Das erste Jahr in Wien - Waldviertler berichten

FREIZEIT & SPORT

veröffentlicht von marlies

20. Dezember 2017

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Aller Anfang ist schwer. Lies hier Erfahrungsberichte von Waldviertlern, die ihr erstes Jahr in Wien nach ihrem Umzug bereits erfolgreich gemeistert haben.

Der Umzug in die große fremde Stadt stellt praktisch jeden von uns vor die ein oder andere Herausforderung und wir werden durch diverse Veränderungen konfrontiert. Obwohl man sich zu Beginn manchmal völlig allein mit seinen Problemen fühlt, werdet ihr bei genauerem Hinsehen erkennen, dass auch viele andere jungen Menschen, die nach Wien ziehen, in denselben Situationen sind. Deshalb ist es ratsam, bei den Erzählungen anderer etwas genauer hinzuhören, nach Tipps zu fragen und wenn nötig auch einfach um Hilfe zu bitten.

Um euch den Umstieg vom Leben am Land auf das Leben in der Bundeshauptstadt ein bisschen zu erleichtern, haben wir einige nette Waldviertler, die nun seit mindestens einem Jahr in Wien leben, befragt und ihre Erfahrungen hier für euch gesammelt.

Wann und warum bist du nach Wien gezogen?

Das war voriges Jahr im Oktober, zum Semesterbeginn. So ist es viel besser mit meinem Studium vereinbar, außerdem wollte ich nach 20 Jahren im Waldviertel auch mal wissen, wie das Stadtleben so ist. (Thomas, 20)

Ich bin im März 2016 wegen der Arbeit nach Wien gezogen. (Lucas, 22)

Zuerst bin ich zum Studieren nach Wien gezogen, weil ich hier eine Studienplatzzusage bekommen habe. Als ich jedoch auch an der FH Krems aufgenommen wurde, was schon immer meine erste Wahl war, habe ich mich entschieden weiterhin in Wien zu wohnen und nach Krems zu pendeln.  (Lisa, 19)

Was gefällt dir besonders an deinem Leben in Wien?

Besonders mag ich an meinem Alltag in Wien das Studentenleben in unserer WG und die Tatsache, dass man selbstständig und unabhängig ist. Aber natürlich sollte man auch das Nachtleben erwähnen… das hat einiges zu bieten. (Nicole, 19)

Am meisten gefällt mir, dass man ein totales Kontrastprogramm zum Waldviertel erlebt. Nicht, weil es mir im Waldviertel nicht gefällt, aber ich finde es einfach spannend, dass man auch mal sieht, wie die Dinge woanders ablaufen. (Thomas, 20)

Hast du dich sehr schnell in Wien eingelebt?

Ja, ich habe mich relativ schnell an das Leben in Wien gewöhnt und die Umstellung war nicht besonders schwierig. (Lucas, 22)

Schon eigentlich. Dabei hat es mir geholfen in eine WG mit meinen besten Freundinnen zu ziehen und auch viel Zeit mit meiner Schwester zu verbringen- so fühlt man sich nie alleine und gemeinsam sind gewisse Hürden einfacher zu überwinden. (Lucia, 19)

Für mich hat die Eingewöhnung etwas länger gedauert, da das Leben in Wien schon mit einigen Veränderungen verbunden war. Man wird gezwungenermaßen mit der Zeit einfach viel selbstständiger und muss Verantwortung übernehmen z.B. selbst kochen, Haushaltsarbeiten erledigen, den Uni-Alltag organisieren und so weiter. (Anica, 19)

Kommst du noch regelmäßig nach Hause ins Waldviertel?

Ja, und das ist mir auch wichtig, da es gut tut, nach ein paar Tagen im doch eher hektischen Wien wieder ein bisschen runterzukommen. (Thomas, 20)

Ja, so gut wie jedes Wochenende. Dabei spielen natürlich auch Familie, mein Freund bzw. meine besten Freunde und der Sportverein eine wichtige Rolle. (Lucia, 19)


Was ist „typisch waldviertlerisch“ und fehlt dir am meisten seit du in Wien lebst?

Vor allem die Ruhe und die Möglichkeit, nach draußen ins Grüne zu gehen, um die Landschaft zu genießen, fehlen mir sehr. Im Waldviertel kennt jeder jeden, während Wien einfach sehr schnelllebig ist und man eher von der Anonymität der Großstadt sprechen kann. (Lucas, 22)

Ich würde sagen, es sind die Gemütlichkeit und die Nahbarkeit der Menschen. Natürlich darf man nichts verallgemeinern und es ist auch die Frage, ab wann man als „Wiener“ oder „Waldviertler“ gilt, aber im Waldviertel gibt es sicher weniger Distanz zwischen den Menschen. (Thomas, 20)

Zuhause im Waldviertel kennt jeder jeden, in Wien geht man nur stillschweigend aneinander vorbei. (Bettina, 20)

Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl

Was war für dich die größte Umstellung?

Gewöhnungsbedürftig war vor allem die Hektik, die in Wien leider in vielen Lebensbereichen vorherrscht, in den Supermärkten, im Straßenverkehr, sogar auf den Gehsteigen. Mir ist schon klar, dass in einer Großstadt Vieles schneller gehen muss, aber ich kaufe nicht allen ab, im Dauerstress zu sein. (Thomas, 20)

Mir fehlt vor allem die Ruhe, die Natur, die Stille… Wenn man hinausgeht, ist man im Waldviertel nicht direkt von einem Haus nach dem anderen umgeben. Manchmal vermisse ich es sehr, einfach im eigenen Garten zu sitzen oder Zeit mit meinen Haustieren zu verbringen. (Lucia, 19)

Auf welche Schwierigkeiten bist du gestoßen?

Gerade zu Beginn war es nicht immer einfach sich in den großen Menschenmengen zurechtzufinden und die Ruhe zu bewahren. Auch die Öffis haben meine Nerven das ein oder andere Mal auf eine harte Probe gestellt. (Lucas, 22)

Die wohl größte Schwierigkeit war auf sich allein gestellt zu sein, besonders in Hinblick auf das Studium. Anders als in der Schule fühlt man sich zu Beginn ehrlich gesagt ein bisschen verloren und wie eine x-beliebige Nummer, schließlich hat man statt ca. 20 Mitschülern plötzlich ein paar hundert Kommilitonen um sich. Und von den Problemen mit Parkplätzen, Parkpickerl, etc. möchte ich gar nicht erst anfangen…  (Nicole, 19)

Zu Beginn war die Orientierung in der Uni schon eine Herausforderung, aber auch das wird mit der Zeit deutlich einfacher. Außerdem hab‘ ich mich zu Beginn mit den Anmeldefristen gar nicht ausgekannt, da das oft zu unübersichtlich war. (Lucia, 19)

studium wien

Der Umstieg von Schule auf Studium ist nicht zu unterschätzen. Quelle: pixabay.com

 

Was hast du am Waldviertel erst so richtig zu schätzen gelernt, seit du in Wien lebst?

Früher brauchte ich zur Schule nur 10 Minuten, jetzt brauche ich bis zur FH nach Krems 1,5 Stunden – auch wenn es meine Entscheidung war in Wien zu bleiben und ich froh darüber bin, wäre es nicht schlecht, weniger Zeit in den Wiener Öffis und im Zug unterwegs zu verbringen. (Lisa, 19)

Man schätzt erst was man hat, wenn man’s nicht mehr hat. Also die gewohnte Umgebung, in der man aufgewachsen ist, die Familie ständig um sich zu haben – einfach mit meinen Eltern oder meiner Schwester viel Zeit verbringen zu können. (Nicole, 19)

Die herzhaft zubereiteten Mahlzeiten von Mama. (Bettina, 20)

Möchtest du später zurück ins Waldviertel ziehen oder doch eher in Wien bleiben?

Prinzipiell würde ich es bevorzugen im Waldviertel zu wohnen, wenn es mit meinem zukünftigen Job vereinbar wäre. Das ist jedoch eher unsicher, deshalb schließe ich es nicht aus, in Wien zu bleiben. (Lisa, 19)

Prinzipiell würde ich später lieber zurück ins Waldviertel ziehen, da ich der Meinung bin, dass vor allem das Leben mit Familie und Kindern im Waldviertel angenehmer als in Wien ist. Natürlich hängt das aber auch von der Arbeit ab, man wird’s dann in einigen Jahren sehen, wie es sich ergibt. (Lucas, 22)

Obwohl es mir in Wien ganz gut gefällt, glaube ich nicht, dass das Leben in der Großstadt auf Dauer etwas für mich ist. Natürlich kommt es dann auch darauf an, wo sich arbeitsplatzmäßig etwas ergibt, aber ich tendiere schon eher zum Landleben. (Thomas, 20)

waldviertel wien

In Wien bleiben oder doch lieber zurück ins Waldviertel?

Welche Tipps möchtest du Wien-Neulingen aus dem Waldviertel geben?

In der Großstadt laufen viele Dinge anders auf dem Land, aber es ist auch keine Wissenschaft, sich in Wien zurechtzufinden. Man muss sich zwar umstellen und auf andere Dinge achten als im Waldviertel, aber ich glaube, dass man mit dem Waldviertler Hausverstand generell gar nicht so schlecht fährt. Auf Vieles kommt man ohnehin von selbst drauf und für den Rest gibt’s Internetseiten bzw. Facebook-Gruppen. Ich persönlich finde es auch wichtig, sich nicht komplett von der Großstadt-Hektik vereinnahmen zu lassen – so gut es geht zumindest. (Thomas, 20)

Ein paar Tipps für den Einstieg? Also, man sollte sich möglichst früh mit den Öffis auseinandersetzen. Sobald man sich ein bisschen damit befasst hat, wird es immer leichter sich zurechtzufinden. Diejenigen, die mit dem Auto nach Wien fahren, sollten darauf achten, das Auto eher am Stadtrand – entweder in parkpickerlfreien Zonen oder in Park & Rides – stehen zu lassen um unnötigen Staus aus dem Weg zu gehen. Natürlich sollte man auch an Parkpickerlzonen (nur mit Hauptwohnsitz in Wien möglich!) denken oder wenn nötig einen Garagenstellplatz in Erwägung ziehen – die sind jedoch meistens nicht sehr günstig. An der Stelle ist natürlich auch die Wohnungswahl zu erwähnen, die Lage spielt eine wichtige Rolle.
Ein letzter Tipp: auch wenn man eigentlich zum Studieren oder Arbeiten in Wien ist, sollte man die Chancen zur Freizeitgestaltung nutzen, Wien kennenlernen und das Stadtleben genießen.  (Lucas, 22)

Geht zum Woodman! Da trifft man immer bekannte Gesichter. (Bettina, 20)

Ich sag’s so wie es ist und so, dass sich jeder auskennt: Ma deaf si afoch nix scheißn! (Nicole, 19)

 

Wie ihr seht haben vor euch schon viele Waldviertler den Umzug hervorragend gemeistert. Auch, wenn die Umstellung am Anfang oft sehr spannend ist, werdet ihr sehen, dass ihr an euren Herausforderungen wachsen werdet. Mit Sicherheit werdet ihr euch innerhalb kürzester Zeit in Wien einleben und zurechtfinden.

Falls ihr noch weitere Tipps für Wien-Neulinge habt oder eure Erfahrungen mit uns teilen wollt, schreibt sie in die Kommentare!

 
 

veröffentlicht von Carina

20. Dezember 2017

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