FREIZEIT & SPORT

veröffentlicht von Thomers

20. Dezember 2019

FREIZEIT & SPORT

Unsere heutige Reise beginnt im 22. Bezirk.

Quelle: http://www.vormagazin.at/ © Bubu Dujmic Warum nur eine Tschick rauchen, wenn man auch zwei haben kann? Dies hat sich möglicherweise auch dieser Herr gedacht.

1220

Ob man es nun will oder nicht, Yung Hurn ist in der Popkultur angekommen. Man kann ihn lieben, man kann ihn hassen, ihn für ein Genie oder einen Grenzdebilen halten, in unserem Rundgang durch Wien darf er aber nicht fehlen. Es mag vielleicht manchen missfallen, aber ja, auch Yung Hurn zählt für uns zum Austropop. Wie bereits erwähnt ist die Genredefinition etwas weiter gefasst.

Im Jahr 2018 erscheint Yung Hurns Debütalbum „1220“. Wer das Postleitzahlensystem Wiens bereits durchschaut hat, erkennt hier einen nicht ganz so subtilen Hinweis. Der gebürtige Wiener widmet seinem Heimatbezrik Donaustadt gleich einen ganzen Longplayer. Ganz klassisch und genretypisch geht es Yung Hurn in seinem holistischen Kunstwerk um die Verherrlichung von Drogen. Etwas bedenklich, wenn man sich bewusst macht, dass er eher bei der jüngeren Generation auf Anklang trifft. Schaut man genauer hin, ist der 22. Bezirk (Wien D.C. oder auch Donaucity, wie er von den coolen Kids genannt wird) gar nicht so drogenverseucht, wie ihn der Cloudrapper darzustellen versucht. Zu sehen gibt es einiges. Das Donauzentrum, die alte Donau, die DC-Towers, den Donauturm, die Seestadt Aspern, etc.. Außerdem ist der 22. der bei weitem größte Bezirk Wiens.

Quelle: rap.de
Ist das noch Kunst oder kann das weg?

Fragt man Leute, was für sie den 22. Bezirk ausmacht, ist für sie vor allem eines charakteristisch: Die Wiener Gemeindebauten. In einer Zeile von Yung Hurns Song „Grauer Rauch“ heißt es: „Hirschstetten und auch Stadlau, ich chill‘ im Gemeindebau, Michi Häupl weiß es auch, diese Häuser hier sind grau, uns’re Lungen sind es auch.“. Stadlau reimt sich auf Gemeindebau, das wusste auch Wolfgang Ambros schon. Und wie seine „Blume aus dem Gemeindebau“ die sonst so mit Beton übersäte, graue Wohnlandschaft kontrastieren soll, bezieht sich Yung Hurn ebenfalls auf das Motiv der Wohnbauten. Das triste, einfarbige Bild, das diese Bauten teilweise zeichnen, setzt er jedoch mit seiner anscheinend grau eingefärbten Lunge gleich. Drogen und ein trostloses Wohnumfeld in einem einzigen Rap Song vereint, klischeehafter und genrerepräsentativer könnte man mit einem einzigen Lied wohl kaum sein. Auch wenn dieses Bild vom 22. Bezirk ziemlich überzeichnet ist, trotzdem props an Yung Hurn für den freshen Vergleich.

Lobau

Wieder einmal geht es um Freikörperkultur. „Die Hitze der Stadt ist im Sommer brutal“, so wird Rainhard Fendrichs Song „Oben Ohne“ eingeleitet. Recht hat er. In diesem Opus kreiert er eine Utopie, in der die Stadtbewohner sich nackt auf den Straßen zeigen. Dadurch entstehen aber nicht nur Vorteile. Wie Nacktheit sich auf andere Menschen fatal auswirken kann, erfährt man in diesem Song. Wer die Konsequenzen detaillierter beschrieben haben möchte, hört sich das Lied am besten an. Uns interessiert nur ein kleiner Teil des Textes: „Ja man muss sich entrüsten, wenn sie sich so erbrüsten, in der schönen Lobau schreit a reifere Frau“. Die Lobau ist der Dschungel von Wien. Hierhin flüchten Stadtbewohner gerne, um der unerträglichen Hitze zu entfliehen. Und hier ist man auch mal ungesehen, wenn man sich entblößt.

Eine malerische Momentaufnahme aus dem Wiener Dschungel.

Auch Wanda bedienen sich der Lobau. In dem Titel „Mona Lisa der Lobau“ erwähnt Marco Michael Wanda den Wiener-Dschungel. Was genau uns der Strizzi in der Flohmarkt-Lederjacke damit sagen will, weiß er wahrscheinlich selbst nicht so richtig. Ganz wanda-typisch eben. Wer bereits in Yung Hurn eine gepeitschte Existenz vermutet hat, sollte sich besser nicht genauer mit dem lyrischen Werk dieses Individuums befassen. Wir haben für uns beschlossen, dass es fruchtlos ist, Wanda-Texte zu analysieren. Diese Erkenntnis muss jeder früher oder später machen.

Quelle: http://www.vormagazin.at/ © Bubu Dujmic
Warum nur eine Tschick rauchen, wenn man auch zwei haben kann? Dies hat sich möglicherweise auch dieser Herr gedacht.

Wirtshauskultur

Das W in Wien steht für Wirtshauskutlur. Und wer könnte davon besser berichten als der Unterwelt Hallodri Voodoo Jürgens. Der ist zwar gebürtiger Tullner, Wien spielt in seinen Songs jedoch fast immer eine Rolle, manchmal mehr, manchmal weniger. Die Lieder von David Öllinger (gebürtiger Name von Voodoo Jürgens) wirken musikalisch reduziert, vordergründig geht es ihm darum Geschichten zu erzählen. Man stelle sich eine Episode „Ein echter Wiener geht nicht unter“ vor, mit einem etwas abgesandelterem Mundl, der uns über Sauf- und Untergrundgeschichten berichtet, während im Hintergrund minimalistische Musik läuft. So lässt sich das Werk von Voodoo Jürgens wohl ziemlich trefflich beschreiben.

Wer hier ein Mitglied der New Kids vermutet, liegt falsch. Es handelt sich um Voodoo Jürgens.

In seinem Lied „3 Gschichtn ausn Cafe Fesch“ erzählt der Beislpoet genau das, was der Titel auch verspricht. Drei Geschichten, die sich, laut ihm, tatsächlich so im Cafe Fesch zugetragen haben sollen. Das Cafe Fesch war ein Beisl im 15. Bezirk, das mittlerweile geschlossen ist. Schenkt man diesem Lied glauben, war der Besitzer des Lokals früher Leader in einer Gang, die sich „Tigers“ nannte. „Die worn im fuffzehnten a Mocht, de hot jeder kennt“, erzählt der Lokalchef seinen Gästen. Des Weiteren spricht er von seiner Tochter, die sich den goldenen Schuß gegeben hat. Starker Tobak, aber makabere Texte sind für Voodoo Jürgens alles andere als ein Fremdgebiet.
Da man das Cafe Fesch jedoch nicht mehr aufsuchen kann, geht unsere Suche weiter. „Ollas nimma deins“ heißt ein Titel auf dem kürzlich erschienen Album des jungen Liedermachers. Hier wünscht man sich vergangene Tage zurück. Nachgetrauert wird unter anderem den Wirtshäusern und der Wiener Beislkultur, die sich immer größeren Herausforderungen stellen muss. „Du sogst, es is obnormal, dass an Wirt nochn ondan zuadrahn“ lautet eine Zeile. Typische, urige Beisln, wie es beispielsweise das Cafe Fesch war, findet man in Wien immer seltener. Das Wirtshaussterben ist nicht nur in ländlichen Gegenden ein Problem. Die Gründe dafür sind vielfältig. Restriktive Politik mit Ge- und Verboten spielen dabei sicher eine Rolle. Heute ist das klassische Wirtshaus auch irgendwie nicht mehr trendy. Ob sich das neu beschlossene generelle Rauchverbot in Lokalen auf diese Problematik auswirkt, wird man noch sehen.
Wer nach Beisln und Wirtshäusern mit rustikalem Flair sucht, dem sei das Gasthaus Quell empfohlen (das Stammlokal von Ostbahn Kurti). Das Haas Beisl, das Cafe Siebenbrunnen und das Café Caramel sind auch heiße Tipps, wenn man den Geschichten von Stammgästen lauschen will.

Das urige Haas Beisl.

Für heute soll es das gewesen sein. Die nächste Reise führt uns durch das Nachtleben Wiens.

 
 

veröffentlicht von sebastian

20. Dezember 2019

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