Local Treasures: Alternative Führungen durch Wien

Foto: Patrick Sabitzer
FREIZEIT & SPORT

veröffentlicht von david

4. Oktober 2019

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Führungen durch Wien gibt es viele – und die meisten sind touristisch. Abseits davon existieren aber noch unzählige weitere, witzige und absurde Führungen.

Was sind eigentlich die schirchsten Orte in Wien? Was sind die dunkelsten Geschichten der Stadt? Und wie leben eigentlich Obdachlose? Falls du dich eines dieser Dinge schon einmal gefragt hast, dann findest du die Antwort in einer der vielen Führungen durch Wien. Denn abseits der klassischen Touristen-Touren durch den ersten Bezirk, die Hofburg und zum Stephansplatz existiert auch eine ganze Reihe alternativer Führungen durch Wien.

Wer für die Arbeit oder das Studium aus dem Waldviertel nach Wien zieht, beschäftigt sich anfangs nicht unbedingt intensiv mit der Stadt. Zumindest war das bei mir so – bis ich bemerkt habe, was für eine unglaublich tolle Stadt Wien eigentlich ist. Also habe ich angefangen, mich mit der Geschichte zu befassen und an Stadtführungen teilzunehmen. Dabei bin ich auf so einiges gestoßen – unter anderem einige absurde und witzige Touren, die einem Wien von einer ganz neuen Seite näherbringen. Welche genau das waren, erzähle ich euch in diesem Artikel.

Schöne Hässlichkeit

Eines muss man Wien lassen: Es ist verdammt schwierig, „hässliche“ Orte zu finden – Orte, an denen man sagen würde „boah, das ist schirch“.  Von einigen unschönen Bauten ist die Stadt dann aber auch nicht verschont geblieben. Ebendiesen nimmt sich der Brite Eugene Quinn in seiner „Vienna Ugly Tour of the Worst Buildings“ ein Mal monatlich vor. Anhand von 19 Beispielen sehen die Teilnehmer, wie hässlich Wien sein kann.

Abgesehen davon bietet der Veranstalter Space and Play auch weitere absurde Führung, die Wien von einer Seite präsentieren, die man sonst wohl nie kennenlernen würde. Im August veranstaltete Space and Play beispielsweise eine Führung durch den Resselpark, die sich all den Statuen dort widmete und thematisierte, was die Statuen wohl sagen würden, wenn sie für einen Tag zum Leben erwachen würden. Die Führungen kosten allesamt zwischen 10 und 15 €.

Insta-Tours

Wien von seiner wohl „instagrammable“-sten Seite – das bekommt man bei einer Teilnahme an den Vienna Instant Tours zu sehen. Das Prinzip dahinter ist so einfach wie genial: Die Führungs-Teilnehmer bekommen eine Instant-Polaroid-Kamera in die Hand gedrückt, werden 2,5 Stunden lang durch Wien geführt und können im Zuge dessen Fotos von Foto-Spots Wiens machen . Die geschossenen Bilder dürfen die Teilnehmer danach selbstverständlich behalten.

Vienna Insta Tours

Bei den Vienna Insta Tours geht es mit Polaroid-Kamera quer durch Wien. Foto: Florian Albert

Ganz billig ist so eine Instant-Tour jedoch nicht: Die Teilnahme kostet 55 €. Als einmalige Erfahrung ist es aber wohl durchaus seinen Preis wert.

Die dunkle Seite Wiens

„Join the dark side.“ – Zumindest in Wien geht das im Zuge der Secret Vienna Tours tatsächlich. Der Veranstalter bietet nämlich Führungen der anderen Art – und ein das wohl spannendste Angebot ist eine Führung mit dem Namen „The Dark Side of Vienna„. Sie thematisiert die gruseligen, grausamen Seiten in der Geschichte Wiens anhand bekannter Touristenplätze und findet – wie zu erwarten – abends statt. Kinder unter 13 Jahren dürfen an der Führung erst gar nicht teilnehmen.

Heldenplatz bei Nacht

Auch der Heldenplatz hat seine dunklen Geheimnisse. Foto: Flickr / Spalti

Daneben bietet Secret Tours auch weitere Führungen, die ähnlich spannend sind – vor allem, wenn man die Highlights Wiens bereits kennt. Die „Behind the Scenes“ Führung bringt ihren Teilnehmern etwa die authentischen Seiten Wiens näher und erkundet sozusagen die „Hidden Gems“ der Stadt.

Bei allen Führungen der Secret Vienna Tours ist die Zahl der Plätze stark begrenzt. Wer dabei sein möchte, muss also unbedingt einen Platz reservieren. Die Kosten belaufen sind mit 18 € eher überschaubar – vor allem für ein derartiges Angebot.

Das Leben als Obdachloser

Was heißt es, auf der Straße zu stehen? Wie ist das Leben als Obdachloser und womöglich sogar Drogenabhängiger in Wien? Nicht alles an Wien ist schön und prunkvoll – und das wird nirgendwo deutlicher als bei einer der vielen Obdachlosentours in Wien. Grundsätzlich gibt es hier zwei große Veranstalter – Shades-Tours und Supertramps. Beide kosten jeweils zwischen 10 und 20 €. Zu den Shades-Tours gibt es auch bereits einen ausführlicheren Artikel von uns.

Obdachlosentours funktionieren in den meisten Fällen folgendermaßen: Ein ehemaliger Obdachloser oder eine ehemalige Obdachlose führt die Teilnehmergruppe durch ihr persönliches Wien. Dabei geht es nicht darum, was diese Orte besonders macht, sondern was diese Person dort erlebt hat. Jede einzelne Führung ist ein Einblick in das Leben des Tourguides mit allen Tiefs und Hochs. Sie erzählen, wo sie übernachten, wo sie essen, wie sie ihre Zeit verbringen, wo es medizinische Versorgung gibt, wie das ganze überhaupt passieren konnte und wie sie es schlussendlich aus der Obdachlosigkeit geschafft haben.

Shades Tour Führung durch Wien

Eine Shades-Tours-Führung in der Wiener Innenstadt. Foto: Patrick Sabitzer

Obdachlosentours sind nicht einfach Stadtdführungen – sie sind Führungen durch das Leben einer Person. Das macht sie unglaublich spannend und wertvoll. Lebensweisheiten von jemandem, der finanziell am absoluten Tiefpunkt war, bekommt man in der Form kaum anderswo.

Vienna Greeters

Wien ist ja nicht gerade für seine Gastfreundschaft bekannt. Bei den Tourguides Vienna Greeters ist von dieser Abneigung jedoch nichts zu spüren. Sie zeigen Besuchern ihr persönliches Wien – ähnlich wie bei den oben genannten Obdachlosen, nur weniger bedrückend. Die Führungen der Vienna Greeters sollen in erster Linie Spaß machen und einen authentischen Einblick in die Stadt bieten – und sie sind kostenlos. Denn dahinter steckt ein weltweites Netzwerk, die International Greeter Association. „Greeter“-Führungen gibt es nämlich nicht nur in Wien, sondern auch in einer ganzen Reihe an anderen Städten.

Die Führung sind für Touristen und Interessierte von überall konzipiert – also dürfte es kein Hindernis sein, die Führung auch als Wahlwiener zu besuchen. Man muss sich lediglich knappe zwei Wochen vor dem Wunschdatum anmelden, damit der Veranstalter einen geeigneten „Greeter“ finden kann.

 

Selbst, wenn du denkst, dass du schon alles in Wien gesehen hast: Die hier angeführten alternativen Führungen durch Wien dürften dir mindestens eine weitere, neue Seite der Stadt zeigen. Und jetzt: Viel Spaß beim Erkunden!

 
Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von david

4. Oktober 2019

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Buchhandlungen sind Zeitkapseln. Magisch. Ein bisschen wie Bibliotheken. Nur anders. Wir haben die besten in ganz Wien.