Fragezeichen Psychologiestudium

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STUDIEREN & ARBEITEN

veröffentlicht von MarleneK

18. Mai 2020

STUDIEREN & ARBEITEN

Dein Traum ist es, in Wien Psychologie zu studieren? Du bist dir allerdings unsicher, was genau auf dich zukommt? Wir haben das Wichtigste zusammengefasst!

Psychologie ist Menschen zu analysieren und Psychoanalyse in allen Details zu lernen? Falsch! Doch viele Menschen haben dieses Bild von Psychologie und auch viele Studienanfänger wissen deshalb nicht, was im Studium wirklich gelehrt wird. Angefangen vom Aufnahmetest über die Themenschwerpunkte der Uni Wien bis hin zu den Berufsmöglichkeiten geben wir euch hier eine kurze Zusammenfassung an essentiellen Informationen. Wir hoffen, euch damit die Entscheidung für oder gegen ein Psychologiestudium zu erleichtern.

Was lernt man im Psychologiestudium?

Das Wichtigste gleich am Anfang: Ein Psychologie-Studium hat nichts mit Psychoanalyse zu tun. Wer also erwartet, alles über das Leben von Freud und seine Interventionstechniken zu lernen, ist wahrscheinlich eher bei Psychotherapie mit Schwerpunkt Psychoanalyse richtig. Psychologie ist eine Wissenschaft, bei der es um das menschliche Erleben und Verhalten geht. Das heißt, wir lernen, menschliche Phänomene mit naturwissenschaftlichen Methoden zu erforschen.

Wo und wie lange studiert man?

Die Fakultät liegt in der Liebiggasse 5, wo StudentInnen auch oft für Übungen hinmüssen. Außerdem gibt es einen Standort im Neuen Institutsgebäude (NIG). Vorlesungen werden sowohl am Uni Campus, im NIG als auch im Hauptgebäude abgehalten.

Wie lange man braucht, um eine fertige Berufsausbildung zu haben, hat mich am Anfang sehr schockiert. Denn mit dem Bachelor kann man eigentlich nichts anfangen. Es wird erwartet, dass man den Master anhängt. Nach dem Master ist man fertiger Psychologe, darf aber eigentlich immer noch in wenigen Berufsfeldern arbeiten. Danach gibt es noch viele postgraduelle Ausbildungen (zur klinischen PsychologIn, GesundheitspsychologIn, forensischen PsychologIn, Arbeits- und WirtschaftspsychologIn und viele mehr), die nochmal zwischen zwei und fünf Jahre dauern und selbst zu bezahlen sind (die meisten kosten über 10 000€). Um PatientInnen therapieren zu können, muss man die Zusatzausbildung zur klinischen Psychologin machen. Man braucht also sowohl viel Ausdauer als auch viel Geld. Es gibt auch die Möglichkeit,  nach dem Master ein Doktoratsstudium anzuhängen. Das braucht man, wenn man in die Forschung gehen möchte.

Das Psychologicum

Unser Institutsgebäude. Quelle: Universität Wien

Zuallererst: Der Aufnahmetest

Psychologie gehört zu den Studiengängen, in denen einmal jährlich Ende August ein Aufnahmetest durchgeführt wird. Jährlich melden sich etwa 2500 Menschen an, von denen dann die besten 500 genommen werden. Der Aufnahmetest dauert vier Stunden und ist in drei Teile gegliedert: Fachwissen, Mathematik und Englisch.

Für das Fachwissen musst du einige Kapitel eines Buches lernen, die dann detailliert abgeprüft werden. Hier lohnt es sich, genau zu lernen. Mathematik umfasst Statistik und geht über Maturawissen nicht hinaus. Statistik ist für das spätere Studium wichtig, da man viel über Forschung lernt und das Gelernte spätestens bei der Bachelorarbeit selbst anwenden muss. Zur Überprüfung der Englisch-Kenntnisse wird ein englischsprachiger Fachtext vorgegeben, zu dem dann Fragen zu beantworten sind. Dies ist wichtig, da für die meisten Prüfungen im Studium der Prüfungsstoff englische Bücher umfasst. Ende September erfährst du dann die Ergebnisse des Aufnahmetests und Anfang Oktober gehts schon los mit dem Studium.

Tipp: Es ist definitiv zu empfehlen, sich gut auf den Aufnahmetest vorzubereiten, da die Plätze heiß umkämpft sind. Der Test ist zwar nicht wahnsinnig schwer, aber gerade als Maturant ist man es (noch) nicht gewohnt, große Stoffmengen zu lernen und ist mit den Modalitäten einer Universitäts-Prüfung nicht vertraut.

Aufnahmeverfahren

So sieht es beim Aufnahmeverfahren aus. Quelle: Universität Wien (SSC)

Aufbau des Psychologiestudiums

Das Studium umfasst acht Pflichtmodulgruppen, die von A bis H benannt werden.

Pflichtmodul A und B: Studieneingangs- und Orientierungsphase + Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens

Diese Module sind im ersten Semester zu erledigen. Ersteres beinhaltet die berühmt-berüchtigte STEOP (=Studieneingangs- und Orientierungsphase). Dies sind zwei große Prüfungen, die man positiv absolvieren muss, um sich überhaupt für andere Lehrveranstaltungen anmelden zu können. In Pflichtmodul B ist eine Übung enthalten, die man auch im ersten Semester machen sollte, da sie viele praktische Tipps und Tricks für das spätere Studium beinhaltet.

Pflichtmodul C: Kernfach 1

In diesem Modul sind zwei Prüfungen zu den biologischen Grundlagen des Verhaltens und zwei Prüfungen zu den kognitiven Grundlagen des Verhaltens enthalten. Zusätzlich gibt es noch eine Übung, in der man sich entweder auf Biologie oder Kognition spezialisieren kann.

Pflichtmodul D: Kernfach 2

Hier werden vier Vorlesungen angeboten: Sozialpsychologie, Entwicklungspsychologie, Differenzielle Psychologie und Diversitäts- und Genderforschung. Zusätzlich gibt es wieder eine Übung, in der man sich auf eine der ersten drei genannten Themen spezialisieren kann.

Pflichtmodul E: Methodische und diagnostische Grundlagen

In diesem Teil wirst du mit den wissenschaftlichen Grundlagen des empirischen Arbeitens vertraut gemacht. Schwerpunkt liegt hier definitiv auf quantitativem Arbeiten (sprich: Statistik), aber es gibt auch eine Übung zum qualitativen Forschen. Außerdem lernst du grundlegendes zur Diagnostik. Diagnostik ist die Vorgabe von psychologischen Tests, Fragebögen oder Interviews, um herauszufinden, an welcher psychischen Störung die PatientInnen leiden. Dies stellt auch ein wichtiges Tool für klinische Psychologen dar.

Pflichtmodul F: Anwendungsfelder

Es gibt Vorlesungen zu klinischer Psychologie, Gesundheitspsychologie, Arbeits- Organisations- und Wirtschaftspsychologie und Bildungspsychologie.

Pflichtmodul G: Berufsvorbereitung

Für diesen Abschnitt musst du eine praktische Übung zum psychologischen Diagnostizieren besuchen. Außerdem gibt es Übungen, um psychologische Gesprächsführung und Präsentations- und Moderationstechniken zu erlernen.

Pflichtmodul H: Bachelorarbeit

In deinem vorletzten Semester solltest du das sogenannte Fachliteraturseminar besuchen, in dessen Zuge du eine theoretische Arbeit schreibst und dein Thema für die Bachelorarbeit findest. Diese schreibst du dann im letzten Semester und musst dafür (meist) empirisch forschen.

Erweiterungscurricula

Wie bei jedem Studiengang der Universität Wien musst du eine gewisse Anzahl an Vorlesungen an fremden Fakultäten besuchen, um deine eigenen Interessen zu vertiefen. Auf u:find findest du eine lange Liste, aus denen du frei wählen darfst.

Für genauere Informationen hat die Universität Wien ein Curriculum online gestellt. Ganz unten im Dokument findet ihr den empfohlenen Leitfaden durch das Studium.

Tipps und Tricks, damit das Psychologiestudium gelingt

  • Online findest du einen Leitfaden, in dem genau beschrieben steht, welche Veranstaltungen du wann besuchen solltest, um in Mindeststudienzeit zu bleiben und die Voraussetzungsketten zu erfüllen. Es wird empfohlen, sich daran zu halten.
  • Das erste Pflichtpraktikum findet nicht im Bachelor, sondern erst im Master statt. Aber viele Studierende machen freiwillige (leider meist unbezahlte) Praktika schon im Bachelor, da es sich gut im Lebenslauf macht und es einfach schön ist, den praktischen Alltag des theoretisch Gelernten mitzuerleben.
  • Es gibt viele Facebook-Gruppen, in denen sich Studierende austauschen und helfen. Dort kursieren auch Zusammenfassungen der Prüfungsstoffe.
  • Das SSC (Studienservicecenter) ist für deine Fragen zuständig, zögere also nicht, ihnen bei Unklarheiten zu schreiben. Besser einmal zu viel als einmal zu wenig nachgefragt!

Abschließend noch einige Tipps zum erfolgreichen Psychologiestudium von Alex (2. Semester Master) und Anna (6. Semester Bachelor)

  • Alex: Für den Aufnahmetest habe ich ca anderthalb Monate kontinuierlich gelernt. Dabei habe ich mich auf den Literaturteil konzentriert. Außerdem habe ich einen einwöchigen Vorbereitungskurs belegt, diesen kann ich allerdings nicht uneingeschränkt empfehlen. Er hat mir nur insofern geholfen, dass ich einen Vergleich hatte, wie viel andere schon gelernt haben. Relevantes Wissen konnte ich mir nicht aneignen.
  • Anna: Beim Aufnahmetest ist man natürlich sehr nervös und kann überhaupt nicht einschätzen, wie gut oder schlecht man abgeschnitten hat. Da lohnt es sich, einfach abzuwarten. Wenn man sich gut vorbereitet hat, stehen die Chancen nicht so schlecht.
  • Alex: Was mich zu Beginn besonders überrascht hat, ist, dass das Studium kaum auf den Beruf vorbereitet. Statistik und Methodenlehre ist sehr wichtig, praktische Erfahrungen kann man vor allem im Bachelor kaum sammeln. Deshalb sind freiwillige Praktika auch so wichtig, da sie einen guten Ausgleich zum theoretischen Studium bilden.
  • Anna: Besonders gefallen mir die Gebäude der Universität Wien. Angefangen vom Gebäude der Hauptuni über den großen Lesesaal bis zum Arkadenhof – hier herrscht eine ganz besondere Stimmung. Dadurch macht das Studieren gleich mehr Spaß!
  • Alex: Besonders gefällt mir am Studium, dass der Bachelor so vielfältig ist. Von Biologie bis Gender ist wirklich alles dabei. Das hat natürlich seine Vor- und Nachteile.
  • Anna: Schade finde ich, dass keine erste Schwerpunktsetzung im Bachelor möglich ist. So muss man sich auch durch alle möglichen Vorlesungen quälen, die einem vielleicht nicht so zusagen.

Solltet ihr noch unsicher bezüglich eures Studiums sein, haben wir uns auch schon mit dem  Medizinstudium und dem  Publizistikstudium auseinandergesetzt.

 
 

veröffentlicht von sebastian

18. Mai 2020

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