Wien mal anders: Alternative Spots für Besucher in Wien

Foto: Paul Volkmer
FREIZEIT & SPORT

veröffentlicht von david

27. November 2019

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Stephansplatz, Schönbrunn und Belvedere bieten Besuchern ein etwas verzerrtes Bild auf Wien. Wie zeigen die alternativen Seiten der Stadt.

„Zeig mir Wien, wie es wirklich ist“, schreibt mir eine Freundin. Sie kommt für einen Tag nach Wien, die großen Touristen-Hotspots kennt sie schon. Für ein paar Tage grüble ich, was nun repräsentativ für das Leben in Wien sein könnte – was interessante, alternative Orte sind. Die Auswahl ist riesig und eigentlich liegt die Antwort auf der Hand: Nahezu alles in Wien ist irgendwie interessant – sei es nun der Donaukanal, der Prater oder die Straßen Ottakrings. Denn alles hat seinen eigenen Charakter.

Der Vorteil, wenn man aus dem Waldviertel nach Wien zieht, ist ja, dass man das Stadtleben noch nicht gewöhnt ist – und dass sich dadurch jede Kleinigkeit auf die Größe eines Elefanten aufbläst, und zwar im positiven Sinn. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich nach dem Umzug wochenlang begeistert von den öffentlichen Verkehrsmitteln war oder wie beeindruckt ich von der Größe und Vielfalt der Donauinsel war. All das sind Dinge, die Wien ausmachen und nicht selbstverständlich sind. Das vergessen wir leider viel zu oft. Auf jeden Fall hatte ich nach ein wenig Zeit des Überlegens einen ziemlich präzisen Plan, was ich meiner Freundin zeigen wollte. Und damit du dir nicht dieselbe Mühe machen musst, habe ich die wichtigsten Punkte aufgeschrieben.

Start your day right!

Wie bei einem guten Roman macht der Einstieg auch bei Städtetrips viel aus. In Wien ist ein guter Start in den Tag simpel: Die Frühstückszeit eignet sich hervorragend, um Besuchern eines der vielen großartigen Cafés in Wien näherzubringen, ohne später eine Stunde extra für Kaffee einplanen zu müssen. In meinem Fall fiel die Wahl auf das Phil – einfach, weil es mein absolutes Lieblingscafé in Wien ist und durch seinen Büchershop eine gewisse Faszination mit sich bringt.

In meinem Fall stimmte das Frühstück alle Beteiligten auf einen aufregenden Tag in Wien ein – und da das Phil in der unmittelbaren Nähe des Naschmarktes liegt, führte der weitere Spaziergang auch gleich dahin. Wobei man dazusagen muss, dass der Naschmarkt eigentlich schon wieder zu den großen Touristenattraktionen zählt.

Über den Donaukanal in den Prater

Wer das „authentische Wien“ erleben möchte, kommt am Donaukanal nicht vorbei. Ja, er mag im Sommer ziemlich überlaufen sein – dennoch bietet der Kanal mit seinen Graffitis, und den unzähligen Strandlokalen ein Urlaubsfeeling, das kaum woanders in Wien zu finden ist. Aus pragmatischen Gründen machten wir uns bereits um die Mittagszeit auf in Richtung des Donaukanals auf – jedoch nicht mit der Absicht, etwas zu trinken. Viel eher marschierten wir über den Donaukanal in Richtung Leopoldstadt und Prater. Einerseits ist der Ausblick am Kanal einfach hervorragend und andererseits kommt man darüber zu fast zentralen Orten Wiens.

Hach, was wäre Wien bloß ohne den Donaukanal? Foto: Flickr/ Superscheeli

Sobald die Lokale am Kanal offen haben, zahlt sich natürlich immer auch das eine oder andere Getränk aus.

Zwischen WU und Vergnügungspark

Eigentlich ist die Leopoldstadt (2. Bezirk) ein Geheimtipp für Besucher: Kaum ein Wiener Bezirk ist ähnlich vielseitig. Während der erste Bezirk als Musiker wohl Mozart oder Haydn wäre, wäre die Leopoldstadt eine Pop-Band wie Daft Punk. Im Vergleich zu anderen Stadtteilen (I’m looking at you, Neubau) verschwindet der zweite Bezirk eher im Hintergrund. Dabei findet sich in der Leopoldstadt alles, was das Herz begehrt: der Prater (sowohl der Vergnügungspark als auch der Park an sich), altes Wohngebiet, neues Wohngebiet, der futuristisch-künstlerische Campus der Wirtschaftsuniversität Wien, ein Teil der Donauinsel und der Praterstern.

Das Wiener Riesenrad

Das Riesenrad im Prater ist quasi das zweite Wahrzeichen Wiens. Foto: Flickr/Michaela Simoncini

In meinem Fall sind wir zwei Stunden lang im Bezirk herumgeirrt, bis wir uns im Wartungsbereich eines der Fahrgeschäfte im Prater wiedergefunden haben. Es war vielleicht nicht unbedingt der beste Ausgangsort – aber Spaß gemacht hat es auf jeden Fall. Als Tourist sieht man an der Leopoldstadt sehr gut, wie vielseitig Wien ist und dass Wien eben nicht nur aus klassischer Musik, dem Stephansdom, der Oper und Schönbrunn besteht.

Märkte und Katzen

Für eine kurze, interessante Pause nach der Stadtwanderung eignen sich der Brunnenmarkt (16. Bezirk) oder das Katzencafé Neko (1. Bezirk) sehr gut. Der Brunnenmarkt bietet einen wunderbaren Einblick in die nicht-ganz-so österreichische Seite Wiens und in das Leben abseits der teureren Bezirke innerhalb des Gürtels. Außerdem gibt es dort spottbilliges, hervorragendes Essen.

In unserem Fall fiel die Wahl aber auf das Katzencafé Neko, das überraschenderweise überhaupt nicht überlaufen war. Viel eher war es ein Ort der absoluten Ruhe. Wer sein inneres Zen finden und dabei Katzen streicheln möchte, der ist hier definitiv richtig. Dadurch ist das Café perfekt geeignet, um die Eindrücke der vergangenen Stunden zu verarbeiten.

Never forget the Donauinsel

Ganz egal, wem du Wien zeigst: Falls es irgendwie möglich ist, plane auf jeden Fall einen abendlichen Rundgang auf der Donauinsel ein. So ein Spaziergang zeigt so gut wie kaum ein anderer Ort, warum Wien die lebenswerteste Stadt der Welt ist. 21 Kilometer Natur und Rückzugsort mitten in der Urbanität: Das ist die Donauinsel. Links und rechts leuchten gläserne Bürogebäude, dazwischen ein Stück Wasser und Bäume. Sie ist riesiges Stück Natur mitten in der Großstadt.

Die Donauinsel mit Blick auf Wien

Die Donauinsel gehört teilweise zur Leopoldstadt. Foto: Flickr/VanHeyden

Durch die vielen Brücken und drei U-Bahn-Linien, die die Insel mit dem Rest der Stadt verbinden, kommt man von fast überall hin und wieder zurück. Entlang der Wege finden sich außerdem weitere verborgene Schätze Wiens wie die Franz-von-Assisi-Kirche, die nachts von der Insel aus absolut umwerfend aussieht.

Honorable Mentions

Mit den bisher genannten Aktivitäten lässt sich ein Tag sehr gut füllen. Falls du noch einen Tag mehr bei der Hand hast, lohnt sich auch eine Fahrt oder Wanderung auf den Kahlenberg oder zur Jubiläumswarte. Wien bietet erstaunlich wenige kostenlose Aussichtspunkte – die beiden sind jedoch auf jedem Fall ein Highlight. Wer über Weinfelder und Bäume auf Wien hinabblickt, erlebt die Stadt von seiner besten Seite.

Wenn dich das nächste Mal jemand nach dem „richtigen“ oder „authentischen“ Wien fragt, weißt du nun also, was zu tun ist. Dabei ist es auch immer sinnvoll, die eigenen Vorlieben hineinzubringen. Welche Orte in Wien magst du besonders? Was sind deine persönlichen Highlights? Damit dürftest du deinem Besuch hervorragenden Eindruck bescheren – denn Wien ist eben genial.

 
Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von Thomers

27. November 2019

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