8 Arten von U-Bahnfahrern

U2 in der Station Schottenring. /// www.flickr.com/copyright Jorge Franganillo
FREIZEIT & SPORT

veröffentlicht von sebastian

6. Oktober 2020

FREIZEIT & SPORT

Du liebst die verschiedenen Variationen von Wiener U-Bahnfahrern? Dann bist du heute bei uns genau richtig, wir geben Einblick in die Wiener U-Bahnszene.

Ihr kennt es doch alle: Ihr steigt gezwungenermaßen in die U-Bahn ein, weil es eben nun mal keine andere Möglichkeit gibt, und da sitzt er oder sie! Aber wer eigentlich? Die leidenschaftlichen Öffi-Kenner unter euch kennen sie, die unterschiedlichen Arten von U-Bahnfahrern. Und wir haben diese für euch heute auf den Punkt gebracht und zusammengefasst.

1. Das Duftbäumchen

Bei Duftbäumchen denkt man oft an die wohlriechenden Plättchen, die man beispielsweise im Auto aufhängen kann. Wir meinen damit jedoch etwas anderes, es gibt unterschiedliche Variationen, die man allesamt am liebsten meiden will. Zunächst gibt es diejenigen, die sich nach dem Loco noch einen Kebab mit unglaublich viel Zwiebeln bestellt haben. Zwiebeln sind gesund, stinken jedoch bis zum Himmel – beziehungsweise bis in deine Nase. Dann gibt es noch die Menschen, für die die Dusche, die Badewanne oder, wenn es mal schnell gehen muss, das Deo Fremdwörter sind. Vorsicht ist hier im Sommer geboten, vor allem für kleine Menschen: Meidet Kontakt zu Achseln jeglicher Art! Falls du einen Obdachlosen riechst, ist dieser zwar zu meiden, jedoch nicht zu verurteilen. Er kann meistens nichts für seinen Duft, also bitte Platz wechseln.

2. „Steigen Sie aus???“

Einer meiner Favoriten, das muss ich mit einem verkrampften Lächeln und einem zuckenden Augenlid zugeben. Ich würde manchmal wirklich gerne in die Köpfe dieser unbeschreiblichen Spezies Mensch blicken können, für die mir der treffende Name fehlt. Aber das Zitat in der Überschrift spricht bereits Bände. Ein Beispiel aus dem Alltag: Ich befinde mich in der vollgestopften U2, kämpfe mich von meinem wohlig warmen Sitzplatz zwischen Unmengen an fremden Körpern vorbei bis hin zur Tür und drücke den Knopf, der mit einem unüberhörbaren Signalton darauf hinweist, dass sich die Tür beim Anhalten der U-Bahn öffnen wird. Ich merke bereits, wie eine weitere Person das gleiche tut, ungeduldig hinter mir wartet und mich mit ihrem Blick durchbohrt. Letztendlich holt sie tief Luft, hebt ihre Zunge und ruft: „Steigen Sie aus???“ Nein, wo denkst du hin, ich drücke nur irrsinnig gerne die mit Bakterien kontaminierten Knöpfe der Wiener U-Bahn, um mich anschließend doch wieder auf meinen Platz zu setzen. Die elegante Version dieses U-Bahnfahrers drängt sich nach der hohlen Phrase noch vor einen selbst, um ja Erster zu sein. Gibt’s am Bahnsteig leicht etwas gratis?

u1 taubstummengasse

U1 in der Station Taubstummengasse. /// www.flickr.com/copyright Ingolf

3. Der Manspreader

Vorwiegend Männer, aber des Öfteren auch Frauen, sind der Meinung, ihren Schritt einem ganzen U-Bahnwaggon präsentieren zu müssen. Zugegeben, der Schritt des Menschen mag schon etwas Faszinierendes an sich haben (denken die Manspreader zumindest), aber ich steige nicht jeden Tag in die U-Bahn, um den Ursprung seiner oder ihrer beiden Beine zu betrachten. Außerdem sind die U-Bahnsitze der Wiener Linien nicht dafür konzipiert, die Gebeine im rechten Winkel auf jenen zu platzieren. Sicher mag so manches Platz und Luft brauchen, aber würden wir uns das alle denken, würden sich unsere Haxn ineinander verkeilen und wir würden alle nie wieder aus der U-Bahn aussteigen können. Deswegen ein Rat von waldviertler.wien: Beine parallel zueinander platzieren oder überschlagen, wenn der Platz es zulässt. So wird niemand belästigt und den Beinen beziehungsweise dem, was sich dazwischen befindet, wird nichts passieren.

4. Der Tourist

Eine Person mit Hut und einem Rucksack, in den halb Favoriten passen würde, steigt ein und zieht ihre Mitreisenden hinter sich her: Ein Tourist ist soeben eingestiegen. Mit einer Karte, die so groß ist, dass sich ein Sechspersonenhaushalt locker damit zudecken könnte, versucht er seine Truppe zu navigieren. Schön, dass sie auf dem Weg zum Stephansplatz sind, wir sitzen jedoch gerade in einem überhitzten U6-Waggon in Richtung Siebenhirten – ob die heute noch den Steffl betrachten können? Kurzes Aufatmen, sie wähnen sich in Sicherheit, als sich die U6 nur mehr ein paar Wimpernschläge vor der Endstation befindet. Nun aber schnell raus, meine lieben U-Bahnfahrer, sonst fragt er euch noch nach dem Weg. Und den Weg von Siebenhirten zum Stephansplatz möchte nun wirklich keiner erklären, vor allem kein grantiger Wiener. Der Vorteil eines Waldviertlers ist hier: Tschuidigung, i bi ned vo do, i kenn mi söwa ned aus, dere.

u6 längenfeldgasse

U6 vor der Station Längenfeldgasse. /// www.wikipedia.org/copyright MyFriend

5. Der Fahrgast mit Kinderwagen

Zugegeben, auch an ihnen darf man prinzipiell kein schlechtes Wort lassen, da sie es schon schwer genug haben, mit einem Kinderwagen durch die U-Bahn Wiens rasen zu müssen. Die erweiterte Version ist ein weiteres Kind, welches sie grob am Arm packen und hinter ihnen herschleifen müssen. Ein weiteres Upgrade ist eine Schwangerschaft im 7. Monat, die das Ganze nochmal erschwert. Also bitte, liebe Mitmenschen: Macht Platz für alle Fahrgäste mit Kinderwagen, die auf euch zukommen. Die eigens für sie freigehaltenen Plätze müssen auf jeden Fall von dir geräumt werden. Aber halt, was ist, wenn sich eine ältere Person auf diesem Platz befindet? Theoretisch gesehen haben beide das Recht, dort zu sitzen. Wenn eine ältere Dame und ein Fahrgast mit Kinderwagen aufeinandertreffen, was passiert dann? Streit? Auslöschung des gesamten Universums? Ich will es mir gar nicht ausmalen! Liebe Wiener Linien, was ist in so einem Fall zu tun?

6. Der Schreihals

Nein, damit meine ich nicht ein Kind, welches sich die Seele aus dem Leib schreit (obwohl auch das einen miesen Morgen noch verschlechtern kann). Ich spreche hier von einer Person, die jeder von euch kennt. Die eine Variation setzt sich aus einem Gesprächspartner und dem Schreihals zusammen. Sie sprechen so laut über ihre privaten Dinge, dass es sie in keinster Weise stört, dass selbst die U-Bahn hinter ihnen noch etwas davon mitbekommt. Variante 2 wäre eine lautstarkes Telefonat, welches von einem im Ohr schmerzenden Klingelton eingeleitet wird. Kleine Zwischenfrage, wenn du ein Schreihals bist: Ist dein Klingelton auch so laut aufgedreht, wenn du im Bett liegst und schläfst? Wenn ja, dann ist das eeecht nicht leiwand. Das Gespräch des Schreihalses wird dann in voller Pracht per Telefon ausgeführt, Sätze wie „Na, ka Sorge, da Doktor hod gsogt, de roten Punkterl san ned ansteckend“ oder „Wos, hods jz scho wida an aundan??“ sind dabei keine Seltenheit. Sie teilen eben gerne ihr Leben mit allen anderen U-Bahnfahrern.

u-bahn station

Diese Station MUSS jeder Waldviertler kennen, oder? /// www.pixabay.com

7. Der Betrunkene

Auch ein absolutes Schmankerl der Wiener U-Bahnszene, die betrunkenen Menschen! Meistens trifft man sie am frühen Morgen an, man weiß nicht, ob sie noch immer trinken oder schon wieder. Die Fahne, die die Betrunkenen mitziehen, setzt sich aus einer Mischung zwischen billigem Alkohol, Zigaretten, ausgerauchtem Parfum und eingetrocknetem Schweiß zusammen – unheimlich anziehend! Doch nicht nur früh morgens, auch vormittags, mittags, nachmittags, abends – eigentlich findet man immer eine betrunkene Person in der U-Bahn. Schön, wenn sie still vor sich hinstarren, nicht so schön, wenn sie aggressiv werden (vermeide am besten beide!). Wenn man einmal selbst derjenige ist, von dem sich alle wegsetzen und den alle abfällig anschauen, weiß man, dass man es in die Liga der Betrunkenen in der U-Bahn geschafft hat. Kann auch nicht jeder von sich behaupten, oder? Prost!

8. Der Stalker

Es ist schon spät, du bist auf dem Weg nach Hause von der Arbeit oder der Uni. Du hast einen harten Tag hinter dir, willst einfach nur deine Ruhe und siehst enttäuscht, dass die nächste U-Bahn erst in 10 Minuten kommt. Das wäre kein Problem, aber schon seit einiger Zeit hast du das Gefühl, dass dir jemand dicht auf den Fersen ist. Als du dich umdrehst, steht da ein komisch aussehender Typ, er kommt dir bekannt vor, denn er hat mit dir bereits die Straße überquert und ist fast neben dir die Stiege hinuntergegangen. Er fährt scheinbar auch in dieselbe Richtung, blickt ab und zu zu dir her und dann beschämt auf den Boden. Ist das sein Ernst? Im U-Bahnabteil sind so viele Plätze frei, aber er setzt sich in den selben Vierer wie du. Er wird doch nicht auch noch .. oh doch, er steigt in der selben Station aus wie du. Visiert den gleich Ausgang an wie du. Läuft neben dir die Stufen nach oben, hält dieselbe Geschwindigkeit wie du. Deine Schritte werden schneller, seine jedoch auch. Kurz vor deiner Wohnung möchtest du dich umdrehen und ihn fragen, was das soll – doch er sperrt bereits die Tür des Nebengebäudes auf und verschwindet ohne mit der Wimper zu zucken. Ach ja, es wohnen ja auch noch andere Menschen in meiner Umgebung – wie konnte ich das nur vergessen?

 
 

veröffentlicht von david

6. Oktober 2020

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Es lebe das Spazierengehen! Vor allem in Wien, wo die Idylle quer durch die Stadt reicht. Wir hab die schönsten Spaziergänge Wiens gesammelt.