Von Wiens längster U-Bahnlinie

Die Station Neulaa mit direktem Zugang zur Per-Albin-Hansson-Siedlung Ost. /// www.steinwerke.at
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veröffentlicht von sebastian

10. Oktober 2018

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Mit 19,2 Kilometern und 24 Stationen ist die U1 die längste U-Bahnlinie der Stadt Wien. Was es hier alles zu erleben gibt zeigen wir dir!

Das Wiener U-Bahnnetz ist für die Größe der Stadt relativ gut ausgebaut und wächst stetig. Eine U-Bahnlinie ist uns dabei besonders ins Auge gestochen: Die U1. Auch bekannt unter der roten Linie befördert sie täglich unzählige Menschen zur Arbeit, in die Schule oder auf die Uni. Was sie sonst noch zu bieten hat, haben wir uns für euch genauer angeschaut. 😉

Ganz kurz noch ein bisschen Geschichte

Der Spatenstich für den Bau der Wiener U1 erfolgte am 3. November 1969 mitten am Karlsplatz. Geplant und umgesetzt wurde die Strecke vom Reumannplatz bis zum Karlsplatz, welche 1978 erstmals in Betrieb ging. Doch im Hintergrund wurde bereits fleißig an weiteren Teilstücken der U1 gearbeitet: Noch im selben Jahr fuhr die U-Bahn schon bis zum Stephansplatz. 1979 konnte man bereits bis zum Nestroyplatz fahren und ab 1981 reichte die U1 bis zum Praterstern. Hier sollte sie auch eigentlich enden, doch schon bald wollte man über die Donau hinaus in den 22. Bezirk.

Im August 1976 stürzte die Wiener Reichsbrücke ein. Man dachte beim Wiederaufbau bereits einen Schritt weiter und in die neue Reichsbrücke wurde sogleich eine U-Bahntrasse eingebaut. Nun stand einer weiteren Verlängerung nichts mehr im Wege. Ab 1982 hieß die neue Endstation der U1 Zentrum Kagran, seit 1989 nur noch Kagran. Nach einer mehr oder weniger „langen“ Pause begann man 2002 mit dem Bau einer weiteren Verlängerung bis in den 21. Bezirk nach Leopoldau, welche im Jahr 2006 in Betrieb genommen wurde. Im Norden ist jetzt Schluss, doch was tut sich im Süden?

Die neueste Erweiterung, der Frischling der Wiener U-Bahn sozusagen, wurde ab 2010 in Angriff genommen. Seit dem 2. September 2017 kann man mit der U1 bis nach Oberlaa fahren. Jetzt aber genug von der Geschichte: Was bringt mir die U1 denn wirklich? 😉

Chronologisch von Norden nach Süden

Wenn ich jede einzelne Station der U1 in den folgenden Zeilen unterbringen wollen würde, wäre ich morgen noch nicht fertig. Aus diesem Grund habe ich mir die wichtigsten herausgesucht und kurz zusammengefasst.

U1

Hier die komplette Linienführung der U1. /// www.wienerlinien.at

Die U1 ist jedoch nicht die einzige U-Bahnlinie, die Sehenswertes preisgibt. Falls du noch mehr auf Schienen erleben willst, haben wir hier ein paar Highlights für dich zusammengesucht. 😉

…Im 21. Wiener Gemeindebezirk…

Starten wir ganz „oben“ im Geschehen, nämlich bei der nördlichen Endstation der U1: Leopoldau. Hier halten diverse Regionalzüge (wie zum Beispiel die Nordbahn, die dich nach Tschechien bringt) und auch drei S-Bahnlinien, mit denen du bequem nach Gerasdorf, Mistelbach oder Gänserndorf kommst.

Wir befinden uns immer noch im 21. Bezirk und kommen zur U-Bahnstation Aderklaaer Straße. Noch nie gehört? Wäre ich nicht selbst hingefahren, hätte ich vielleicht auch darauf vergessen. Wegen der niedrigen Fahrgastfrequenz wollte man die Station bereits schließen, jedoch hat man versucht, die Umgebung attraktiver zu gestalten. Mit einer großen Wohnanlage, einem Einkaufszentrum und einem sogenannten Park&Ride stieg die Zahl der Fahrgäste an.

…Im 22. Wiener Gemeindebezirk…

Hier werden schon viele von euch einmal ausgestiegen sein: Kagran. Nicht nur wegen der vielen Umsteigemöglichkeiten ist jene Station eine der belebtesten der U1. Das größte Wiener Einkaufszentrum, nämlich das Donauzentrum, erreichst du durch diese U-Bahnstation.

Nächster Halt: Alte DonauHier kannst du dich an einem heißen Sommertag so richtig abkühlen. Die zahlreichen Strandbäder öffnen im Sommer ihre Türen und bieten Platz für unzählige Besucher. Bars, Eisdielen und Restaurants runden das tolle Flair an der Alten Donau perfekt ab. Schau auf jeden Fall vorbei! 😉

Direkt danach ragt eine Wolkenkratzer höher in die Luft als der andere: Kaisermühlen – Vienna International Center. Ich staune immer wieder über die riesige UNO-City und den DC-Tower, die sich in unmittelbarer Nähe zur U-Bahnstation befinden. Auch zum Donauturm ist es nicht weit, also wer (vielleicht auch karrieretechnisch) hoch hinaus möchte, ist hier mit Sicherheit richtig. Auch der Vienna Airport Bus hat hier eine Haltestelle. Er bringt dich stündlich und vor allem kostengünstig zum Flughafen Schwechat.

U1 Kaisermühlen

Kaisermühlen mit der UNO-City im Hintergrund.

Nun befinden wir uns direkt über der Donau: Die Station Donauinsel wurde in die Reichsbrücke integriert und verbindet das Ufer der Neuen Donau mit der Insel. Besonders viele Leute tummeln sich hier klarerweise während des jährlich stattfindenden Donauinselfests herum. An den restlichen Tagen im Jahr kannst du hier aussteigen und einfach die Natur genießen. Schnapp dein Rad und fahr entlang der Donau, bis du genug frische Luft getankt hast.

…Im 2. Wiener Gemeindebezirk…

Der Praterstern. Seinen Namen verdankt die Station dem sternförmigen Kreisverkehr, der sich über jener befindet. Ich bin ihn mit dem Auto schon einmal gefahren: Als Waldviertler eine wahre Zitterpartie. Wesentlich schwieriger zu befahren als unsere kleine Dorfkreuzung zum Beispiel. Hier kreuzt die U1 eine weitere U-Bahnlinie, nämlich die U2. Weiters kannst du hier auch noch in die S-Bahn und in diverse Fernverkehrszüge umsteigen. Und wer hätte es gedacht: Auch der Wiener Prater ist hier zu finden.

…Im 1. Wiener Gemeindebezirk…

Weiter gehts zum Schwedenplatz, also in den 1. Bezirk. Hier hast du die Möglichkeit, in die U4 umzusteigen. Spazieren entlang des Donaukanals? Ein Besuch in der Urania? Ein köstliches Eis zum Abkühlen? Alles kein Problem am Schwedenplatz! Außerdem befindet sich hier wieder eine Haltestelle des Vienna Airport Bus.

In 27 Metern Tiefe befindet sich die U1-Station Stephansplatz. Warum so tief? Darüber fährt noch die U3 Richtung Ottakring, ein Stockwerk höher die U3 Richtung Simmering und noch ein Stockwerk höher finden wir eine Passage mit mehreren Geschäften und einem Büro der Wiener Linien. Und gehen wir noch etwas höher, stehen wir mitten im Stephansdom. Eine baulich gesehene Meisterleistung war die Untergrabung des Doms, wo auch so einige Schätze zum Vorschein kamen. 😉 Wir Studenten können uns auch gerne am Graben oder in der Kärntner Straße die Nasen an den Schaufenstern platt drücken. Wer jedoch das Geld für teures Shoppen hat, ist hier sicher gut aufgehoben.

Karlsplatz. Umsteigen zu U2, U4, D, 1, 2, 62, 71, 2A, 4A, 59A, Lokalbahn nach Baden. Der Karlsplatz ist verkehrstechnisch gesehen einer der wichtigsten Knotenpunkte Wiens. Opernbegeisterte kennen mit Sicherheit die Wiener Staatsoper. Weiters finden wir hier die Karlskirche, wo zur Weihnachtszeit wieder ein riesiger Christkindlmarkt stattfinden wird. Die Technische Universität Wien hat hier ihren Hauptsitz und der Naschmarkt ist zu Fuß bequem zu erreichen. Hier gibt es noch so viel zu sehen, überzeuge dich einfach selbst von der Vielfalt dieser U-Bahnstation. 😉

U1 Karlsplatz

Es geht tief hinab am Karlsplatz 😉

…Im 10. Wiener Gemeindebezirk…

Es geht immer weiter in den Süden hinunter, machen wir mit der Station Südtiroler Platz – Hauptbahnhof weiter. Wie der Name schon sagt, befinden wir uns am 2012 eröffneten Wiener Hauptbahnhof. Wer sich hier nicht auskennt, ist verloren. Unzählige Bahnsteige der Wiener S-Bahn, Straßenbahn und des Hauptbahnhofs, Passagen und Ausgänge machen es dem Waldviertler schwer, sich zurechtzufinden. Wenn du dich nicht verlaufen möchtest, frag einfach nach: Die Wiener sind manchmal gar nicht so unfreundlich 😉

Und schon sind wir am Reumannplatz, der bis 2017 vorläufigen Endstation angelangt. Hier kannst du dir ein leckeres Eis vom Eissalon Tichy abholen oder ein paar Bahnen im Wiener Amalienbad schwimmen.

Steigst du in der Station Altes Landgut aus und fährst mit der (gefühlt ewig) langen Rolltreppe nach oben, stehst du direkt am Verteilerkreis Favoriten. Weil die Station auf einer Bergkuppe liegt, trägt sie den Titel „Höchste U-Bahnstation Wiens“ (gemessen an der Seehöhe). Die FH Campus Wien ist zu Fuß locker zu erreichen, weswegen dort viele Studenten herumschlendern. Fährst du die Rolltreppe wieder hinunter, kannst du eine künstlerisch sehr schön gestaltete Fassade vom Schweizer Künstler Yves Netzhammer betrachten.

U1 Altes Landgut

Ich find’s beeindruckend und bin ein paar Mal auf und ab gefahren 😉

Die Stationen Alaudagasse und Neulaa binden eine der größten Wohnanlagen Wiens, die Per-Albin-Hansson-Siedlung, an das Wiener U-Bahnnetz an. Architektonisch trumpfen sie mit sehr modernem Design und einem barrierefreien Zugang.

Last but not least: Oberlaa. Endstation, bitte alle aussteigen. Sie liegt direkt am Eingang zur Therme Wien und zum Kurpark Oberlaa. Ein Park&Ride bietet Leuten aus dem Umland eine bequeme Möglichkeit, ihr Auto abzustellen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln Wiens weiterzufahren.

Ein Fazit von der U1?

Man glaubt gar nicht, wie lange es dauert, von Leopoldau nach Oberlaa zu fahren (Ich habe natürlich mitgestoppt: 34 Minuten und 45 Sekunden). Die U1 hat eine unglaubliche kulturelle Vielfalt zu bieten. Die Karlskirche, die Staatsoper und der Stephansdom sind noch längst nicht alle großen Sehenswürdigkeiten unserer Hauptstadt. Seine Freizeit kann man ebenfalls sehr gut entlang der längsten U-Bahnlinie Wiens verbringen. Natürlich konnte ich nicht alles miteinbeziehen, was es zu erleben gibt, aber falls euch noch etwas Spannendes einfällt: Lasst es uns auf jeden Fall wissen! 😉

 
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von Kerstin

10. Oktober 2018

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Wer neu in Wien ist, sollte damit rechnen, dass auf der Straße viele Herausforderungen und Überraschungen warten. Spendensammler, Demonstranten oder Zigaretten-Schnorrer - nichts, worauf man daheim im Waldviertel ausreichend vorbereitet wird.