Experteninterview zur Wohnungssuche in Wien

WOHNEN & VERKEHR

veröffentlicht von benji

29. August 2016

WOHNEN & VERKEHR

Die Wohnungssuche in Wien ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Das waldviertler.wien-Interview mit einer Immobilienmaklerin von sReal.

Die Wohnungssuche in Wien kann sich oft relativ schwer gestalten. Preisliche Vorstellungen und die Lage der Wohnung unterscheiden sich leider oft vom Wunschdenken. Studierende, die frisch nach Wien kommen, können deshalb schnell die Nerven wegschmeißen und geben sich mit der nächstbesten Mietwohnung zufrieden. Wo soll man wie suchen? Wie kann man sicher gehen, dass das Angebot im Internet den Wünschen entspricht?

Ich war bei Frau Eva Hahn-Schachinger, einer Immobilienexpertin von S-Real zu Gast, die mir diese und noch mehr Fragen zur Immobiliensuche in Wien beantworten konnte.

Das Experteninterview mit Frau Hahn-Schachinger zur Wohnungssuche in Wien

waldviertler.wien:

Der Immobilienmarkt floriert, es gibt unzählige Angebote im Internet. Wie kann man als unerfahrener Immobiliensucher agieren, um sicher zu gehen, dass das Angebot im World Wide Web den Erwartungen entspricht?

sReal:

Wirklich sicher gehen kann man nicht, weil auch die eigenen Erwartungen unrealistisch sein können. Jede Immobilie muss für eine Entscheidungsfindung vor Ort besichtigt werden. Sinnvoll ist es, wenn man bereits vorab noch möglichst viele Details erfragt um sich gegebenenfalls eine frustrierende Besichtigung zu ersparen.
Dennoch kann so manche Besichtigung enttäuschend sein, weil jeder Anbieter seine Immobilie im besten Licht beschreibt. Es kann schon dauern, dass man die richtige Immobilie findet und es gehen schon in vielen Fällen 30 oder mehr Besichtigungen voraus.

waldviertler.wien:

Die Wohnungssuche über Makler kann oft sehr kompliziert sein. Was sind Ihrer Meinung nach Vor- und Nachteile bei der Wohnungssuche durch einen Makler oder eine Maklerin?

sReal:

Ich darf korrigieren: Wohnungssuche in Großstädten kann schon mal kompliziert sein, aber gerade da ist es wichtig, einen kompetenten Fachmann, beziehungsweise eine Fachfrau an der Seite zu haben.
Der Vorteil ist, dass man beim Makler ein „gebündeltes“ Angebot findet. Der gute Makler wird die genauen Wünsche des Kunden erfragen und ihm nur dementsprechende Angebote übermitteln. Der Makler berät und betreut den Kunden von der ersten Suchanfrage bis zum Abschluss des Rechtsgeschäftes, begleitet den Kunden zur Vertragsunterzeichnung und Übergabe des Kauf- oder Mietgegenstandes und steht auch nach der Abwicklung für etwaige Fragen zur Verfügung.

waldviertler.wien:

sReal hat viele Standorte – unter anderem auch in Zwettl. Jedoch vermittelt sReal aber in ganz Österreich Immobilien. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche in Wien?

sReal:

Nach dem Motto „Schwierigkeiten sind da um überwunden zu werden“, sollten diese kein Thema sein.
Eine gewisse Diskrepanz ergibt sich aus der „Preisschere“. Das bedeutet: hat der Interessent die notwendigen Mittel für eine Wiener Immobilie? Der Wiener Wohnungsmarkt (auch in anderen größeren Städten) hat in den letzten Jahren eine dynamische Preisentwicklung nach oben erfahren, weil zum einen das Angebot knapper geworden ist, weil viele Wohnungseigentümer nicht verkaufen wollen und andererseits Investoren zunehmend in Immobilien anlegen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Daraus resultiert auch, dass Entscheidungen rasch getroffen werden müssen, weil die Immobilie sonst nicht mehr zur Verfügung steht.
Auch Mietwohnungen bei denen das Preis-Leistungsverhältnis stimmt sind knapp und auch hier ist in vielen Fällen eine rasche Entscheidungsfindung erforderlich.

waldviertler.wien:

Frau Hahn-Schachinger, Sie sind seit einigen Jahren als Immobilienmaklerin tätig. Gibt es kuriose oder außergewöhnliche Geschichten aus Ihrer jahrelangen Tätigkeit, die Sie mit uns teilen wollen?

sReal:

Gute Frage! Ich bin mehr als 40 Jahre als Maklerin tätig und ich überlege manchmal, ein Buch über kuriose Erlebnisse meines Maklerlebens zu schreiben. Nahezu bei jedem Abschluss gibt es kuriose Erlebnisse, manchmal zum Schmunzeln, manchmal zum Ärgern. Ich weiß jetzt im Moment nicht, welche der vielen Geschichten ich Ihnen erzählen sollte, wenn ich aber mein Buch mal schreibe, lasse ich es Sie wissen.

waldviertler.wien:

Studierende haben oft das Problem, dass sie nicht wissen, wie sie die Wohnungssuche angehen sollen. Der Immobilienmarkt ist groß, bürokratische Verfahren sind für viele junge Menschen ganz neu. Welche Tipps haben Sie für Studierende, die sich auf Wohnungssuche begeben wollen?

sReal:

Zum Makler des Vertrauens gehen, wie schon gesagt, der betreut, berät und begleitet vom Erstgespräch bis zum Abschluss des Rechtsgeschäftes.

waldviertler.wien:

Bürokratie ist für viele junge Menschen ein völlig neues Terrain. Haben Sie Tipps für unsere Leser und Leserinnen, die man beim Aufsetzen eines Mietvertrages beachten sollte?

sReal:

Auch hier rate ich, sich vertrauensvoll in die Hände eines Fachmannes /einer Fachfrau zu begeben. Gerade das Mietrechtsgesetz ist ein sehr kompliziertes und hier in Eigenregie einen Vertrag aufzusetzen oder von einem privaten Vermieter aufgesetzten Vertrag zu unterfertigen kann fatal enden. Ich rate auch von Mietvertragsformularen ab, die zwar im Regelfall viel beinhalten aber oftmals genau das für die Wohnung Wichtige nicht.

waldviertler.wien:

Neben den preislichen Vorstellungen spielt meistens die Lage der Wohnung eine sehr ausschlaggebende Rolle. Was raten Sie jungen Waldviertlern, die sich in Wien kaum oder wenig auskennen und eine möglichst kurze Anfahrt zu ihrer Arbeits- oder Ausbildungsstelle in Anspruch nehmen wollen?

sReal:

Die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sollte gegeben sein. Hier muss man sich einfach detailliert informieren und die öffentlichen Anbindungen bei der Wohnungssuche beachten.

waldviertler.wien:

Mit Beginn des Wintersemesters kommt wieder neuer Schwung in die Hochschulen und Universitäten. Viele Studierende bemerken dann aber, dass der gewählte Studiengang gar nicht zu ihnen passt oder die Wohngemeinschaft einfach nichts für sie ist. Was raten Sie Studierenden, die kurzfristig aus der bereits bezogenen Wohnung ausziehen müssen?

sReal:

Bei einem überraschendem Auszug, die im Mietvertrag vereinbarte Kündigungszeit beachten (diese ist im Regelfall nach Ablauf eines Jahre mit dreimonatiger Kündigungszeit möglich). Oder einen Nachmieter suchen und diesen dem Vermieter vorstellen, ist er ihm genehm, wird er möglicherweise auf Einhaltung der Kündigungsfrist verzichten. Aber das obliegt natürlich immer dem jeweiligen Vermieter.
Bei der Suche nach der neuen Bleibe, wie gesagt: Angebote am besten täglich studieren und rasch reagieren!

waldviertler.wien:

Viele Studierende wissen, dass es Makler- und Provisionsgebühren gibt und wollen oder können sich diese nicht leisten. Wie können Studierende bei der Wohnungssuche sparen und trotzdem ihre Wunschwohnung finden?

sReal:

Ich denke, dass manche von zu hohen Kosten ausgehen. Die Vermittlungsprovision beträgt bei einer bis zu dreijährigen Mietdauer eine Bruttomonatsmiete (also Miete + Betriebskosten ) zuzüglich 20 % Umsatzsteuer.
Durch gute Beratung und Begleitung kann der Sucher schlussendlich durch einen guten Makler Geld sparen. Bei privater Anmietung kann vieles an versteckten Kosten auf den Mieter zukommen, über die er vorher nicht informiert wurde.

waldviertler.wien:

Wien verändert sich ständig. Es gibt beliebte Bezirke bei jungen Studierenden, die zum einen preislich, aber auch einfach wegen der Verfügbarkeit bedingt sind. Sehen Sie einen Trend in der Immobilienbranche, welche Bezirke Wiens bei Studierenden besonders gut ankommen?

sReal:

Trendige Bezirke entwickeln sich immer wieder neu. Ich lebe selbst nicht in Wien und bin da auch zu wenig Up To Date. Ich weiß, das der 7. und der 9. Bezirk sehr beliebt, deswegen aber auch teuer sind. Aufstrebend ist der 2., ein Geheimtipp mit Entwicklungspotential ist der 20.

waldviertler.wien:

Bekanntlich spielt der Mietpreis der Wohnungen eine der größten Rollen bei der Wohnungssuche. In den Medien hört man immer wieder, dass viele Wohnungen viel zu teuer gemietet werden. Wie kann man sicher gehen, dass man einen angemessenen Preis für die erste eigene Wohnung zahlt?

sReal:

Wieder: durch die Beratung eines seriösen Maklers, der den Markt kennt, die Preise vorab für den Mieter schon verglichen hat und nur marktkonform anbietet.

waldviertler.wien:

Die Nachbarn können in Wien oft zu sehr unangenehmen Hausgenossen werden. Welche rechtlichen Mittel kann man in Anspruch nehmen, wenn man sich über einen Nachbarn beschweren will oder Schwierigkeiten mit Bewohnern des Hauses hat?

sReal:

Hier allgemeine Vergleiche zu ziehen fällt schwer – das kann wohl nur im Einzelfall entschieden werden.

waldviertler.wien:

Oft sind Nebenkosten wie Strom, Miete und Gas nicht im angegebenen Mietpreis enthalten. Die Nebenkosten können so sehr schnell zu unerwarteten Ausgaben führen. Kann man sich auf diesem Gebiet im Vorhinein schlau machen? Gibt es einen Fixkostenpunkt, den man als Mieter einer Wohnung miteinberechnen muss?

sReal

Die Gesamtmiete besteht grundsätzlich aus dem Hauptmietzins und den anteiligen Betriebskosten laut MRG § 21-24 (zB. Müllabfuhr, Kanal, Wasser, Rauchfangkehrer, Lift, Reinigung der Allgemeinflächen, Hausverwaltung …..) zuzüglich 10 % Umsatzsteuer.
Heizung kann über die Betriebskosten abgerechnet werden, wenn eine Hauszentralheizung vorhanden ist (Verbrauch im Regelfall mit Wärmezähler ermittelt). Ist in der Wohnung jedoch zum Beispieö eine eigene Gastherme sind die Kosten mit dem Lieferanten direkt zu verrechnen, ebenso die Kosten der Stromversorgung. Diese Kosten müssen also bei der gesamten monatlichen Belastung noch hinzugerechnet werden. Kosten für Heizung und Strom sind natürlich auch sehr benutzerabhängig, es ergeben sich wesentliche Unterschiede, ob der Bewohner mit offenen Fenstern auf 25 Grad aufheizt oder effizient mit der Heizung umgeht.

waldviertler.wien:

Oft wissen Studierende nicht, ob sie in Wien den Haupt- oder Nebenwohnsitz anmelden sollen. Können Sie unsere Lesern und Leserinnen diesbezüglich Tipps geben? Spielt die Art des Wohnsitzes beim Mietpreis eine Rolle?

sReal:

Es gibt geförderte Wohnungen, in denen die Meldung des Hauptwohnsitzes vorgegeben ist. Ansonsten ist die Überlegung Haupt- oder Nebenwohnsitz eher von andern Kriterien abhängig, zum Beispiel Parkpickerl, Jahresnetzkarte und dergleichen.

waldviertler.wien:

Haben Sie grundsätzliche Tipps für Wohnungssuchende? Gibt es eine „Checkliste“, die man beim Besichtigen der Wohnung abarbeiten sollte? Was ist wichtig? Was sollte man beachten?

sReal:

Es gibt keine fertige Checkliste und ich bin auch der Meinung, dass es keinen Sinn gibt, weil jeder Mensch andere Anforderungen an das persönliche Wohnen hat und das nur im Einzelfall abgeklärt werden kann. Besser man erstellt sich selbst eine Checkliste, die beinhaltet, was man sich leisten kann, wie man wohnen will und nimmt diese zur Besichtigung mit und gibt Wohnung Pro und Contra an. Schlussendlich stellt man die besichtigten Wohnungen und deren Pros und Contras gegenüber und trifft mit einer gewissen Kompromissbereitschaft die Entscheidung.

waldviertler.wien:

Danke, dass Sie sich für uns Zeit genommen und uns mit vielen Informationen versorgt haben!

 
 

veröffentlicht von sophie

29. August 2016

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