STUDIEREN & ARBEITEN

veröffentlicht von sophie

1. September 2016

STUDIEREN & ARBEITEN

Publizistik in Wien zu studieren ist das Ziel vieler MaturantInnen aus dem Waldviertel. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff Publizistik? Ist man danach sofort JournalistIn? Diese Fragen klärt eine Absolventin für euch.

„Ich studiere Publizistik in Wien.“ – „Publi.. was?! Und was genau ist das? Welchen Beruf kannst du danach ausüben? Also studierst du Journalismus?!“ Das sind Fragen, die jede und jeder Publizistik-Student/in regelmäßig zu hören bekommt. Kein Wunder! Viel zu wenig offenbart der schwammige Studienbegriff Publizistik- und Kommunikationswissenschaft über das vielfältige Fach. Dennoch zieht es jedes Jahr etliche WaldviertlerInnen nach Wien um Publizistik zu studieren. Passend  zum neuen Semesterbeginn werden deshalb oft gestellte Fragen von einer Absolventin – also mir – mit meinen Erfahrungen beantwortet und das Fragezeichen über dem Publizistik-Studium wird für euch hoffentlich immer kleiner. Danach zeige ich euch den Aufbau des Studiums.

Was ist Publizistik- und Kommunikationswissenschaft?

Das Bakkalaureatsstudium Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (kurz PuKw) vermittelt Wissen für Kommunikationsberufe. Kommunikationsberufe gibt es im Bereich des Print-, TV-, Radio- und Multimediajournalismus, in der Öffentlichkeitsarbeit (z.B. von politischen Parteien oder großen Konzernen), in der Werbung, im Bereich der Markt- und Meinungsforschung („Erreiche ich mit meiner Kommunikationsstrategie meine Kunden?“) und in der generellen Erforschung von Medien und Kommunikation (z.B.: „Wie hat sich die Sprache der Jugendlichen in den letzten 100 Jahren verändert?“).

Wo studiert man das?

Publizistik studiert man entweder in Wien, Salzburg oder Klagenfurt. In Wien wird Publizistik an der Universität Wien angeboten. Da jedes Jahr hunderte Menschen Publizistik in Wien studieren möchten, gibt es ein eigenes Publizistik-Institut in der Währingerstraße 29. Dieses riesige Glasgebäude teilen wir uns mit Informatik-Studierenden.

Welchen Beruf kann man nach dem Studium ausüben und ist man nach dem Publizistik-Studium JournalistIn?

Vorab: Nein, ein Publizistik-Studium in Wien ist kein Journalismus-Studium. Ob du tatsächlich in den Journalismus eintauchst, hängt ganz davon ab, wie du dich innerhalb des Studiums spezialisierst. Die Spezialisierungen erkläre ich im Aufbau des Studiums. Prinzipiell ist es möglich, dass du dich auf Print-, TV-, Radio-, oder Multimediajournalismus innerhalb des Studiums fokussierst. Dass du nur wegen den Journalismus-Vorlesungen und Übungen in Publizistik zum Journalist oder Journalistin wirst, ist jedoch ausgeschlossen. Das Publizistik-Studium wird von der Studienprogrammleitung als Berufsvorbildung und nicht als Berufsausbildung bezeichnet. Das bedeutet: Ja, du eignest dir Wissen über z.B.  Journalismus an, musst dich aber selbst ins Zeug legen, um tatsächlich Praxis für den Journalismus zu sammeln. Das kannst du über selbstorganisierte Praktika machen. Welchen Beruf du nach dem Studium ausübst, hängt von dir selbst ab. Es gibt unzählige Möglichkeiten für Absolventen. Meine StudienkollegInnen verdienen mit eigenen Blogs ihr Geld, sie arbeiten für die Presseabteilung von Parteien, sie schreiben für Zeitungen,  sie beraten Konzerne über Kommunikationsstrategien, sie organisieren Kampagnen für NGOs oder vertiefen sich in der Forschung.

Publizistik in Wien: Aufnahmetest

Publizistik- und Kommunikationswissenschaft gehört zu den Studiengängen, in denen ein Mal pro Jahr ein Aufnahmeverfahren durchgeführt wird. Es gibt 1123 verfügbare Studienplätze, die sehr begehrt sind. 2013 meldeten sich ca. 4000 Personen zum Test an. Im Jahr 2016 musste man sich deshalb zwischen 1. März und 15 Juli registrieren und den Kostenbeitrag von 50 € zahlen. Dieser Kostenbeitrag wurde nötig, da  in den letzten Jahren immer häufiger angemeldete Personen nicht zum Aufnahmetest erschienen und dadurch unnötige Kosten für große Säle und ungenutzte Prüfungsbögen anfielen. Beim Test werden Fachwissen aus einem Skript, Textverständnis und kognitive Kompetenzen geprüft. Mitte September erfährt man die Ergebnisse und startet dann im Oktober mit dem Studium. Tipp: Investiere lieber mehr Zeit (3 Wochen jeden Tag ein bis zwei Stunden) in die Vorbereitung, als zu wenig. Im Nachhinein gesehen ist der Test zwar nicht schwierig, aber als Maturant ist man die Prüfungsmodalitäten der Universität nicht gewohnt.

KPOL, Medienkunde,... die Liste der Skripten im Publizistik-Studium lässt sich lange fortführen.

KPOL, Medienkunde,… die Liste der Skripten im Publizistik-Studium lässt sich lange fortführen.

Publizistikstudium: Der Aufbau

Das Bakkalaureatsstudium Publizistik- und Kommunikationswissenschaft dauerst sechs Semester. Der Arbeitsaufwand beträgt 180 ECTS-Punkte. Nachdem du 180 ECTS gesammelt hast, bekommst du den Titel Bakkalaureus (männliche Bezeichnung) / Bakkalaurea (weibliche Bezeichnung) der Philosophie (kurz: Bakk. Phil.) verliehen.  Die 180 ECTS setzen sich aus 120 ECTS rein aus Publizistik und 60 ECTS aus freien Wahlfächern zusammen. Die 60 ECTS der freien Wahlfächer kannst du dir – wie der Name schon sagt – frei aussuchen. Setze deinen Fokus auf ein gewisses Fachgebiet und hebe dich von deinen StudienkollegInnen ab. Manche Wahlfachkombinationen bieten sich für Publizistik-Studierende mehr an, als andere (Wahlfach „Welt der Musik“ – hat das jemals jemand gemacht?!).

Hinweis: ECTS ist die Abkürzung für European Credit Transfer and Accumulation System. Diese Leistungspunkte kann man durch die Absolvierung von Prüfungen und Übungen sammeln. Eine gewisse Anzahl an Punkten ist für den Studienabschluss notwendig. Ein ECTS-Punkt wird mit einem Lern-Aufwand von 25 Stunden bemessen. Diese 25 Stunden speisen sich aus deiner Teilnahme an Lehrveranstaltungen, Praktika, lernen und Prüfungen. Die Erbringung von ECTS-Punkten ist auch für deinen Antrag auf Studienbeihilfe notwendig. Mehr dazu erfährst du bei den wichtigsten Fragen zur Studienbeihilfe.

1. Studienjahr

Die Studieneingangsphase (STEP) dauert im Optimalfall ein Jahr und besteht aus 30 ECTS. Hier lernst du die Basics über das kommunikationswissenschaftliche Denken, Kommunikationsgeschichte („Wie wurde während des zweiten Weltkrieges kommuniziert?“), das kommunikationswissenschaftliche Arbeiten („Wie zitiere ich richtig?“) und Forschung („Wie schreibe ich eine wissenschaftliche Arbeit?“) und generelles über die Medienlandschaft in Österreich („Wer ist Herausgeber welcher Zeitung? Warum zahle ich GIS?“).

2.+ 3. Studienjahr

Du besuchst Vorlesungen wie Medienpsychologie („Auf welche Medieninhalte sprechen bestimmte Personen wie an?“), Kommunikationsethik („Wie funktioniert Kommunikation?“), Medienpädagogik („Wie wirkt Fernsehsendung XY auf Kinder?“), Kommunikationsrecht („Welches Strafausmaß fasst man bei unsachgemäßer Verwendung von  Fotos berühmter Personen aus?“) und noch viele weitere. Außerdem kannst du dich ab dem zweiten Studienjahr in Publizistik auf gewisse Fachbereiche spezialisieren. Zwei müssen aus Print-, Hörfunk-, TV- und Multimediajournalismus, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung und Marktkommunikation und Markt- und Meinungsforschung ausgewählt werden. Mindestens eines musst du aus Medien- und Kommunikationsforschung, Historische Medien- und Kommunikationsforschung und Feministische Medien- und Kommunikationsforschung auswählen. Außerdem verfasst du zwei Bakkalaureatsarbeiten im Umfang von je ca.  35 – 45 Seiten. Für Details sieh dir den Studienplan an.

Aus diesen Wahlfächern kannst du auswählen.

Aus diesen Wahlfächern kannst du auswählen.

Publizistikstudium: Meine Erfahrungen

1. Studienjahr

Die 30 ECTS der STEP sind leicht in einem Jahr zu schaffen. Du wirst durch die ProfessorInnen kompetent bei deinen ersten Schritten an der Universität begleitet. Aber sei dir bewusst, dass keiner der ProfessorInnen je deinen Namen kennen wird. Du bist an der Universität Wien und dadurch ein Gesicht von vielen – gerade im Publizistik-Studium. Mit dir beginnen maximal 1122 weitere wissbegierige Menschen das neue Studienjahr. In diesem ersten Studienjahr wird von der Studienprogrammleitung dafür gesorgt, dass jeder in ein Fachtutorium kommt und nicht ein Semester warten muss. Gegebenenfalls werden sogar neue Fachtutorien erschaffen, damit du dieses erste Jahr wirklich zügig hinter dich bringen kannst. Tipp: Dir wird in einer der ersten Vorlesungen geraten, dass du dieses erste Jahr nur die Studieneingangsphase machst und keine freien Wahlfächer, da du sonst zu viel Stress hast. Blödsinn! Beginne bereits im ersten Semester mit den freien Wahlfächern, damit du am Ende deines Studiums keinen Stress hast. Das schaffst du locker! Mein erstes Semester bestand aus 15 ECTS der STEP + 15 ECTS aus dem freien Wahlfach „The  World of English 1“.

2.+ 3. Studienjahr

Jetzt wird es spannend! Durch die Spezialisierungen bekommst du tiefere Einblicke in die Publizistik-Materie. Außerdem kannst du dein theoretisches Wissen in Übungen anwenden. Wenn du dich für Radio oder TV entscheidest, kannst du sogar eigene Filme und Radiosendungen drehen und schneiden. Das macht wirklich Spaß und du schätzt danach die Kunst des Filmemachens umso mehr. Die Zeit, in der sich die Studienprogrammleitung um dich und deinen zügigen Studienverlauf gekümmert hat, ist vorbei. Du musst deine Übungen geschickt auswählen, um in Mindeststudienzeit fertig zu werden. Tipp: Bewege dich beim Auswählen der Übungen deiner Spezialisierungen abseits des Mainstream. Nimm z.B. eine Übung die Freitagabend ab 17 Uhr stattfindet. Du musst weniger Punkte setzen, um tatsächlich in die Übung zu kommen, da sie wegen der Uhrzeit bei deinen StudienkollegInnen vermutlich unbeliebt ist.
Exkurs Punkte setzen: Du bekommst pro Studienjahr 1.000 Punkte zur Verfügung. Je mehr Punkte du pro Kurs setzt, desto eher kommst du in den Kurs rein. Bei sehr beliebten Kursen oder Bakkalaureatsseminaren muss man da schon 800+  Punkte setzen. Dass da deine anderen Kurse auf der Strecke bleiben ist klar. Deshalb: Abseits des Mainstreams bewegen und nicht einfach einfallslose 100 Punkte setzen, sondern 103, 108 oder 111. Jeder Punkt zählt.

Unser Dreh für Okto-TV in der Übung TV-Journalismus. Hier seht ihr mich während des Interviews mit Dr. Langthaler von der Asylkoordination.

Unser Dreh für Okto-TV in der Übung TV-Journalismus. Hier seht ihr mich während des Interviews mit Dr. Langthaler von der Asylkoordination & Hier gehts zur Sendung.

Weitere Tipps:

  • Es gibt etliche Publizistik-Gruppen in Facebook. Durch die Suchfunktion in der Gruppe kannst du viele Antworten schnell selbst beantworten. Außerdem gibt es hier Zusammenfassungen vieler Vorlesungen die einfach Gold wert sind!
  • Bewirb dich bereits im ersten Studienjahr für Praktika. Auch wenn das Studentenleben neu und Wien groß ist; du hast in diesem ersten Jahr wirklich genug Zeit fürs Studieren, Lernen, Ausgehen und Praxis zu sammeln.
  • Du interessierst dich auch für Politikwissenschaften? Sei mutig, du schaffst ein Zweitstudium! Publizistik ist zwar als Grundlage super, aber im Arbeitsleben wird nach Spezialisten und nicht nach Generalisten gesucht. Wenn es dir zu viel wird – kein Problem. Die bereits ergatterten ECTS kannst du dir für Publizistik anrechnen lassen.
  • Wir Publizistik-Studierende machen gerne Party. Deswegen gibt es jeden gefühlten Monat ein Publizistikfest irgendwo am Gürtel. Geh hin! Die Shots sind ekelhaft, aber die 90er Jahre Musik ist ein Traum. Außerdem sind wir immer happy.
  • Probiere erst gar nicht in den oberen Stöcken des Publizistik-Instituts zu lernen. Geh gleich in die Bibliothek. Alles andere ist viel zu laut und meistens von Informatik-Studierenden besetzt.
  • Wenn du Fragen zu den freien Wahlfächern oder dem Studium generell hast, geh zur IG-Publizistik, unserer gewählten Studienvertretung. Sie sind kompetent und auch nach deinem 10. Besuch noch freundlich und geduldig. Außerdem mixen sie regelmäßig gegen freie Spende Punsch und Südseebowle, die super schmecken.
Screenshot von der IG-Publizistik Facebook-Page. Auf dem Bild: Die beste Südseebowle überhaupt!

Screenshot von der IG-Publizistik Facebook-Page. Auf dem Bild: Die beste Südseebowle überhaupt!

Bei all den Infos könnte man glatt nostalgisch werden. Ich würd´s jedenfalls wieder studieren! Du hast vor Publizistik in Wien zu studieren und du möchtest gerne mehr Insiderinfos? Ich freue mich über deine Fragen.

 
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von benji

1. September 2016

STUDIEREN & ARBEITEN
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