Ein Jahr Lehramt studiert - Waldviertler Studenten berichten

"Auch Lehrer waren einst Schüler." (Walter Ludin, *1945) /// www.pixabay.com
STUDIEREN & ARBEITEN

veröffentlicht von sebastian

30. Juli 2018

STUDIEREN & ARBEITEN

„Was, du wirst Lehrer?“ Ja, und zwar freiwillig! Wenn du auch mit dem Gedanken spielst, dieses Studium zu beginnen, dann zögere nicht! Einige Studenten des Lehramts werden dich in den folgenden Zeilen hoffentlich bestärken.

„Hört auf zu tratschen!“ und „Wo sind deine Hausübungen?“ sind nur zwei der vielen Aussagen, die du als Lehrer tagtäglich verwenden wirst. Du trägst die Verantwortung für eine oft unzähmbare aber dennoch liebenswerte Horde an Kindern, die dir gerne auf der Nase herumtanzen. Warum meine Studienkollegen und ich uns für den Weg des Lehramts entschieden haben, möchten wir nun kurz und knackig erklären.

Meine Wenigkeit (19 Jahre, Deutsch und Russisch) sagt …

„Ich habe erst relativ spät gemerkt, dass ich Lehrer werden möchte. Irgendwann in der 6. Klasse des Gymnasiums fiel meinen Freunden und mir auf, dass ich Leuten gerne etwas erkläre und ihnen weiterhelfen möchte. Schon oft habe ich gehört, dass ich den Beruf des Lehrers ergreifen soll und nun, einige Jahre später, sitze ich wirklich in der Universität Wien in den geliebten Vorlesungen des Lehramts. Wer sich unter dem Ablauf des Studiums nichts vorstellen kann, der sollte sich unbedingt diesen Artikel durchlesen, denn auch mir hat er sehr geholfen!

Du entscheidest dich klarerweise zu Beginn für eine beliebige Fächerkombination  und machst parallel zu deinen zwei Fächern noch ein drittes, welches sich „Allgemeine Bildungswissenschaften“ beziehungsweise im Lehramts-Jargon „Pädagogik“ nennt. Kleiner Insidertipp: Mach es dir nicht allzu schwer, denn von Kombis wie Deutsch und Englisch würde ich dir eher abraten, da du dann später den Rotstift nur noch selten aus der Hand legen können wirst. Für jedes Fach (auch für Pädagogik) gibt es ein sogenanntes Curriculum, welches dich dein ganzes Studium lang begleiten wird. Dort findest du alle Vorlesungen und Seminare, die du besuchen musst, um dein Studium abzuschließen. Als kleine Hilfestellung wird dir ein empfohlener Pfad vorgeschlagen, der dir sagt, wann du was machen sollst, um möglichst schnell und effizient voranzukommen. Schau doch einfach mal auf der Homepage für Lehramt an der Uni Wien vorbei, da wird dir sicher einiges klarer.

Curriculum Pädagogik

So kann’s aussehen: Das Curriculum für Pädagogik//www.univie.ac.at

Nach fast einem Jahr im Studium kann ich sagen, dass es für mich auf jeden Fall das Richtige ist. Was ich persönlich sehr angenehm finde ist die Tatsache, dass das Lehramt für gewöhnlich keine sogenannten Knock-Out-Prüfungen enthält. Andere Studiengänge, an der WU beispielsweise, sortieren schon zu Beginn stark aus und lassen nur wenige durchkommen. Generell ist es bis jetzt noch nicht allzu schwierig und man hat noch genug Freizeit nebenbei. Das wird natürlich nicht immer so bleiben aber ich würde jedem, der gut mit Kindern umgehen und ihnen etwas erklären kann, raten, ein Lehramtsstudium anzustreben.“

Franziska (19 Jahre, Deutsch und Biologie) meint …

„Ich finde es toll, dass ich die Möglichkeit habe mich mit zwei unterschiedlichen Fächern auseinandersetzen zu dürfen. Bei welchem Studium darf man sich sonst mit Goethe und gleichzeitig der Mitose der Zelle beschäftigen?

Der Ruf des Lehramtsstudiums ist leider nicht allzu gut. Mir kommt es leider schon so vor, als ob viele meinen, dass man Lehrer wird, wenn man sonst nichts schafft. Viele glauben, sich nicht anstrengen zu müssen oder sagen, dass sie es nur studieren, weil es keinen Aufnahmetest gibt. Für die, die es vielleicht nicht ernst meinen, gibt es diesen Test Gott sei Dank seit ein paar Jahren. Das schreckt zumindest einen kleinen Teil ab. Aber weiter zum Studium: Lehramtsstudenten müssen meiner Meinung nach einen hohen Aufwand in die Organisation ihres Studiums investieren, um alles unter einen Hut zu bringen. Ich finde den frühen Start in die Praxis sehr gut. Ich halte zum Beispiel bereits in diesem Semester in einer HAK in Wien ein paar Biologiestunden und bin schon sehr gespannt darauf!

Der Beruf des Lehrers beansprucht viel Zeit, was viele unserer Mitmenschen nur belächeln. Aussagen wie „Bist du nur wegen der vielen Ferien Lehrer geworden?“ müssen sich Lehrer immer wieder an den Kopf werfen lassen. Aber um vor einer Klasse Inhalte vermitteln zu können, muss man sich gut einlesen und viel Zeit dafür „opfern“. Sicherlich habe ich auch StudienkollegInnen, die meinen: „Ach, das wird alles superchillig, jetzt das Studium durchdrücken und dann hat man ein lockeres Leben“. Es gibt einige, die oftmals „owezahn“, aber die gibt es in jedem Studium. Und ich möchte eines Tages eine Lehrerin sein, wo sich meine MaturantInnen oder SchülerInnen zurückerinnern und sagen: „Das war eine gute Professorin!“  Damit will ich sagen, dass man sich vom Ruf nicht abschrecken lassen soll, denn es gibt genug tolle Lehramtsstudenten, die sich ins Zeug legen.

Ich empfehle das Studium an der Hauptuniversität Wien auf jeden Fall weiter. Es ist spannend, abwechslungsreich und bereitet uns auf einen wunderschönen Job vor!“

Sandra (19 Jahre, Mathematik und Darstellende Geometrie) erzählt …

„Nach meiner Matura vor zwei Jahren habe ich mich zu Beginn für ein Studium (Innenarchitektur) in St. Pölten entschieden. Leider hat es nicht ganz meinen Vorstellungen entsprochen und ich habe nach einem Jahr an die Uni Wien gewechselt, um Lehramt zu studieren. Am Anfang habe ich mir sehr schwer mit den neuen Gegebenheiten an einer so großen Universität getan. Mir ist es nicht leicht gefallen, meinen Stundenplan selbst zu schreiben. Schwierig in Mathematik ist die StEOP-Prüfung (Studieneingangs- und Orientierungsphase) im 1. Semester, die man für die Fortsetzung des Studiums braucht. Viele Studenten haben erzählt, dass im Vorjahr über die Hälfte diese Prüfung nicht beim ersten Mal geschafft haben. Aus diesem Grund war der Druck enorm hoch für mich. Mit großem Lernaufwand habe ich diese Prüfung beim ersten Mal geschafft, aber viele meiner Freundinnen haben mehrere Antritte gebraucht.

Was ich persönlich nicht so gut finde ist die Tatsache, dass man viel im Studium lernt, was für unseren zukünftigen Job als Lehrer nicht relevant ist. Das bedeutet, dass man sich durch viele Vorlesungen und Seminare durchquälen muss.

Auch wenn ich jetzt möglicherweise ein paar negative Aspekte genannt habe, bin ich mittlerweile sehr zufrieden mit meinem Studium und habe mich gut eingelebt. Man findet sehr schnell Freunde (beziehungsweise Leidensgenossen), denen es nicht anders geht. Ich freue mich sehr auf meinen zukünftigen Beruf und hoffe, dass ich alles, was ich mir vorgenommen habe, schaffe. Ein Lehramtsstudium an der Uni Wien ist auf jeden Fall empfehlenswert, also zögert nicht!“

Ein kurzes Fazit zum Schluss …

Wie ihr seht, ist das Lehramtsstudium nicht zu unterschätzen, auch wenn es vielleicht nicht die schwierigste Studienrichtung ist. Grundsätzlich solltet ihr euch im Vorhinein gut überlegen, ob dieses Studium und dann auch der Beruf für euch passt. Es wird ein essenzieller Bestandteil eures Lebens sein, euch mit Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen. Ein Lehrer geht nicht einfach aus dem Büro und kann abschalten, denn auch ich habe bereits in meinem ersten Praktikum gemerkt, dass einem die Probleme der Schüler oft nahe gehen. Aus diesem Grund solltet ihr euch nicht nur wegen der vielen Ferien für diesen Beruf entscheiden, denn auch in den Ferien befinden sich Lehrer auf Fortbildungen und bereiten Unterrichtsmaterialien vor, was sicher viele nicht bedenken.

Auch wenn der Sprung von der Schule zur Uni ein recht großer ist, dürft ihr euch von den neuen Gegebenheiten nicht abschrecken lassen. Es bleibt leider nicht bei den zwei Seiten, die ihr für eine Wiederholung in der Schule lernen musstet, aber das werdet ihr in jedem Studium vorfinden (und wie gesagt, das Lehramt ist beim Ausmaß an Prüfungsstoff sicher noch im Mittelfeld und ihr müsst nicht drei Monate für eine Prüfung lernen!). Es gibt viele Hilfestellungen für Erstsemestrige, wie zum Beispiel Infoveranstaltungen und Mentoringprojekte, die ihr nützen dürft und sollt.

Einige eurer Mitmenschen (vor allem Lehrer selbst) werden euch von dem Beruf abraten. Auch mir wurde oft vorgeworfen, „warum ich mir das denn antue“. Und meine Antwort war jedes Mal: „Wenn jeder so denkt, haben wir bald gar keine Lehrer mehr, und schließlich wollt ihr ja auch, dass eure Kinder einmal unterrichtet werden, oder?“. Also lasst euch bitte nicht von solchen Aussagen entmutigen, denn der Beruf des Lehrers ist ein sehr schöner. Ich habe hier nur zwei meiner vielen StudienkollegInnen interviewt, aber wir haben gemeinsam versucht, euch die grundlegenden Gedanken nach einem Jahr Lehramt darzulegen. Grundsätzlich gilt natürlich: Suche einfach den Kontakt mit anderen Lehramtsstudenten und frag sie alles, was dich interessiert. Denn nicht vergessen: Fürs Erklären sind wir ja da!

Auch ein Lehrer hört nie auf zu lernen. /// www.pixabay.com

 
 

veröffentlicht von benji

30. Juli 2018

STUDIEREN & ARBEITEN
Alljenige, die sich für Lehramtsstudien in Wien interessieren, wissen, dass es im Vorhinein viel Unklarheiten diesbezüglich geben kann. Alle wichtigen Facts zu den Studienrichtungen, die sich mit einem Lehramt verbinden lassen, findest du hier.