Ein neues Zuhause: Tipps für deine WG-Suche in Wien

Foto: Patrick Perkins E. / Unsplash
WOHNEN & VERKEHR

veröffentlicht von david

6. Oktober 2020

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Ein gutes WG-Zimmer mit den richtigen Mitbewohnern ist oft gar nicht so einfach zu finden. Ein Guide zur erfolgreichen WG-Suche in Wien.

Abendliche Küchengespräche, gemeinsame Feiern oder einfach das Gefühl, zuhause zu sein. Wenn die Chemie stimmt, kann das Leben in einer WG wirklich schön sein. Dann werden Mitbewohner Freunde und aus einer einfachen WG eine Gemeinschaft. Wenn man Pech hat, muss man sich allerdings mit fragwürdigen Gewohnheiten, anstrengenden Mitbewohnern und Mängel im Putzplan herumschlagen. Ob das WG-Erlebnis top oder flop wird, hängt also ganz von den Mitbewohnern ab. Deshalb ist die WG-Suche im Normalfall auch gar nicht so einfach. Vor allem, wenn man vielleicht ein bisschen planlos für das Studium nach Wien zieht. Oder wenn die Freunde aus Waldviertel alle bereits eine Unterkunft in Wien haben und man nun schauen muss, dass man auch zurecht kommt.

Aber keine Sorge – we got you covered. Eine WG ist sicherlich die mit Abstand beste Wohnform für viele Studenten in Wien. Meistens funktioniert das Zusammenleben super. Außerdem ist ein Zimmer in einer WG deutlich günstiger als jede eigene Wohnung und bietet zugleich eine Art von Privatsphäre, die kein Studentenwohnheim bieten kann. Um dir die Suche nach einem geeigneten Zimmer mit den passenden Leuten zu erleichtern, haben wir alles Wichtige, was für deine WG-Suche wissen musst, zusammengefasst.

WG? Warum und weshalb?

Bevor wir uns in die Tiefen der WG-Suche stürzen: In einer Wohngemeinschaft (WG) leben grundsätzlich mehrere Bewohnerinnen und Bewohner in einer gemeinsamen Wohnung. Jeder hat sein eigenes Zimmer, Küche und Bad werden im Regelfall geteilt. Zumeist gibt es dabei einen Hauptmieter, der die anderen Zimmer an die Mitbewohner untervermietet. Den Preis bestimmt wie überall die Lage und Größe des Zimmers. Hinzu kommt dann noch ein Anteil der Betriebskosten.

Zimmerfenster mit einströmendem Licht

So einen Morgenausblick hast du sicher in keinem Studentenwohnheim. Foto: Alex Holyoake / Unsplash

Und warum solltest du eine WG als Wohnform in Erwägung ziehen? Wien bietet schließlich auch eine Vielzahl an Studentenwohnheimen und einen breit gefächerten Wohnungsmarkt. Zugegeben, ein Zimmer im Studentenwohnheim funktioniert vom Prinzip her ähnlich. Jedoch fühlt sich ein Studentenwohnheim immer viel pragmatischer an als eine Wohnung. Es vermittelt viel weniger das Gefühl, zuhause zu sein – durch Gemeinschaftsküchen, mangelnde Gestaltungsmöglichkeiten bei der Einrichtung und ein ständiges, anonymes Kommen und Gehen von Heimbewohnern. Wer wiederum eine eigene Wohnung bezieht, genießt völlige Gestaltungsfreiheit, muss jedoch damit auskommen, die meiste Zeit alleine zuhause zu sein. Ganz abgesehen davon, dass eine Wohnung in Wien zumeist verdammt teuer ist. Eine WG bewegt sich irgendwo in der Mitte dieser beiden Extreme. Ein Zimmer dort ist leistbar und bietet genügend Kontakt zu Mitbewohnern, um sich gut aufgehoben zu fühlen, aber hat man auch immer genügend Privatsphäre für sich. 

Doch wie kommt man jetzt zu einem passenden WG-Zimmer? Hier ein Guide in vier Schritten.

Schritt 1: Optionen aussortieren

Eine WG-Suche ist im Grunde wie eine Wohnungssuche mit zwischenmenschlichen Zusatzherausforderungen. Neben der Wohnung kommt es nämlich vor allem auf die zukünftigen Mitbewohner an. Am einfachsten gestaltet sich die Suche, wenn man – auch nur entfernt – schon jemanden kennt, der gerade einen neuen Mitbewohner sucht oder eine WG gründen möchte. Womöglich wollen ja einige ehemalige Klassenkameraden aus dem Waldviertel in eine WG ziehen. Frag zu Beginn deiner Suche deshalb einmal in deinem Bekanntenkreis nach. Lass die Leute wissen, dass du ein Zimmer suchst. Da es ohnehin viele Waldviertler für das Studium oder die Arbeit nach Wien zieht, sind die Chancen groß, dass zufällig gerade jemand, der jemanden kennt, nach einem Mitbewohner (dich!) sucht.

Das ist auch zwischenmenschlich die angenehmste Lösung. Die Suche fühlt sich dadurch weniger nach Bewerbung an (dazu kommen wir gleich) und man agiert von vornherein auf einer viel freundschaftlicheren Basis. Überlegen solltest du dir den Umzug trotzdem gut. Jemanden als Freundin oder Freund zu haben ist etwas anderes, als dieselbe Person als Mitbewohnerin oder Mitbewohner zu haben.

Abgesehen davon solltest zu Beginn deiner WG-Suche die wichtigsten Anforderungen für dein zukünftiges Zimmer durchdenken:

  • Lage (besser zentral oder lieber weiter draußen?)
  • Größe (WG-Zimmer reichen meist von 10 bis 30 m²)
  • Preis und Budget (je nach Größe und Lage kostet ein Zimmer in Wien zwischen 350 und 500 €)
  • Zahl und Persönlichkeit der Mitbewohner (lieber klein und ruhig oder groß und actionreich?)

Mit viel Glück oder guten Connections hat sich deine WG-Suche nach diesem Schritt bereits erledigt. Falls nicht, nun, dann geht die Suche in Phase zwei.

Schritt 2: Bewerbungsphase

Wenn die Suche unter Bekannten kein Ergebnis bringt, findest du am ehesten online deine zukünftige WG.  Auf den Portalen wg-gesucht.de und das Schwarze Brett der ÖH oder in diversen Facebook-Gruppen gehen täglich neue Angebote online. Sagt dir ein ausgeschriebenes WG-Zimmer zu, kontaktierst du die Person, die das Inserat online gestellt hat. Wenn alles gut geht, wirst du zu einer Besichtigung (Schritt 3) eingeladen. 

Frau sitzt auf Bett und bedient Laptop

Nur nicht aufgeben! Beim Schreiben von WG-Bewerbungen ist Dranbleiben gefragt. Foto: Andrew Neel / Unsplash

Das klingt einfacher, als es ist. Erstens muss dir das entsprechende Inserat zusagen, und zwar so sehr, dass du dir vorstellen könntest, für  längere Zeit dort zu wohnen. Und zweitens gilt das sowohl für das Zimmer an sich als auch die potenziellen Mitbewohner. Oft lässt sich deren Persönlichkeit schon annähernd aus dem Text herauslesen. Die einen sind eher pragmatisch, die anderen posten einen langen Roman mit vielen Details. Bei der Kontaktaufnahme gilt: Falls eine Telefonnummer angegeben ist, ruf die Person einfach an. Oder schreib der Person eine Nachricht auf WhatsApp. Falls nicht, schreib ihr eine Mail (die nicht Copy-Paste ist!). Erzähle ein bisschen über dich. Nicht nur, dass du ein Zimmer suchst und Interesse hast, sondern – kurz und knapp – was für ein Mensch du bist. Was du gerne in deiner Freizeit machst, was dich begeistert, wie du deine Tage verbringst, was du mitbringen könntest und warum du dich gerade für diese WG interessiert. In gewisser Hinsicht bewegt sich der Erstkontakt hier irgendwo zwischen Jobbewerbung und erster Tinder-Nachricht. Auch in diesem Fall ist es leider normal, dass viele Anfragen unbeantwortet bleiben. Glückt dieser erste Eindruck aber, wirst du zu einer Besichtigung und einem Kennenlernen eingeladen.

Ein Tipp: Notiere dir irgendwo, am besten in einem Word- oder Excel-Dokument, welche WGs du schon kontaktiert hast, um den Überblick zu behalten. Das hilft ungemein.

Schritt 3: Besichtigungen

Lädt dich eine der kontaktierten WGs zu einer Besichtigung ein, hast du den ersten Auswahlprozess schon einmal überstanden. Nun geht es darum, auch in Person einen guten Eindruck zu hinterlassen. Bei einer WG-Besichtigung kommt es wie gesagt vor allem auf das Zusammenspiel eurer Persönlichkeiten an. So ein Zimmer ist im Normalfall ja schnell angeschaut. In den meisten Fällen ergibt sich relativ schnell im Gespräch, ob die Chemie zwischen euch stimmt.

Küche in einer Wohnung

Wenn du die Wohnung besichtigst, kannst du auch gleich einbringen, was du mitbringen würdest (z.B. Küchengeschirr oder eine Kaffeemaschine). Foto: Yeo Khee / Unsplash

Was die allgemeinen Grundregeln betrifft, solltest du zu einer WG-Besichtigung auf jeden Fall persönlich und alleine erscheinen. Plane circa eine bis eineinhalb Stunden ein (auch wenn der Besuch wahrscheinlich weniger lang dauert) und sei pünktlich. Falls du etwas früher da bist, kannst du die Zeit nutzen, um die Gegend zu erkunden. Machst du dabei eine interessante Entdeckung, ist das natürlich auch super Gesprächsstoff. Wenn du die Besichtigung ähnlich wie jeden anderen wichtigen Termin behandelst, kann im Grunde nicht viel schiefgehen. Denn schlussendlich geht es einfach nur darum, ob man sich versteht oder eben nicht.

Schritt 4: Zusage!

Hast du dich einmal durch die unzähligen Besichtigungen geschlagen, heißt es erst einmal: Warten. Lief eine Besichtigung gut, melde dich am besten noch einmal mit einer kurzen Nachricht, damit sie wissen, dass du wirklich interessiert bist und in Erinnerung bleibst. Solange du keine fixe Zusage hast, empfiehlt es sich, weiter die Augen offen zu halten. Absagen kannst du eine Besichtigung schließlich immer noch. Die Suche wird mit der Zeit auch routinierter und weniger anstrengend. Zur Sicherheit kannst du dich parallel auch immer in einem Studentenwohnheim anmelden, wo du dann erst einmal auf der Warteliste landest. Aber so kompliziert ist eine WG-Suche nicht. Wenn dann endlich die langersehnte Zusage im Postfach auftaucht, kannst du dir zufrieden auf die Schulter klopfen. Und dann geht es ans Umziehen!

Your new home

WGs, das sind eigenständige Mikrokosmen mit individuellen Dynamiken. Die einen actionreicher, die anderen ruhiger. In den einen leben die Bewohner im scheinbar problemlosen Einklang, andere erfordern einiges an Umstellung. Schlussendlich sind sie aber eine der besten Wohnformen in der Großstadt, wenn das Budget klein und der Wunsch nach Privatsphäre und Gesellschaft gleichermaßen groß ist. Und wenn die Chemie zwischen den Mitbewohnern stimmt, ist eine Wohngemeinschaft sehr bereichernd. Man lernt, mit Menschen zusammenzuleben, die nicht die eigene Familie sind. Eine WG ist also weit mehr als eine Wohnform. Es ist ein Schritt zu mehr Eigenständigkeit und Verantwortung. Zu persönlicher Entwicklung einer der spannendsten Zeiten deines Lebens. In diesem Sinn: Viel Erfolg bei deiner WG-Suche!

 
 

veröffentlicht von sebastian

6. Oktober 2020

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