STUDIEREN & ARBEITEN

veröffentlicht von Carina

28. März 2016

STUDIEREN & ARBEITEN

Wer in Wien studieren will, steht vor einer großen Auswahl. Wir erklären dir als erste Orientierung die Unterschiede zwischen Unis und FHs.

Quelle: Rainer Sturm / pixelio.de

Wien ist ohne Zweifel eine Studentenstadt. In anderen Ländern und Städten beschränkt sich das Studentenleben auf den Universitätscampus, in Wien ist die ganze Stadt der Campus. Dementsprechend breit gefächert ist auch das Studienangebot – wer in Wien studieren will, hat die Qual der Wahl. Das große Angebot ist bestimmt auch ein Grund, warum viele Waldviertler zum Studieren Wien bevorzugen. Wir zeigen dir als erste Orientierungshilfe die grundlegenden Unterschiede zwischen Universitäten und Fachhochschulen.

Die Ausgangslage

Als größten Unterschied zwischen Uni und FH bekommt man meist das Kriterium Praxisbezug zu hören. Prinzipiell ist die Lehre an der Uni eher theorielastig und an der FH eher praxisbezogen. Schön und gut, aber hast du schon einmal von einem Lehramtsstudent gehört, der kein Unterrichtspraktikum absolviert hat? Oder von einem Unternehmensführungsstudent, der in seinem zweimonatigen Sommerpraktikum wirklich ein Unternehmen geführt hat?

Die Ausgangslage ist also von Studium zu Studium unterschiedlich und kann bestimmt nicht nur an der Bildungseinrichtung festgemacht werden.  Das heißt aber nicht, dass an der Sache mit dem Praxisbezug nichts dran ist. Wenn du beispielsweise einen Maschinenbau-Bachelor an der FH mit einem Maschinenbau-Bachelor an der Uni vergleichst, wird ersterer ziemlich sicher um einiges praxisbezogener aufgebaut sein.

Fest steht, dass sich die Universitäten um ein vielfaches stärker der Forschung verpflichten. Forschung gibt es natürlich auch an Fachhochschulen (es wird dir also nicht erspart bleiben, eine Bachelorarbeit zu verfassen), hier werden aber viel mehr Lektoren aus der Praxis engagiert. Deshalb hast du an der Uni auch eher die Möglichkeit, dich mit Forschern zu vernetzen, an der FH eher mit Experten aus der Praxis.

Der Weg zum Studium

Aufnahmetest – läuft dir bei diesem Wort auch eine Gänsehaut auf? Mittlerweile gibt es sehr viele Studien, für die du nur zugelassen wirst, wenn du vorher eine (meist mehrstufige) Aufnahmeprüfung bestehst. An Fachhochschulen führt kein Weg an den Tests vorbei, an Unis stehen sie in einigen „Massenstudien“ wie Medizin, Biologie, Wirtschaftsstudien, Psychologie, Publizistik oder Pharmazie zwischen dir und deiner Studienzulassung. An Kunst- oder Musikunis wird deine Begabung vor Studienbeginn geprüft. Auf der Homepage von aufnahmeprüfung.at findest du unter den einzelnen Studienrichtungen oder FHs Infografiken, die dir zeigen, mit wie viel Konkurrenz du rechnen musst.

Quelle: Joerg Trampert / pixelio.de

Quelle: Joerg Trampert / pixelio.de

Ein gravierender Unterschied zwischen den Aufnahmetests an Uni und FH ist, dass an FHs nach den Tests wirklich nur kleine Gruppen übrig bleiben, sodass die Jahrgänge meist Klassengröße haben und sehr überschaubar sind. Das ist der Punkt, in dem Fachhochschulen wirklich sehr schulähnlich sind. Du wirst deine Studienkollegen recht gut kennen, ihr werdet immer in den gleichen Vorlesungen sitzen und du musst nicht verzweifelt in eine Facebook-Gruppe voller Fremder posten, wenn du krank warst und Mitschriften brauchst. Ein großer Vorteil also für jene, die es lieber etwas geselliger haben.

Es gibt klarerweise auch viele „kleine“ Studiengänge an Universitäten und zahlreiche Ausnahmen aber im Groben ist das Studentendasein an der Uni immer etwas anonymer als an der FH.

Die Sache mit dem Stundenplan

Bei allen Studienorientierungsveranstaltungen, die in meiner ehemaligen Schule abgehalten wurden, war immer die Rede vom „fixen Stundenplan“ an der FH. Ich bin immer davon ausgegangen, das bedeutet, dass man jeden Montag um acht Uhr zur Vorlesung XY gehen muss und wünschte, mir hätte damals jemand gesagt, dass „fix“ in diesem Zusammenhang „fix vorgegeben“ bedeutet.

Das Gute an der FH ist, dass du einen Stundenplan präsentiert bekommst, den du einfach nur so hinnehmen musst und der dich in Mindeststudienzeit zu deinem Abschluss bringt. Meistens ist es aber eben so, dass du keine zwei Wochen im Semester hast, in denen deine Lehrveranstaltungen zur gleichen Zeit abgehalten werden. Blocklehrveranstaltungen und die begrenzte Zeit der Vortragenden aus der Praxis sind hierfür verantwortlich. Wenn du also ein Vollzeitstudium an einer FH wählst, wirst du schwer Zeit für einen Nebenjob oder Sportkurse finden, da du einfach kaum regelmäßige Präsenzzeiten hast.

Allerdings bieten viele FHs berufsbegleitende Studiengänge an, die Lehrveranstaltungen finden dann abends oder am Wochenende statt. Voraussetzung für die Studienzulassung ist meist ein facheinschlägiger Job, dafür kannst du Studieren und Arbeiten optimal kombinieren.

An der Uni liegt es bei dir alleine, deinen Stundenplan zusammenzustellen. Du bekommst von der Uni lediglich einen „vorgeschlagenen Pfad durch das Studium“, der dir zeigt, wann du die verschiedenen Lehrveranstaltungen besuchen sollst, damit du in Mindeststudienzeit fertig wirst. Somit hast du sehr viele Freiheiten, meistens kannst du auch aus alternativen Lehrveranstaltungen wählen und dich so individuell spezialisieren. Für Übungen, Seminare und Prüfungen musst du dich selbst anmelden.

hörsaal

Quelle: Walter Bornmann / pixelio.de

Oft herrscht jedoch starker Platzmangel in einzelnen Gruppen oder bei Prüfungen und so kann es auch schon mal vorkommen, dass du einfach keinen Platz bekommst und gleich ein Semester oder zwei verlierst, obwohl du keine Schuld daran hast. Manche Studenten melden sich deshalb manchmal bewusst für langweilige Kurse an, weil sie wissen, dass sie in ihren Wunschkursen keinen Platz bekommen werden.

Der Kostenpunkt

Das Schöne am Studieren in Österreich ist, dass staatliche Unis für EU-Bürger gratis sind. Du musst nur den Beitrag der Österreichischen HochschülerInnenschaft bezahlen, der pro Semester bei knapp 19 Euro liegt. Wenn du länger als Mindeststudienzeit studierst, bekommst du noch zwei gratis Toleranzsemester, danach musst du leider auch Gebühren bezahlen. Die Studiengebühren belaufen sich auf 363,36 Euro pro Semester.

Im Gegenteil dazu werden an allen Wiener FHs Studiengebühren eingehoben. Diese betragen ebenfalls 363,36 Euro pro Semester, den ÖH-Beitrag musst du auch bezahlen.

Und danach?

Studienberater von Universitäten werden dir immer sagen, dass du nach einem FH-Studium schlechte Jobchancen hast und Studienberater von Fachhochschulen werden dir immer sagen, dass du nach einem Uni-Studium schlechte Jobchancen hast. Prinzipiell kann man aber sagen, dass in manchen Sparten FH-Absolventen bessere Chancen haben, da sie ja eine praxisbezogene Ausbildung hinter sich haben. Uni-Absolventen haben dahingegen meist ein breiteres Theoriewissen und sind eher in der Forschung gefragt.

Es ist von Berufsfeld zu Berufsfeld unterschiedlich, mit welcher Ausbildung du die besseren Chancen hast. Bei manchen Studienrichtungen hast du nicht einmal die Qual der Wahl, da sie nur an Unis oder FHs angeboten werden. Wenn du auf Nummer Sicher gehen willst und keine Scheu vor Fremden hast dann frag doch einfach dein Vorbild aus der Branche, welches Studium empfehlenswert ist.

Ein wichtiger Unterschied ist noch, dass an der FH mit dem Master Schluss ist. Momentan gibt es nämlich in Österreich keine Möglichkeit, an einer Fachhochschule ein Doktorat oder einen PhD zu machen. Wenn du dir das nicht entgehen lassen möchtest, musst du spätestens nach dem FH-Master an der Uni anfangen. Dafür wirst du vielleicht ein bisschen Geduld brauchen, da die heimischen Unis eitel sein können und nicht sehr gerne Anrechnungen von anderen Hochschulen akzeptieren.

Quelle: housymomo / pixelio.de

Quelle: housymomo / pixelio.de

Hast du schon richtig Lust zum Studieren bekommen? Hier haben wir noch das Studienangebot aller staatlichen Unis und Fachhochschulen in Wien zum Durchklicken.

Universität Wien
Technische Universität Wien
Universität für Bodenkultur
Wirtschaftsuniversität Wien
Medizinische Universität Wien
Universität für angewandte Kunst Wien
Akademie der bildenden Künste
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Pädagogische Hochschule Wien
Veterinärmedizinische Universität Wien

FH des bfi Wien
Fachhochschule Technikum Wien
FH Campus Wien
FH Wien der WKW

 
 

veröffentlicht von Carina

28. März 2016

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