Die fünf wichtigsten Fragen zur Studienbeihilfe

Quelle: Tim Reckmann / pixelio.de
STUDIEREN & ARBEITEN

veröffentlicht von Carina

1. Mai 2016

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Alles, was du zum Thema Studienbeihilfe wissen musst – wer Anspruch hat, wieviel man dazu verdienen darf, und wie es mit Beihilfe und Ausland aussieht.

Wer zu studieren beginnt, wird eines schnell merken – das Leben in Wien ist teuer. Die Ausgaben für Miete, Essen, Lernunterlagen und die wochenendlichen Fahrten ins Waldviertel steigen, der Kontostand sinkt. Ein (erfolgreicher) Antrag bei der Studienbeihilfe kann dir finanziell weiterhelfen. Wenn du die Ansprüche erfüllst, bekommst du Monat für Monat- auch in den Ferien – eine Finanzspritze vom Staat.  Du kannst also für’s Studieren bezahlt werden! Die Höhe der Beihilfe variiert von Fall zu Fall, die niedriegstmögliche monatliche Beihilfe beträgt fünf Euro, die höchste 679 Euro. Aber Österreich wäre nicht Österreich, wenn nicht ein hübscher Brocken Bürokratie damit verbunden wäre. Wir klären hier für dich die wichtigsten Fragen rund ums Stipendium, damit der Aufbesserung deines Budgets nichts mehr im Wege steht.

Habe ich überhaupt Anspruch auf Studienbeihilfe?

Es gibt verschieden Arten von Stipendien. Erstens einmal das „ganz normale„, das sich an Studierende richtet, die gleich nach der Schule mit dem Studium beginnen. Auch für Master- und Doktoratsstudierende gibt es die Möglichkeit, um ein Stipendium anzusuchen. Wer sich vor Beginn des Studiums schon mindestens vier Jahre lang „selbst erhalten“ hat – also mindestens 7.272 Euro jährlich verdient hat – kann ein SelbsterhalterInnen-Stipendium beantragen. Wenn du um dieses Stipendium ansuchst, spielt das Einkommen deiner Eltern keine Rolle. Für Studierende, die arbeiten, und für den erfolgreichen Abschluss ihres Studiums ihre Berufstätigkeit aufgeben müssen, gibt es ein Studienabschluss-Stipendium. Auch Studieren im Ausland wird mit einer Beihilfe unterstützt, mehr dazu liest du weiter unten. Neben Studenten haben übrigens auch Menschen, die sich gerade auf die Studienberechtigungsprüfung vorbereiten, das Recht auf Studienbeihilfe. Diese Stipendien werden alle von der Österreichischen Studienbeihilfenbehörde ausbezahlt, die zum Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft gehört. Besonders fleißige Studenten haben die Möglichkeit, sich für ein Leistungsstipendium zu bewerben. Diese werden von den meisten Hochschulen ausgeschüttet, darüber informieren kannst du dich also bei deiner Uni oder FH.

Ob du Anspruch auf Studienbeihilfe hast und wie hoch diese für dich ausfälllt, hängt prinzipiell von deinem Einkommen und dem deiner Eltern ab. Einige weitere Faktoren spielen dann noch dazu, zum Beispiel ob du Geschwister hast, die noch kein eigenes Geld verdienen, ob du Kinder hast, ob du dich schon mehr als vier Jahre lang selbst erhalten hast oder etwa ob es zumutbar wäre, zwischen dem Studienort und Heimatort hin- und herzupendeln. Letzteres trifft auf Waldviertler, die in Wien studieren, nicht zu.

Ein kleines Beispiel, damit du dir ungefähr vorstellen kannst, womit du rechnen kannst: Nehmen wir einen Vier-Personen-Haushalt, die Mutter ist als Hausfrau zu Hause, der Vater ist Angestellter. Zur Familie gehören zwei Studierende, Lisa und Alex. Beide sind unter 24 Jahre alt und wohnen nicht mehr bei ihren Eltern, weil das tägliche Pendeln vom Waldviertel zum Studienort Wien nicht zumutbar wäre. Das jährliche Bruttoeinkommen der Eltern beträgt 34.700 Euro, davon werden Sozialversicherungsbeiträge und die Sonderausgaben- und Werbekostenpauschale abgezogen. Es ergibt sich eine jährliche Höchststudienbeihilfe von 7.272 Euro. Davon wird dann noch der Beitrag abgezogen, für den die Eltern imstande wären selbst aufzukommen – darunter fällt zum Beispiel der Jahresbetrag der Familienbeihilfe. Für unser Beispiel ergibt sich somit eine jährliche Studienbeihilfe von 3.455 Euro. Aufgeteilt auf zwölf Monate heißt das, dass sich Lisa und Alex jeden Monat über 288 Euro freuen dürfen. Auf der Seite der Studienbeihilfe findest du weitere solche Fallbeispiele zu verschiedenen Ausgangssituationen.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob du Anspruch hast und kein Freund der Bürokratie bist, brauchst du nicht erst einen Antrag zu stellen, um zu erfahren, ob du für ein Stipendium infrage kommst. Der Stipendienrechner der Arbeiterkammer Oberösterreich kann dir weiterhelfen. Du brauchst zwar erst ein paar Daten, wie das Einkommen deiner Eltern, um die voraussichtliche Studienbeihilfe berechnen zu können, allerdings weißt du danach mit ziemlich großer Sicherheit, ob dein Antrag erfolgreich sein wird.

Du musst einen Studienbeitrag bezahlen, weil du zum Beispiel an einer FH studierst? Dann macht es auch dann Sinn, sich bei der Stipendienstelle zu melden, wenn für dich keine oder nur sehr wenig Beihilfe ausgerechnet wird. Der Studienbeitrag wird dir nämlich auch dann, wenn deine Eltern „zu viel“ verdienen ganz oder teilweise zurückerstattet.

Ob  und wie lange für dein (angestrebtes) Studium generell Studienbeihilfe ausgezahlt wird, kannst du direkt hier abfragen.

Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl

An welche „Rahmenbedingungen“ muss ich mich halten, wenn ich Studienbeihilfe bekomme?

Wenn dein Antrag angenommen wird und du einen positiven Bescheid bekommst, musst du dich an gewisse „Spielregeln“ halten, um die Beihilfe auch auf lang Sicht zu bekommen. Zu den wichtigsten Voraussetzungen gehört ein positiver Studienerfolg. Dazu musst du im dritten Semester nachweisen können, dass du in den ersten beiden Semestern gemeinsam 30 ECTS-Punkte gesammelt hast, also im Schnitt 15 ECTS pro Semester. Für Uni-Studenten ist es also ratsam, sich die Prüfungen so einzuteilen, dass es sich auch sicher ausgeht. Ansonsten kann es passieren, dass du die Beihilfe zurückzahlen musst. Wenn du an einer Fachhochschule studierst, brauchst du dir dazu keine Sorgen zu machen, da du ja ohnehin deine Prüfungen fix vorgegeben hast.

Daneben gibt es noch eine maximale Anspruchsdauer, sie beträgt Mindeststudienzeit plus ein Toleranzsemester. Wenn du also ein Bachelorstudium mit sechs Semestern Mindeststudienzeit beginnst, kannst du die Beihilfe für höchstens sieben Semester erhalten. Wer Geld bekommen möchte, muss also auch ein bisschen „ozahn“. Du bist für zwei Studien inskribiert? Dann gilt der Nachweis des Studienerfolges und die Anspruchsdauer nur für das Studium, das du bei der Stipendienstelle angegeben hast.

Aufpassen musst du, wenn du dein Studium wechselst. „Erlaubt“ sind nämlich maximal zwei Wechsel, wenn du maximal bereits zwei Semester studiert hast. Wenn Susi zuerst zwei Semester Jus studiert, dann zwei Semester Physik und dann auf Lehramt umsteigen möchte, bekommt sie die Beihilfe weiter ausbezahlt. Wenn Rudi nach drei Semestern BWL das Studium wechselt, verliert er seinen Anspruch.

Nice to know: Sobald du bei der Stipendienstelle im System aufgenommen bist, brauchst du dich nicht jedes Semester um einen neuen Antrag zu kümmern, da dein Anspruch automatisch neu berechnet wird.

Ich verdiene gleichzeitig zum Studium selbst ein bisschen Geld dazu. Kann ich trotzdem eine Beihilfe bekommen?

Ja. Die Höchstgrenze liegt hier bei 10.000 Euro jährlich. Das heißt, du darfst jeden Monat etwa 833 Euro verdienen, was sich bei einem kleinen Studentenjob oder Ferialpraktika auf jeden Fall ausgehen sollte. Wenn du mehr verdienst, wird die Beihilfe gekürzt.

Relevant ist immer nur das aktuelle Jahreseinkommen, wenn du früher schon mehr verdient hast, brauchst du dich also nicht zu fürchten, dass die Stipendienstelle Geld zurückverlangen könnte. Wenn du im selben Kalenderjahr noch studierst und wenig später schon fleißig Geld bei deinem ersten „richtigen“ Job bekommst, zählt nur das Einkommen, dass du noch während des Studiums verdient hast.

Die Leute bei der Studienbeihilfe sind übrigens mit den Leuten vom Finanzamt befreundet – das heißt, du musst nicht selbst Lohnzettel nachschicken, da sie auf diese Daten zugreifen können. Trotzdem ist es nicht schlecht, wenn du deine Einkommensnachweise immer griffbereit hast für eventuelle Nachfragen.

Bekomme ich auch Geld, wenn ich ins Ausland gehe?

Beim Thema Ausland gibt es zwei Arten von Beihilfen – die Auslandsbeihilfe und das Mobilitätsstipendium.
Die Auslandsbeihilfe ist für klassische Auslandssemester gedacht. Du erhälst deine reguläre Studienbeihilfe und einen Zuschuss, der an das Einkommensniveau des jeweiligen Landes gekoppelt ist. Für Länder wie Litauen beträgt der Zuschuss 73 Euro, Japan ist mit 472 Euro „am teuersten“. Außerdem erhälst du einen Reisekostenzuschuss, der anhand der Entfernung berechnet wird. „Am teuersten“ ist hier Neuseeland mit einem Zuschuss von 1.129 Euro.

Quelle: Leon Adler / pixelio.de

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Ein Mobilitätsstipendium kannst du dann bekommen, wenn du dein gesamtes Studium in einem EWR-Land oder der Schweiz absolvierst. Um dieses Stipendium ausbezahlt zu bekommen, musst du zuerst 15 ECTS-Punkte vorweisen können und bekommst das Geld dann für das erste Jahr im Nachhinein. Bei beiden Varianten der Auslandsbeihilfe musst du im Laufe des Studiums einen Leistungsnachweis erbringen, ansonsten ist die Beihilfe zurückzuzahlen.

Wie kann ich den Antrag stellen?

Die Antragsfrist für das Wintersemester läuft von 20. September bis 15. Dezember, für das Sommersemester von 20. Februar bis 15. Mai. Wenn der Antrag innerhalb dieser Frist bei der Studienbeihilfe ankommt, bekommst du die Beihilfe für das gesamte Semester ausbezahlt, ansonsten erst ab dem Folgemonat.
Alle Formulare für den Antrag findest du online auf der Homepage der Stipendienstelle oder direkt vor Ort in der Gudrunstraße im 10. Bezirk. Entweder du bringst das ausgefüllte Formular persönlich bei der Stipendienstelle vorbei, schickst es per Post, oder umgehst die althergebrachten Wege und übermittelst es mit Handy-Signatur versehen online.
Worauf wartest du also noch? Denn auch wenn du dir nicht sicher bist, ob du einen finanziellen Zuschuss bekommst, probieren kostet nichts! 😉

 
 

veröffentlicht von Thomers

1. Mai 2016

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