Das Citybike, das Wiener Gratisstadtrad

© Citybike Wien
WOHNEN & VERKEHR

veröffentlicht von david

15. Oktober 2018

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Es gibt sie fast überall in Wien: Die Citybikes. Sie sind eine einfache, kostengünstige und umweltfreundliche Möglichkeit, um an sein Ziel zu gelangen. Wie genau das System funktioniert, das erfahrt ihr hier.

Nahezu alle Wiener haben sie schon irgendwo einmal gesehen: Die Wiener Citybikes. Sie sind auf mehr als 120 Stationen über die ganze Stadt verteilt und können nach einer kleinen Anmeldegebühr von einem Euro kostenlos verwendet werden. Zumindest für eine Stunde lang. Ab der zweiten Stunde fallen Gebühren an. Wirklich viel machen die allerdings auch nicht aus. Die zweite Stunde kostet einen Euro. Für die dritte Stunde zahlen Radfahrer dann zwei Euro und für jede weitere vier.

Die Fahrräder eignen sich besonders gut für kurze Strecken. Von Zuhause zur Uni oder zur Arbeit zum Beispiel. Da bleibt die Reisezeit meist unter eine Stunde und die Verwendung der Citybikes gratis. Nur eine Station muss irgendwo in der Nähe sein.

An den Stationen können die Räder ausgeliehen und wieder zurückgegeben werden. Um ein Rad aus der Station zu bekommen, müssen sich Interessierte mit einer Bankomat- oder Kreditkarte registrieren oder eine Citybike-Karte beantragen. Danach steht dem Radvergnügen nichts mehr im Weg.

Wer aus dem Waldviertel nach Wien zieht, nimmt speziell in den ersten Monaten noch kein Fahrrad mit. Die Fahrradrouten in der Heimat bieten nämlich zweifellos mehr Abenteuer. In Wien ist Fahrradfahren eher eine pragmatische Angelegenheit. Es ist einfach nur eine von vielen Möglichkeiten, von A nach B zu kommen. An schönen Tagen macht es aber definitiv mehr Spaß, mit dem Fahrrad zur Uni oder zur Arbeit zu fahren, als mit der U-Bahn. Genau für solche Tage sind die Citybikes perfekt.

Aber wo kann ich mich anmelden? Was muss ich beachten? Wo finde ich Stationen? Und wie achte ich auf meine Sicherheit? Darum geht es jetzt.

Citybike Wien

Die Citybike-Stationen sind quer über die gesamte Stadt verteilt. / Wikipedia, CC BY-SA

Die Anmeldung

Alles beginnt wie heute so oft auf einer Website: Der Website citybikewien.at. dort können neue Benutzer einen Citybike-Account anlegen und ihn mit der eigenen Bankomatkarte oder Kreditkarte verbinden oder eine Citybike-Karte anfordern. Nach der Online-Registrierung muss die Karte dann noch an einem Terminal aktiviert werden. Das heißt: Auf zu einem Terminal, Karte rein, Passwort eingeben, einen Euro bezahlen und los geht’s.

Alternativ können sich angehende Citybike-Benutzer auch direkt am Terminal anmelden. Der Ablauf ist genau der gleiche, nur geht alles ein bisschen langsamer. Es gibt keine physische Tastatur, sondern nur Touch-Tasten und generell braucht das Terminal oft mehr „Bedenkzeit“ als Zuhause. Was dabei auch nicht zu vernachlässigen ist, ist, dass man während der gesamtem Anmeldung die Citybike-Station für andere Benutzer blockiert.

Die Aktivierung und vielleicht auch die Anmeldung geschieht also an einem Terminal an der Entlehn-Station. Da stellt sich nun folgende Frage: Wo finde ich die nächste Station?

Die Terminals

Glücklicherweise sind alle Citybike-Stationen in einer zentralen Karte gespeichert. Die ist ganz einfach online abrufbar. Sie zeigt dabei nicht nur die Standorte der Stationen, sondern auch, ob sich gerade Fahrräder in der Station befinden. Nichts ist ärgerlicher, als eine leere Citybike-Station, wenn es gerade nichts Besseres gäbe, als eine angenehme Fahrt mit dem Rad. Ist eine Station leer, ist es deshalb sinnvoller, von vornherein eine andere Station anzusteuern oder im Zweifelsfall eben andere Verkehrsmittel zu verwenden.

Citybike Wien

Die Terminals an den Stationen dienen zum Ausleihen und Aktivieren einer Karte / Wikipedia, CC BY-SA

Die Entlehnung und Rahmenbedingungen

Nachdem eine Station gefunden und die Karte aktiviert ist, geht es dann endlich ans Radfahren an sich. Die Entlehnung ist simpel: Karte ins Terminal stecken, Passwort eingeben, Fahrrad auswählen und los geht’s.

Beim Fahren gilt es, die anfangs erwähnten Stundensätze zu beachten. Die erste Stunde ist immer gratis, danach fällt stündlich eine kleine Gebühr an. Ab 120 Stunden, also 6 Tage, gilt die Regelung nicht mehr. Dann muss der Radfahrer nämlich pauschal 600 Euro zahlen. Egal, ob er das Rad danach noch zurückbringt oder nicht.

Das Zurückbringen funktioniert sogar noch einfacher als das Ausleihen: Einfach das Rad in eine Station schieben, einrasten lassen und fertig.

Nützliche Apps

Auf der Website finden sich zwar so gut wie alle notwendigen Informationen. Was macht man als ambitionierter Citybike-Nutzer aber, wenn man unterwegs ist? Eine Reihe von Apps soll Abhilfe schaffen.

In der WienMobil App der Wiener Linien etwa, ist die gesamte Citybike Infrastruktur in die Routenplanung integriert. Als Alternative zu U-Bahn, Bus und Straßenbahn werden auch die Citybike-Stationen angezeigt. Die passende Fahrtroute berechnet die App ebenso.

Mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser, ist die Fahrrad-Navigation Bike-Citizens. Sie zeigt alle verfügbaren Citybike-Stationen an und berechnet zuverlässig Fahrradrouten von A nach B. Es lässt sich sogar auswählen, ob die Strecke leicht zu fahren oder einfach nur so schnell wie möglich sein soll. Außerdem bietet die App vorgefertigte Rundfahrten – eine tolle Möglichkeit, Wien auf dem Fahrrad kennenzulernen.

Wer einfach nur die nächste Station finden will, für den eignen sich die Apps bikar für iOS und Citybike Wien für Android. Diese beiden Apps haben nur eine einzige Funktion: Citybike-Stationen mit den notwendigsten Infos anzeigen. Nicht mehr, und nicht weniger. Für ein Fahrrad in kurzer Zeit braucht es auch nicht mehr.

Alle Apps zeigen außerdem an, wie viele Fahrräder in der Station stehen. So lassen sich volle oder leere Stationen im Vorhinein vermeiden.

Sicher unterwegs im Straßenverkehr

Als Radfahrer im Stadtverkehr sollte man eines nie vergessen: Man ist gegenüber Autos immer der Schwächere. Das gilt auch für die stadteigenen Citybikes. Deshalb ist ein Helm auch hier mehr als empfehlenswert.

Citybike Wien

Auch, wer mit dem Citybike unterwegs ist, sollte Wert auf Sicherheit legen. © Citybike Wien

Mindestens genauso wichtig ist das eigene Verhalten im Straßenverkehr. Die Stadt Wien empfiehlt Radfahrern folgendes:

  • Deutliche Handzeichen geben
  • Langsam auf Kreuzungen zufahren
  • Fahrgeschwindigkeit den Gegebenheiten und dem eigenen Können anpassen
  • Vorrang anderer Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer beachten
  • Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern suchen
  • In der Stadt nicht „sportlich radeln“
  • Zu geparkten Autos seitlich einen Meter Sicherheitsabstand halten
  • Achtung auf Fahrzeuglenkerinnen und -lenker, die plötzlich die Türe öffnen
  • Bremsweg testen
  • Licht und Bremse regelmäßig kontrollieren
  • Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen halten
  • Licht auch bei Dämmerung einschalten
  • Auffällige – am besten reflektierende – Kleidung tragen
  • In der Nähe von Fußgängerinnen und Fußgängern langsam fahren

Wer sich daran hält, verringert das Risiko eines Unfalls deutlich. Leider werden viele Citybikes meiner Erfahrung nach nicht oft genug kontrolliert. So kann es schon einmal passieren, dass die Bremsen nur mäßig funktionieren. In so einem Fall ist es wohl am besten, ein anderes Fahrrad aus der Station zu nehmen. Falls das nicht möglich ist, weil die Station leer ist, sollte man zumindest besonders vorsichtig fahren.

Wer sich jetzt noch fragt, warum ich in der Überschrift den Begriff „Gratisstadtrad“ verwende: Das war der Arbeitstitel des Projekts Citybikes im Jahr 2001. Unter diesem Namen wurde das Konzept erstmals in Wien umgesetzt.

 
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von david

15. Oktober 2018

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