Sauna und Tröpferlbäder in Wien

Das Warmbecken zum Schwimmen und Plantschen
FREIZEIT & SPORT

veröffentlicht von stefan

21. November 2017

FREIZEIT & SPORT

Ein ausgedehnter und entspannter Sauna-Abend in den historischen Tröpferlbädern von Wien ist genau das Richtige für die kalte Jahreszeit.

Für mich persönlich hat Sauna ganzjährig Saison, aber spätestens im Winter wenn die Temperaturen unter 0 °C sinken, sind die Saunen und Tröpferbäder in Wien auf jeden Fall einen Besuch wert. Insgesamt betreibt die Stadt Wien fünf Saunen mit Brausebädern und ein reines Brausebad. In diesem Artikel erfährst du alles über die letzten sechs Brausebäder, woher der Namen Tröpferlbad kommt und vieles wissenswerte über Saunakultur.

Gut und Günstig schwitzen

Ich bin seit über 10 Jahren ein begeisteter Saunageher und probiere gerne Thermen und Saunawelten im In- und Ausland. Dieses Hobby kann manchmal ordentlich ins Geld gehen, denn der Tageseintritt in Thermen inklusive Sauna schlägt mit über 30 EUR meist ordentlich zu Buche. Neben Geld fehlt auch im Altag oft die Zeit, sich den ganzen Tag dem Saunieren und Plantschen hinzugeben. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach einer Alternative gemacht und die Saunen und Brausebäder der Stadt Wien für mich entdeckt. Dort senke ich zwar regelmäßig den Altersdurchschnitt recht drastisch, aber trotzdem gehen ich sehr gerne hin. Sind wir uns mal ehrlich: Irgendwann (in weiter Zukunft) werden auch die straffsten Adoniskörper älter und ein wenig runzlig.

Um Ruhe wird ersucht

Bitte pssst! – Die Schilder erklären dir alles ganz genau. 😉

Die Geschichte der „Tröpferlbäder“

Im Jahr 1887 errichtete die Gemeinde Wien das erste Volksbad. Damals waren die Wohnungen noch nicht mit Dusche und Badewanne ausgestattet. Der regelmäßige Gang ins Volksbad war daher vorrangig für die Körperhygiene der Menschen notwendig. Darüber hinaus war es aber auch schon seit jeher ein gesellschaftlicher Treffpunkt für die Stadtbewohner.  In den folgenden 30 Jahren bis zum Ende des ersten Weltkriegs kamen laufend neue Bäder mit Brauseabteilungen hinzu. Insgesamt gab es 18 Volksbäder in Wien. In dieser Zeit wurden die Bäder von 3.5 Millionen Menschen im Jahr besucht.

Damals entstand auch der Kosename „Tröpferlbad“, denn die Duschen wurden von einem Wasserspeicher am Dachboden versorgt. Bei zu hohem Andrang war die Wasserversorgung so überlastet, dass das Wasser nur spärlich aus den Duschköpfen tröpfelte. Bis 1950 zog es jährlich 5 Millionen Besucher in die Tröpferlbäder. Danach wurden die Wohnungen weitgehend mit Badezimmern ausgestattet und der Gang ins Volksbad wurde für die meisten Bewohner überflüssig.

Die Musikgruppe TrioWien, bestehend aus Fredi Gradinger, Franz Horacek und Hans Radon, widmet sich im gleichnamigen Lied dem Tröpferlbad. Sie besingen es gewohnt wienerrisch, mit viel Schmäh und auch ein paar Funken Wahrheit. Das Lied könnt ihr euch auf Youtube ansehen.

Die letzten Brausebäder der Stadt Wien

Es gibt sie noch – die letzten Brausebäder in Wien. Das Apostelbad, Einsiedlerbad, Hermannbad, Penzinger Bad und Währinger Bad. Diese fünf Saunabäder bieten neben den Brauseabteilungen auch Sauna, Dampfkammer, Kaltbecken, Warmbecken und Ruhezone. Verglichen mit dem breiten Sauna-Angebot in den Hallen- und Kombibädern ist die Ausstattung hier eher eine Light-Version von der Wellness her, aber in punkto Flair und Interior sind diese einzigartigen Orte unübertrefflich und definitv einen Besuch wert. Man sollte aber keinen Luxus wie zum Beispiel in der Therme Wien erwarten.

Das Warmbecken zum Schwimmen und Plantschen.

Der Saunagang steht hier im Zentrum des Geschehens und das Ganze wird in netter, zuvorkommender und familierer Atmosphäre zelebriert. Ohne viel Chi-Chi und Schnickschnack. Bereits am Eingang taucht man in eine ganz eigene Welt. Ein Sauna-Mikrokosmos, eine kleine von unzähligen urbane Blasen in Wien, die es zu entdecken gilt. Die Gebäude sind mega historisch, bis oben hin vollgepackt mit Geschichte und es ist überall wohlig warm. An der Kassa bezahlt man als Erwachsener für eine Tageskarte 12.20 EUR (ermäßigt 9,90 EUR) und bekommt dafür einen bunten Papierstreifen ausgehändigt. Diesen tauscht  man beim Eingang zur Sauna an der Schlüsselausgabe gegen einen Schlüssel zum eigenen Spint.

Die Umkleidekabinen sind gemischt und daher nicht nach Geschlecht getrennt. Die Geschlechtertrennung findet durch die Öffnungszeiten statt. Die Zeiten teilen sich in nur für Männer, nur für Frauen und in Gemischt. Achte immer auf diese Öffnungszeiten, damit du nicht zur falschen Zeit in der Sauna auftauchst und aufgrund deines Geschlechts nicht hineingelassen wird.

Die folgende Ausrüstung empfehle ich dir für einen erfolgreichen Saunabesuch:

  • Saunatuch / Badetuch
    Die Größe des Tuches sollte so gewählt werden, dass du dich gut darauf setzen und legen kannst. Es empfiehlt sich zwei Tücher mitzubringen, damit du eines für die Sauna zum Vollschwitzen und ein zweites zum Duschen zur Verfügung hast.
  • Badeschlapfen
    Manche Saunen haben einen Außenbereich und der Boden kann im Winter sehr kühl werden. Außerdem ist es nicht jedermanns Sache barfuß auf das WC zu gehen.
  • Duschgel und Shampoo
  • Wasserflasche
    Nimm am besten eine Flasche die sich zum Wiederbefüllen eignet. Dann kannst du jederzeit an einem Waschbecken wieder auffüllen.
  • Optional kannst du folgendes einpacken
    • Saunadüfte für den Aufguss
    • Bademantel
    • Ein kleiner Snack für zwischendurch

Grundsätzlich ist der gesamte Saunabereich ein Nacktbereich und daher immer textilfrei zu betreten. Das heißt es sind keine Badehosen, Bikinis, Badeanzüge, Burkinis, Mankinis und ähnliches erlaubt. Ein Badetuch als Schurz um  das Becken gebunden oder ein Bademantel muss ausreichen.

Die Duschen in der Sauna

Eine wichtige Saunaregel – Bitte vorher immer duschen!

Auf Hygiene wird größter Wert gelegt und daher versteht es sich von selbst, dass man sich nach der Ankunft gleich mal ausgiebig waschen sollte. Es wird nicht gerne gesehen, dass Leute ungeduscht in die Sauna gehen. Also auch wenn du bereits vor zwei Stunden geduscht hast, hüpfe kurz unter die Brause und gut ist. Bei einer heißen Dusche kann ich gut ankommen und die Tiefenentspannung beginnt bereits während die ersten Tropfen des warmen, weichen Wassers an mir runter rieseln.

Die Tür zur Sauna-Kammer

Die Tür zur Sauna-Kammer. – Achtung: Aufguss! Nicht Eintreten!

Die Aufgüsse finden in einer oder mehrer Finnischen Saunen statt und die Aufgusszeiten sind genau vorgegeben. An den Wänden befinden sich meistens irgendwo Listen auf denen die genauen Aufgusszeiten angegeben sind, aber auch das Personal Vorort hilft gerne bei Fragen rund um den Saunabetrieb. Weil jeder Saunagang aus mehreren Schritten (Lüften- Vorschwitzen – Aufguss – Lüften) besteht, die für das Klima in der Saunakammer wichtig sind müssen die Aufgusszeiten genau eingehalten werden.

Die Saunakammern unterteilen sich meistens in drei verschieden hohe Sitz-Zonen. Unten, Mitte und Oben. Je nach gewünschter Intensität wählt man die richtige Stufe. Grundsätzlich ist es während der gesamten Zeit möglich den Sitzplatz zu wechseln, wenn ein anderer Platz vorhanden ist. Wenn es der Platz zulässt ist es natürlich auch möglich sich hinzulegen. Egal ob man sitzt oder liegt, der gesamte Körper muss sich auf dem Sauna- oder Badetuch befinden. Etwaige Badeschuhe und Schlappen sind nur in der ersten Reihe erlaubt und aus hygienischen Gründen ist es nicht gestattet damit auf das Holz zu steigen. Ich lasse sie meistens schon vor der Saunakammer stehen.

Nachdem alle gut vorgeschwitzt haben findet der Aufguss statt. Dieser wird von den Besuchern selbst durchgeführt. Die dafür benötigten Utensilien, wie Wasserkübel, Wasserkelle, Saunaduft und Wacheltuch werden vom Personal Vorort zur Verfügung gestellt. Meistens findet sich ein motivierter Besucher und/oder Stammgast, der den Aufguss für alle durchführt und die heiße Luft gekonnt im Raum herumwachelt. Die Saunakammer ist ein Ort der Ruhe und Entspannung und vor allem während des Aufgusses sollten die Gespräche auf das notwendigste beschränkt werden, damit der Saunagang für alle ein Genuss ist.

Bei Unwohlsein, Schwindel oder Ähnlichem ist es zu jeder Zeit gestattet die Sauna zu verlassen. Man sollte nicht zögern und sich auch von anderen Saunagästen nicht unter Druck setzten lassen. Jeder kann und darf die Saunakammer zu jeder Zeit verlassen. Das Verlassen der Sauna in einem solchen Fall sollte sehr zügig von Statten gehen, damit möglichst wenig heiße Luft entweichen kann. Aus Höflichkeit sollte dies aber nicht zur Gewohnheit werden.

Im Kaltbecken nach einem Aufguss unter zu tauchen ist das Beste.

Nach einem heißem Saunagang kommt die ersehnte Abkühlung. Wie die Abkühlung von statten geht hängt vom persönlichen Geschmack ab. Ich für meinen Teil kann mich am Besten im kalten Tauchbecken abkühlen. Vor dem Betreten der Pools ist Duschen verpflichtend. Daher führt mein erste Weg nach verlassen der Sauna, gleich in die Dusche. Danach geht es direkt mit Schwung ins kalte Becken. Dort bleibe ich je nach belieben und tauche ein paar mal ganz ins kalte Wasser ein. – Herrlich sag ich euch!

Die Ruhezone – Ein Ort der Entspannung und vielen gute Gesprächen.

Nach jedem Saunagang sollte man sich ausreichend Ruhe gönnen und viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Manche Besucher legen sich in die Ruhezone und trinken Wasser, andere schwimmen im Warmbecken und viele setzten sich ins Buffet zu ein, zwei Bier.

Das letzte reine Brausebad

Das letzte reine Brausebad ist das Volksbad Friedrich-Kaiser-Gasse im 16. Wiener Gemeindebezirk. Als Erwachsener kann man sich dort um 2.40 EUR eine ganze Stunde lang der Körperhygiene hingeben. Kinder und Jugendliche haben sogar freien Eintritt. Das Brausebad wird heute nur mehr von wenigen älteren Menschen besucht, die sich an ihre Routine gewöhnt haben und sich dieses Ritual nicht nehmen lassen wollen. Aber auch für Arbeiter, die sich vor der Heimfahrt noch schnell duschen möchten, ist das Volksbad ideal.

Ich selbst bin auf die Tröpferlbäder aufmerksam geworden, als die Dusche in meiner Wohnung aufgrund eines Wasserschadens herausgerissen werden musste und ich diese eine ganze Woche lang nicht verwenden konnte. Zu dieser Zeit ist neben den Duschen in den Wohnungen meiner Freunde und Angehörigen, auch die Dusche im Tröpferlbad eine tolle Abwechslung gewesen.

Deine persönliche Sauna Routine

Vieles während des Saunagangs ist individuell anpassbar. Ich für meinen Teil habe viel ausprobiert und bin jetzt bei einer Routine, die mir sehr viel Spaß macht und Entspannung bietet. Jeder kann für sich selbst eine ganz persönliche Sauna-Erfahrung zusammenstellen. Wenn du möchtest, dann lass einen Kommentar hier und erzähle uns wie deine ganz persönliche Sauna-Routine aussieht und was du am Saunieren besonders magst.

 

veröffentlicht von Alexandra

21. November 2017

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Ein voller Bücherschrank, eine gähnend leere Geldbörse, aber kein Lesestoff. Was tun? Auf zum nächsten öffentlichen Bücherschrank!