Das Ottakringer Brunnenviertel – Besuch im Orient ums Eck

Das Brunnenviertel erstreckt sich zwischen Thaliastraße und Ottakringer Straße.
FREIZEIT & SPORT

veröffentlicht von marlene

1. Mai 2017

FREIZEIT & SPORT

Wiens 16. Gemeindebezirk mit dem klingenden Namen „Ottakring“ ist für vieles berühmt. Nun geben wir euch einen Einblick in sein multikulturelles und kulinarisches Herz: Das Brunnenviertel – ein Stück Berühmtheit der wundervollen Art.

Wiens 16. Bezirk ist berühmt-berüchtigt. Wer in Wien-Ottakring lebt oder arbeitet, verbindet aber noch etwas anderes mit dem klingenden Namen als Bier und Arbeiterbezirk: Das Brunnenviertel. Es umschließt den Wiener Brunnenmarkt und den Yppenplatz und ist die multikulturelle, kulinarische Lebensader des Bezirks. Von Montag bis Samstag werden am Markt frisches Obst und Gemüse, Fleisch und Wurst, Fisch, Käse und vieles mehr geboten – und zwar immer, also auch wenn es schneit und stürmt (an dieser Stelle ziehen wir dankend unseren Hut).

Zwettler Zwickl

Am Brunnenmarkt gibt es rund 160 Marktstände, die Auswahl ist groß, bunt und vor allem günstig – er gilt als der preiswerteste Markt in der ganzen Stadt. Gegen Abend erheben die Marktverkäufer (ja, es sind meistens Männer) immer ihre Stimmen und es beginnt ein kollektives Marktgeschrei: „Äpfel 1 Euro, Ananas 1 Euro, Alles 1 Euro“. Also ein Tipp: Je später am Abend ihr kommt, desto billiger wird euer Einkauf. Generell lohnt es sich, ein wenig tiefer ins Marktgeschehen einzudringen, und nicht gleich bei den Ständen am Rand zuzuschlagen, da die Leckereien erfahrungsgemäß an den Ständen im Inneren günstiger zu haben sind. Zwischen den Ständen, die Oliven, Nüsse und orientalische Spezialitäten bieten, kann man sich auch Schuhe, Plastikblumen, Taschen oder Jogginghosen kaufen (damit es dem chilligen After-Marktbesuch-Abend an nichts fehlt). Der Brunnenmarkt erstreckt sich eigentlich in einer Gasse. Die Häuser an der Seite beherbergen viele Restaurants und Bäckereien die auf türkische Leckereien spezialisiert sind. Falls man eine Spielerleidenschaft hegt, kann man diese hier in einem der vielen Wettbüros wunderbar befriedigen. Ungefähr in der Mitte des Marktes findet man einen kleinen offenen Bücherschrank. Hier kann man seine ausgelesenen oder ungenützten Bücher reinstellen und jemand anderem damit eine Freude machen. Man kann sich mit ein bisschen Glück auch selbst eine Freude machen, wenn man einen interessanten Schmöker findet und sich den einfach gratis mit nach Hause nimmt.

Obst, Obst, Obst und noch mehr Gemüse das ganze Jahr am Brunnenmarkt.

Multikulti am Yppenplatz

Wenn man von der Thaliastraße kommend bis zum Ende des Marktes geht, gelangt man zum Yppenplatz. Hier reiht sich ein Lokal an das nächste, man hat die Qual der Wahl, wo man sich zur Stärkung niederlässt – am besten man probiert sie alle. An einem sonnigen Tag bietet sich das Wirr an. Es hat eine Dachterrasse wo man den Durst herrlich mit Rosenspritzer, einer goldenen Milch (Milch mit Kurkuma und Ingwer) oder einem Bier löschen kann. Wer Gusto auf Italienisch hat geht ins Dellago. Für Fischliebhaber kocht das Ando auf. Orientalische Küche gibt’s im Rasouli. Weinliebhaber kommen in der Vinothek Truksitz auf ihre Kosten und hipsterflair gibt’s bei Ludwig und Adele kostenlos zum selbstgemachten Ziegenfocaccia. Küche, die nach Heimat schmeckt, gibt’s im Gasthaus Müller. Wer nach einem Vitaminboost sucht, sollte den Karotte-Apfel-Rote Rübe-Ingwersaft im Cay probieren (selbstverständlich frisch gepresst).

An Samstagen wird der Brunnenmarkt noch größer und betriebsamer.

Am Yppenplatz findet man also für jeden Geschmack etwas. An einem Samstag sucht man eines hier aber vergebens nämlich Ruhe. Dann läuft er erst zu Hochtouren auf: Auch am Yppenplatz werden Marktstände aufgebaut. Vor allem Bauern aus der Umgebung Wiens kommen, um ihre Waren an die Städter zu bringen – Wein aus dem Burgenland, Spargel aus dem Marchfeld, Kuchen von der Oma, frisches Brot und Blumen für die Mama, die den Sprössling am Wochenende in der großen Stadt besucht. Auch für Fans von biologischer Landwirtschaft gibt es dann Waren, die ansonsten leider komplett fehlen am Markt.

Ort der Begegnung

Dafür kommen Kulturfans im Brunnenviertel auf ihre Kosten. In der Mitte des Yppenplatzes befindet sich die Brunnenpassage. Hier treffen sich kreative Köpfe aus der weiten Welt, um gemeinsam Kunst zu schaffen. Die Veranstaltungen, die dort stattfinden, sind allesamt kostenlos. Es wird musiziert, philosophiert, gelesen, improvisiert, getanzt und vieles mehr.

Was einem am Yppenplatz immer begleitet, sobald das Wetter nicht mehr allzu grau ist, sind Kinderrufe. An einem Ende des Platzes gibt es einen Ballspielplatz, an dem eigentlich immer Duelle mit dem runden Leder ausgefochten werden. Mütter und Väter, Tanten und Onkel, Großmütter und Gr0ßväter schauen zu oder sind selbst in angeregte Gespräche vertieft. Kleinere Kinder fahren mit Laufautos umher und erfreuen sich an Wasserlachen. Es ist ein Ort der Begegnung, an dem man stundenlang das Treiben und die Menschen beobachten kann.

Wer also in Wien nach dem ultimativen Marktkick mit kulinarischer und kultureller Draufgabe abseits der Touristenströme sucht, sollte sich in eine der Bims der 2er-, oder 46er-Linie schwingen und bei der Station Brunnengasse aussteigen. Von den U6 Stationen Thaliastraße und Josefstädter Straße trennen ihn nur fünf Gehminuten. Der Orient ums Eck, wie das Brunnenviertel bei vielen bekannt ist, ist immer wieder einen Besuch wert.

 
 

veröffentlicht von benji

1. Mai 2017

FREIZEIT & SPORT
Mountainbiken in Wien? Das geht! Es gibt viele verschiedene Routen, über die du unter anderem hier mehr erfahren kannst! Also: ab auf den Drahtesel!