Drei Jahre Lehramt studiert - Waldviertler Profis berichten

Die Waffe des Lehrers. /// www.pixabay.com
STUDIEREN & ARBEITEN

veröffentlicht von sebastian

18. Mai 2020

STUDIEREN & ARBEITEN

Die Zeit vergeht, der Lehrermangel ist nach wie vor aktuell – umso mehr sind jene, die Lehramt studieren, motiviert, das Studium abzuschließen. Nachdem wir schon vor einiger Zeit über den Beginn eines Lehramtsstudiums in Wien berichtet haben, habe ich heute einmal die Profis an die Hand genommen. Sie befinden sich bereits in einem höheren Semester […]

Die Zeit vergeht, der Lehrermangel ist nach wie vor aktuell – umso mehr sind jene, die Lehramt studieren, motiviert, das Studium abzuschließen. Nachdem wir schon vor einiger Zeit über den Beginn eines Lehramtsstudiums in Wien berichtet haben, habe ich heute einmal die Profis an die Hand genommen. Sie befinden sich bereits in einem höheren Semester beziehungsweise stehen kurz vorm Abschluss der ersten Hürde: Bachelor of Education. Es wäre doch einmal sehr interessant zu hören, was sie über das Studium denken und ob sie uns ein paar Tipps geben könnten?

Anica, 22 Jahre alt, 8. Semester Lehramt für die Fächer Deutsch und Psychologie/Philosophie

Bist du mit dem Curriculum des Studiums für Lehramt zufrieden? Hättest du gerne etwas, was deiner Meinung nach wichtig ist, mehr gemacht oder hätte man einige Sachen auch weglassen können?

Anica: Grundsätzlich ja, aber einige Vorlesungen und Seminare hätte man definitiv weglassen können. Mir persönlich haben beispielsweise Übungen oder Seminare gefehlt, in denen die Planung von Unterrichtsstunden oder das Korrigieren von Schularbeiten behandelt werden. Was natürlich auch immer ein aktuelles Thema für uns ist: der geringe Praxisanteil in unserem Studium. Statt des vielen Wissens über Theorie, hätte man mit Sicherheit noch mehr Praxis einbauen können. Diesbezüglich sind wir sehr auf uns alleine gestellt, was jetzt nicht unbedingt nur ein Nachteil sein muss. Ich will damit sagen, dass ein paar mehr Hilfestellungen und Denkanstöße angenehm gewesen wären.

Ist das Studium zeitlich recht aufwändig oder hättest du im Nachhinein betrachtet parallel dazu noch ein weiteres Studium absolvieren können?

Anica: Kommt immer darauf an, wie organisiert man ist und wie gut man sich seine Zeit einteilen kann. Das Lehramtsstudium ist in meinem Fall in Mindeststudienzeit schaffbar gewesen und ich könnte mir vorstellen, dass sich auch ein zweites Studium daneben ausgegangen wäre. Da ich jedoch einen Nebenjob habe, habe ich ein Parallelstudium nicht in Erwägung gezogen, da man auch noch ein bisschen Freizeit benötigt, vor allem, wenn man am Wochenende gerne nach Hause ins Waldviertel fährt. Also zeitlich gesehen solltet ihr euch keinen Stress machen, es ist auf jeden Fall mit einer guten Portion Disziplin schaffbar. Kleiner Tipp: Wenn kein weiteres Studium für euch in Frage kommt, könntet ihr auch überlegen, ein drittes Unterrichtsfach zu studieren. Damit hättet ihr später am Arbeitsmarkt natürlich mehr Chancen.

Fühlst du dich gut vorbereitet für den Alltag als Lehrer? Freust du dich darauf?

Anica: Ich freue mich schon sehr aufs Unterrichten, da mir die Praxisstunden, die ich halten durfte, sehr viel Spaß gemacht haben. Zu Beginn hatte ich schon ein wenig Angst, alleine in einer Klasse mit 20-30 Kindern zu stehen, aber das funktioniert alles besser als gedacht. Ich habe gemerkt, dass ich gerne mit Kindern arbeite, trotzdem unterschätze ich die ersten Dienstjahre nicht. Ich selbst gebe auch Nachhilfe und merke, wie zeitaufwändig es ist, eine Doppelstunde zu planen und zu strukturieren. Kleiner Tipp: Nachhilfe ist eine irrsinnig gute Übung für das Lehrerdasein, da man bereits ausprobieren kann, wie man den Stoff am besten erklären kann, sodass das Kind ihn versteht. Daher freue ich mich umso mehr darauf, eigene Klassen unterrichten zu dürfen.

Wie geht die Uni mit Extremsituationen, wie beispielsweise der Corona-Krise, um? Könnte man diesbezüglich etwas verbessern?

Anica: Im Großen und Ganzen meistert die Uni Extremsituationen sehr gut. Ich persönlich musste mein Studium in der Zeit, in der die Uni geschlossen war, abschließen. Das letzte Semester bestand darin, dass ich Arbeitsaufträge bekam, die ich daheim online bearbeiten und anschließend abgeben musste. Auch Prüfungen wurden über diverse Onlineplattformen abgehalten, das hat auch ohne gröbere Probleme funktioniert. Die meisten Mitarbeiter der Uni versuchen wirklich alles, damit wir unser Studium bestmöglich fortführen und abschließen können. Natürlich ist es für alle eine neue Situation und es kann nicht immer alles reibungslos funktionieren, aber mir persönlich hat die Uni keine Steine in den Weg gelegt.

lehrer

Auch Lehren ist nicht immer einfach. /// www.pixabay.com

Melissa, 21 Jahre alt, 6. Semester Lehramt für die Fächer Deutsch und Psychologie/Philosophie

Gab es einen Moment in deinem Studium, an dem du absolut keine Lust mehr hattest? Wie konntest du dich wieder motivieren?

Melissa: Gleich zu Beginn meines Studiums scheiterte ich an drei meiner vier StEOP-Prüfungen. Meine Motivation war verständlicherweise im Keller. Ich konnte mich aber sehr schnell wieder aufrappeln und dachte mir: Wuascht, nächsts moi wirds besser! Mir wurde bewusst, dass ein Studium um einiges anspruchsvoller als Schule oder Matura ist. Es war keine Option mehr, kurz vorher mit dem Lernen zu beginnen und ich war nun auf mich alleine gestellt. Beim zweiten Anlauf habe ich fast alle Prüfungen mit einem Einser bestanden, was mich wieder voll motivierte. Seitdem habe ich diesbezüglich keine Probleme mehr im Studium.

Wenn du eine Sache an deinem Studium ändern könntest, welche wäre es?

Melissa: Ich glaube, in dieser Hinsicht würde mir jeder Lehramtler recht geben, wenn ich sage, dass ich Änderungen im Bereich der Praxis vornehmen würde. Für jedes Fach sind nur jeweils 5 Stunden Praxis eingeplant, die ich aktiv in der Klasse vorne stehen darf. Teilweise muss man sich den Platz vorne dann aber noch mit einem weiteren Studenten teilen, weil die Kapazitäten so beschränkt sind. Dafür will ich nicht der Uni alleine die Schuld geben, auch die Schulen müssen sich dazu bereiterklären, mehr Studenten die Möglichkeit zu bieten, einen kleinen Teil der Stunden übernehmen zu dürfen. Ansonsten werden wir dann ins eiskalte Wasser geschmissen.

Wie empfindest du den Ruf des Lehramtsstudiums an der Uni Wien? Musstest du oft mit den typischen Klischees des Lehrerdaseins kämpfen? Hast du Tipps, wie man damit umgehen kann?

Melissa: Ach, was musste ich mir schon alles anhören. „Das Lehramt kann ich eh nebenbei als Wahlfach machen, das is ja null Aufwand.“ „Lehramtler ham eh keinen Stress, die tun eh nur Mandalas malen.“ „Hawedere, AMS.“ Hört man nicht selten, vor allem, wenn man in einer WG mit zwei Medizinstudenten zusammenwohnt. Für mich persönlich ist das aber nicht schlimm, ich blende diese Kommentare längst aus. Kleiner Tipp: Am besten ist es, einfach mitzulachen. Denn wenn du später deren Kinder unterrichtest, bist du derjenige, der lacht. 😉

Was hat sich vom ersten bis zum aktuellen Semester für dich positiv/negativ verändert?

Melissa: Gott sei Dank gibt es seit letztem Semester einen Aufnahmestopp für das Fach Psychologie/Philosophie. Es gibt enorm viele Studenten, die dieses Fach studieren, die Nachfrage am Arbeitsmarkt ist jedoch sehr gering. Deshalb ist ein Studium des Unterrichtsfachs  Psychologie/Philosophie vorerst nicht mehr möglich. Die Studenten, die sich davor inskribiert haben, dürfen ihr Studium natürlich abschließen. Das hat mir einen kleinen Lichtblick gegeben, mein Zweitfach möglicherweise doch irgendwann unterrichten zu dürfen.

Fazit

Ich gebe meinen beiden Kolleginnen da voll recht, mehr Praxis möchten wir im Lehramt alle haben. Ich weiß nicht, inwiefern die Uni allein etwas verändern kann, aber wenn es jemand in der Hand hat, dann sie. Auch die Schulen müssen eingehender darüber informiert werden, welche Vorteile das Ausbilden von Studenten mit sich bringen kann. Da hapert es meiner Meinung nach oftmals noch in der Kommunikation. Ich bin gespannt, wie sich das Studium für die beiden noch entwickelt und wünsche ihnen natürlich alles Gute. Mal schauen, was sie uns später vielleicht einmal von einem Masterstudium berichten können – es bleibt spannend!

lehrerin

Think about it. /// www.pixabay.com

 
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von MarleneK

18. Mai 2020

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Dein Traum ist es, in Wien Psychologie zu studieren? Du bist dir allerdings unsicher, was genau auf dich zukommt? Wir haben das Wichtigste zusammengefasst!