STUDIEREN & ARBEITEN

veröffentlicht von sebastian

2. Juli 2019

STUDIEREN & ARBEITEN

Ich möchte Medizin an der Uni Wien studieren. Aber was kann ich mir darunter vorstellen? Was wird auf mich zukommen? Wir haben ein paar StudentInnen ausgefragt und sie haben uns alles über ein Medizinstudium an der Uni Wien erzählt.

Viele wollen es, viele probieren es, aber wie läuft es? Ein Medizinstudium ist, abgesehen von den Lerninhalten, oft gar nicht so einfach zu durchschauen. Wird es nach dem aufwändigen Aufnahmetest noch schwieriger? Wie oft muss ich anwesend sein? Kann ich nebenbei noch arbeiten gehen? Muss ich mich vor Knock-Out-Prüfungen fürchten? Wir haben ganz genau nachgehakt und einige Studierende bezüglich ihrer Erfahrungen ausgequetscht. Sie haben unsere Fragen sehr genau und ehrlich beantwortet, also kommt jetzt die ganze Wahrheit!

Grundlegende Fakten, erklärt von Celina (4. Semester)

Anwesenheitspflicht und Anmeldung zu Lehrveranstaltungen

Grundsätzlich hast du am Vormittag immer Vorlesungen OHNE Anwesenheitspflicht und nachmittags eher die Lehrveranstaltungen MIT Anwesenheitspflicht. Einen Tag in der Woche hast du aber nachmittags sicher frei. Wenn du also nebenbei geringfügig arbeiten möchtest, geht das an diesem freien Tag sehr gut.

Anmeldungen erfolgen online zu einem gewissen Zeitpunkt .. für ALLE. Das bedeutet, dass das System dann gerne einmal überlastet ist und du dich nicht für die gewünschte Uhrzeit oder den gewünschten Prof anmelden kannst. Wenn du dieses Prozedere jedoch überstanden hast, wird für dich ein fertiger Stundenplan erstellt – du musst dich also um nichts mehr kümmern. Scheint auf den ersten Blick perfekt, jedoch schränkt dich dies dann doch sehr in deiner zeitlichen Flexibilität ein.

Curriculum

Pro Semester gibt es immer drei verschiedene Themenblöcke zu absolvieren. Auf den folgenden drei Bildern findest du das ganze Curriculum für das Diplomstudium Humanmedizin aufgelistet (da musst du also überall durch, wenn du Arzt beziehungsweise Ärztin werden möchtest). Schau dir vorher in Ruhe an, was alles auf dich zukommen wird und ob das wirklich das Richtige für dich ist.

 
 
 

Die Themen der Blöcke sind jeweils kurz beschrieben. Darunter findest du in jedem Semester die sogenannten „Lines“ (am Bild gelb hinterlegt). Diese beinhalten Themen wie POL (Problemorientiertes Lernen) oder Soziale Kompetenz. Muss man halt machen, sind aber zum Teil sehr interessant.

Was bei vielen anderen Studiengängen die StEOP ist, wird hier SIP genannt. Diese Prüfungen sind entweder ein oder zwei Mal pro Jahr zu absolvieren, was also enorm viel Stoff bedeutet. Über den Sinn dieser Prüfungen lässt sich streiten, da die 1.000 bis 2.000 Altfragen aus den vorherigen Semestern meist ausreichen. Stures Auswendiglernen? Soll ich dann zu meinen zukünftigen Patienten sagen „Ma, das war leider ned prüfungsrelevant, da müsstens zu einem anderen Arzt schauen.“ und ihn weiterschicken?

Ma, das hama bei da SIP ned glernt, das war sicher ned prüfungsrelevant. Müsstens zu einem Kollegen von mir schauen, vielleicht hat's der glernt"

Theorie vs. Praxis

Natürlich lernt man zu Beginn viiiiiel Theorie, macht ja auch Sinn. Bevor wir auf Menschen losgelassen werden, müssen Themen wie Anatomie, Physiologie und Histologie sitzen. Wäre peinlich, wenn dein Patient über Schmerzen im Gluteus Maximus klagt und du seine Brust abhorchst, nicht wahr? Nichtsdestotrotz wird es relativ früh sehr praktisch. Du arbeitest in verschiedenen Kleingruppen mit zukünftigen KollegInnen zusammen. Sachen wie Sezieren, Katheter legen, Blut abnehmen oder Nähen werden an Gummipuppen geübt, bis es dann endlich zur ersten Famulatur geht. Du arbeitest dann in einem echten Spital mit dem Ärzte- und Pflegepersonal zusammen. Vor dir liegt nun keine Gummipuppe und Fehler solltest du dir jetzt keine mehr erlauben. Aber bedenke immer: Du bist noch im Studium, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Aufwand des Studiums

Der zeitliche Aufwand eines Studiums ist immer sehr schwer zu definieren, ich würde sagen: mal so, mal so. Für die SIP musst du schon genug Zeit einplanen, später kommen dann sehr viele kleinere Prüfungen. Hier ist der Lernaufwand geringer, dafür hast du halt viele davon hintereinander. Für die Seminare hast du auch immer wieder etwas zu tun – unterm Strich gesagt: Langweilig wird uns nicht. Ich persönlich gehe an den Wochenenden und in den Ferien arbeiten. Das geht sich sehr gut aus!

Prüfungen

So richtige Knock-Out-Prüfungen gibt es nicht. Beim Aufnahmetest wird schon ordentlich aussortiert, aber danach ist jede Prüfung mit Lernen schaffbar. In den Seminaren und den Kleingruppen kommt es wirklich oft auf den Professor an. Deswegen ist das Anmeldesystem gerne mal überlastet: Jeder will zu bestimmten Professoren. Lernen musst du überall, weil keiner möchte später in eine Arztpraxis gehen, in der keiner eine Ahnung von Medizin und Gesundheit hat!

Persönliche Empfehlung und Tipps

Ich kann es nur weiterempfehlen, denn ich kann mir nichts vorstellen, was ich lieber studieren würde. Mich faszinieren die Komplexität des menschlichen Körpers und die Möglichkeiten der heutigen Medizin. Und nach dem Studium gibt es so viele Möglichkeiten, so viele Facharztausbildungen. Wenn du beispielsweise nicht mit Menschen arbeiten magst, kannst du auch Epidemiologe werden. Oder du gehst in die Forschung, da brauchen sie auch immer wieder gute Ärztinnen und Ärzte! 😉

meduniwien

Die weißen Götter beim White-Coat-Welcome. /// www.meduniwien.ac.at

Direkte und ehrliche Meinung, von Lucia (4. Semester) und Nicole (2. Semester)

Wann habt ihr euer Studium an der MedUni in Wien begonnen?

Lucia: Ich habe 2017 mit Humanmedizin an der MedUni begonnen.

Nicole: 2018, genauer gesagt Wintersemester 2018. Im Wintersemester anzufangen ist vorteilhafter, Quereinsteigen ist kompliziert.

Was waren eure persönlichen Erfahrungen mit dem Aufnahmetest? Ist er wirklich so schlimm, wie alle denken oder mit etwas Lernaufwand schaffbar?

Lucia: Er ist definitiv zu schaffen! Vor allem die kognitiven Bereiche kann man mit etwas Geduld sehr gut lernen. Ein Vorbereitungskurs ist jedoch immer von Vorteil, das würde ich jedem ans Herz legen!

Nicole: Mit der richtigen Vorbereitung, Disziplin und Ehrgeiz ist er auf jeden Fall schaffbar. Lasst euch nicht unterkriegen, wenn ihr es beim ersten oder zweiten Mal nicht schafft. Ich habe ihn auch erst beim dritten Mal geschafft und kenne KollegInnen, die fünf Anläufe gebraucht haben! Es war dann sogar sehr positiv, da ich mich so konkret mit den Inhalten beschäftigt habe, dass ich mit enorm viel Vorwissen in die ersten beiden Semester gestartet bin.

Warum studiert ihr Medizin?

Lucia und Nicole: „Weil wir Menschen helfen möchten“ – Naja, da hätten wir auch Krankenschwester oder ähnliche Berufswege einschlagen können. Grundsätzlich fasziniert uns der menschliche Körper und durch eine Schnupperwoche in einem Spital wurde ich (Nicole) in meinem Denken sehr bekräftigt. Das ist sowieso immer ein guter Tipp: Schaut euch den Beruf des Arztes/der Ärztin vorher gut an, denn es ist bei Gott nicht so wie in Grey’s Anatomy.

Was habt ihr von der Uni erwartet? Was hat sich davon bewahrheitet und wurdet ihr in irgendeiner Hinsicht enttäuscht?

Lucia und Nicole: Puh, keine leichte Frage. Die Uni probiert wirklich, dich in kürzester Zeit (Mindeststudienzeit) optimal auszubilden. Sie ermöglicht uns Zugriffe auf Plattformen, die normalerweise sehr teuer sind. Auch die Bibliothek ist wahnsinnig groß und lehrreich. Man bekommt irgendwie das Gefühl, dass man als Einzelner und Einzelne beachtet wird und nicht bloß eine Nummer ist. Das beeindruckt uns bis heute sehr. Auch die praktische Arbeit und die Übungen in Kleingruppen finden wir super. Enttäuscht hat uns eigentlich gar nichts.

Wie schaut’s mit Lernaufwand aus? Habt ihr noch genug Freizeit oder Zeit für einen geringfügigen Job?

Lucia: Im ersten Jahr hat sich der Aufwand wirklich in Grenzen gehalten. Dann ab dem dritten Semester kamen Pharma und Organmorphologie dazu, das ist schon manchmal zach. Da würde ich dann die Tätigkeit im Nebenjob eventuell etwas reduzieren. Aber wir Medizinstudenten haben schon auch ein Social-Life nebenbei und wenn man diszipliniert ist, geht sich alles gut aus!

Nicole: Der Aufwand ist meiner Meinung nach von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Es gibt Studierende, die weniger Zeit investieren und das Studium locker angehen, aber irgendwo sollten wir ja doch etwas lernen und gute Ärztinnen und Ärzte werden. Ich persönlich besuche jede Vorlesung, bereite mich auf den Unterricht am Nachmittag vor und gehe nebenbei noch einen halben Tag arbeiten unter der Woche. Außerdem habe ich auch Zeit für diverse Freizeitaktivitäten und Partys – also mit Disziplin geht alles! 😉

Lernen, Uni, Freizeit: Das bekommst du schon alles unter einen Hut. Nur lernen is auch fad, gönn dir ab und zu ein Zwettler Bier oder einen Spritzer."

Wo kann man am besten lernen? Gibt es diverse Hot-Spots oder auch No-Gos bezüglich Lernplatz?

Lucia und Nicole: Die Uni bietet viele Möglichkeiten, um in Ruhe zu lernen. Auf der Bib (im AKH) lernen ist aufgrund von Platzmangel eher schwierig. Im Lesesaal, der sich ebenfalls im AKH befindet, gibt es genügend Plätze, aber einen Nachteil: Daneben befindet sich gleich ein MRT-Gerät, welches alle paar Minuten relativ großen Lärm verursacht. Deswegen empfehle ich, gleich in einen anderen Lernraum auszuweichen. Zum Beispiel ins Computer-Learning Center am Campus vor dem AKH, zu den neu errichteten Lernplätzen bei der Gerichtsmedizin, in den Computerraum der Anatomie (in der Schwarzspanierstraße) oder in den Lernraum der Chemie (Währingerstraße).

Was macht die MedUni deiner Meinung nach besonders?

Lucia und Nicole: Es gibt unserer Meinung nach einiges, was die Med-Uni besonders macht.

  • Ein Teil der MedUni befindet sich ja im AKH, dort ist die Mensa preislich echt top! Einmal essen gehen kostet dort 2.20€.
  • Die MedUni schafft es, die Studenten in Kleingruppen zu je zehn Leuten einzuteilen. Das ist bei knapp 700 Studenten pro Jahrgang ein logistisches Wunder. Durch diese Kleingruppen kennen sich alle untereinander, was es an anderen Unis nicht so häufig gibt.
  • Die ÖH (Österreichische HochschülerInnenschaft) der MedUni organisiert sehr viel für StudentInnen: Goodie-Bags, Tutorien für gewisse Lehrveranstaltungen, Streaming im Internet, …

Was wollt ihr den Erstsemestrigen auf diesem Weg mitgeben? Irgendwelche Tipps oder Ratschläge?

Lucia und Nicole: Keine Angst, es gibt nichts, was euch die MedUni nicht auch sagen würde. In den ersten beiden Vorlesungen herrscht Anwesenheitspflicht und in diesen werden alle wichtigen organisatorischen Fragen beantwortet. In der ersten Woche findet außerdem eine Veranstaltung von der ÖH statt, bei der wichtige Dinge besprochen. Ein ganz guter Tipp: Facebook. Es gibt viele Gruppen, in denen ihr Fragen stellen könnt (aber die meisten sind eh schon einmal gestellt worden, also verwendet die Suchfunktion). Ein kleiner Insidertipp am Rande: Schaut auch nach, welche Professoren „gut“ sind und welche eher zu vermeiden sind. Auf diese Art und Weise könnt ihr einem zachen oder grauenhaften Semester entfliehen! 😉

Wenn ihr könntet: Was würdet ihr am Studium/an deiner Uni verändern?

Lucia: Ich würde mir mehr Einblick in die Forschung wünschen. Ich frage mich oft, an was genau die Profs forschen oder wie ihr wissenschaftliches Arbeiten aussieht. Außerdem wäre eine Lockerung der Anwesenheitspflicht super (100%). Man ist ab und zu krank oder muss zu wichtigen Terminen, und jedes Mal gleich eine Ersatzleistung bringen zu müssen, finde ich übertrieben.

Nicole: Was ich persönlich ändern würde, wäre das Prüfungssystem. Durch das Blocksystem kommt in den ersten beiden Semestern sehr viel Stoff zusammen, der dann bei der SIP abgeprüft wird. Die Uni legt uns sogar nahe, nur die Altfragen zu lernen, um die Prüfung zu schaffen, aber was bringt das? Habe ich dann wirklich alles verstanden? Kann ich dieses Wissen dann auch praktisch anwenden? Das habe ich schon öfters hinterfragt – sonst würde ich wirklich nichts ändern!

meduniwien

Wer weiß, vielleicht darfst auch du schon bald dein erstes Mal Blut abnehmen? /// www.uni.at

 
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von marlies

2. Juli 2019

STUDIEREN & ARBEITEN
Du würdest dich selbst als Sprachentalent bezeichnen und willst dein Können auch im beruflichen Kontext später unter Beweis stellen? Oder du willst zusätzlich zu einem anderen Studium deine Sprachkenntnisse vertiefen? Welche Möglichkeiten es dafür gibt, erfährst du hier.