Coworking: Ein Arbeitsplatz für alle

Foto: Linse2
STUDIEREN & ARBEITEN

veröffentlicht von david

15. März 2019

STUDIEREN & ARBEITEN

Startups, Freelancer, Macbooks und Filterkaffee. Coworking Spaces sind wie eine Parallelwelt – und ein toller Ort, um an eigenen Projekten zu arbeiten. Wir liefern einen Überblick, was Coworking Spaces sind und auch wie Studenten und Unselbständige vom Angebot profitieren können.

Anspannung und Gelassenheit liegen gleichzeitig in der Luft. Laptoptastaturen klappern im gleichen Takt vor sich hin. Hin und wieder durchbricht die Kaffeemaschine aus der Küche das Klappern und zersägt mit voller Lautstärke eine Handvoll Kaffeebohnen. Nur, um der bedienenden Person eine Tasse voll schwarzen Kaffee zu liefern. Beirren lässt sich von dem Geräusch niemand. Das klappern der Tastaturen hält an. Manchmal verlässt jemand den Raum, um zu telefonieren. Zehn Minuter später sitzt er wieder an seinem Platz. Von der Decke hängen kupferne LED-Lampen, die Tische sind aus rustikalem Holz. Einzig und allein der riesige weiß-graue Drucker, durchbricht das industrielle Gesamtbild des Raums.

So fühlte sich mein erster Besuch in einem Coworking Space an. Meine Anwesenheit war eher ein Zufall. Ich hatte gerade Ferien und musste eine Arbeit für die Uni fertigstellen. Außerdem wollte ich meine Website fertig programmieren. Das einzige Problem: meine Heizung. Die war nämlich kaputt. Da ich nicht mit Jacke und Handschuhen Zuhause sitzen wollte, brauchte ich einen anderen Arbeitsplatz. Auf die Uni konnte ich nicht, da ja gerade Ferien waren. Zeit in Cafés hatte ich die vergangenen Tage auch schon mehr als genug verbracht. Es musste eine Alternative her. Da ich immer schon Mal einen Coworking Space ausprobieren wollte, tippte ich also Coworking Spaces in Wien in Google ein. Ich fand, wonach ich suchte: einen Arbeitsplatz.

Keine Angst vor dem Coworking Space

Coworking Spaces sind Gemeinschaftsbüros. Alle Anwesenden bezahlen einen bestimmten Stunden-, Tages- oder Monatssatz und bekommen dafür einen Arbeitsplatz im Büro. Internet und Drucken ist im Preis inkludiert, oft auch Kaffee. Die meisten Coworker sind meiner Erfahrung nach kleine Unternehmer oder Freelancer. Deshalb mag es zu Beginn etwas befremdlich sein, als Student oder normaler Angestellter in einen Coworking Space zu gehen. Als Waldviertler vielleicht noch ein Stück mehr – schließlich gibt es im Waldviertel absolut nichts vergleichbares.

Die anfängliche Skepsis war bei mir aber nach den ersten Stunden verflogen. Die Büro-Kollegen waren super nette, interessierte Menschen und nahmen mir jegliche Unbehaglichkeit. Vor allem aber brachte ich im Coworking Space mehr weiter, als manchmal in zwei Tagen. Es ist eben ein Büro und in einem Büro sitzt man nicht einfach da und scrollt seinen Facebook- oder Instagram Feed hinunter – nein, man arbeitet. Das Prinzip funktioniert ein bisschen wie Gruppenzwang. Alle anderen um einen herum arbeiten, also arbeitet man auch selbst.

Die richtigen Adressen

Als Gelegenheits-Coworker steht man allerdings vor einer Herausforderung: flexible, leistbare Angebote zu finden. Die meisten Coworking Spaces bieten nämlich nur Monatspakete. Das ist bei ein bis zwei Besuchen im Monat natürlich ungünstig. Denn ein Platz in einem Coworking Space kostet monatlich zwischen 100 und 300 Euro. Für Studenten und selbst Angestellte wäre es utopisch, jedes Monat solch eine Summe für einen Arbeitsplatz hinzulegen.Deshalb braucht es einen Coworking Space mit flexiblen Angeboten mit Stunden- und Tagestickets.

Sofern ein Coworking Space Tagesplätze anbietet, kosten die in der Regel zwischen 10 und 15 Euro. An diesem Punkt muss aber jeder selbst entscheiden, ob es das Geld wert ist. Ich persönlich sehe den Preis immer als Kaution. Wenn ich schon für meinen Arbeitsplatz bezahle, muss ich auch etwas weiterbringen – so mein Gedanke. Dadurch bin ich umso produktiver. Deshalb arbeite ich immer dann in einem Coworking Space, wenn ich etwas unbedingt fertigstellen muss. Es funktioniert eben.

Was sind nun gute und günstigste Coworking Spaces in Wien? Um die aufwändige Suche nach guten Coworking Spaces in Wien zu erleichtern, gibt’s hier einige Adressen.

Cocoquadrat

Absolutes Highlight in Sachen Coworking in Wien ist das Cocoquadrat in Wieden. Das Cocoquadrat ist nämlich ein Coworking Café: eine Mischung aus Café und Coworking Space. Anstatt Plaudertische gibt es hier Arbeitsplätze. Dafür zahlen Besucher stundenweise. Das Cocoquadrat umgeht damit den Konsumzwang, der in Cafés üblich ist. Wer Lust auf Kaffee hat, kann einen kaufen, muss aber nicht. Der Stundensatz für einen Arbeitsplatz liegt zwischen 2,50 und 3 Euro. Es gibt auch Vergünstigungen für  Schüler und Studenten. Damit kostet ein Platz im Cocoquadrat nur mehr zwischen 1,25 und 1,75 Euro. Im Preis inkludiert ist Internet, der Gemeinschaftsdrucker und „Brainfood“.

Coworking

Das Cocoquadrat ist Coworking Space und Café zugleich. Foto: Cocoquadrat / Natalie Opocensky

Die allerersten fünf Stunden im Cocoquadrat sind gratis. Das macht es zu einem hervorragenden Ort für die erste Coworking-Erfahrung. Ein Highlight ist aber nicht nur der Coworking Teil, sondern auch das Café an sich. Im Cocoquadrat gibt es nämlich des den ganzen Tag über Frühstück, gesunde Snacks und im Sommer sogar selbstgemachte Smoothies und Eistee.

Kontakt und Information

Cocoquadrat

Wiedner Hauptstraße 65,
1040 Wien

https://www.cocoquadrat.com

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 08:00 – 20:00
Samstag 09:00 – 15:00, Sonn- und Feiertage geschlossen

Hotel Schani

Wenn die Hotellobby zum Coworking Space wird, dann geht es wohl um das Hotel Schani am Hauptbahnhof. Es ist nämlich Europas erstes „Coworking Hotel“. Die Hotellobby bietet insgesamt 14 Arbeitsplätze, die Besucher flexibel und tagesweise mieten können. Pro Tag kostet ein Platz 10 Euro. Wer gerne bis spät in die Nacht arbeitet, bekommt hier auch warmes Essen und Getränke bis 24.00 Uhr.

Coworking

Der Coworking Bereich im Hotel Schani. Foto: Hotel Schani / Arnold Pöschl

Dadurch, dass das Hotel nahe dem Hauptbahnhof liegt, ist die Fluktuation der Besucher sehr hoch. Viele der Anwesenden Coworker sind auf Durchreise. Dadurch ist das Hotel Schani auch ein sehr internationaler Ort. Hier treffen Menschen aus unterschiedlichsten Ländern aufeinander.

Ein interessantes Detail im Hotel Schani ist der Bitcoin Automat in der Lobby. An diesem können Gäste Euros in Bitcoins umtauschen und umgekehrt. Gemeinsam mit dem Coworking Space wird die Hotellobby damit fast schon zu einer digitalen Parallelwelt.

Kontakt und Information

Hotel Schani

Karl-Popper-Straße 22,
1100 Wien

https://www.hotelschani.com/hauptbahnhof-wien/hotel-schani-wien/

Öffnungszeiten:
24/7

Stockwerk

Gäbe es ein Bilderbuch für Coworking Spaces, würde das Stockwerk auf jeden Fall darin vorkommen. Das Büro in der Gumpendorfer Straße ist genau das, was sich einem beim Begriff „Coworking Space“ in den Sinn kommt – ein geräumiges Bürohaus mit hipper Einrichtung. Auf vier Ebenen finden sich hier 55 Arbeitsplätze, die es monatlich oder tageweise zu mieten gibt.

Coworking Spaces

Coworking pur im Stockwerk. Foto: Linse2

Ein Tag im Stockwerk kostet 15 Euro. Dafür gibt es einen Arbeitsplatz, Zugang zum gemeinsamen Drucker und Kaffee. Echtes Bürofeeling eben.

Kontakt und Information

Stockwerk

Pater-Schwartz-Gasse 11A,
1150 Wien

https://www.stockwerk.co.at

Öffnungszeiten:
9.00 – 18.00 Uhr
mit Fixplatz 24/7

Maker Space

Irgendwie kein typischer Coworking Space, irgendwie aber doch ist der Maker Space in Margareten. Es handelt sich dabei nämlich um kein gemeinschaftliches Büro, sondern eine offene Werkstatt. Wer sich handwerklich austoben möchte, hat hier die Möglichkeit. Denn wie in einer Werkstatt üblich gibt es im Maker Space ein Vielzahl an technischen Geräten. So viele, dass sich hier wohl so ziemlich jedes Projekt umsetzen lässt. Es gibt Bohrer, Sägen, Feilen, elektrische Messgeräte, Nähmaschinen, einen Lasercutter und sogar 3D-Drucker. Die Auswahl ist riesig.

Zugang zum Maker Space gibt es ab 10 Euro im Monat. Der Zugang beschränkt sich dabei allerdings auf Donnerstags 14:00 bis 22:00 Uhr. Für mehr Geld gibt es auch mehr Zugangszeit. Die Optionen reichen bis hin zu 24/7 Zugängen. Betreiber des Maker Space ist übrigens kein Unternehmen, sondern der gemeinnützige Verein Maker Austria.

Kontakt und Information

Maker Space

Schönbrunner Straße 125,
1050 Wien

https://www.makeraustria.at

Öffnungszeiten:
Do 14:00 bis 22:00 Uhr
Fr 14:00 bis 22:00 Uhr
Sa 14:00 bis 22:00 Uhr
(für Mitglieder bis hin zu 24/7)

 

 

Wer einen Berg Arbeit vor sich hat und zuhause einfach nicht weiterkommt, für den könnte ein  Coworking Space ein Lösung sein. Denn es funktioniert. Das Umfeld macht alle Anwesenden deutlich produktiver. Für Studenten und Unselbstständige sind regelmäßige Besuche im Coworking Space zwar etwas zu teuer, gelegentlich kann ein Besuch aber durchaus das Geld wert sein.

 
 

veröffentlicht von yvonne

15. März 2019

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Du holst dir gerne Ratschläge oder liest gerne Reviews und hast vor demnächst in Wien ein Studium zu beginnen? Warum dann nicht die Erfahrungen von Ehemaligen lesen, die wie du aus dem Waldviertel stammen? Mehr dazu in unserem Artikel.