Raus aus dem Mietzins-Chaos in Wiener Altbauwohnungen

WOHNEN & VERKEHR

veröffentlicht von stefanie

10. September 2017

WOHNEN & VERKEHR

Deine Miete kommt dir etwas hoch vor? Dann mach den Check und errechne dir deinen Mietzins. Hier erfährst du, wie du das am besten angehst.

Stell dir vor, du wohnst in einer wunderschönen Altbauwohnung mit hohen Räumen und Flügeltüren. Etwas nervig ist vielleicht, dass es keinen Aufzug im Gebäude gibt, aber das macht es doch auch irgendwie nostalgisch-romantisch. Halt! Stopp! Das kommt dir alles sehr bekannt vor und gar nicht nach einer Fantasie? Und das einzige, was dich wirklich belastet, ist die enorm hohe Miete, die du jetzt zahlen musst. Das waren ja noch Zeiten, als du im Waldviertel bei deinen Eltern gewohnt hast – entweder in einem eigenen Haus oder in einer Wohnung, um deren Miete sich eh die Eltern gekümmert haben. Doch das ist jetzt vorbei – jetzt musst du selbst dafür aufkommen – oder kannst dir zumindest von deinen Eltern anhören, wie teuer nicht die Miete für deine Wohnung ist. Gerade in Altbauwohnungen kann es sich auszahlen, doch mal zu checken, ob dein Mietzins nicht doch etwas zu hoch ist.

Was ist überhaupt ein Mietzins?

Alle Wohnungen, die vor dem Jahr 1945 (Eigentumswohnungen) bzw. vor. 1953 (Mietwohnungshäuser) errichtet worden sind, unterliegen dem vollen Anwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes und damit dem Richtwertmietzins. Dabei wird die maximale Höhe der Miete geregelt. Dieser Richtwertmietzins ist in allen Bundesländern unterschiedlich hoch. In Wien beträgt er momentan 5,58 €/m² und wird alle zwei Jahre erhöht. Die letzte Erhöhung fand am 1.4.2017 statt, also ist die nächste 2019 fällig.

Zuschläge zum Mietzins

Wenn du in einer Altbauwohnung eingemietet bist, darf dein Vermieter in gewissen Fällen Zuschläge zum Mietzins verrechnen. Das wären einmal die Lage der Wohnung innerhalb des Hauses, die Ausstattung der Wohnung, der Erhaltungszustand des Hauses und auch die Wohnumgebung. Bei letzterem werden für Wohnungen im ersten Bezirk die meisten Zuschläge verrechnet. Es gibt aber nicht nur Zuschläge, sondern auch Abschläge, wenn zum Beispiel Badezimmer und WC nicht getrennt sind. Im Gesetz ist das leider mit den Zu- und Abschlägen nicht wirklich genau geregelt Viele Vermieter sind daher sehr kreativ, wenn sie Zuschläge „erfinden“, bei den Abschlägen dann aber nicht so erfinderisch sind. Also, wenn dir etwas merkwürdig vorkommt, dann wende dich am besten an die Mietervereinigung.

Was mache ich als Mieter?

Wenn du gerne checken möchtest, ob dir ein zu hoher Mietzins berechnet wird, dann kannst du das ganz einfach online überprüfen – entweder über den Mietenrechner der Mietervereinigung oder über den Mietenrechner auf der Seite der MA 25.

Mietenrechner der Mietervereinigung

Im Online-Formular gibst du einfach die Eckdaten zu deiner Wohnung, wie Wohnungsgröße, die Art des Mietvertrages, das Stockwerk, in dem deine Wohnung liegt und die Wohnungskategorie an. Hierzu ein kleiner Exkurs, wie du die Wohnungskategorie deiner Wohnung herausfindest. Wiener Wohnungen werden in die Kategorien A, B, C und D eingeteilt. Im Anschluss findest du eine Übersicht und kannst damit herausfinden, zu welcher Kategorie deine Wohnung zuzuordnen ist.

Wohnungskategorie A:
–>
Brauchbarer Zustand
–>Mindestens 30 Quadratmeter Nutzfläche
–>Zimmer
–>Küche oder Kochnische, mindestens bestehend aus Spüle und Kochplatte
–>Vorraum
–>keramisch verfliestes Badezimmer oder Badenische mit Dusche oder Badewanne und Entlüftung ins Freie
–>WC
–>Wärmeversorgungsanlage, Etagenheizung oder gleichwertige stationäre Heizung
–>Warmwasseranschluss

Wohnungskategorie B:
–>
Brauchbarer Zustand
–>Dusche oder Badewanne in einem abgegrenzten Bereich
–>Zimmer
–>Küche oder Kochnische
–>Vorraum
–>WC

Wohnungskategorie C:
–>
Brauchbarer Zustand
–>Wasseranschluss
–>WC im Wohnungsinneren

Wohnungskategorie D:
–>
Wasseranschluss oder WC im Wohnungsinneren fehlen
–>Wasseranschluss oder WC im Wohnungsinneren sind in unbrauchbarem Zustand

Dann machst du noch die Häkchen bei den Zu-und Abschlägen und berechnest deine maximale Miete. Solltest du aber mehr zahlen, kannst du dich dann direkt an die Mietervereinigung wenden und du wirst beim Zurückfordern deiner zu viel bezahlten Miete unterstützt.

Rechner Mietervereinigung

So sieht das Formular des Online-Mietenrechners der Mietervereinigung aus

Mietenrechner der MA 25

Die MA 25 der Stadt Wien ist für so ziemlich alles zuständig, was es im Zusammenhang mit Wohnhäusern zu überprüfen gibt. Das heißt, sie ist auch eine zentrale Anlaufstelle für dich, wenn du deinen Mietzins überprüfen willst. Auch hier kannst du das ganz einfach mithilfe eines Online-Formulars tun. Dort gibst du einfach wieder einige Eckdaten zu deiner Wohnung ein und deine maximale Miete wird dir ausgerechnet. Wie du ja jetzt schon weißt, führt dein Weg – sollte deine bezahlte Miete zu hoch sein – zur Mietervereinigung oder auch in die Servicestellen der MA 50 (Schlichtungsstelle für Wohnangelegenheiten). Da kann dir weitergeholfen werden.

Mietenrechner GV

Sehr ähnlich ist auch das Online-Formular der MA 25

Überprüfung des Mietzins mithilfe von Privatplattformen

Wenn du selbst so gut wie keine Arbeit mit einem etwaigen Verfahren zur Durchsetzung der Minderung des Mietzins haben möchtest, dann kannst du dich auch an die Plattformen „mieterunter.at“, „mietheld.at“ oder „mietenchecker.at“ wenden. Hier gibst du deine Daten, wie auch beim Magistrat und der Mietervereinigung, in ein Online-Formular ein und schickst dieses dann ab. Der Vorteil ist, dass du dich weder um Anwälte, noch um die Bürokratie kümmern musst – das wird alles für dich erledigt. Sollte das Verfahren erfolgreich sein, musst du allerdings einen gewissen Teil des Geldes an die Plattform abgeben. Meist sind das so um die 30%. Geht das Verfahren negativ aus, musst du aber keinerlei Anwalts- oder Gerichtskosten übernehmen. Das heißt, dein Risiko ist gleich null.

Also kannst du dich entscheiden, ob du  auf „Nummer Sicher“ gehst und lieber alles für dich erledigen lässt, dafür aber Geld abgeben musst oder ob du dich zwar auf eine Mieterschutzvereinigung stützt, das Risiko aber dennoch bei dir liegt falls das Verfahren negativ ausgeht. Der Vorteil ist eben, dass der volle Betrag, den du zurückbekommst bei dir bleibt.

Diese Überprüfung und Zurückforderung von zu viel bezahlter Miete ist übrigens bei unbefristeten Mietverträgen bis zu drei Jahren nach Abschluss des Mietvertrages möglich und bei befristeten Verträgen bis zu sechs Monaten nach Auflösung des Mietverhältnisses. Wenn du dir jetzt vorstellst, dass du längere Zeit in einer Altbauwohnung gewohnt und zu viel Miete gezahlt hast, muss dir der Vermieter die Differenz unter Umständen für mehrere Jahre zurückzahlen, weil die Verjährungsfrist bei zehn Jahren liegt.

Wenn du also einmal ein paar Minuten Zeit hast und in einer Altbauwohnung lebst, dann klick dich doch durch einen Mietzinsrechner. Es dauert nicht lange und könnte dir Bares bringen.

 
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von benji

10. September 2017

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