STUDIEREN & ARBEITEN

veröffentlicht von MarleneK

8. November 2020

STUDIEREN & ARBEITEN

Dein Traum ist ein Jus Studium in Wien? Du bist dir allerdings unsicher, was genau auf dich zukommt? Wir haben das Wichtigste für dich zusammengefasst!

Quelle: Wikipedia

Um das Jus Studium ranken sich viele Gerüchte! Es soll ganz anders sein als alle anderen Studiengänge an der Uni Wien: Angefangen mit den Abschnitten über das Juridicum bis zu den mündlichen Prüfungen – und nun auch noch ein Aufnahmetest. Wir fassen für euch das Wichtigste, was es über das Jus Studium in Wien zu wissen gibt, zusammen. Abschließend teilen noch zwei Jus StudentInnen ihre ganz persönlichen Tipps mit uns.

Allgemeines zum Jus Studium

Das Jus Studium wird formal richtig eigentlich Studium der Rechtswissenschaften genannt. In Deutschland gibt es auch den Begriff Jura. Das Studium ist ein Diplomstudium, das heißt, du graduierst mit dem Titel Magister / Magistra. Um das Jus Studium in Mindeststudienzeit zu absolvieren, studierst du 4 Jahre, der Großteil der Jus StudentInnen studiert allerdings aufgrund der schweren Prüfungen wesentlich länger. Seit letztem Jahr ist zudem bei zu vielen InteressentInnen ein Aufnahmetest vorgesehen, dieser wurde bisher allerdings noch nie durchgeführt.

Neben den klassischen Berufen wie Anwalt, Notar oder Richter, kann man nach einem abgeschlossenen Jus Studium noch zahlreiche andere Berufe ergreifen. Du kannst zum Beispiel im Auswärtigen Amt, bei der europäischen Kommission oder anderen Institutionen der EU, als AnwärterIn auf den diplomatischen Dienst, bei Prüfungsämtern, in Behörden / Ministerien, bei Wirtschaftsunternehmen, bei Fernseh-/Rundfunkunternehmen, Autoherstellern, Versicherungen, Banken oder Dienstleistungsunternehmen arbeiten. Außerdem stellen die Steuerberatung, die Wirtschaftsprüfung und die Nichtregierungsorganisationen potenzielle Tätigkeitsfelder dar.

Das Juridicum

Die meiste Zeit deines Studiums wirst du im Juridicum verbringen. Dies ist ein eigenes Gebäude und befindet sich wenige Gehminuten von der Hauptuniversität entfernt nahe der U-Bahn Station Schottentor im Herzen Wiens.  Das Juridicum ist sowohl die älteste als auch die größte juristische Fakultät im deutschen Sprachraum, denn dort wird bereits seit über 600 Jahren Recht erforscht und gelehrt. Zurzeit studieren über 10 000 StudentInnen Jus, zusätzlich gibt es 600 MitarbeiterInnen, die diese große Zahl an StudentInnen betreuen.

Auch das Gebäude an sich ist besonders: Das Juridicum ist eine hängende Konstruktion, d.h. die einzelnen Etagen hängen an den Mittelstützen. Gekühlt und geheizt wird über wasserleitende Rohre in den Wänden. Räumlich ist das Juridicum folgendermaßen aufgeteilt: Die größeren Hörsäle befinden sich im ersten und zweiten Untergeschoss. Fast in jedem Stockwerk findet man eine Fachbibliothek und 4 kleinere Seminarräume. Die Mensa ist im Zwischengeschoss über dem Erdgeschoss. Die Studienvertretung, die gerade anfangs hilfreiche Tipps geben kann, ist im ersten Stock neben einem großen Lesesaal.

Das Juridicum! Quelle: Wikipedia

Studienaufbau

Das Studium ist in drei große Abschnitte gegliedert:

  • Einführungsabschnitt (1. Abschnitt)
  • Judizielle Abschnitt (2. Abschnitt)
  • Staatswissenschaftlicher Abschnitt (3. Abschnitt)

Du musst alle Prüfungen, die zu einem Abschnitt gehören, geschrieben haben, um Prüfungen vom nächsten Abschnitt schreiben zu können. Bevor du in den nächsten Abschnitt wechseln darfst, musst du die sogenannten FÜM (=fachübergreifende Modulprüfung) schreiben. Diese großen Prüfungen umfassen den Großteil des Stoffgebietes, den du im jeweiligen Abschnitt gelernt hast, und sind von den StudentInnen meist gefürchtet. Oft werden sie als letzte Prüfung im Abschnitt geschrieben. Der Großteil der StudentInnen erzählt, dass die FÜM 1 am leichtesten und die FÜM 3 am schwersten sei.

Zusätzlich gibt es noch abschnittsunabhängige Prüfungen. Du kannst dir also aussuchen, in welchem Abschnitt du sie schreiben möchtest. Zu diesen zählen:

  • Strafrecht
  • Wahlfächer
  • Wahlfachkörbe
  • Juristische Wirtchaftskompetenz
  • Diplomand Innenseminare
  • Moot Courts

Es können dabei irgendwelche Wahlfächer gemacht werden im nötigen Ausmaß, oder auch ein Wahlfachkorb. Der Korb ist aber nicht verpflichtend. Bei diesen Prüfungen hast du also etwas mehr Entscheidungsfreiheit und kannst dich in deinem Interessengebiet spezialisieren.

Zusätzlich zu dieser Studienform ist eine andere Form des Jus Studiums in Planung. Bald soll es möglich sein, Jus im Bachelor- und Masterstudium am Juridicum zu studieren. Wie genau das aussehen wird, ist allerdings noch nicht bekannt.

Interview

Zum Schluss haben wir uns noch bei zwei Jus-Studenten, Peter (Absolvent) und Julia (3. Abschnitt), nach Geheimtipps und Ratschlägen erkundigt, um das Studium gut zu meistern:

Wann habt ihr euer Studium am Juridicum in Wien begonnen?

Julia: Sommersemester 2015

Peter: Wintersemester 2013/2014 –Sommersemester 2018

Was waren eure persönlichen Erfahrungen mit dem Studium? Ist es wirklich so schwer, wie alle denken oder mit etwas Lernaufwand schaffbar?

Julia: Mit Lernaufwand und Disziplin ist es natürlich schaffbar. Es ist nützlich, Lerngruppen zu bilden. Einige erleben Rückschläge bei den Prüfungen. Man muss trotzdem weitermachen und lernen, damit umzugehen.

Peter: Persönlich hatte ich große Freude an meiner Studienzeit. Der Stoff ist überhaupt nicht so „trocken“ wie das oft vermittelt wird. Bei vielen Fragestellungen wird kreativer Gestaltungsraum offen gelassen. Außerdem gibt es dank der Nebengebiete und den Wahlfächern individuelle Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung. Das Studium ist bei entsprechender Einteilung und Lerndisziplin eindeutig schaffbar. Voraussetzung ist wie überall ein gewisses Interesse am Stoff und Spaß am Lernen. Die Prüfungen sind nicht zu unterschätzen. Sieht man das Studium locker, wirkt sich das massiv auf die Studiendauer aus.

Quelle: https://unsplash.com/photos/omeaHbEFlN4

Warum studiert ihr Rechtswissenschaften?

Peter: Mein persönlicher Traum war die Karriere als Anwalt. Ich sah das Studium eher als Mittel zum Zweck, um diesen Beruf ergreifen zu können. Schlussendlich habe ich dann aber bei diversen Praktika erkannt, dass Anwalt doch nicht der richtige Beruf für mich ist. Nun arbeite ich im Verwaltungsbereich, dort gefällt es mir sehr gut.

Was habt ihr von der Uni erwartet? Was hat sich davon bewahrheitet und wurdet ihr in irgendeiner Hinsicht enttäuscht?

Julia:  Ich habe mit einer besseren Betreuung gerechnet.

Peter: Natürlich konnte ich mir als frischgebackener Maturant nicht viel unter „Studieren“ vorstellten. Erhofft habe ich mir einen etwas persönlicheren Zugang zu den Professoren und den Mitstudenten. Gerade in den ersten Semestern (aufgrund der Massen an Studienbeginnern) war dies leider überwiegend nicht möglich.

Wie schaut’s mit Lernaufwand aus? Habt ihr noch genug Freizeit oder Zeit für einen geringfügigen Job?

Julia: Ich arbeite nebenbei Teilzeit und nehme mir ausreichend Freizeit. Ich bin nicht in der Mindeststudienzeit, aber das ist ok. Sehr lernintensiv ist das Studium auf jeden Fall, man braucht Disziplin. Man muss sehr lange lernen, muss jedoch man keine komplizierten mathematischen Gleichungen verstehen.

Peter: Das Jus Studium ist eine klare Sache der Einteilung. Auch wie später im Berufsleben sollte man auf eine gute Work-Life-Balance achten. Klar gibt es Phasen vor wichtigen Prüfungen, in denen das Privatleben etwas zurücktreten muss. Dafür gibt es dann wieder Wochen, in denen man ungehindert seiner Freizeit nachgehen kann. Mit Nebenjob wird es allerdings wesentlich schwerer, in Mindeststudienzeit zu bleiben.

Wo kann man am besten lernen? Gibt es diverse Hot-Spots oder auch No-Gos bezüglich Lernplatz?

Julia: In der WU Rechtsbibliothek. Während dem Aufenthalt hat man auch alle möglichen Bücher, die man für das Jus Studium braucht, zur Verfügung, die Arbeitsplätze sind geräumig und es ist sehr ruhig.

Peter: Mein Lieblingslernplatz war eindeutig der Lesesaal am Juridicum. Die ersten paar Mal ist die besondere Atmosphäre, die dort herrscht, sicherlich etwas befremdlich. Man ist in einem Raum voller mehr oder weniger lernwilliger Leidgenossen, aber trotzdem ist es ruhig und man ist ganz für sich. Ablenkungen kommen zwar hin und wieder vor, trotzdem kann man sich voll und ganz im Lehrbuch verlieren. Die Lesesäle bieten den idealen Lernort vor, zwischen oder nach Präsenzveranstaltungen. Eher ungeeignet zum Lernen ist das Erdgeschoß. Neben unbequemen, festgeschraubten Stühlen herrscht hier ein hoher Lärmpegel und ein ständiges Kommen und Gehen.

Quelle: https://unsplash.com/photos/2JIvboGLeho

Was macht das Juridicum deiner Meinung nach besonders?

Peter: Unter den rechtswissenschaftlichen Universitäten in Österreich ist das Juridicum besonders angesehen. Gebäudetechnisch machen die Straßenlaternen im Innenraum und der orange genoppte Boden das Juridicum zu einem Schmankerl. Sämtliche Lehrsäle und Seminarräume sind fensterlos.

Was wollt ihr den Erstsemestrigen auf diesem Weg mitgeben? Irgendwelche Tipps oder Ratschläge?

Julia: Durchhaltevermögen und Lerngruppen bilden. Durch Lerngruppen habe ich mehr Ehrgeiz und Zielstrebigkeit entwickelt, man will die anderen dann auch nicht hängen lassen und ist so motivierter. Man bekommt auf jeden Fall eine gute Allgemeinbildung, richtig spezialisieren kann man sich jedoch erst nach dem Studium oder durch einen Wahlfachkorb. Ich kannte niemanden am Juridicum, im ersten Semester habe ich versucht, in jeder Lehrveranstaltung Freunde zu finden, um sich auszutauschen. Die Studienvertretung hat mir sehr geholfen, man sollte bei Fragen nicht davor scheuen, sie um Rat zu bitten. Das Studium unterscheidet sich von anderen Studienrichtungen vom Aufbau her und ich bin froh, Freunde zu haben die auch am Juridicum studieren und mit denen man sich austauschen kann.

Peter: Kauft euch vor dem Semesterstart die Skripten zur Einführungsvorlesung und schnuppert ein bisschen rein. So gewöhnt ihr euch schon vorher etwas an den speziellen Stil und könnt von den Einführungsvorlesungen mehr profitieren. Als Nebeneffekt wisst ihr auch gleich, wie ihr mit dieser eigenen Welt des rechtswissenschaftlichen Denkens und Schreibens klarkommt. Solltet ihr jemals Fragen zur Literatur haben, wendet euch an das Facultas-Buchgeschäft im Gebäude. Ein sehr netter und qualifizierter Angestellter, der unter den Studierenden „das Orakel“ genannt wird, berät euch gerne und gut. Nicht zu unterschätzen ist die Lehrbuchsammlung, die ihr angrenzend an den Lesesaal im 1. Stock findet. Hier könnt ihr euch die Lehrbücher auch für länger ausborgen und gerade zum querlesen verschiedener Werke erspart ihr euch so den Ankauf vieler teurer Bücher.

Wenn ihr könntet: Was würdet ihr am Studium/an deiner Uni verändern?

Julia: Ich hätte gerne mehrere kleinere Prüfungen anstatt ein paar sehr große fächerübergreifende Prüfungen. Teilweise stehen die fächerübergreifenden Prüfungen nicht einmal miteinander in Zusammenhang und mir kommt es vor, als wollten die Lehrenden nur unbedingt große Prüfungen abhalten.

Peter: Die Voraussetzungen für ein positives Absolvieren von Lehrveranstaltungen schwanken zwischen den unterschiedlichen Vortragenden stark. Es gibt sehr leichte und kaum schaffbare Übungen über denselben Stoff. Hier würde ich mir eine Vereinheitlichung wünschen.

Zum Abschluss: Gibt es irgendetwas, von dem ihr wünschtet, ihr hättet es vor eurem Studienbeginn über euer Studium gewusst?

Julia: Ich hätte gerne gewusst, dass ich mir so viel im Selbststudium beibringen muss. Ich wusste nicht, dass ich 2 Monate einplanen muss, um für eine Prüfung ausreichend vorbereitet zu sein. Außerdem wusste ich zu Beginn nicht, dass ich nach dem Studium weitere Prüfungen ablegen muss, um als Rechtsanwalt, Richter, Notar etc. zu arbeiten.

Peter: Vor Studienbeginn hätte ich gern mehr über die verschiedensten Möglichkeiten, was man mit dem Abschluss alles machen kann, gewusst. Neben den klassischen Rechtsberufen (Richter, Anwalt, Notar) bietet ein Studienabschluss in Rechtswissenschaften so viele Möglichkeiten, in der Berufswelt durchzustarten.

 

Ihr wollt euch noch bezüglich anderer Studiengänge erkundigen? Wir haben auch Artikel über die Studiengänge Psychologie, Medizin und Publizistik geschrieben!

Außerdem geben wir dir Tipps, wie du dich vor allem in den Prüfungsphasen zum Lernen motivieren kannst und welche Lernstrategien es gibt!

 
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von Julia

8. November 2020

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