Radfahren in Wien: Auf dem Sattel durch die Stadt

FREIZEIT & SPORT

veröffentlicht von sophie

19. Juni 2016

FREIZEIT & SPORT

Beim Radfahren in Wien gibst du das Tempo an. Du bestimmst selbst, wann du ankommst und wann du wegfährst. Mit ein paar Tipps gelingt dir auch als Neuankömmling aus dem Waldviertel der Aufstieg auf´s Rad mühelos.

Die große Erkenntnis vorab: Radfahren in Wien ist anders als im Waldviertel. Aber deswegen macht das Radeln auch viel mehr Spaß. Du flitzt mit dem Citybike oder deinem eigenen durch verwinkelte Gassen, rumpelst über Pflastersteine, kurvst bei Denkmäler vorbei und ehe du dich versiehst, radelst du wieder mitten in der Natur. Wenn dir dabei deine Kette rausspringt oder deine Bremsen elendig quietschen, dann findest du in Wien rasch Hilfe.
Radfahr-Anfänger in Wien ist dieser Artikel besonders ans Herz zu legen. Zu guter Letzt gibt´s persönliche Tipps einer langjährigen Fahrradfahrerin in Wien.

Warum Radfahren in Wien?

Radfahren in Wien heißt das Tempo selbst bestimmen, flexibel sein und die Stadt auf eine völlig andere Art kennenzulernen. Radfahren in Wien bedeutet Zeitersparnis und gleichzeitige Bewegung. Beim Radfahren wählst du deine Routen selbst. Du entscheidest über die Abfahrt und Ankunft. Wartezeiten wegen eines defekten U-Bahn-Waggons brauchen dich auf deinem Sattel nicht zu kümmern. Außerdem brauchst du keine Sicherheits-Zeitpolster für etwaige Ausfälle mehr. Du bist dein eigener Antrieb. Auf dem Rad bist du alles was zählt.

Ein Rad in Wien bietet dir Flexibilität. Du wolltest schon immer den Ring auf eigene Faust erkunden? Auf dem Radweg die hupenden Autos überholen und den ganzen Stress hinter dir lassen? Du wolltest schon immer wissen, wo du landest, wenn du einfach in dieser verschlungenen Seitengasse abbiegst? Probiere es aus! Dein Fahrrad ist dir ein treuer Begleiter in Wien. Beim Radfahren in Wien lernst du die Stadt abseits der Straßenbahntrassen und der Buslinien kennen. Radfahren bedeutet hier nicht nur Asphalt und Beton. Radle auf Schotterwegen und über gestampfte Erde. Radle im Wienerwald und auf der Donauinsel. Hole dir ein Stück Natur, das du aus dem Waldviertel gewohnt bist, zurück.

Vor 5 Minuten noch in der Stadt und jetzt zwischen Pinot-Noir-Reben mit Blick auf den Kahlenberg.

Vor 5 Minuten noch in der Stadt und schon steht man zwischen Pinot-Noir-Reben und blickt auf den Kahlenberg

Welche Radrouten gibt es in Wien?

190 Kilometer – solange war das Radverkehrsnetz in Wien in den 90er Jahren. Heute kann das Radfahren in Wien auf 1.298 Kilometer zelebriert werden – so lange ist nämlich das Radverkehrsnetz in der Bundeshauptstadt. Die MA 46, die Abteilung für Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten, hat die Länge der Radwege in den einzelnen Bezirken anschaulich dargestellt. Mit mehr als 244 Kilometer Länge aller Radwege liegt der 22. Bezirk klar vor allen anderen Wiener Bezirken. Der Grund dafür ist schnell gefunden: die Donauinsel liegt im 22. Bezirk. Danach folgen der 21. Bezirk mit 166 Kilometer und der 10. Bezirk mit 93 Kilometer. In Wieden, dem vierten Bezirk, radelt man hingegen nur auf 12 Kilometer durch Wien. Auf wie viel Kilometer du in deinem Bezirk Fahrradfahren kannst, liest du hier.

Die Stadt Wien hat sich für Fahrrad-Begeisterte etwas einfallen lassen: Die Themenradwege. Sie sind in drei Kategorien eingeteilt. Darin sind Radwege mit bestimmten Schwerpunkten angeführt. Diese Radwege führen Radfahrer an historischen Bauten und an Denkmäler vorbei oder locken sie in die Natur. Die einzelnen Themenradwege sind im PDF-Format einsehbar. Wer sich für seine nächste Radreise gut vorbereiten möchte, druckt sich die Legende einfach aus.

  • Die Kategorie „Durch die Stadt“ spricht für sich. Hier gibt´s Infos zum Gürtelradweg, dem Kagraner Radweg oder auch einer Fahrt auf dem Ring.
  • „Am Wasser“ beschäftigt sich mit Wiener Radwegen rund um Wiens Gewässer. Besonders schön ist der Wienflussradweg. Großer Vorteil der Radwege rund ums Wasser: Sie sind gerade und deshalb mit wenig Anstrengung verbunden. Genuss steht hier im Vordergrund.
  • Wer zu den Abenteuerradfahrern gehört, sollte sich die Kategorie „Über Wien hinaus“ besser ansehen.  Hier ist der Donauradweg beschrieben. Dieser führt durch Städte wie Linz, Wien, Bratislava und Budapest.
Donauradweg

Der Donauradweg auf der Höhe von Nussdorf

Wenn du jetzt schon ungeduldig wirst und am liebsten losfahren möchtest, dann stellt sich die Frage: Mit was fährst du? Nicht jeder Neuankömmling aus dem Waldviertel hat den Luxus ein eigenes Rad in Wien zu haben. Auch für diesen Fall hat die Stadt Wien vorgesorgt. Die Lösung nennt sich Citybike.

Radfahren in Wien: Citybike

1.500 Citybikes sind in 121 Standorten quer durch Wien verteilt verfügbar. Citybikes sind öffentlich nutzbare Fahrräder. Jeder und jede Radbegeisterte kann sich ein Stadtfahrrad ausborgen. Um mit dem Citybike durch Wien zu radeln, muss man sich einmalig anmelden.

Anmeldung bei einer Citybike-Station am Schwedenplatz.

Anmeldung bei einer Citybike-Station am Schwedenplatz

1) Anmelden

Die Anmeldung kann online, oder bei einer der Citybike-Stationen passieren. Die Stadt Wien hat hier alle Citybike-Stationen aufgelistet. Für die Anmeldung braucht man eine Kreditkarte, eine Bankomatkarte, oder man beantragt die Citybike-Karte. Die Anmeldegebühr beträgt einen Euro. Diese Gebühr wird dir nicht vom Konto abgebucht, sondern gilt als Gutschrift.

2) Entlehnung

Der Weg zum Radfahren in Wien ist nicht mehr weit. Bei einem der Citybike-Standorte steckst du deine Bankomatkarte, Kreditkarte oder Citybike-Karte in den Kartenleser. Dann wählst du ein Fahrrad aus und entnimmst es aus der Citybike-Box.

3) Tarife

Die erste Stunde ist gratis. Wenn du innerhalb dieser Stunde dein Rad wieder an einem der Standorte zurückgibst und 15 Minuten wartest, dann kannst du danach wieder eine Stunde gratis mit dem Citybike durch Wien radeln. Ansonsten gestalten sich die Tarife wie folgt: Die zweite Stunde kostet dich einen Euro, die dritte Stunde zwei Euro, die vierte Stunde vier Euro und jede weitere Stunde ebenfalls vier Euro.

4) Rückgabe

Nach deiner Radtour durch Wien schiebst du das Fahrrad wieder in die Citybike-Box. Warte unbedingt, dass das grüne Licht aufleuchtet. Das ist die Bestätigung, dass dein ausgeborgtes Fahrrad wieder abgeschlossen ist. Wenn ein unversperrtes Rad vom Citybike-Serviceteam aufgefunden wird, musst du 20 Euro zahlen. Bringst du das Citybike innerhalb von 120 Stunden nicht mehr zurück, dann werden dir 600 Euro verrechnet.

Radfahren in Wien: eigenes Rad

Wenn du Wien auf dem eigenen Rad erkundest, dann machst du dir über andere Dinge Gedanken, als die nächste Citybike-Station. Zum Beispiel über die Instandhaltung deines Fahrrades. Funktionieren deine Bremsen und dein Licht? Wird die Kette dieses Mal wieder rausspringen? Ist genug Luft in den Reifen? Wer das Rad nur für Fahrten zur Uni oder zur Arbeit nutzt, hat oftmals nicht die richtige Ausrüstung um geplatzte Reifen zu flicken oder die Kette zu ölen. Wiener Gelegenheitsradler wissen sich aber zu helfen. Im WUK gibt’s die Fahrrad-Selbsthilfe. Hier stehen dir Ersatzteile, Werkzeuge und Leute, die dir helfen können, zur Verfügung. Wichtig: Hier bekommst du Tipps zur Radreparatur und schraubst, pickst, schmierst selbst.

Zwettler Zwickl

Wo:

  • Währinger Straße 59, 1090 Wien

Öffnungszeiten:

  • Jeden ersten und jeden dritten Samstag im Monat von 13:00 – 17:00 Uhr
  • Montag, Dienstag, Mittwoch von 15:00 – 19:00 Uhr

Kosten:

  • Du zahlst vier Euro und kannst die Werkstatt den ganzen Nachmittag benutzen.

Einen gratis Fahrrad-Check bietet dir die Radrettung der Grünen. Hier zangeln ehrenamtliche Fahrradprofis an deinem Rad. Bei deinem Fahrrad-Check kannst du dir wichtiges Know-How, gute Tipps, Broschüren und Goodies zum Thema Radfahren in Wien besorgen.

Wo:

  • Der Ort ändert ständig und ist online einsehbar. Mal wird vor der TU, mal beim Donauzentrum geölt und geklebt.

Öffnungszeiten:

  • Auch die Öffnungszeiten musst du dir online checken. Üblicherweise gilt: 10:00 – 13:00 Uhr oder 15:00 – 18:00 Uhr. Tipp: Früh dort sein lohnt sich! Der Andrang ist immer groß. Die Fahrräder werden nach dem First-Come, First-Serve-Prinzip auf Vordermann gebracht. Die Radrettung der Grünen ist zwischen Frühling und Herbst aktiv.

Kosten:

  • Der Fahrrad-Check ist kostenlos. Benötigst du Ersatzteile wie einen Fahrradschlauch, dann sind die Materialkosten vor Ort in bar zu zahlen.

Tipps und Infos zum Radfahren in Wien

Als langjährige Fahrrad-Fahrerin in Wien habe ich einige Tipps und Infos für euch, denn Fahrradfahren soll schließlich Spaß machen. Folgendes solltet ihr jedoch beachten:

  • Sperre dein Rad ab.
    • So banal es auch klingen mag, viele Leute vergessen einfach darauf.  Nicht abgesperrte Räder, aber auch abgesperrte Räder werden regelmäßig gestohlen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, kurz bmvit, wurden im Jahr 2015 28.018 Fahrräder in Österreich gestohlen. Mein persönlicher Tipp: Investiere lieber mehr als 10 Euro in dein Fahrradschloss. Gute Erfahrungen habe ich mit dem Bügelschloss gemacht. Auf der Website des bmvit gibt´s nähere Infos zu den Präventionsstrategien gegen Fahrraddiebstahl.
  • Stelle dein Rad bei Radabstellplätzen ab.
    • Radabstellplätze sind in der Nacht gut beleuchtet, sie sind gut zugänglich, du behinderst dadurch keine anderen Personen und du kannst dein Rad daran optimal befestigen. Die meisten Radabstellplätze gibt es übrigens im 9. Bezirk. Hier finden 4.089 Räder Platz. Die Stadt Wien hat dazu eine genauere Aufschlüsselung nach Bezirken erstellt.
Radabstellplatz

So sicherst du dein Rad am Radabstellplatz richtig.

  • Du hast dir ein besonders teures Rad gekauft? Ab damit in deine Wohnung!
    • Sich ständig Sorgen zu machen, ob du auch am nächsten Tag mit deinem Rad zur Uni fahren kannst, nervt. Erspare dir das und schleppe das Rad lieber in deine Wohnung. Besser wäre natürlich ein hauseigener Fahrradkeller. Aber auch diese sind nicht vor Diebstahl gefeit.
  • Stelle dein Fahrrad nicht widerrechtlich im Stiegenhaus ab.
    • Das verstößt gegen die Brandschutzverordnung und die Entfernung des Fahrrads kann ziemlich teuer werden. Außerdem landet dein Fahrrad dann vermutlich beim Sperrmüll.
  • Setze auf deinen Hausverstand.
    • Ja, du hast es eilig. Ja, du bist flinker als die Autos. Ja,… und Ja, du bist auch derjenige Verkehrsteilnehmer, der am ehesten Schaden bei Unfällen einstecken muss. Denke an den toten Winkel bei LKWs und PKWs. Laut fahrradwien.at passieren die meisten Unfälle, wenn ein LKW nach rechts abbiegt und er dabei einen geradeausfahrenden Radfahrer übersieht. Detaillierte Informationen zum Thema toter Winkel findest du auf deren Website.
  • Mach dich bemerkbar.
    • Schalte dein Licht an, montiere  Reflektoren an deinen Speichen und überprüfe, ob auch dein Rücklicht funktioniert. Klingle, wenn du dich Fußgänger näherst und sie dich nicht bemerken.
must have: Helm, Reflektoren, Beleuchtung und Sattelschutz

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  • Sei kein Arschloch.
    • Das gilt für alle Straßenverkehrsteilnehmer. Gib Handzeichen, wenn du dir im Straßenverkehr z.B. beim Vorrang nicht sicher bist. Halte genügend Abstand. Drängle nicht und bedanke dich, wenn jemand für dein waghalsiges Manöver abrupt abbremst.

Radfahren in Wien kann unheimlich Spaß machen, wenn man dabei nicht nur an sich selbst denkt. Kauf dir eine schöne Klingel, setz dir einen Helm auf und brettere durch den Großstadtdschungel. Du und dein Fahrrad haben in Wien noch lange nicht alles entdeckt! Wenn du aber lieber mit einer großen Gruppe fährst, dann empfehle ich dir die Wiener RADpaRADe. Sie findet jährlich zu Frühlingsbeginn statt. 2015 radelten dabei über 7000 Menschen am Ring entlang.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis zum Radfahren in Wien:

Du wünschst dir einen eigenen Fahrradübergang bei einer Kreuzung oder an deinem Weg zur Uni fehlt ein Stück Radweg? Deponiere deinen Wunsch in der Fahrrad-Wunschbox von fahrradwien.at. Fragen kostet Nichts. Radfahren übrigens auch nicht.

 
 

veröffentlicht von Carina

19. Juni 2016

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