Mehr statt weniger! Budgeting-Tipps für Studenten

Foto: Kelly Sikkema / Unsplash
STUDIEREN & ARBEITEN

veröffentlicht von david

31. Juli 2020

STUDIEREN & ARBEITEN

Zwischen Netflix, Fortgehen und Uni den Überblick über sein Geld behalten? Oft ist das gar nicht so einfach. Die Lösung? Budgeting!

Ein Umzug aus dem Waldviertel nach Wien ändert vieles: Man ist plötzlich auf sich selbst gestellt, hat mehr Freiheiten und lernt, mit sich selbst umzugehen. Eine wesentliche Veränderung ist auch, dass man sich selbst um sein Geld – oder zumindest seine Ausgaben – kümmern muss. Finanzen, Geld … das sind Wörter, über die man eher wenig spricht. Zumindest, wenn man nicht gerade einen HAK-Abschluss hat. Schlussendlich soll Geld ja mehr Neben- als Hauptsache sein. Finanzen sind anstrengend. Vor allem während des Studiums. Entsprechend oft verdrängen wir die Gedanken daran gerne. Solange kein Minus vor dem Kontostand steht, ist ja alles in Ordnung. Doch gerade die Anfangszeit in Wien eignet sich perfekt, um ein paar grundsätzliche Gewohnheiten zu etablieren, die einem langfristig viel Ärger ersparen. Allen voran zählt dazu richtiges Budgeting.

Denn wer sich aktiv damit beschäftigt, wo das eigene Geld hinfließt, behält die Kontrolle und vielleicht auch die Nerven. Sonst steht man nach einer langen Partynacht plötzlich da und bemerkt, dass man sein Geld für die nächsten zwei Wochen im Suff für Cola-Whisky ausgegeben hat. Entsprechend anstrengend (und Nudel-lastig) werden wohl die kommenden 14 Tage. Financial Literacy – also ein Verständnis für den Umgang mit Geld – ist ein bisschen wie Autofahren. Es dauert, bis man es verinnerlicht hat und man lernt es am besten durch viel Übung. Dazu gehört allen voran, sich Pläne zu machen, bewusst mit begrenzten Mitteln umzugehen und manchmal eben nicht auf seine innere Stimme zu hören. Doch wie setzt man all das praktisch um?

Budgeting: Theorie vs. Praxis

[Budget, das]: jemandem für bestimmte Ausgaben zur Verfügung stehende Geldmittel "

Sich ein Budget machen. Einnahmen und Ausgaben festhalten. Damit muss man erst einmal anfangen, bevor es einfacher wird. Denn wenn die monatlichen Kontobewegungen ein unüberblickbarer Mix aus automatischen Netflix-Abbuchungen, Essens-Bestellungen und Bar-Abhebungen sind, braucht es überhaupt einmal Ordnung, um daraus zu lernen und darauf zu reagieren. 

Am besten kreieren wir diese Ordnung, indem wir uns einen Überblick über sämtliche Einnahmen und Ausgaben verschaffen und sie so zu gestalten, dass sie in unser Leben passen. Budgeting in mehreren Schritten also.  

Schritt 1 – Was verdiene ich überhaupt?

Gerade als Student ist das Einkommen oft fragmentierter, als einem lieb ist. Das Geld vom Nebenjob hier, 100 Euro Studienbeihilfe da, einige Euro Familienbeihilfe dort und irgendwo vielleicht noch etwas Geld von den Eltern. Nimm dir eine Excel-Tabelle, einen Zettel, dein Online-Banking-Programm oder ein anderes Mittel deiner Wahl zur Seite und schreibe auf, was du regelmäßig pro Monat auf dein Konto bekommst. Das ist dein Ausgangswert für alles, was folgt. Bei den meisten Online-Banking-Portalen lassen sich die Einnahmen ganz einfach filtern. Bei George, der Banking-Software der Sparkasse, sind die Einnahmen etwa wunderbar farbig markiert.

Rechenmaschine

Die Rechenmaschine – ein ungemein hilfreiches Werkzeug. Foto: Stellrweb / Unsplash

Schritt 2 – Was sind meine Fixkosten?

Als Nächstes gilt es, herauszufinden, was deine monatlichen Fixkosten sind. Dazu zählt Miete, Strom, Internet, grundlegende Lebensmittel und ja, auch diverse Daueraufträge wie dein Netflix Account. An diesem Punkt geht es noch nicht darum, ob etwas was notwendig ist oder nicht. Sofern du alles digital zahlst, ist die Evaluierung der Fixkosten mit einem Blick in dein Online-Banking-Portal erledigt. Diese kannst du in deiner Excel-Tabelle oder auf deinem Zettel schon einmal fix vom Monatseinkommen abziehen. Um den Rest kümmern wir uns gleich.

Schritt 3 – Wofür brauche ich sonst noch Geld?

Nun kommt der komplizierte Part: Wofür gibst du im Alltag sonst noch Geld aus – wieder unabhängig davon, ob es notwendig ist oder nicht. In diese Kategorie fallen sowohl das Theaterticket von vor zwei Wochen und das neue T-Shirt als auch die fünf Bier vom letztem Samstagabend. Um überhaupt irgendwie ein klares Bild von diesen Ausgaben zu bekommen, ist es ratsam, sie über kurz oder lang zu aufzuzeichnen. Eine Woche solltest du dir dafür mindestens Zeit nehmen, am besten mehr. Die Teilsumme kannst du dann auf das Monat hochrechnen.

Moderne Technik macht diesen Prozess glücklicherweise etwas einfacher – zumindest für Sparkassen-Kunden. George bietet nämlich eine Erweiterung namens „Finanz Manager“, die sämtliche Zahlungen automatisch erfasst, in Kategorien einteilt und die Aufgabe so fast vollständig automatisiert. Falls du eher Analog-Mensch bist und lieber bar zahlst, wirst du hingegen nicht darum herumkommen, alles händisch aufzuschreiben. Ist auch kein Weltuntergang.

Finanzmanager George für besseres Budgeting

Der George Finanzmanager.

Die Summe deiner variablen Ausgaben kommt dann ebenso in die Gesamtrechnung (also Bilanz = monatliches Einkommen –  Fixkosten – variable Kosten). Wenn da dann kein Minus vor der Summe steht, ist das schon einmal gut.

Schritt 4 – Die Spreu und der Weizen

Jetzt ist an der Zeit, die Spreu vom Weizen zu trennen. Welche deiner Ausgaben sind wirklich notwendig und welche davon bloß nice to have? Was brauchst du wirklich? Teile sowohl deine fixen als auch deine variablen Kosten in die beiden Kategorien auf (und addiere). So solltest du auf einen Blick sehen, wie viel Geld du pro Monat mindestens brauchst – und wie viel du wirklich ausgibst. Wer sich vorher noch nie groß mit seinen Ausgaben beschäftigt hat, findet in der Rechnung sicher einige interessante Muster. Es zeigt sich, wo Einsparungspotenzial liegt und wie schnell sich kleine Beträge aufsummieren. Ja, so billig sind die fünf Coffee To Go pro Woche vielleicht doch nicht.

Schritt 5 – Wo will ich hin?

Überblick ist zwar toll – aber wer nicht handelt, der ändert auch nichts. Anhand der mühselig gesammelten Informationen kannst du dir jetzt realistische Ziele setzen. Wie viel pro Monat möchtest und kannst du ausgeben? Wo möchtest du etwas einsparen? Hast du vielleicht ein Sparziel, für das du einige Euro zur Seite legen willst?

Endlich kommen wir zum klassischen Budgeting, bei dem wir unser Geld auf unterschiedliche Töpfe verteilen. Es ist das der letzte Schritt einer langen Kette. Nimm dein Einkommen und ziehe deine notwendigen Mindestkosten pro Monat ab. Den Rest kannst du auf die Dinge verteilen, für die du dein Geld ausgeben möchtest – zum Beispiel 60 Euro pro Monat für Barbesuche, 40 Euro für Kulturveranstaltungen oder 90 Euro für die (virtuelle) Spardose.

Solche selbstgesetzten Limits einzuhalten, erfordert natürlich eine ordentliche Portion Disziplin. Ein Tipp ist daher, am Monatsbeginn den entsprechenden Betrag in bar abzuheben und das Geld nur für den gewidmeten Zweck mitzunehmen. Oder man setzt wieder auf moderne Technik. Das Online-Banking-Portal George von der Sparkasse bietet etwa eine „Budgeting“-Erweiterung, mit der du dir Ausgabenziele für gewisse Kategorien setzen kannst. Falls deine Ausgaben diese Zielsumme erreichen oder gar übersteigen, warnt dich George sofort mit Push-Notifications.

Volle Kontrolle: Das richtige Online-Banking-Programm macht viel aus.

Die 50/30/20-Regel andere Tipps

Zugegeben, ernsthaftes Budgeting wirkt anfangs vielleicht etwas technisch. Doch keine Sorge, einmal damit angefangen, hast du den Dreh in Windeseile raus. Um das Thema noch weiter zu vereinfachen, gibt es auch noch einige Grundregeln, die einem komplizierte Überlegungen abnehmen. 

Die 50/30/20-Regel

Klingt kompliziert, ist aber denkbar einfach. Diese 50/30/20 empfiehlt:

  • 50 % des Einkommens für Needs, also Lebensnotwendiges, auszugeben,
  • 30 % für Wants aufzuwenden
  • und 20 % zu sparen.

Als Student ist so eine Verteilung natürlich nicht immer möglich, speziell was das Sparen betrifft. Dennoch ist solch ein Ausgabenmuster eine Idealverteilung, die einen guten Mix aus Sicherheit und Spaß bietet.

Auch Zusatzgeld ist bloß Geld

Wir machen es insgeheim alle: Sobald wir einen unerwarteten Geldbonus bekommen – und dazu zählt auch das Geburtstags- oder Weihnachtsgeld von zuhause – tendieren wir dazu, dieses Geld sofort für irgendetwas auszugeben. Denn gedanklich fällt es aus unserer Monatsbilanz heraus. Dabei sollten wir diesen Bonus als das betrachten, was er ist: Geld. Und so sollten wir auch damit umgehen. 100 € mehr Einkommen rechtfertigen nicht unbedingt 100 € mehr Ausgaben.

Einhorn mit Geldstücken davor

Wie bei fast allem gilt auch beim Umgang mit Geld: Übung macht den Meister. Foto: Annie Spratt / Unsplash

Kakeibo – ein Tagebuch für mehr Bewusstsein

Ein anderer spannender Ansatz für mehr finanzielle Kontrolle ist eine japanische Journaling-Methode mit dem Namen Kakeibo. Dabei geht es einfach nur darum, täglich seine Ausgaben und Einnahmen aufzuschreiben. Ohne Rechnungen. Ohne Tabellen. Einfach nur Aufschreiben und reflektieren. Das soll vor allem das Bewusstsein für den individuellen Umgang mit Geld fördern. „When you use the kakeibo you’ll learn that saving money is about spending money well“, schreibt die Erfinderin der Methode Fumiko Chiba.

Fazit?

Ein reflektierter Umgang mit Geld ist gar nicht so kompliziert. Man muss sich bloß einmal ernsthaft damit beschäftigen. Falls du dich nun noch weiter zum Thema informieren möchtest, ist der Blog des Financial Life Park der Ersten Bank eine tolle Adresse. Für allgemeineres Finanz- und  Wirtschaftswissen ist auch deren Podcast „Erklär mir die Welt“ sehr zu empfehlen.

Schlussendlich geht es beim Thema Geld ja vor allem um Unabhängigkeit und Freiheit. Von Gedanken, Sorgen und unerwarteten Überraschungen. Deshalb sollten wir dem Thema auch die verdiente Aufmerksamkeit schenken. Die amerikanische Politikerin Elizabeth Warren fasst die Diskussion sehr treffend zusammen: „Ultimately, the point of getting it right on money, is not to have to think about money.“

 
 

veröffentlicht von MarleneK

31. Juli 2020

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