Digitales Stadtleben: Der ultimative App-Guide für Wien

Foto: Sergio Souza
WOHNEN & VERKEHR

veröffentlicht von david

20. September 2019

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Wie komme ich nie wieder zu spät zur Uni oder Arbeit? Wo kann ich ein Citybike ausleihen? Eine ultimative Auswahl an Apps für das Leben in Wien.

Gegen 06.00 Uhr morgens durchdringt ein schriller Klingelton aus Smartphone-Lautsprechern die friedliche Stille. Irritiert und panisch springe ich aus dem Bett und versuche, den Wecker irgendwie auszuschalten – doch ich finde einfach keinen Knopf dafür. Verdammt, wie krieg’ ich das Ding jetzt aus?! Ach ja! Ich muss ein Foto von der Wand machen. Denn seit ein paar Tagen weckt mich diese neue Smartphone-App, die sich nur ausschalten lässt, wenn ich ein Foto von einem bestimmten Ding in meiner Wohnung mache. Ein gut gezieltes Foto und der Wecker ist aus. Stille… Jetzt bin ich zumindest wach.

Das Beispiel zeigt sehr anschaulich: Technik ist Fluch und Segen zugleich. Dank der App habe ich in meinen zwei Jahren in Wien kein einziges Mal verschlafen, dafür beginnt jeder Tag mit einer Mischung aus Panik, Irritation und Adrenalin. Solange ich daraufhin eine Tasse Kaffee bekomme, kann ich aber gut damit leben. Und das ist erst der Anfang. Mit unserem Smartphone tragen wir täglich einen Computer mit uns herum, der uns unendlich viele Möglichkeiten eröffnet – auch für das Leben in Wien. Denn im Vergleich zum Waldviertel ist Wien komplizierter. Allein bis man das Verkehrsnetz der Wiener Linien verstanden hat, dauert es Wochen oder Monate – und dann gibt es noch unzählige Essensangebote, Car-Sharing und Freizeitmöglichkeiten.

Wir liefern deshalb einen Überblick über all die Apps, die das Leben in Wien ein Stück weit leichter, spannender und komfortabler machen.

Alarm!-Me

Weil ich meinen “Lieblings”-Wecker eingangs schon erwähnt habe, möchte ich euch diesen natürlich nicht vorenthalten. Während zuhause im Waldviertel oft noch die Eltern als Notfall-Wecker dienlich sind, ist man in Wien meistens auf sich gestellt. Um nicht zu spät zur Uni oder in die Arbeit zu kommen, ist ein guter Wecker deshalb unerlässlich – und zumindest ich schaffe es regelmäßig, die normale Wecker-App meines Smartphones im Schlaf auszuschalten. Also habe ich mich auf der Suche nach Kampfmaßnahmen gemacht – und bin mit der App Alarmy fündig geworden. Alarmy macht genau das, was jede andere Wecker auch tut – mit dem kleinen Unterschied, dass man, um ihn auszuschalten, ein Foto eines bestimmten Objektes machen, das Handy schütteln oder mathematische Terme lösen muss. Und ja, das ist mein Ernst. Aber es funktioniert.

Durch Wien mit Warp-Geschwindigkeit

Das Verkehrsnetz der Wiener Linien zu verstehen, ist in den ersten Wochen oder Monaten in Wien gar nicht so einfach, wie auch schon meine Kollegin Kerstin in einem anderen Artikel schrieb. Umso nützlicher sind deshalb die Apps Google Maps und Quando. Google Maps (Android/iOS) dürfte eigentlich jedem bekannt sein. Da die App seit 2017 auf die Verkehrsdaten der Wiener Linien zugreifen kann, leitet Google Maps einen fast immer verlässlich von A nach B. Der entscheidende Vorteil ist dabei, dass die App nicht nur die Strecke der Öffis anzeigt, sondern auch die Fußwege und dass man dank GPS-Tracking immer sieht, wie weit man vom Ziel entfernt ist.

Wien Apps

Mit der richtigen App-Auswahl kommt man in Wien wirklich überall hin. Foto: Matilda Vistbacka

Manchmal sind die Wegvorschläge von Google Maps jedoch etwas unlogisch. Zum Beispiel scheint die App alle Möglichkeiten mit mehr als zwei Umstiegen zu ignorieren – auch, wenn man so um eine Stunde schneller wäre. Hier kommt die App quando der Wiener Linien ins Spiel, die ebenso Öffi-Wege berechnet, und zugleich anzeigt, wann an einer Station die nächste Straßenbahn, U-Bahn oder der nächste Bus abfährt. Wenn du dir bei einer Strecke nicht ganz sicher bist, lohnt es sich, sie zweifach in unterschiedlichen Apps zu checken. Apropos Wiener Linien: Mit der Wiener Linien Ticket-App (Android/iOS) habt ihr euer Ticket immer am Smartphone mit dabei und könnt auch jederzeit unterwegs eines kaufen. Die WienMobil-App kombiniert die Wiener Öffis außerdem mit Car-Sharing und Citybikes und liefert ebenso eine Allround-Routenplanung für Wien. Und falls es einmal an ein Ziel außerhalb Wiens gehen sollte, hilft dir die ÖBB-App oder der ÖBB Scotty weiter.

… und mit absolut allen Fahrzeugen

Wer jetzt denkt, das war schon alles, täuscht sich. Der Wiener Stadtverkehr ist einer der facettenreichsten, den ich bisher kennenlernen durfte und reicht von Öffis über Autos und kostenlosen Citybikes bis hin zu einer ausgezeichneten FlixBus-Anbindung für Fernreisen.

Fangen wir mit dem Offensichtlichsten neben den Wiener Öffis an: dem Auto. Manchmal benötigt man einfach ein Auto – sei es, um zu einem Termin außerhalb der Stadt zu finden, für einen Umzug oder beim Möbelkauf. Für all jene, die kein eigenes Auto haben, ist Car-Sharing hier eine perfekte Möglichkeit. Über die App von Anbietern wie DriveNow oder Drivy findet man praktisch überall in zehn Minuten ein Auto, das man dann ganz einfach mit dem Handy aufsperren kann. Bei DriveNow zahlt man im Schnitt gut 30 c pro Minute – bei Drivy sind es laut Eigenangaben nur maximal 30 Euro pro Tag, was umgerechnet knapp 7 c pro Minute ausmacht.

Hinzu kommt das schier endlose Angebot an Taxi-Apps in Wien: Holmi, Bolt, FreeNow und Uber – natürlich nur, falls die Fahrdienste den aktuellen Rechtsstreit überleben. Ansonsten ist auch auf die unzähligen Taxis in Wien auch jederzeit Verlass. 

Wer lieber mit dem Fahrrad fährt, findet mit der App Bike Citizens die beste Rad-Navigation auf dem Smartphone – und er weiß dank einer der unzähligen CityBike-Apps immer, wo sich die nächste Citybike-Station mit kostenlosen Fahrrädern befindet.

Food-Phone

Kommen wir zum wohl besten Teil des Artikels: dem Essensteil. Wer aus dem Waldviertel nach Wien zieht, ist erst einmal mit einer noch nie gesehenen Menge an kulinarischen Möglichkeiten konfrontiert. Wien bietet Restaurants aus aller Welt und vor allem auch Lieferservices, welche einem in einer halben Stunde frisches Essen bringen. Im Waldviertel ist der einzige Lieferservice die Familie und das eigene Auto. Deshalb dürfen zwei großen Essenslieferanten in Wien – Lieferservice.at und Mjam – nicht unerwähnt bleiben. Beide bieten eine App, über die sich ganz einfach über das Smartphone Essen bestellen lässt. Magic! 

Wien Apps

Essenslieferanten von Foodora, Lieferservice und Mjam sieht man in Wien praktisch überall. Foto: Kai Pilger

Und wer lieber direkt im Restaurant isst, kann über Quandoo ganz einfach mit dem Smartphone einen Platz in einem der tausenden Restaurants in Wien reservieren.

Freizeit 2.0

Die App-Revolution macht natürlich auch vor der Freizeit nicht Halt. Und damit meine ich keine Videospiele und Filme – sondern Sport. MyClubs und Eversports bieten mit einer monatlichen Gebühr Zugang zu unzähligen Sportstätten und -kursen. Die Auswahl reicht von Yoga über Boxen bis hin zu Schwimmbad-Zugängen.

Wien Apps

Auch die Freizeit lässt sich mittlerweile mit dem Smartphone gestalten. Foto: Clem Onojeghuo

Falls du den Drang verspürst, deine Wohnung oder dein WG-Zimmer auszuräumen geht das in Wien dank App-Unterstützung auch ganz einfach: Mit Willhaben und Shpock – und den vielen Menschen in Wien – lässt sich in Wien so gut wie alles innerhalb kürzester Zeit verkaufen.

Selbst Events findet man dank Apps wie Meetup oder die Event-Suche auf Facebook mittlerweile jederzeit über das Smartphone – und für Dates gibt es Tinder. Zugegeben, einfach einmal Dinge mit “irgendwelchen Leuten aus dem Internet” zu unternehmen, ist anfangs etwas komisch, es kann aber sehr viel Spaß machen.

Und zum Abschluss noch ein Must-Have für jeden Waldviertler, auf das mich einige Freunde aufmerksam gemacht haben – BeerWithMe.  Dabei handelt es sich um um ein soziales Netzwerk, über das ein Benutzer sehen kann, wenn jemand aus dem Freundeskreis gerade ein Bier oder ein anderes alkoholisches Getränk trinkt. Und man kann sich gegenseitig “zuprosten”. Kein Scherz. Wenn du also das nächste Mal abends nach der Arbeit oder Uni ein Zwettler trinkst, teile diesen besonderen Moment doch mit deinen Freunden auf BeerWithMe. So wird aus einem einzelnen Feierabend-Bier vielleicht ein ganzer Fortgeh-Abend.

Um jetzt nicht in weitere Absurditäten zu verfallen: Mit dieser App-Auswahl ausgestattet, kannst du praktisch alles in Wien über dein Smartphone machen. Jedoch kann an dieser Stelle auch jedem empfehlen, einfach einmal das Smartphone wegzulegen und sich völlig planlos zu Fuß auf den Weg zu einem Ziel zu machen. Denn um die wahre Schönheit Wiens zu genießen, braucht es kein Smartphone und kein Internet, sondern einfach nur offene Augen und gutes Wetter.

 
Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von sebastian

20. September 2019

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