Wiener Zentralfriedhof - wo sich Mensch, Tier und Natur treffen

Haupteingang des Wiener Zentralfriedhofes
FREIZEIT & SPORT

veröffentlicht von Kerstin

1. Oktober 2018

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Der Wiener Zentralfriedhof ist mehr als nur eine letzte Ruhestätte. Der Friedhof, der beinahe einer Parkanlage gleicht, bietet Natur, imposante Bauwerke und eine eigene Buslinie.

Wenn man an einen Friedhof im Waldviertel denkt, kann man nicht ganz nachvollziehen, warum ausgerechnet dieser Ort eine Vielzahl an Besucher anlocken sollte. In der Mitte ein breiter Weg von dem links und rechts schmalere Wege zu den Gräbern führen. Ein Wasserhahn und fünf Gießkannen zum Blumen gießen und zwei Mülltonnen – eine für Blumenreste, eine für Kerzen.

Der Wiener Zentralfriedhof ist ähnlich – nur größer. Deutlich größer sogar. So groß, dass man mit dem Auto und sogar mit einer Buslinie durchfahren kann. Der zweitgrößte Friedhof Europas ist ein beliebtes Ausflugsziel bei Touristen, aber auch als in Wien lebender Waldviertler solltest du den Zentralfriedhof, der sogar in einem eigenen Lied von Wolfgang Ambros besungen wird, zumindest einmal besucht haben.

Mehr als nur eine letzte Ruhestätte

Man hat schon viel von ihm gehört, so richtig mitreden kann man aber erst, wenn man tatsächlich einmal dort war. Bereits beim Betreten merkt man, dass es sich nicht um einen klassischen Friedhof handelt, wie man ihn aus dem Waldviertel kennt. Das beginnt bereits bei der Größe. Der Wiener Zentralfriedhof umfasst eine Fläche von 2,5 km² und beherbergt 330.000 Grabstellen. Orientierungspläne verhindern das Verlaufen und helfen bei der Suche nach Grabstellen. Falls du ein bestimmtes Ehrengrab sehen möchtest, empfehle ich vorab einen Besuch auf der Website der Wiener Friedhöfe. In einer Liste sind die Personen mit Ehrengrab alphabetisch sortiert aufgelistet und am Ende der Zeile jeweils die Gruppe angeführt, in der das Grab zu finden ist.

Orientierungsplan

Orientierungspläne helfen die Übersicht zu behalten

Der Wiener Zentralfriedhof gleicht aufgrund der Größe einer Parkanlage und beherbergt mehr Leben, als ein Friedhof vermuten lässt. Spaziergänger, Touristen, Gärtner, Jogger und auch Tiere sorgen für reges Treiben zwischen den Grabstätten, deren Anordnung nicht zufällig entstanden ist. Für die Planung des Wiener Zentralfriedhofes gab es eine Wettbewerbsausschreibung – 1871 war schließlich der Baubeginn. 1874 wurde der Friedhof eröffnet, war zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht komplett fertig. Viele der imposanten Bauwerke entstanden erst in den folgenden Jahren. Dazu zählt neben der Friedhofskirche und den daneben befindlichen Arkaden auch die Aufbahrungshallen, die Portalanlage und die Präsidentengruft.

Tiere am Friedhof

Zwischen den Gräbern begegnen einem Rehe, Vögel und Eichhörnchen

Besonderheiten des Wiener Zentralfriedhofes

Der Zentralfriedhof ist kein typischer Friedhof – in vielerlei Hinsicht. Für mich jedoch die schönste Besonderheit ist die Tatsache, dass der Zentralfriedhof verschiedene Glaubensrichtungen vereint. Lediglich getrennt in Form von verschiedenen Gruppen, die nummeriert und mit Hinweistafeln gekennzeichnet sind, finden Buddhisten, Mormonen, Griechisch-Orthodoxe und Islamische Personen hier ebenso ihre letzte Ruhe wie zum Beispiel Evangelische, Moslemisch-Ägyptische oder Armenisch-Apostolische. Diese Vielfalt hebt auch Wolfang Ambros in „Es lebe der Zentralfriedhof“ hervor.

Es lebe der Zentralfriedhof, die Szene wirkt makaber - die Pforrer tanz'n mit die Hur'n und Juden mit Araber"

Die einzelnen Gruppen wurden nicht nur nach bestimmten Glaubensrichtungen getrennt, sondern auch nach anderen Kriterien aufgeteilt. So gibt es eigene Gruppen für Opfer des 1. und 2. Weltkrieges, eine eigene Babygruppe und auch eine Anatomiegruppe, für Personen, die ihren Körper der Wissenschaft zur Verfügung gestellt haben. Täglich finden am Zentralfriedhof rund 20 Beerdigungen statt.

Gedenkstätte

Eine der Gedenkstätten am Wiener Zentralfriedhof

Was das Flair eines Parks unterstreicht, sind die rund 17.000 Bäume, die der Zentralfriedhof beheimatet. Viele davon im Bereich des Waldfriedhofes, wo es keine klassischen Gräber gibt sondern kreisförmig rund um die Bäume Urnen beigesetzt werden.

Im Friedhof befindet sich zusätzlich ein eigener kleiner Park – der Park der Ruhe und Kraft. Hier können Besucher verweilen, Kraft tanken oder meditieren.

Auch wenn man sich am Zentralfriedhof etwas ruhiger verhalten sollte als in üblichen Parks – einer Unterhaltung mit seinen Begleitern steht nichts im Weg. Durch die Autos und die Busse, die den Zentralfriedhof queren und die Touristen, die interessiert die Grabstätten betrachten und fotografieren, ist die Stimmung deutlich lockerer als auf einem Waldviertler Friedhof. Ein Gespräch, eine Diskussion, ein paar Scherze oder auch ein Lachen – in angemessener Laustärke – ist auf dem weitläufigen Zentralfriedhof kein Problem.

Besondere Grabstätten

Der Zentralfriedhof verdankt seine große Bekanntheit nicht zuletzt den etwa 1.000 Ehrengräbern. Schauspieler, Musiker, Sportler, Politiker und viele weitere Persönlichkeiten wurden am Zentralfriedhof beerdigt. So individuell wie die Personen sind auch ihre Gräber. Manche sind dezent gestaltet, andere sehr extravagant. Das Grab von Falco zum Beispiel beinhaltet ein großes Glaselement, Udo Jürgens fand unter einem weißen Klavier seine letzte Ruhe. Andere Grabstätten hingegen befinden sich unscheinbar zwischen „normalen“ Gräbern und stechen kaum ins Auge. So etwa die Grabstätte von Matthias Sindelar – Fußballer und Kapitän des Wunderteams (österreichisches Nationalteam der Jahre 1931 – 1933). Vor der Friedhofskirche befindet sich die Präsidentengruft, die sich optisch deutlich vom Rest abhebt.

 
 
 

Eigene Buslinie am Zentralfriedhof

Die rund 80 km asphaltierte Straße müssen nicht zwingend zu Fuß zurückgelegt werden. 2x pro Stunde fährt eine eigene Buslinie über den Friedhof und hält an insgesamt 22 Stationen. Die Straße darf sogar mit dem Auto befahren werden.

Buslinie

Jede halbe Stunde fährt ein Bus über den Friedhof

Wer lieber zu Fuß geht, sollte schon ein paar Stunden Zeit einplanen. Schnell passiert es, dass man ein interessantes Grab entdeckt, die Straße verlässt und schließlich zwischen den Gräbern weiterspaziert. Ein aufwändig gestalteter Grabstein hier, ein schönes Blumenarrangement dort und dazwischen immer wieder Eichhörnchen und auch Rehe. Dabei verliert man die Zeit schnell aus dem Blick. Für nähere Informationen kann man einen Audioguide ausleihen. Dieser ist auf drei Routen ausgelegt, die zwischen zwei und vier Stunden dauern.

Für alle, die nur an einzelnen Gräbern interessiert sind und nicht so viel Zeit am Zentralfriedhof verbringen möchten, stehen beim 2. Tor Fahrräder zum Ausleihen zur Verfügung.

Fahrräder

Für eine Erkundungstour stehen Fahrräder zum kostenlosen Verleih zur Verfügung

Öffentliche Erreichbarkeit

Die Anreise aus der Stadt ist mit der Schnellbahn (Haltestelle Zentralfriedhof) oder mit der Straßenbahn (Linie 6 oder 71) am einfachsten. Die Straßenbahnlinien halten direkt vor dem Haupteingang (2. Tor) auf der Simmeringer Hauptstraße. Seit 1907 fährt die 71er-Bim zum Zentralfriedhof und wurde früher auch manchmal zum Leichentransport genutzt. Umgangssprachlich beschreibt man den Tod eines Wieners/einer Wienerin daher auch heute noch mit „Er/Sie hat den 71er genommen“.

Straßenbahn

Die Straßenbahnlinien 6 und 71 halten direkt vorm Haupteingang (2. Tor)

Zu beachten ist, dass Friedhöfe in Wien – anders als im Waldviertel – Öffnungszeiten haben. Von April bis September kann der Zentralfriedhof zwischen 07:00 und 19:00 besucht werden. In den anderen Monaten sind die Öffnungszeiten etwas kürzer.

Ein außergewöhnlicher Sonntagsspaziergang

Der Wiener Zentralfriedhof ist beinahe ein Muss für alle, die in Wien wohnen. Schnapp dir ein paar Freunde und fahr gemeinsam mit ihnen in den 11. Bezirk. Auch wenn es ungewöhnlich klingt, aber der Zentralfriedhof eignet sich sehr gut für einen ausgedehnten Sonntagsspaziergang. Die Kombination aus Natur, Architektur und der Charakteristik eines Friedhofes machen den Spaziergang zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Kontakt und Information

Zentralfriedhof 2.Tor, Wien, Österreich

https://www.friedhoefewien.at/eportal2/

Haupteingang des Wiener Zentralfriedhofes

Simmeringer Hauptstraße 234, 1110 Wien

 
 

veröffentlicht von yvonne

1. Oktober 2018

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Mit diesem Titel wirbt die VHS Wien als größte Erwachsenenbildungseinrichtung im deutschsprachigen Raum. Welche Auswahlmöglichkeiten es gibt und ob auch etwas für dich dabei ist, erfährst du im folgenden Blog-Artikel.