Extravant. Klassische Musik in Wien

Foto: Julio Rionaldo
FREIZEIT & SPORT

veröffentlicht von david

24. Januar 2020

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Mozart, Beethoven, Haydn, Schubert: Wien ist eine Hochburg der klassischen Musik. En Konzertbesuch lohnt sich – und er muss nicht einmal teuer sein.

Es klingt wie das touristischste Klischee von allen, aber Wien ist eine Stadt der klassischen Musik. Neben Salzburg vielleicht sogar DIE Stadt der klassischen Musik. Mozart, Beethoven, Haydn, Schubert … sie alle residierten Zeit ihres Lebens in Wien. Dabei prägten sie nicht nur die Musik selbst, sondern auch Wien als Stadt.

Wer nicht gerade ein klassisches Instrument spielt, kommt mit den Meisterwerken vieler Komponisten aber hauptsächlich in der Schule in Kontakt, die fast nie positiv konnotiert ist. Ohnehin wird klassische Kunst für viele erst mit dem Studium oder der Arbeit interessant. Vielleicht braucht man einfach eine gewisse geistige Reife, um die Schönheit klassischer Musik zu verstehen. Oder einen gewissen Alltag. Denn gerade im stressigen Stadtleben wirkt klassische Musik fast ein bisschen meditativ.

Dieses Gefühl kommt übrigens nicht von irgendwoher. Die Zeitschrift New Scientist schreibt, dass das Hören von Mozart nachweislich die Lern- und Merkfähigkeit des Gehirns verbessert. Ebenso fand die University of Southern California heraus, dass klassische Musik als Hintergrundmusik in Vorlesungen dazu führte, dass Studenten die Informationen besser aufnahmen. Klassische Musik ist also nachweislich gut für unser Gehirn. Ein Grund mehr, von Zeit zu Zeit ein Konzert zu besuchen.

Zugegeben, gerade Sitzplätze von Klassik-Konzerten können schnell mehr als 50 oder 100 Euro kosten. Aber keine Sorge. Es gibt genügend günstige Alternativen – auch für spontan Entschlossene. Wir haben zusammengefasst, wo es die besten Konzerte zum günstigsten Preis gibt.

1. Der Wiener Musikverein

Der Wiener Musikverein ist so etwas wie das Königshaus der klassischen Wiener Musikszene. Hier spielen die Besten der Besten. Das Wiener Symphonieorchester, Ensembles aus aller Welt oder ausgewählt Solokünstler.

Der große Saal des Wiener Musikvereins

Der große Saal des Wiener Musikvereins. Foto: Wikimedia

Um zu verstehen, was den Wiener Musikverein so besonders macht, ist ein kurzer Blick in die Geschichte nötig. Im Jahr 1812 gründete der Theaterleiter Joseph Sonnleithner die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, welche ab 1831 Konzerte in einem Saal an den Tuchlauben veranstalte. Dieser wurde allerdings bald zu klein. Daher erhielt die Gesellschaft 1863 einen Bauplatz für ein Konzertgebäude gegenüber der Karlskirche. Sieben Jahre später, im Jänner 1870, öffnete die Konzerthalle des Musikvereins ihre Pforten – und ihre grandiose Akustik machte sie schnell weltweit bekannt.

Bis heute gilt der große Saal als einer der besten Konzertsäle der Welt. Der Raum hat ideale Proportionen, nicht zu viele Plätze, ein genügend großes Volumen und außer dem Publikum keine schallabsorbierenden Flächen. Ein besser Konzertsaal findet sich kaum.

Nun klingt der Wiener Musikverein erst einmal ziemlich teuer. Ist er auch. Stehplätze gibt es aber schon um sieben Euro. Für ein Konzert einer der besten Orchestern der Welt ist das praktisch kein Geld. Und für Kurzentschlosse liegen im Musikverein auch fast immer Resttickets zu diesem Preis auf. Der Verkauf beginnt immer eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Wer also Wiener Musik „at its best“ erleben will – dann ist Musikverein ist der Ort der Wahl. Das Programm ist selbstverständlich online zu finden.

2. Das Wiener Konzerthaus

Ähnlich, aber nicht gleich. Das Wiener Konzerthaus klingt im ersten Moment wie die prunkvollere Variante des Musikvereins, aber eigentlich ist es umgekehrt. Das 1890 geplante Haus für Musikfeste sollte ursprünglich breitere Bevölkerungsschichten ansprechen als der 200 Meter entfernte Wiener Musikverein. Errichtet wurde das Gebäude schließlich zwischen 1911 und 1913. „Eine Stätte für die Pflege edler Musik, ein Sammelpunkt künstlerischer Bestrebungen, ein Haus für die Musik und ein Haus für Wien“, sollte es werden.

Der große Saal des Wiener Konzerthaus

In Sachen Optik nehmen sich der Musikverein und das Konzerthaus nichts. Foto: Wikimedia

Das Programm im Konzerthaus ist vielleicht einen Tick moderner als im Musikverein, aber im Kern nehmen sich die beiden nichts. Auch hier sind die Tickets nicht ganz billig. Ermäßigungen für Jugendliche bis zum 26. Lebensjahr gibt es aber. Ab dreißig Minuten vor Veranstaltungsbeginn können je nach Verfügbarkeit Restkarten zum Preis von 12 Euro gekauft werden.

3. Abende der Musikuniversität Wien

Was ich auch selbst lange nicht am Schirm hatte waren die Musikabende der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw). Wie sich herausstellt, bietet die mdw exzellente Möglichkeiten, um Studierenden bei ihren Konzerten zuzuhören – bei freiem Eintritt.

Nach eigenen Angaben ist die mdw die größte Kunstuniversität Österreichs und die größte Musikuniversität weltweit. Sie zählt rund 3.000 Studierende und 850 Lehrende und hat eine mindestens genauso umfassende Geschichte wie fast alle anderen Musikinstutionen in Wien. Wie der Musikverein geht auch die Universität für Musik und darstellende Kunst auf die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien zurück. Sie rief 1817 eine Singschule ins Leben, die den Grundstein für die Universität legte. Ab 1819 begann man ebenso mit Instrumentalunterricht.

Die Universität für Musik und darstellende Kunst

Die Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien. Foto: Wikimedia

Die mdw ist also DIE Ausbildungsstätte für die nächste Generation an Musikern. Für Interessierte bietet die Universität mehrmals pro Woche die Möglichkeit, Studierenden bei diversen Ensemble-, Violin-, Trompeten-, Klavier- oder Saxophon-Abende – um nur einige zu nennen – zuzuhören. Der Eventkalender mit allen Terminen ist online jederzeit abrufbar – und der Eintritt ist fast immer frei.

4. Die Alternativauswahl

Abseits dieser drei großen Institutionen bietet Wien auch einige kleinere, unbekanntere Konzertstätten. Eines davon ist das Haus der Ingenieure im Palais Eschenbach. Dort finden immer wieder kleinere Konzerte statt, bei denen Tickets für Schüler und Stunden gerade einmal 10 Euro kosten. Das Haus der Ingenieure selbst zählt zu den bedeutendsten Ringstraßenpalais Wiens. Es wurde im Stil der italienischen Renaissance errichtet und befindet sich in unmittelbarer Nähe des Museumsquartiers und des Burggartens.

Eine andere Alternative Location ist das MuTh, was abgekürzt für Musik und Theater steht. Das MuTh der Konzertsaal der Wiener Sängerknaben im Augarten im 2. Bezirk, der 2012 eröffnet wurde. Auch hier finden regelmäßig Konzerte statt, die zumeist sehr modern geprägt sind. Allerdings sind die Tickets mit Preisen zwischen 40 und 100 Euro etwas teurer. Ermäßigungen für Stunden gibt es leider nicht.

Klassische Musik in Wien – immer und überall

Gute, klassische Musik gibt es in Wien übrigens nicht nur in den großen Konzertstätten zu hören. Das allseits bekannte Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker bietet beispielsweise die Möglichkeit, das Orchester kostenlos und live im Schlossgarten Schönbrunn zu erleben. Dieses Jahr findet das Sommernachtskonzert am 21. Mai 2020 um 20:30 statt. Einziges Manko: Man muss sich mit den vielen Leuten dort arrangieren. Generell ist das Publikum bei klassischen Konzerten interessant. Meiner Erfahrung nach besteht es zumeist aus einer Mischung aus älteren, musikinteressierten Wienern, Touristen und einigen jüngeren Studenten.

Wer ein Konto bei der Ersten Bank hat, kommt übrigens in den Genuss vergünstigter Tickets zu diversen Veranstaltungen – darunter auch einige Klassik-Konzerte in Wien. Ein Blick in die aktuellen Ermäßigungen lohnen sich also.

Klassische Musik ist weniger spießig als sie klingt. Sie repräsentiert eine ganze geschichtliche Ära und ein Stück Wien. Wer sich ein bisschen mit der Stadt beschäftigt, kommt um die Vielzahl der klassischen Komponisten, die in Wien residierten, nicht herum. Denn schlussendlich haben sie Wien zu der Stadt gemacht, die sie heute ist. Abgesehen davon ist klassische Musik gut für dein Gehirn. In diesem Sinn, viel Spaß!

 
Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von Thomers

24. Januar 2020

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