Baum-Kraft! Zirbenholz und seine Vorteile

Eine Zirbe auf einer Alm in Kärnten. Foto: Wikimedia Commons / Christian Pirkl
WOHNEN & VERKEHR

veröffentlicht von david

3. Dezember 2020

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Du verbindest „Zirbe“ nur mit „Zirbenschnaps“? Zu kurz gedacht! Zirbenholz gilt als regelrechtes Spezial-Holz. Warum, das erfährst du hier.

Es ist hell, hat meist ein paar Flecken und duftet unverkennbar nach Gras mit einer leichten Note Vanille: Die Rede ist von Zirbenholz – ein Holz, das seit einigen Jahren einen regelrechten Hype erlebt. Dass eine Baumart Aufsehen erregt, kommt nicht alle Tage vor. Grund dafür sind die gesundheitsfördernden Wirkungen, die dem Holz nachgesagt werden. So beinhaltet es etwa antibakterielle Wirkstoffe und sein Öl wirkt entzündungshemmend. Außerdem schläft man laut einschlägiger Forschung in einem Zirbenbett besser als in einem normalen Holzbett. „Zirbe zählt zu den angenehmsten Hölzern, sowohl bei der Verarbeitung als auch bei den Kunden und wurde in den letzten Jahren wiederentdeckt. Früher fand man Zirbe in den ‚Zirbenstub’n‘ oft in rustikaler Optik in Gasthäusern oder auch Einfamilienhäusern in den westlichen Bundesländern“, meint Franz Bittermann, Tischlermeister bei waldviertler.wien-Partner HARTL HAUS.

Warum dich das jetzt gerade als Waldviertler in Wien interessieren sollte? Du wirst dir vielleicht kein neues Bett nur wegen des Holzes kaufen. Aber wenn du das nächste Mal auf einem Markt unterwegs bist und Dinge wie Zirbenkissen oder Zirbenöl siehst, weißt du direkt, was du damit machen kannst. Teilweise sind diese Produkte wirklich sinnvoll. Ganz abgesehen davon, dass du so direkt sämtliche Waldkenntnisse zur Schau stellen kannst – denn mit Holz kennen wir uns ja schon immer aus.

1. Was ist Zirbenholz?

Bevor wir zu den Details und der Nutzung des Zirben-Baumes kommen, zuerst zur wohl wichtigsten Frage: Was ist Zirbenholz überhaupt? Die Zirbe ist ein Nadelbaum, genaugenommen eine Kieferart, die in den (Hoch-)Alpen und Karpaten wächst. Offiziell heißt sie Zirbelkiefer, in Österreich und Bayern ist die Bezeichnung „Zirbe“ oder „Zirm“ aber wesentlich üblicher. Am häufigsten findet man die Zirbe zwischen 1.500 und 2.000 Höhenmeter. Sie gilt als der frostresistenteste Baum der Alpen. Kältewellen von bis zu -43 Grad Celsius sind überhaupt kein Problem für einen Zirbenbaum. Übermäßig groß wird er dafür nicht: 25 Meter – so hoch reicht eine ausgewachsene Zirbe. Zum Vergleich: Eine Fichte kann zwischen 50 und 60 Meter hoch werden. Dafür werden Zirben aber bis zu 1.000 Jahre alt (Fichten nur bis zu 600 Jahre).

Bis Zirben herangewachsen sind – und ihre typisch knorrige Silhouette gebildet haben –, dauert es allerdings eine ganze Weile. Nach zehn Jahren ist ein Zirbenbaum gerade einmal zehn Zentimeter hoch. Im Laufe der Zeit bilden Zirben jedoch viele Verzweigungen und wachsen auch in die Breite, wodurch einige Exemplare fast wie kleine Tempel der Berge aussehen. Die älteste bekannte Zirbe steht übrigens in der kleinen Schweizer Gemeinde Celeria. Sie ist rund 1.200 Jahre alt.

700 Jahre alte Zirbe

Eine 700 Jahre alte Zirbe in Tirol. Foto: Wikimedia Commons / Hornlz

2. Gesundheits-Hack: Die Eigenschaften der Zirbe

Zu wissen, wie der Baum aussieht, ist schon einmal gut und schön – doch was bringt das Holz nun? Was macht es außergewöhnlicher als zum Beispiel Fichten- oder Tannenholz? Um das zu verstehen, sollte man die Forschung betrachten.

2003 führte das Joanneum Institut im steirischen Weiz eine Studie durch, die die Vorteile von Schlaf in einem Zirbenholzbett untersuchen sollte. Die Ergebnisse waren eindeutig. So eindeutig, dass sie selbst den  damaligen Institutsleiter Maximilian Moser überraschten. „Wir haben gesagt, dass wir keine Wirkungsgarantie geben können und waren eigentlich selbst von den Ergebnissen überrascht“, meint Moser gegenüber dem Lifestylemagazin Biorama. Im Zuge der Studie ließ man 15 Probanden sechs Nächte lang in einem Bett aus Zirbenholz oder in einem normalen Bett schlafen. Wenn die Teilnehmer im Zirben-Bett schliefen, senkte sich ihr Puls um durchschnittlich neun Schläge pro Minute beziehungsweise 3.500 Herzschläge pro Tag. Das entspricht der Herzarbeit von etwas unter einer Stunde. Kurzum: Die Zirbenholz-Betten (und auch andere Möbel) wirkten offensichtlich beruhigend.

Abgesehen davon enthält Zirbenholz einige antibakterielle und pilzbekämpfende Wirkstoffe. Allen voran zählt dazu die Substanz Pinosylvin, die in Holz, Rinde, Nadeln und Knospen vorkommt. Sie schützt den Baum vor Fäulnis und wirkt desinfizierend. Außerdem können die ätherischen Öle im Zirbenholz Entzündungen lindern. Schon allein der Duft dieser Öle löst gewisse (meist positive) Reaktionen im Gehirn aus.

verarbeitetes Zirbenholz

Dafür, dass es so unscheinbar aussieht, verbirgt sich in Zirbenholz ganz schön viel. Foto: flickr / Bad_Kleinkirchheim

„Der Trend zur Zirbe hat vor allem dank der gesundheitsfördernden Wirkung zur steigenden Beliebtheit geführt. Gerade in Schlafzimmern und Ruheräumen ist dieses Holz bestens geeignet“, sagt Tischlermeister Franz Bittermann von HARTL HAUS. Die Zirbe sorgte in der bayrischen Landeshauptstadt München im Übrigen sogar für einen Skandal. Beim Bau der Staatskanzlei ließ der damalige Ministerpräsident kurzfristig eine „Zirbelstube“ für entspannte Gesprächsrunden einarbeiten – mit erheblichen Kosten. Der öffentliche Aufschrei war groß. Aber: An der Intention ist durchaus etwas dran. Im Zuge der Studie des Joanneum Instituts konnte nachgewiesen werden, dass Personen in Räumen mit Elementen aus Zirbenholz extrovertierter agieren. 

3. Und jetzt? Anwendungsfälle!

Damit Zirbenholz etwas bringt, muss man es natürlich auch verarbeiten. Welche Möglichkeiten es gibt, von der Zirbe zu profitieren, haben wir deshalb kurz zusammengefasst.

Möbel

Das Zirbenholz zu Möbel zu verarbeiten, liegt auf der Hand. Vor allem für Betten, Schlafzimmer und Holztäfelungen eignet sich die Zirbe hervorragend. Und durch die ätherischen Öle sehen die Möbelstücke nicht nur gut aus, sondern duften auch immerzu. Dafür sind Zirbenmöbel meist etwas teurer als vergleichbares Mobiliar aus anderem Holz. Tischlermeister Franz Bittermann von HARTL HAUS kennt die besten Gestaltungstipps für Möbel aus Zirbe: „Moderne und kreative Planungen in Kombination mit anderen Werkstoffen wie Leder, Stoff, Glas, Stein, Edelstahl usw. zeigen die moderne Seite dieses Holzes. Individuelle Beleuchtungsszenarien lassen die Zirbe zusätzlich strahlen.“

Kissen

Schon im 18. Jahrhundert wurden Extrakte der Zirbe als Heilmittel verwendet. Über die Jahrzehnte begann man daher Zirbenkissen oder Zirbenrollen herzustellen – mit gehobelten Zirbenspänen als Füllmaterial. Aus den Spänen strömt über lange Zeit der Duft der enthaltenen ätherischen Öle, der für einen tiefen und gesunden Schlaf sorgen sollen.

Öl

Aus Zirbenholz lässt sich Zirbenöl gewinnen. Das riecht nicht nur richtig gut, sondern wurde in der Vergangenheit immer wieder als Hausmittel bei Erkältungen verwendet. Wie andere ätherische Öle fördert das Inhalieren von Zirbenöl nämlich eine vertiefte Atmung. Außerdem soll es schmerzlindernd und schleimlösend wirken.

Samen

Fast alle Teile der Zirbe lassen sich irgendwie verarbeiten – so auch die Samen. Diese können zum Backen verwendet werden und sind überaus nahrhaft. Sie bestehen zu 70 % aus ungesättigten Fettsäuren und zu 20 % aus Eiweiß.

Zirbenkerne und ein Euro Münze

Circa halb so groß wie eine 1-€-Münze sind die Zirbenkerne. Foto: Wikimedia Commons / F Ceragioli

Schnaps

Zirbenschnaps ist vielleicht jene Form der Zirbe, mit der schon die meisten in Kontakt gekommen sind. Dabei werden Zirbenzapfen gemeinsam mit Schnaps über mehrere Wochen eingelegt – und das, was herauskommt, ist der uns bekannte Zirbenschnaps. Er gilt als (beliebtes) Genussmittel und soll gegen Übelkeit helfen. Eine alkoholfreie Alternative ist Zirbenzapfenhonig, wofür die Zapfen durch Honig gezogen werden.

Mehr als „nur“ Holz

Was lernen wir daraus? Zirbenholz ist viel mehr als ein irgendein x-beliebiges Holz. Sein Dasein und sein Geruch wirken sich positiv auf unsere Gesundheit aus – das ist wissenschaftlich bewiesen. Außerdem schmecken Zirbenprodukte auch noch gut (sofern man nicht versucht, das Holz zu essen). Falls du auf der Suche nach dem ultimativen Schlaferlebnis bist, dann könnte ebenso ein Zirbenbett das Bett deiner Wahl sein (vielleicht sogar in einem zukünftigen Haus von HARTL HAUS).

Auch HARTL HAUS-Tischlermeister Franz Bittermann zieht ein positives Fazit von seiner Arbeit mit Zirbenholz: „Als Tischler freut es mich und meine Mitarbeiter besonders, dass immer mehr Zirbe nachgefragt wird. Der unverkennbare und angenehme Duft verzaubert auch regelmäßig unsere Werkstatt.“

Tischlermeister Franz Bittermann von Hartl Haus

Für Tischlermeister Franz Bittermann ist die Arbeit mit der Zirbe jedes Mal ein Vergnügen. Foto: HARTL HAUS

Übrigens: Seit bekannt ist, dass sich Zirbenholz positiv auf den Schlaf auswirkt, ist der Preis des Holzes regelrecht explodiert. 2003 kostete ein Festmeter Zirbenholz 100 Euro, heute kommt es heute auf 450 Euro oder mehr. Somit ist die Zirbe nicht nur eine allgemein spannende Baumart, sondern dient so manchem Forstwirt wohl fast schon als Wertanlage.

 
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von sebastian

3. Dezember 2020

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