mit Gewalt gegen Verhaftungen vor. Die Unruhen breiteten sich bald über das gesamte Viertel aus und dauerten insgesamt 6 Tage an. In dieser Zeit wurden 21 Menschen verhaftet.

Um diesem Befreiungsakt zu gedenken, fand im nächsten Jahr ein Gedenkmarsch statt – der Vorläufer der heutigen Regenbogenparade. Dafür fanden sich über 4000 Menschen zusammen. Nach und nach wurde dieser Gedenkmarsch zu sowohl einer politischen Demonstration als auch einer Möglichkeit zum Feiern und breitete sich über die ganze Welt aus. In Österreich fand die erste Regenbogenparade 1996 statt.

Wo und wann findet die Regenbogenparade in Wien statt?

Die Regenbogenparade in Wien findet einmal jährlich Mitte Juni an einem Samstag statt. Ab 13:00 kann man sich am Startpunkt, dem Rathausplatz, treffen, um 14:00 setzt sich der Marsch dann in Bewegung. Die Parade geht dann in einem Kreis über die gesamte Ringstraße. Es geht vom Heldenplatz über die Staatsoper, den Stubenring (U4), die Urania, Schwedenplatz (U1, U4), den Franz-Josefs-Kai über die die Börse und Universität Wien zurück zum Rathausplatz. Die Strecke ist zwar nur wenige Kilometer lange, trotzdem ist man einige Stunden unterwegs, da der Marsch nur langsam vorwärtsgeht. So ist man in etwa um 17:00 wieder am Ausgangspunkt, dort findet noch eine Abschlusskundgebung mit Ansprachen von bekannten Aktivisten und Politikern statt. Außerdem gibt es einen Moment des Gedenkens, um sich an jene Menschen zu erinnern, die an HIV / Aids gestorben sind oder wegen ihrer Sexualität / Geschlechtsidentität Opfer eines Gewaltverbrechens wurden.

Danach wird noch munter vor Ort weitergefeiert und abschließend gibt es noch die Möglichkeit, die Afterparty in einigen bekannten Wiener Discos zu besuchen.

So findet die Regenbogenparade 2021 trotz Corona statt:

Auch 2021 findet die Regenbogenparade in Wien am 19.6. wieder statt. Dieses Jahr wird es keine Fahrzeuge geben, also man ist entweder zu Fuß, im Rollstuhl oder mit dem Fahrrad unterwegs. Wie auch sonst bei größeren Menschenmengen muss durchgehend eine FFP2-Maske getragen werden und ein Mindestabstand von 2 Metern zu haushaltsfremden Menschen ist einzuhalten. Das Pride Village und die Afterpartys finden jedoch leider dieses Jahr nicht statt.

Die Regenbogenfahne ist Symbol der LGBT+ – Gemeinschaft. Jede Farbe steht dabei für eine andere Eigenschaft! Quelle: unsplash

Was ist das Pride Village?

Die Vienna Pride besteht aber nicht nur aus der Regenbogenparade. Ein wichtiger Aspekt ist das Pride Village, das am Rathausplatz zwei Wochen vor der Regenbogenparade bis zur Regenbogenparade aufgebaut wird. Es besteht aus Essensstanderl, Möglichkeiten zum Trinken und Einkaufen, Sitzmöglichkeiten und natürlich Musik.

Zusätzlich gibt es viele Veranstaltungen, die man auf der offiziellen Homepage findet. Die Veranstaltungen sind breit gefächert und es ist wirklich für jeden etwas dabei. Es gibt beispielsweise einen Pride Run, außerdem werden Filme in diversen Kinos Wiens gezeigt. Die Uni Wien bietet jährlich eine Regenbogenführung mit Schwerpunkt auf wichtige LGBT+ Persönlichkeiten durch das Hauptgebäude an. Manchmal gibt es auch sogenannte Medical Days mit Vorträgen zu gesundheitsrelevanten Themen wie beispielsweise HIV / Aids oder mentale Gesundheit. Für viele dieser Veranstaltungen ist allerdings eine Anmeldung erforderlich, da die Plätze begrenzt sind.

Was ist sonst noch wissenswert?

Abschließend haben wir noch einige Fakten zusammengefasst, was es sonst noch über die Regenbogenparade in Wien zu wissen gibt.

  • Pro Jahr findet in einem europäischen Land die Euro-Pride statt, die aufwändiger organisiert und größer ist. Österreich war 2001 und 2019 Gastgeber. 2019 betrug die Zahl der Teilnehmer über 1 Millionen Menschen.
  • Menschen sind nicht nur zu Fuß, sondern auch auf Party-Fahrzeugen unterwegs. Diese spielen auch laute Musik und auf ihnen befinden sich tanzende Menschen.
  • Die Regenbogenparade in Wien wird seit 2004 offiziell von der Stadt Wien unterstützt.
  • Die Regenbogenparade ist eine der wenigen Demonstrationen, die den Ring gegen den Uhrzeigersinn, also „andersrum“, passiert. Das ist Absicht und steht in Zusammenhang mit LGBT+ Festival „Wien ist andersrum“.
  • Am Morzinplatz wid eine Gedenkminute am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus eingelegt. Auch ein Kranz wird niedergelegt. Es wurde dieser Ort dafür ausgewählt, da sich dort das ehemalige Hotel Metropol befindet, welches früher die Gestapo-Leitstelle war. Dort wurden die Opfer des Nationalsozialismus verhört. Seit 2003 wurden die Inhalte dieser Gedenkminute erweitert und es wird auch der an HIV verstorbenen Menschen und der Opfer homophober Gewalt gedacht.
  • Thalia hat eine Sammlung von LGBT+ bezogener Literatur auf der Homepage, durch die man sich klicken kann.

Quelle: https://unsplash.com/photos/UdGgq3ML-Ak

Persönliche Meinung von Laura (24)

Ich selbst bin zwar heterosexuell, einige Freundinnen und Freunde von mir sind jedoch lesbisch / schwul. Als ich erfahren habe, dass sie die Europride 2019 besuchen wollen, konnte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen. Anfangs war ich ein wenig unsicher, ob ich als heterosexuelle Person Willkommen sein würde, diese Angst hat sich aber bald in Luft aufgelöst.

Auf der Parade war die Stimmung sehr ausgelassen und fröhlich, überall konnte man fröhliche Gesichter sehen. Manche Gruppen sahen die Regenbogenparade eher als Demonstration und gingen schweigend mit großen Schildern. Andere wollten nur Party machen und tanzten sich ihren Weg durch die Menge. Wiederum andere gingen in Grüppchen tratschend. Manche waren alleine und sprachen hin und wieder Gruppen an, so lernten wir auch einige interessante Menschen kennen. In den paar Stunden hatte ich auf jeden Fall sehr viel Spaß und ich werde das nächste mal auf jeden Fall wieder dabei sein!

Mein Tipp für eure Pride: Nehmt einen Rucksack mit Wasser mit! Im Juni ist es oft schon sehr heiß und man ist lange in der prallen Sonne.

Persönliche Erfahrungen von Steffi (26)

Die Regenbogenparade ist ein safe space, egal ob LGBT+ oder Allie (=Heterosexuelle, die die Rechte von LGBT+ Personen unterstützen). Man muss keine Angst haben, man fühlt sich nicht angestarrt, beobachtet oder aus irgendeinem Grund fehl am Platz. Die Leute sind herzlich und offen sie selbst. Auch wenn man alleine hingeht, findet man schnell Anschluss. Interessant sind auch die verschiedenen Gruppierungen und Vereine, ganz besonders, wenn man noch in einem Selbstfindungsprozess steckt. Auch das pride village bietet viele Informationen, Literatur und Hilfe zum Thema Liebe und Sexualität.

Quelle: https://unsplash.com/photos/7FtM9dZ9ck8

Wir hoffen, euch mit diesem Artikel die Regenbogenparade nähergebracht zu haben. Wart ihr bereits auf einer Regenbogenparade? Berichtet uns in den Kommentaren davon!

 
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von sebastian

2. Juni 2021

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