"Alle einsteigen bitte": Die Wiener Öffis erklärt

Foto: Johannes Zinner
WOHNEN & VERKEHR

veröffentlicht von david

27. September 2019

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Die Wiener Öffis sind ein Segen – auch, wenn sie manchmal ungemütllich sind. Wer neu nach Wien zieht, bleibt aber auch nicht vor Verwirrung verschont.

Für Waldviertler ist der Begriff „öffentlicher Nahverkehr“ ja irgendwie fremd. Wenn alles gut geht, hält drei Mal täglich ein Bus in Richtung der nächstgrößeren Stadt im Ort. Die 20-Kilometer-Strecke zum nächsten Bahnhof dauert da mit dem Bus schon einmal vier bis fünf Stunden. Zumindest ist das bei mir so. Kurzum: Niemand, der auch nur annähernd mobil sein möchte, verlässt sich im Waldviertel auf die öffentlichen Verkehrsmittel.

Anders sieht es in Wien aus. Wien ist eine Großstadt mit einer verdammt guten öffentlichen Infrastruktur. Ein Auto ist für die meisten überflüssig. U-Bahn, Straßenbahn und Bus bringen einen fast immer verlässlich ans Ziel. Und selbst wenn nicht, ist das nächste Taxi nur ein paar Minuten entfernt. Oder man begibt sich einfach auf den Fußweg.

Wer frisch nach Wien zieht, ist manchmal aber auch etwas überfordert. Die Wiener Linien, die städtischen Verkehrsbetriebe Wiens, leisten Beeindruckendes. Vor allem anfangs sind sie aber auch ein bisschen kompliziert. Wir erklären, worauf man achten sollte und schaffen ein bisschen Ordnung im Öffi-Dschungel.

Öffis in Wien. Seit 1865.

Dass die erste Straßenbahn Wiens im Jahr 1865 noch mit Pferden angetrieben wurde, ist heute schwer zu glauben. Sie verkehrte zwischen Schottentor und Hernals und fuhr auf fast identischem Weg die heutige Linie 43 entlang. Heute, mehr als 150 Jahre später, transportieren die Wiener Linien mehr als 960 Millionen Fahrgäste pro Jahr in 5 U-Bahnen, 29 Straßenbahnen und 128 Bus-Linien. Fast 40% aller Verkehrswege in Wien werden mit den Öffis zurückgelegt. Laut Siemens betreibt Wien sogar das sechstgröße Straßenbahnnetz weltweit.

Straßenbahn im Grünen

Teilweise sind die Wiener Öffis auch im Grünen unterwegs. Foto: Martin Schiffer

An Wochentagen fahren die meisten Linien zwischen 05:00 Uhr früh und 00:30 Uhr nachts. Wer abends  unterwegs ist, sollte das bedenken und rechtzeitig checken, wann die letzte U-Bahn oder Straßenbahn fährt. An Wochenenden ist das Ganze einfacher. Da fahren die U-Bahnen auch nachts im 15-Minuten-Takt durch. Zu Stoßzeiten – das ist in der Regel zwischen 6 und 9 Uhr morgens und 16 bis 19 Uhr abends – fahren U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse alle zwei bis fünf Minuten. Zu allen anderen Zeiten liegt die Wartezeit bei fünf bis sieben Minuten für U-Bahnen und zwischen fünf und zehn Minuten für Straßenbahnen und Busse.

Für das weitreichende Verkehrsnetz der Wiener Linien sind die Ticketpreise relativ gemäßigt. Eine ganz normale Jahreskarte kostet einmalig 365 €. Damit kostet die tägliche Fahrt quer durch Wien – egal wie lange sie ist – gerade einmal einen Euro. Studenten kommen außerdem in den Genuss eines ermäßigten Semestertickets, das mit Hauptwohnsitz in Wien gerade einmal 75 € kostet. Für Studierende mit Hauptwohnsitz außerhalb Wiens kostet es 150 €. Allerdings fördert das Land Niederösterreich Semestertickets mit 100 €. Wer also offiziell im Waldviertel wohnt, bekommt das Semesterticket um 50 €. Aber Achtung: In den Ferienmonaten von Juli bis September benötigen Studenten ein extra Ticket. Dieses Ferienticket kostet nochmal 30 € im Monat. Für den kurzfristigen Wien-Aufenthalt reicht auch ein Einzel- oder Tagesticket. Hier lohnt sich Vergleichen auf jeden Fall. Eine Wochenkarte kostet zum Beispiel gleich viel wie ein 72-Stunden-Ticket.

Apropos Ticket: In die Wiener Öffis kann zwar prinzipiell jeder einsteigen – auch ohne Ticket – empfehlenswert ist es aber nicht unbedingt. Wer nämlich ohne Ticket erwischt wird, zahlt 115 € Strafe – und wer diese Zahlung 14 Tage hinauszögert, sogar 145 €. Damit wären ein oder sogar zwei Semestertickets wieder drinnen. Prinzipiell sind die Kontrollen bei den Wiener Linien ziemlich unterschiedlich. Manchmal wartet an der U-Bahn Station eine Barriere an Kontrolleuren an den Ausgängen und manchmal wird direkt in der U-Bahn, Straßenbahn oder im Bus kontrolliert – entweder in Uniform oder in zivil. Wirklich vorhersehbar sind diese Kontrollen nur selten. In einem Punkt sind sie allerdings schon ein bisschen absurd: Die Wiener Linien kündigen ihre Kontrollen teilweise im Internet an.

Kontrolleur der Wiener Linien

Ticketkontrollen finden oft an den Ausgängen statt. Foto: Johannes Zinner

 U-Bahn, Straßenbahn oder Bus?

Das öffentliche Verkehrsnetz in Wien ist groß – und besteht aus mehreren Verkehrsmitteln. Soweit, so offensichtlich.

U-Bahn

U6 in der Station Alser Straße

Die U6-Station Alser-Straße. Foto: Johannes Zinner

Die fünf Wiener U-Bahnen sind zweifellos die Hauptverkehrsadern der Stadt. Alleine die U3 transportiert gut 136 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Streng genommen ist das U nicht ganz akkurat, denn U-Bahnen fahren entweder unter oder über der Erde. Damit fällt jeder Einfluss von außen weg. Ein kilometerlanger Stau am Gürtel oder eine Demonstration am Ring beeindruckt die Wiener U-Bahnen wenig. Sie fahren einfach durch. Gleichzeitig bieten sie wohl auch die meisten Anektdoten und Stereotypen. Wer ein paar Monate in Wien wohnt, kennt sie: Der Bierkavalier in der U4, die Stigmatisiertheit der U6 (zurecht, wie ich finde) und die Touristenmassen in der U1. Die U-Bahnen sind eben was sie sind. Manchmal muss man sich in eine eng zusammengerappelte Menschenmasse zwängen und manchmal hat man gefühlt den ganzen Wagon für sich. Dafür kommt man von A nach B. Das sind eben Öffis.

Straßenbahn

Straßenbahn in Richtung Börse

Hier eine alte Hochflur-Straßenbahn in der Innenstadt Wiens. Foto: Johannes Zinner

Wien hat 29 Straßenbahnlinien – und solange kein Auto die Gleise versperrt oder ein Stau entsteht, sind sie auch ziemlich verlässlich. Es verkehren zwei Straßenbahn-Typen in Wien: die neuen, modernen Niederflurbahnen und die alten Hochflur-Bahnen. Welche Wagons welche sind, ist ziemlich ersichtlich. Die alten Wagons sind zwar wesentlich ungemütlicher und nicht klimatisiert, sehen aber geschichtsträchtig aus und gehören zumindest am Ring fast schon in das Stadtbild Wiens. Straßenbahnen sind berechenbar und allein mit ihnen erreicht man mit ein bisschen Fußweg nahezu jeden Winkel der Stadt.

Bus

Tja, und dann gibt es noch die Busse in Wien. Mit ihnen kommt man wirklich überall hin – hinaus bis an den Rand Liesings, auf den Kahlenberg und bis vor den Stephansdom. Sie sind außerdem die einzigen Verkehrsmittel, mit denen man an Wochentagen auch nachts nach Hause kommt. Nachtbusse fahren kurz nach Mitternacht bis früh in die Morgenstunden im 30-Minuten-Takt. Manchmal fühlen sich die Fahrten allerdings etwas komisch an – denn Nachtbusse sind oft ziemlich leer und einfach … komisch.

Bus der Linie 13A

Die Buslinie 13A – die meistbefahrene Buslinie Wiens. Foto: Raimund Appel

In den Randgebieten Wiens gibt es außerdem die ASTAX-Buslinien. Das sind im Prinzip Sammeltaxis, die man mit einem Wiener Linien Ticket einfach so bestellen kann. Klingt komisch, funktioniert aber tatsächlich. Falls ihr einmal über so eine ASTAX-Linie stolpert, findet ihr hier alle weiteren Infos.

Ach und eine Vorwarnung: Die Fahrer der Wiener-Linien-Busse sind oft ziemlich konsequent auf der Straße. Lass dich davon nicht abschrecken. Keine Angst. Sie wissen schon, was sie tun.

Und wie weiß ich, wie ich fahren muss?

Nun gut. So viel zur Öffi-Landschaft in Wien. Wie weiß ich jetzt, wie ich an überhaupt an mein Ziel komme? Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Einerseits gibt es die qando-App der Wiener Linien und den Routenplaner auf ihrer Website – und andererseits funktioniert auch einfach Google Maps. Aber Vorsicht: Auf Google Maps werden aktuelle Störungen nicht immer angezeigt. Wer nach Zuverlässigkeit sucht, ist mit der qando-App auf jeden Fall am besten beraten. Und übrigens – mit der Straßenbahn-Linie 2 lässt sich super auch einfach nur Wien anschauen.

 

Ja, manchmal nerven die vielen Menschen einfach nur und ja, manchmal möchte man wegen einer Verspätung den Straßenbahnfahrer einfach nur verfluchen – aber am Ende bringen uns die Öffis fast immer verlässlich nach Hause. Egal wo man wohnt. Und das ist in Wien ziemlich einzigartig. Es ist durchaus angebracht, den Wiener Linien auch einfach einmal zu danken. Denn ohne sie wäre Wien nicht Wien.

 
Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von sebastian

27. September 2019

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