Von Wiens kürzester U-Bahnlinie

Typisch orange. /// blog.wienerlinien.at
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veröffentlicht von sebastian

7. Mai 2019

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Die U3 ist die kürzeste der Wiener U-Bahnlinien, das macht sie jedoch keinesfalls weniger wichtig. Wir haben genau hingeschaut und dir einen Überblick über die Möglichkeiten, die dir die U3 bietet, gegeben.

Um unsere Serie der Wiener U-Bahn nun zu vollenden, fehlt eigentlich nur noch eine Linie: nämlich die U3. Zwar mag sie die kürzeste aller U-Bahnlinien unserer Bundeshauptstadt sein, gleichzeitig wird sie aber laut Fahrgastzahlen am häufigsten benutzt. Durch die geschickte Linienführung kommt man relativ schnell von West nach Ost, und auch von Ost nach West. Warum sie so vorteilhaft für die Wiener Gesellschaft, aber auch für uns WaldviertlerInnen ist, zeigen wir dir jetzt!

Ganz kurz noch ein bisschen Geschichte

Es war schon relativ früh klar, dass es die U3 einmal geben wird. Bereits in den 1960er Jahren waren die Planungen in vollem Gange. Baubeginn war dann letztendlich in den 1980er Jahren und das erste Teilstück, welches damals vom Volkstheater bis nach Erdberg reichte, wurde am 6. April 1991 eröffnet. Damit ist die U3 gleichzeitig auch die jüngste U-Bahnlinie Wiens. Zwei Jahre später verlängerte man die U3 dann bis zum Westbahnhof, ab 1994 hieß die Endstation im Westen dann Johnstraße und ab 1998, also erst vier Jahre später, konnte man bis zur heutigen Endstation Ottakring fahren. Zur Jahrtausendwende erreichte die U3 dann mit der östlichen Erweiterung ihre heutige Länge und fährt seit jeher bis nach Simmering.

Die U3 ist die einzige Linie, für die es bis dato keine Erweiterungspläne gibt: Sie scheint also perfekt. Die Stadt Wien schwärmt dennoch von einer U3, die über den Zentralfriedhof im Osten bis nach Kaiserebersdorf hinaus reichen soll – geplant ist aber nichts. Eine weitere Besonderheit stellen die Stationen Stubentor, Stephansplatz, Neubaugasse und Zieglergasse dar: Bei ihnen liegen die Bahnsteige nämlich nicht nebeneinander, sondern übereinander. Wenn du Richtung Ottakring fahren willst, musst du ca. 18 Meter in die Tiefe gehen, Richtung Simmering sind es lediglich 12 Meter. Einige Stationen sind unter anderem von Künstlern wie Anton Lehmden oder Oswald Oberhuber gestaltet worden, beispielsweise die Station Volkstheater.

Chronologisch von West nach Ost

Von Ost nach West – von West nach Ost. /// www.wikipedia.org

Obwohl die U3 die kürzeste Linie von allen ist, kann ich nicht über jede Station schreiben – wenn ich etwas Wichtiges vergessen habe, dann lasst es uns auf jeden Fall wissen.

…Im 16. Wiener Gemeindebezirk…

Hier befindet sich die westliche Endstation Ottakring. Recht viel brauche ich euch da nicht erzählen, denn hier befindet sich das Herz aller Ottakringer Bierliebhaber. Für die Gestaltung der Station ist niemand geringerer als Otto Wagner verantwortlich. Bereits bei den Linien U4 und U6 hat er auch ordentlich mitgemischt – er hat sich einfach in der ganzen Stadt verewigt. Unweit davon entfernt findest du außerdem das Wilhelminenspital und den Ottakringer Friedhof.

…Im 14. Wiener Gemeindebezirk…

Weiter geht’s mit der Station Hütteldorfer Straße, die mit ihrem typischen und unverkennbaren Design glänzt. Das sogenannte U-BauAlphabet hat hier seinen Platz gefunden. Es handelt sich hierbei um exakt 39, senkrechte Streifen, auf denen typische Begriffe des U-Bahnbaus angebracht wurden. Dieses Spektakel ist nur vom Eingang der Station aus sichtbar, vom Ausgang her bleibt es verborgen. Idee und Umsetzung stammt von der Firma Fuhs aus Schrems – also typisch waldviertlerisch!

Vielleicht könnt ihr euch so etwas darunter vorstellen: U-BauAlphabet in der Hütteldorfer Straße

…Im 15. Wiener Gemeindebezirk

Es geht ruckzuck und wir fahren hier einige Bezirke ab. Jetzt befinden wir uns in der Station Johnstraße. Nicht weit entfernt befindet sich die Schmelz, die zumindest jedem Sportstudenten und jeder Sportstudentin ein Begriff sein sollte. Sehenswert ist hier auf alle Fälle auch der Meiselmarkt, die Wasserwelt auf dem Kardinal-Rauscher-Platz und die Einkaufsmeile in der Hütteldorfer Straße. Diverse Wandbilder vom Grafiker Michael Schneider machen auch diese Station zu einem einzigartigen Kunstwerk.

…Im 7. Wiener Gemeindebezirk

Die Station Westbahnhof stellt eine direkte Verbindung in die Innenstadt dar. Hier befindet sich mit der U6 und einigen Straßenbahnlinien ein regionales Drehkreuz der Wiener Linien und des Bahnverkehrs. Fernzüge verkehren schon seit einiger Zeit nicht mehr über den Westbahnhof, sondern über den Bahnhof Wien Meidling. 2011 wurde ein unterirdisches Einkaufszentrum namens BahnhofCity Wien West fertiggestellt und durch den direkten Zugang zur Inneren Mariahilferstraße zählt die Station zu einer der am stärksten frequentierten Station im Wiener U-Bahnnetz.

Die Halle des Wiener Westbahnhofs wurde 2012 und 2013 zum schönsten Bahnhofsgebäude Österreichs gekürt. /// www.wikipedia.org

Die Stationen Zieglergasse und Neubaugasse sind natürlich allen ein Begriff. Steigt man hier aus, befindet man sich mitten auf der berühmten Mariahilferstraße. Wichtig zu nennen ist jedoch auch der Zugang zum Haus des Meeres sowie zu vielen Geschäften und Restaurants. Jene zwei Stationen haben mit einem Abstand von nur 500 Metern die kürzeste Distanz im gesamten Wiener U-Bahnnetz. Bis du unten bist, eine U-Bahn erwischt hast und dann wieder oben bist – geh‘ lieber zu Fuß!

…Im 1. Wiener Gemeindebezirk

Kommen wir nun zum Volkstheater, wo die U3 die U2 kreuzt. Station kann man das nicht mehr nennen, wir sprechen hier eher von einer künstlerisch gestalteten Halle – erneut von Michael Schneider entworfen. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: Heldenplatz, Volksgarten, Burggarten, Naturhistorisches Museum, Kunsthistorisches Museum, Parlament .. alles in Gehdistanz. Hier bist du also wirklich mitten im Geschehen.

Ein wahres Kunstwerk in der Station Volkstheater. /// www.wikipedia.org

Weiter geht’s zum Stephansplatz mit dem Wahrzeichen Wiens: dem Stephansdom. Hier treffen U3 und U1 aufeinander, wodurch auch diese Station zu einem stark frequentierten Knotenpunkt Wiens gezählt wird. Aufgrund von Platzmangel musste man hier ganz schön in die Tiefe bohren:

  • Passage/Ausgang Stephansplatz: Hier findest du einige Geschäfte und ein Büro der Wiener Linien
  • In 12 Metern Tiefe kommst du zum Gleis 1, welches dich Richtung Simmering bringt
  • In 18 Metern Tiefe befindet sich Gleis 2, über das du nach Ottakring fahren kannst
  • In 27 Metern Tiefe fährt dann die U1, aber keine Sorge: Die Tiefe merkst du fast gar nicht 😉

…Im 3. Wiener Gemeindebezirk

Landstraße, Bahnhof Wien Mitte. Durch die Anbindung an die U4, die Straßenbahnlinien 1 und O, diversen Bus- und S-Bahnlinien sowie den CityAirportTrain laufen hier täglich rund 150.000 Menschen durch. Also wenn du Menschen meiden möchtest, halte dich fern. Wenn du jedoch shoppen willst, ist TheMall ein Klasse Einkaufszentrum für dich. Außerdem befindet sich hier ein riesiges Kino und euer geliebter Vapiano. Nur wenige Gehminuten entfernt findet sich der Stadtpark, der für alle Grün-LiebhaberInnen ein perfekter Erholungsort ist.

Landstraße Wien Mitte: The Mall. /// www.wikipedia.org

Weiter geht’s nach Erdberg. Wie bereits erwähnt, hieß es in Erdberg für lange Zeit „Endstation, bitte alle aussteigen“. Die Legende besagt, dass hier einst Richard Löwenherz gefangen genommen worden war, aber daran denkt man dort heute kaum noch. Sie ist eine der wenigen oberirdischen Stationen der U3 und hat mit der direkten Verbindung zu Fernbussen, wie Flixbus oder Eurolines, stark an Bedeutung gewonnen. Außerdem befindet sich dort die Arena Wien.

…Im 11. Wiener Gemeindebezirk…

Wir kommen nun schön langsam aber sicher in den Wiener Osten, genauer gesagt zur Station Gasometer. Die vier Türme bilden einen Wohn-Freizeit-Unterhaltungskomplex, der aus der Wiener Szene nicht mehr wegzudenken ist. Aber darüber haben wir bereits in voller Länge berichtet – lest selbst.

Last but not least – Simmering. Wir sind am Ende unseres kleinen Ausflugs angelangt. Hier kommt das ländliche Flair schon wieder durch, aber über die U3 ist man trotzdem schnell und einfach wieder in der Innenstadt. Der Bezirk wird oft unterschätzt und boomt auch bezüglich Wohnsituation im Gegensatz zu anderen Bezirken nicht. Jedoch möchte die Stadt Wien auch die Umgebung rund um die U-Bahnstation attraktiver gestalten, um so mehr Leute anzulocken – wir lassen uns überraschen. 😉

Kommst du in Simmering raus, erwartet dich ein 300 kg schwerer Froschkönig. /// www.wikipedia.org

Ein Fazit von der U3?

Statistisch gesehen wir der Abschnitt vom Westbahnhof bis zur Landstraße am häufigsten genutzt. Millionen von WienerInnen und auch TouristInnen benutzen diese U-Bahnlinie. Vor allem für junge Leute ist die U3 sehr attraktiv, da man innerhalb kürzester Zeit diverse Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitaktivitäten nützen kann. 24 Minuten und 33 Sekunden habe ich von Ottakring nach Simmering gebraucht und konnte Orte entdecken, an denen selbst der typischste Waldviertler noch nie gewesen ist. Somit ist die Reise durch das Wiener U-Bahnnetz nun vollendet. Wenn du unsere anderen Beiträge noch nicht gelesen hast, tu das schleunigst! Wir haben dir hier nochmals alles kompakt zusammengestellt:

  • Die Rote, U1, von Leopoldau nach Oberlaa, über die Donau und den Prater bis zum Tichy und in die Therme findest du hier.
  • Die Lilane, U2, vom Karlsplatz bis in die Seestadt, über das Museumsquartier und die Uni bis zum Stadion und nach Aspern findest du hier.
  • Die Orangene, U3, von Ottakring nach Simmering – da befindest du dich gerade 😉
  • Die Grüne, U4, von Hütteldorf nach Heiligenstadt, über Schönbrunn und den Tierpark bis zum Schwedenplatz und den Bierbögen findest du hier.
  • Die Türkise, U5, vom Karlsplatz über das alte AKH bis zum neuen AKH und hinaus bis zum Elterleinplatz findest du hier – natürlich nur die Planung.
  • Die Braune, U6, von Siebenhirten über Meidling und die Stadthalle bis zur Volksoper und hinaus bis nach Floridsdorf findest du hier.

 

 
Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von sebastian

7. Mai 2019

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Einsteigen bitte, heute in die Geschichte der Wiener Straßenbahn. Wir beginnen bei der Pferdetramway und schauen auch in die Zukunft. Begib dich mit uns auf eine Reise, auf der wir die "Bim" genauer unter die Lupe nehmen.