Die Wiener Straßenbahn früher und heute

Ein Bild, welches jeder Wiener und jeder Walviertler schon einmal gesehen haben sollte. ;) /// www.wikipedia.org
WOHNEN & VERKEHR

veröffentlicht von sebastian

28. Juni 2019

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Einsteigen bitte, heute in die Geschichte der Wiener Straßenbahn. Wir beginnen bei der Pferdetramway und schauen auch in die Zukunft. Begib dich mit uns auf eine Reise, auf der wir die „Bim“ genauer unter die Lupe nehmen.

Die Wiener Bim. Ohne sie würden viele Menschen nicht von A nach B kommen. Die Geschichte reicht weit zurück bis ins 19. Jahrhundert, aber auch in Zukunft wird sich einiges ändern. Begebt euch mit uns auf eine Zeitreise und wer weiß, vielleicht erfahren auch die eingesessenen Wienerinnen und Wiener unter euch etwas Neues über die Wiener Straßenbahn.

Anfänge und erste Versuche

Wir schreiben das Jahr 1840. Der erste Vorläufer, eine Pferdeeisenbahn, verkehrte zu dieser Zeit zwischen dem Donaukanal/Rotenturmtor und Brigittenau. Ab 14 Uhr konnte man auf diese Art und Weise alle 15 Minuten von A nach B gelangen. Diese Linie wurde zwei Jahre später eingestellt.

Der nächste Versuch wurde 1865 gestartet. Die Firma Schaeck-Jaquet & Comp. setzte sich gegenüber anderen Firmen durch und durfte die erste offizielle Wiener Pferdetramway bauen. Man startete beim stark frequentierten Schottentor und führte die Linie über die Alser Straße bis hinaus nach Dornbach/Hernals. Vielleicht klingelt es bei den ersten Studentinnen und Studenten unter euch – Schottentor bis Hernals? Richtig, wenn du mit der Linie 43 fährst, befindest du dich auf den Ursprüngen der Wiener Straßenbahngeschichte. Damit hatte Wien noch vor allen anderen großen Städten der österreichisch-ungarischen Monarchie eine Pferdetramway. Man wollte zur Vergrößerung des Netzes nun auch andere Firmen miteinbeziehen. Alle anderen Bewerber schlossen sich jedoch zu einer großen Einheit, der Wiener Tramwaygesellschaft, zusammen und diese übernahm dann das Zepter. Sie baute letztendlich den größten Teil des Wiener Straßenbahnnetzes.

Oft kam es zu dieser Zeit zu Auseinandersetzungen und Streiks. Die Tramwaykutscher mussten teilweise bis zu 19 Stunden am Tag arbeiten und hatten nur eine 30-minütige Pause. Sie wurden auch für Schäden an den Fahrzeugen verantwortlich gemacht. Hatten sie eine Verspätung von über einer Minute, mussten sie Strafdienste leisten. Na, wenn das heute noch so wäre, würden die Angestellten vor lauter Strafdiensten untergehen. 😉

pferdetramway

So sah das also ganz früher aus. /// www.geschichtewiki.wien.gv.at

Die Wiener Dampftramway

Kurz bevor die erste Dampftramway zum Einsatz kam, wurde noch die NWT gegründet. Sie bildete neben der bereits bestehenden nun die Neue Wiener Tramwaygesellschaft. Sie erweiterte das Schienennetz maßgeblich und im Jahre 1877 konnte Wien bereits ein Netz von 42,4 Kilometern vorweisen. 1883 kam dann der Wechsel: Die Dampftramway Krauss & Comp. eröffnete, wie der Name bereits erahnen lässt, die erste Dampftramwaylinie in Wien. So, jetzt reicht’s aber dann mit den ganzen Companies und Neugründungen – schauen wir mal in die Praxis: Wo verkehrten die ersten Linien unserer Bundeshauptstadt?

  • Die erste Dampftramwaylinie (ab 1883) startete im damaligen Vorort Hietzing und endete in Perchtoldsdorf. Heute wird diese Linie als 60er bezeichnet, die vom Westbahnhof über Hietzing und Schönbrunn bis in den Süden nach Rodaun (23. Wiener Gemeindebezirk) führt.
  • Eine weitere Dampftramwaylinie (ab 1886) reichte vom Donaukanal über Floridsdorf bis in den Norden nach Stammersdorf. Auf dieser Route verkehrt heute zu einem großen Teil die Linie 31.
  • Im Gegensatz dazu hat die Neue Wiener Tramwaygesellschaft (ab 1886) die heutige Linie 62 von Gaudenzdorf bis zum Bahnhof Meidling im 12. Wiener Gemeindebezirk eröffnet. Eine Abzweigung dieser Linie führte bis nach Wiener Neudorf und stellt damit den Ursprung der Lokalbahn nach Baden dar.
dampftramway

Dann kam endlich die Dampftramway, aber auch mit ihr war man auf längere Sicht nicht zufrieden. /// www.1133.at

Es wird immer moderner: Die elektrische Straßenbahn

Im Jahre 1897 wurde Karl Lueger zum Bürgermeister von Wien ernannt. Er war maßgeblich am Bau der elektrischen Wiener Straßenbahn beteiligt. 1899 erhielt die Stadt Wien eine sogenannte Kundmachung, die den Bau eines elektrischen Straßenbahnnetzes in der Millionenstadt ermöglichte. Jene Kundmachung beinhaltete genaue Vorgaben bezüglich Neubau von Strecken, aber unter anderem auch den Kauf der Wiener Tramwaygesellschaft und somit auch aller bereits vorhandenen Streckenabschnitten (1903 wurde letztendlich auch die NWT aufgekauft).

Ein sehr wichtiges Datum in der Geschichte der Straßenbahn: 28. Jänner 1897. An diesem Tag fuhr die erste elektrisch betriebene Straßenbahn in Wien, nämlich auf der heutigen Linie 5. Man war erstaunt über den Fortschritt und gleichzeitig auch froh, da die Lärm- und Geruchsbelästigung der Dampf- und Pferdetramways wegfiel. 1907 fuhr die letzte Pferdetramway, in einigen Außenbezirken wurde die Dampftramway noch weitergeführt, aber auch lediglich bis zum Jahr 1922.

Die beiden Weltkriege hinterließen ihre Spuren, aber schon bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs konnte der Straßenbahnbetrieb wieder aufgenommen werden. Doch nun wurden auch Stimmen des „autogerechten Verkehrs“ laut, die Schienen auf den Straßen als Hindernis betrachteten. Als Zukunftsvision wurde die Verlagerung des gesamten öffentlichen Verkehrs auf Untergrundbahnen und Busse angesehen. Auch aufgrund von Platzproblemen in engen Gassen wurden Busse bevorzugt. Bestes Beispiel ist dafür die frühere Linie 13, die heute von der Buslinie 13A ersetzt wurde (Hauptbahnhof – Alser Straße/Skodagasse).

 
 
 

Kurzer Auszug: USTRABA

Mag wie eine komische Anordnung von Buchstaben klingen, dahinter steckt aber eine viel größere Bedeutung: USTRABA. Die UStraßenbahn ist ein Mittelding zwischen U-Bahn und Bim. 1966 wurde erstmals ein Stück der Zweierlinie in den Untergrund verlegt, welcher heute als reine U-Bahn (Linie U2) geführt wird. Auch 1969 verlegte man ein Teilstück des Straßenbahnnetzes in den Untergrund, nämlich am Südgürtel. Dort verkehren heute immer noch die Linien 1, 6, 18 und 62 sowie die Wiener Lokalbahn nach Baden.

Gegenwart der Wiener Bim

Man sah relativ schnell ein, dass es ohne das Wiener Straßenbahnnetz einfach nicht geht. Das Vorhaben, alle Linien in den Untergrund zu verlegen, war in vielerlei Hinsicht nicht möglich. Bis heute sind weitere Neueröffnungen und Erweiterung diverser Linien in Planung. Auch der Fahrkomfort wurde verbessert. Beispielsweise kaufte man sogenannte Niederflurwagen, um ein barrierefreies Ein- und Aussteigen zu ermöglichen. In Zukunft soll auch jede Station eine elektronische Anzeige erhalten, die die Fahrgäste über Wartezeiten, Verspätungen und Typ der Straßenbahn (Niederflurwagen oder nicht) informiert. Wer genau hinhört, wird auch bemerken, dass bereits viele Durchsagen auf Deutsch und auf Englisch erfolgen. Im europäischen Vergleich liegen wir in Wien bezüglich Fahrkartenpreis im günstigen Drittel, was definitiv leistbar für uns Waldviertler ist, nicht wahr?

Umgesetzte Projekte der letzten zehn Jahre

  • Verlängerung der Linie D bis zum Hauptbahnhof (2012): Aufgrund des in Bau befindlichen Verkehrsknotenpunkts Hauptbahnhof wurde die stark frequentierte Linie D bis zu jener Haltestelle verlängert.
  • Streckenneubau der Linie 25 (2012): Die Linie 25 wurde um einige Stationen erweitert, um den Bahnhof Floridsdorf entlang der Donau mit der U1-Station Kagran und weiterführend mit den U2-Stationen Hardeggasse und Donauspital zu verbinden.
  • Verlängerung der Linie 26 bis zur Hausfeldstraße (2013): Die bis 2012 geführte Endstation der Linie 26 (Kagran) bekam nun eine völlig neue Streckenführung über die U1-Station Kagraner Platz bis zur U2-Station Hausfeldstraße. Man wollte damit vermeiden, dass zwei Linien (25 und 26) auf exakt derselben Strecke verkehren.
  • Stilllegung eines Abschnitts der Linie 67 nach Oberlaa (2017): Aufgrund der Neueröffnung der Linie U1 zwischen Reumannplatz und Oberlaa wurde die Linie 67 auf diesem Abschnitt als überflüssig angesehen. Heute endet der 67er bereits beim Reumannplatz.

Es gibt noch weitere kleine Projekte, die den Rahmen sprengen würden. Ich will euch ja nicht mit kleinen Details langweilen, was steht in Zukunft auf dem Programm?

Zukünftige Projekte bis 2020

  • Verlängerung der Linie D übers Sonnwendviertel bis hinaus zur Gudrunstraße (10. Wiener Gemeindebezirk) – Fertigstellung im Herbst 2019
  • Verlängerung der Linie O in den Norden bis zum Nordbahnhofgelände – Fertigstellung 2020
  • Neubau der Linie 11 zwischen Simmering und Favoriten – Fertigstellung im Sommer 2019

Weitere geplante Ausbauschritte

Kurz zusammengefasst möchten die Wiener Linien die Seestadt besser erschließen, um auch diesen Bezirk an die Innenstadt anzubinden. Auch das im Aufschwung befindliche Gebiet rund um den Nordwestbahnhof soll mithilfe neuer Linien besser angebunden werden. Im Süden sollen die beiden Verkehrsknotenpunkte Verteilerkreis Favoriten und Bahnhof Meidling mittels Bim verbunden werden. Die bisherige Buslinie 15A wird aufgelassen und durch Schienen ersetzt. Die haben ganz schön was vor in unserer Bundeshauptstadt! 😉

Das aktuelle Netz der Wiener Straßenbahn ist so groß, dass ich es hier nicht als Bild einfügen kann. Ich habe jedoch im Zuge meiner Recherche eine sehr gute Übersicht im Internet gefunden. Na, wer findet seine Station?

vienna ring tram

Die Vienna-Ring-Tram. Mehr Infos dazu findest du auf www.wien.info

Die Top 3 bezüglich Länge und Kürze?

Als krönenden Abschluss noch etwas Wissenswertes: Welche Bim-Linien sind die längsten, welche die kürzesten?

Die drei längsten sind …

  1. Linie 2 (Friedrich-Engels-Platz – Dornbach) hat mit 15,8 km die Goldmedaille gewonnen – die längste Straßenbahnlinie Wiens.
  2. Linie 6 (Burggasse/Stadthalle – Kaiserebersdorf) erhält mit 14,559 km die Silbermedaille.
  3. Linie 60 (Westbahnhof – Rodaun) holt sich mit 13,6 km die Bronzemedaille.

Die drei kürzesten sind …

  1. Linie 42 (Schottentor – Antonigasse) belegt mit 3,371 km Platz 1 und ist damit die kürzeste Straßenbahnlinie der Stadt Wien.
  2. Linie 40 (Schottentor – Gersthof) steht mit 4,551 km auf dem zweiten Treppchen.
  3. Linie 46 (Ring/Volkstheater – Joachimsthalerplatz) finden wir mit 4,580 km knapp auf Platz 3.

Fazit?

Ohne die Bim geht’s halt wirklich einfach nimmer. Und wer hätte das gedacht: Im weltweiten Ranking liegt Wien bezüglich Länge des Straßenbahnnetzes auf Rang 5. Nur Melbourne, Berlin, Sankt Petersburg und Moskau können noch mehr Kilometer vorweisen. Was habt ihr noch anzumerken? Welche Linien sind für euch am wichtigsten und bringen euch täglich von A nach B? Zum Schluss bleibt mir nur noch zu sagen: Wir sind am Ziel. Bitte steigen Sie aus, auf Wiedersehen. 😉

 
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von david

28. Juni 2019

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In Wien passiert ständig etwas. Manches davon ist relevant, manches nicht. Mitbekommen tut man jedenfalls wenig. Ein Überblick über die Lokalmedien Wiens.