Radfahren in Wien: Ein Guide

Foto: Alisa Anton / Unsplash
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veröffentlicht von david

16. Juni 2020

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Radfahren ist eines der schönsten Dinge der Welt – auch in Wien. Ein paar Dinge gibt es inmitten des Stadtverkehrs allerdings zu beachten.

Irgendwo in Wien um acht Uhr früh. Du steigst auf dein Fahrrad, um rechtzeitig zu deiner 8.30 Vorlesung zu kommen. Der kühle Fahrtwind hilft beim Wachwerden. Links fährt ein Auto vorbei, in 100 Meter wartet eine Ampel. Der Versuch, sie noch in der Grünphase zu erreichen, schlägt knapp fehl. Dafür beginnt eine Kreuzung weiter bereits der Radweg. Es dauert keine 15 Minuten, dann bist du beim Institutsgebäude angelangt – wach und bereit für den Tag.

Radfahren in Wien ist gar nicht so kompliziert. Es lohnt sich. Zeitlich, gesundheitlich, mental. Die unmittelbare Fortbewegung, angetrieben von den eigenen Muskeln und die kleine Einheit Sport bei jeder Ausfahrt halten in jeder Hinsicht fit. Natürlich hat ein Fahrrad in Wien einen viel pragmatischeren Charakter als etwa im Waldviertel. Schließlich will man in der Stadt ja meist ein konkretes Ziel – die Uni oder den Arbeitsplatz – erreichen. Und in Sachen Erholung wäre es geradezu unfair, die urbanen Straßen Wiens mit den erholsamen Waldwegen des Waldviertels zu vergleichen. Aber: Radfahren hat auch in Wien unzählige Vorteile.

Doch wo anfangen, wenn man in Wien mit dem Rad unterwegs sein will? Wie muss mein Fahrrad ausgestattet sein und auf was gilt es sonst noch zu achten? Damit du dich nicht bereits der Suche nach Informationen verirrst, hier ein kleiner Guide, was es beim Radfahren in Wien alles zu beachten gibt.

Das vielleicht beste Verkehrsmittel der Welt

Bevor wir uns in die Tiefen der Fahrradschluchten begeben, kurz ein paar Worte dazu, warum es sich – abgesehen davon, dass es zumeist großen Spaß macht – überhaupt auszahlt, Fahrrad zu fahren. Denn ein gutes Fahrrad ist das vielleicht beste Verkehrsmittel für Großstädte wie Wien – aus drei Gründen:

  1. Insbesondere auf kürzere Distanzen ist ein Fahrrad die schnellste Fortbewegungsmethode. Die Wiener Öffis sind meistens toll und sehr zuverlässig, aber ein Fahrrad hat nun einmal keine Wartezeiten oder zusätzliche Fußwege. Man fährt direkt von A nach B.
  2. Darüber hinaus verursacht ein Fahrrad überhaupt keine CO2-Emissionen. Null. Währenddessen verbrauchen die Öffis in Wien laut dem Mobilitätsreport Wien 2019 im Schnitt 161 Gramm CO2 pro Wegstrecke in Wien. Bei einem Auto sind es sogar 900 Gramm. Ebenso braucht ein Fahrrad viel weniger Platz. Auf einem Autoparkplatz können bis zu acht Fahrräder untergebracht werden. 
  3. Und drittens ist Radfahren einfach enorm gesund. Es ist Sport, der sich nahezu nahtlos in den Alltag integriert. Der Trainingseffekt, der dadurch entsteht, stärkt nicht nur die Muskulatur und Herzleistung, sondern trägt auch buchstäblich zum Wachstum des Gehirns bei. Außerdem wirkt sich Radfahren positiv auf das mentale Wohlbefinden aus und stärkt das Selbstbewusstsein.

Genügend Argumente für mehr Radfahren gibt es also allemal. 

Radfahrer auf der Straße

Foto: Nomadic Julien / Unsplash

Was du alles brauchst

Kommen wir zum praktischen Teil. Du möchtest dein Radfahr-Abenteuer in Wien beginnen? Dafür brauchst du erst einmal folgendes:

1. Ein Fahrrad

Logischerweise benötigst du allen voran ein Fahrrad. Da sind die Möglichkeiten ganz schön vielfältig. Für die Anfänge der Anfänge empfiehlt es sich, den Gedanken eines eigenen Fahrrads vorerst zu vergessen und stattdessen auf die City Bikes der Stadt Wien zurückzugreifen. Die können an den unzähligen City Bike Stationen, die sich über die gesamte Stadt verteilen, kostenlos ausgeliehen werden und geben dir Spielraum, um herauszufinden, ob du Radfahren in Wien wirklich magst.

Wenn du nach einiger Zeit davon überzeugt bist, dass du gerne ein eigenes Fahrrad hättest, beginnt Phase zwei: Die Suche nach dem geeigneten Rad. Der ein oder andere Fahrrad-Enthusiast hat an diesem Punkt sicher schon eine genaue Vorstellung, was er möchte. In so einem Fall, soll dich nichts davon abhalten, dein Wunsch-Fahrrad zu kaufen. Für alle anderen, speziell für Studenten, empfiehlt sich jedoch ein simples, gebrauchtes Citybike – beispielsweise vom monatlichen Fahrradflohmarkt im WUK. Wer nicht nach Perfektion sondern Pragmatik sucht, findet dort ein schönes Fahrrad zum günstigen Preis. 

Damit du bei deiner Suche nicht völlig planlos dastehst, hier die Basics eines straßentauglichen Fahrrads:

  1. zwei voneinander unabhängige, gut funktionierende Bremsen 
  2. ein weißes Vorderlicht und ein rotes Rücklicht
  3. eine funktionstüchtige Klingel
  4. ein weißer Vorderreflektor und ein roter Rückreflektor mit einer Größe von mindestens 20 Quadratzentimeter 
  5. Pedalrückstrahler an den Vorder- und Hinterseiten der Pedale
  6. Speichen- oder Reflektorstreifen (Katzenaugen)

Die meisten Citybikes haben diese Dinge ohnehin. Bei einem Mountainbike oder Rennrad wiederum sind eventuell einige Nachbesserungen nötig. Außerdem: Achte beim Kauf deines Fahrrads auch auf den Wartungsaufwand. Lassen sich die Reifen mit einer handelsüblichen Luftpumpe aufpumpen? Brauchst du spezielles Werkzeug zur Instandhaltung? Ein wachsames Auge kann hier böse Überraschungen vorbeugen.

2. Helm und Schloss

Wer in Wien mit dem Fahrrad fährt, für den ist ein Fahrradhelm ein absolutes Muss – ohne Wenn und Aber. Denn trotz vieler Radwege ist man als Radfahrer immer noch der Schwächere auf der Straße. Lege dir daher einen Helm zu, der dir gut passt und den du gerne trägst, am besten im Fachhandel. Denn nur dann bringt er etwas.

Zweitens benötigst du als Radfahrer in Wien unbedingt ein Schloss. Zwar ist die Rate an Fahrraddiebstählen in Wien seit Jahren rückläufig, jedoch bleiben 90 % dieser gestohlenen Räder für immer verschwunden. Und nichts ist bitterer, als eines Tages festzustellen, dass das Fahrrad weg ist. Umso wichtiger ist es daher, das Rad gut abzusichern, auch im Hof oder Keller des eigenen Wohnhauses. Am besten dafür ist ein solides Bügelschloss oder eine Panzerkette. Diese dünnen Drahtschlösser, die es überall zu kaufen gibt, bieten hingegen herzlich wenig Schutz. Auch dafür empfiehlt sich ein Gang zum Fahrrad-Fachhändler des Vertrauens.

Foto: Roman Koester / Unsplash

Verhalten im Straßenverkehr

Du hast es also auf die Straße geschafft. Nun folgt die nächste Herausforderung – das Navigieren inmitten des Stadtverkehrs. Das ist zu Beginn etwas ungewohnt und angsteinflößend. Nach kurzer Zeit gewöhnt man sich jedoch daran, ständig von Autos umgeben zu sein. Im Prinzip ist es wie Autofahren, bloß, dass der fahrbare Untersatz nicht von Benzin oder Diesel, sondern von Muskeln angetrieben wird. Und dank der insgesamt 1.431 Kilometer Radweg in Wien kann man den Autos oft auch sehr einfach ausweichen. Um jetzt nicht die gesamte Straßenverkehrsordnung zu predigen, hier die wichtigsten Tipps und Regeln für das Radfahren in Wien stichpunktartig zusammengefasst:

  1. Fahre, wo immer möglich, auf einem Radweg. Allgemein gilt: Wenn ein Radweg vorhanden ist, muss dieser auch benutzt werden. 
  2. Gib beim Abbiegen immer eindeutige Handzeichen.
  3. Fahre selbstbewusst, defensiv und vorausschauend.
  4. Halte genügend Seitenabstand zu parkenden Autos.
  5. Vermeide sämtliche hastige Manöver.
  6. Pass’ auf die Straßenbahnschienen auf (ernsthaft, die sind verdammt tückisch). Überfahre sie wenn möglich in einem spitzen Winkel (also quer) und nie in Fahrtrichtung.
  7. Fahre ruhig und lass’ dich nicht von einem Autofahrer einschüchtern. Die Straße gehört auch den Radfahrern.
  8. Sofern ein entsprechendes Verkehrszeichen es zulässt, darf man mit dem Rad oft gegen die Einbahn fahren.
  9. Auf Radfahrüberfahrten haben Radfahrer Vorrang gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern.
  10. Radfahrüberfahrten und ungeregelten Kreuzungen dürfen sich Radfahrer mit maximal 10 km/h nähern.

Um schon im Vorhinein eine geeignete und stressfreie Radroute zu finden, eignet sich der Routenplaner der Infoplattform Fahrrad Wien sehr gut. Überhaupt ist Planung beim Radfahren in Wien das A und O. Denn Wien ist riesig. Von einem Stadtrand zum anderen sind es 30 Kilometer. Bei Regen oder nach einem langen Abend ist es deshalb manchmal auch sinnvoll, das Rad mit den Öffis nach Hause zu transportieren. Aber Achtung: Die Mitnahme eines Fahrrads ist nur in den U-Bahnen erlaubt, nicht in Straßenbahnen oder Autobussen. Und damit nicht jeder zur Stoßzeit mit seinem Rad in die volle U-Bahn prescht, gibt es einige Regeln. An Werktagen ist der Transport eines Fahrrads nur zwischen 9 und 15 Uhr sowie ab 18.30 Uhr erlaubt. An Samstagen, Sonntagen und Feiertagen ist es ganztägig erlaubt. Zusätzliche Kosten entstehen dadurch keine.

Come to the bike side

Radfahren macht das Leben in Wien um ein ganzes Stück angenehmer. Angemerkt sei aber, dass dieser Guide die Basics der Basics abdeckt und Radfahren an sich eine Wissenschaft ist. Angefangen vom Fahrrad bis hin zur Kleidung ließen sich unzählige Aspekte des täglichen „Commutes“ bis ins Detail perfektionieren. Um fit zu bleiben, ein Stück nachhaltiger zu leben und Wien als Stadt besser kennenzulernen, braucht es jedoch nichts weiter als ein Rad, einen Helm und eine Idee, wo es hingehen soll.

Speziell die kommenden Sommermonate eignen sich perfekt, um sich an das Radfahren in Wien etwas heranzutasten, ebenso wie an kühlere Temperaturen und dunklere Abende. Für weitere Informationen sei an dieser Stelle auf die Radfahr-Fibel der Infoplattform Fahrrad Wien verwiesen. Sie bietet einen breiten Einblick, was beim Radfahren in Wien wichtig ist. Ansonsten gilt die Devise: Einfach einmal loslegen. Vielleicht mit einer Fahrt zur Uni, zur Arbeit oder zum Café des Vertrauens. Es zahlt sich aus. Versprochen.

 
 

veröffentlicht von sebastian

16. Juni 2020

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