Margareten - der 5. Wiener Gemeindebezirk

Gewissermaßen das Wahrzeichen des fünften Bezirks: der Margaretenhof. Qulle: Wikipedia.
WOHNEN & VERKEHR

veröffentlicht von Carina

13. August 2017

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Zwischen Wienfluss und Gürtel wartet Margareten darauf, entdeckt zu werden. Interessantes zum Bezirk und aktuelle Hot-Spots findest du bei uns.

Zugegeben, Margareten ist das Mauerblümchen unter den inneren Bezirken. Im Gegensatz zu den Nachbarbezirken gibt es keine großen Theater, schicke Einkaufsstraßen sucht man genauso vergebens wie prunkvolle Schlösser. „Arbeiterbezirk“ wird der Fünfte gerne genannt, das Straßenbild ist besonders im Süden geprägt von Gemeindebauten. Als einer der inneren Bezirke ist er zum Wohnen schon mal rein lagetechnisch beliebt. Aber es tut sich viel im Bezirk. Eine Art Aufbruchstimmung ist zu spüren, wenn man durch Margareten spaziert, es scheint, als ob hier einer der nächsten Trendbezirke entstehen könnte.

Grenzen und Grätzeln

Margareten ist einer der beiden inneren Bezirke, die nicht an den ersten Bezirk angrenzen. Im Norden bildet der Wienfluss mit der U4-Strecke die Grenze zum sechsten Bezirk. Über den Gaudenzgürtel und den Margaretengürtel geht es im Westen und Süden weiter, hier grenzt Margareten an den zwölften und zehnten Bezirk. Die Grenze zum vierten Bezirk verläuft über Blechturmgasse, Mittersteig, Kleine Neugasse, Margaretenstraße und Kettenbrückengasse.

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Zwischen den Bezirken sechs, zwölf, zehn und vier liegt Margareten, der fünfte Bezirk. Quelle: Wikipedia.

Margareten / Schlossquadrat

Margareten war der Name einer ehemaligen Vorstadt, die sich im nördlichen Teil des heutigen Bezirkes befand. Am Margaretenplatz befindet sich heute der Margaretenhof, eines der bekanntesten Gebäude des Bezirkes. Früher stand hier das Margaretner Schloss, der heutige Hof erinnert mit seinem Aussehen noch daran. Wo so oft der Name des Bezirks fällt, muss wohl oder übel das Zentrum sein. Von hier aus ist die Vorstadt gewachsen. Der Name Schlossquadrat wird heute vor allem im Zusammenhang mit einigen Restaurants genannt, die sich rund um das ehemalige Schloss angesiedelt haben. 

Reinprechtsdorf und Hundsturm

Was für andere Bezirke die Alser Straße oder Währinger Straße ist, ist für Margareten die Reinprechtsdorfer Straße. Die Geschäftsstraße durchzieht den Bezirk beinahe wie eine gerade Linie. Für manche Margaretner scheint sie so wichtig zu sein, dass sie sogar dazusagen, auf welcher Seite der Straße sie im Bezirk wohnen. Hier spürt man auch den Migrantenanteil und das Arbeiterviertel-Image: Anstatt von großen, schicken, internationalen Ketten wie etwa auf der Mariahilfer Straße, finden sich hier eher Pizza-Kebab-Nudel-Standl oder Handyrepariershops. Einen Aufschwung erhofft man sich durch den Ausbau der U2. Die neue Station im Grätzl wird „Reinprechtsdorfer Straße“ heißen und soll der Straße zu einem neuen Image verhelfen. Das angrenzende Grätzel Hundsturm ist ganz ähnlich, hier befindet sich mit dem Volx/Margareten außerdem eine Außenstelle des Volkstheaters.

Matzleinsdorf

„Matz“ wird der Matzleinsdorferplatz von den Ortsansässigen gerne genannt. Hier befindet sich wohl der wichtigste Verkehrsknotenpunkt des Bezirks: S-Bahn, zahlreiche Straßenbahnen und künftig die U2 binden Margareten an ganz Wien und das südliche Umland an. Aber auch autofahrtechnisch ist man gut angebunden, hier beginnt etwa die Triester Straße, die früher die wichtigste Verkehrsader Richtung Süden war. Abgesehen davon ist Matzleinsdorf eine eher unaufregende Wohngegend. Österreichs seriösestes Medium „Die Tagespresse“ berichtet sogar davon, dass die New York Times den Matzleinsdorfer Platz zum hässlichsten Ort der Welt gekürt hat. Da sollte man sich aber vielleicht noch einmal selbst ein Bild davon machen 😉

Typisch Margareten – das gibt’s nur hier

Städtebautechnisch war Margareten den anderen Bezirken in mancherlei Hinsicht etwas voraus. So entstand hier das erste Hochhaus Wiens in der Leopold-Rister-Gasse 5. Auch wenn manche heutzutage in typisch wienerischer Manier raunzen, dass es „schirch“ sei, hat es für viele dennoch einen hohen Prestigewert. Auch der erste Gemeindebau Wiens wurde in Margareten errichtet. Der Metzleinstalerhof steht am Margaretengürtel und beherbergt mehr als 250 Wohnungen. Nach dessen Vorbild entstanden in der Zwischenkriegszeit immerhin 65.000 Wohnungen in ganz Wien. Vermutlich kommt daher auch die Zuordnung als Arbeiterbezirk. Und das ist mehr als ein Klischee, immerhin liegt der Einkommensdurchschnitt im Bezirk 10% unter dem Wiener Schnitt.

Gewissermaßen das Wahrzeichen des fünften Bezirks: der Margaretenhof. Quelle: Wikipedia.

Im Gegensatz zu diesem Arbeiter-Image steht etwa der Margaretenhof. Bist du hier schon einmal vorbeigekommen, dann ist er dir vielleicht in Erinnerung geblieben. So richtig gar nicht passt der Komplex zu den umliegenden Häusern und sticht wirklich hervor. Entstanden ist der Hof aus dem ehemaligen Schloss Margareten. Heute ist das Gebäude ein ganz normales Wohnhaus – theoretisch könntest du hier also sogar wohnen, eine der Wohnungen zu ergattern wird aber bestimmt nicht leicht sein.

Hättest du etwa gewusst, dass Falco im 5. Bezirk geboren wurde? Der gebürtige Johann Hölzel wuchs in einfachen Verhältnissen in der Ziegelofengasse auf. Auch Bruno Kreisky, einer der wichtigsten heimischen Sozialdemokraten, wurde im Fünften geboren. Auf die beiden „Promis“ des Bezirks ist man sich natürlich stolz, nach Falco wurde eine Stiege benannt, nach Kreisky ein Park.

Geteilte und disziplinierte Margaretner

Als im 19. Jahrhundert Wien wuchs und die ehemaligen Vorstädte zur Gemeinde kamen, hat es den fünften Bezirk in seiner heutigen Form nicht gegeben. Der Fünfte war damals, was heute der Sechste ist – der heutige fünfte Bezirk war nämlich ursprünglich ein Teil des vierten. Weil dieser Bezirk aber von großen Unterschieden geprägt war, wurde er wenig später geteilt. Der Versuch hierbei war, die neue Bezirksgrenze parallel zum Ring anzulegen. Deshalb ist die Grenze zwischen Margareten und Wieden auch etwas eigen. Lange Zeit hatte Margareten einen ziemlich ländlichen Charakter. Im Bereich des heutigen Gürtels befanden sich bis zum ersten Weltkrieg viele Äcker und Wiesen, ein großes Gebiet im Südwesten durfte nicht verbaut werden, da hier aus mehreren Quellen der kaiserliche Hof versorgt wurde.

Nach der Trennung vom vierten Bezirk verlor Margareten erneut einiges seiner Fläche, diesmal an die neuen Bezirke Meidling und Favoriten. So bekam Margareten sein heutiges Aussehen. Dass die Margaretner diszipliniert sind und ihnen viel am Bezirk liegt, zeigte sich nach dem zweiten Weltkrieg. Da war der fünfte Bezirk nämlich der erste in ganz Wien, der von Schutt befreit wurde und wo ein neues Gebäude nach dem anderen aus dem Boden wuchs.

Wohnen im fünften Bezirk

Überlegt man, in den fünften Bezirk zu ziehen, ist das strategisch betrachtet nicht schlecht. Weil die neue Strecke der U2 durch Margareten führen wird, ist man künftig noch schneller im Zentrum oder am Wienerberg. Achtung, das wird aber noch einige Jahre dauern! Die adaptierten bzw. neuen Stationen Pilgramgasse, Reinprechtsdorfer Straße und Matzleinsdorfer Platz  sollen 2023 eröffnet werden. Viele Immobilienmakler versuchen bereits, mit der neuen U-Bahn Mieter und Eigentümer anzulocken. Neubauten entstehen und werten ganze Grätzel auf. Das lässt natürlich zum Teil die Immobilienpreise in die Höhe schnellen, verglichen mit den anderen Bezirken innerhalb des Gürtels lässt sich hier aber noch das eine oder andere Schnäppchen finden. Betrachtet man die nackten Zahlen, pendelt sich Wohnen in Margareten preislich zwischen den beiden beliebten Bezirken 6 und 7 ein. Für einen Quadratmeter Wohnfläche muss man so durchschnittlich mit 15,27 Euro rechnen.

Wohnen rund um die Reinprechtsdorferstraße wird in den nächsten Jahren wohl noch beliebter werden. Quelle: Wikipedia

Margareten ist jetzt schon der am dichtesten besiedelte Bezirk Wiens. Dividiert man die gesamte Fläche des Bezirks durch die Einwohnerzahl, gibt es unterm Strich für jeden Margaretner 37,1 Quadratmeter. Natürlich ist das eine rein fiktive Annahme, bei der nicht berücksichtigt wird, dass der Bezirk nicht nur aus Wohnfläche besteht und Häuser mehrere Stockwerke haben. Zum Vergleich stehen den Bewohnern der Donaustadt (22. Bezirk) aber über 650 Quadratmeter pro Kopf zur Verfügung – also doch ein beachtlicher Unterschied.

Unsere Tipps für Margareten

Margareten entwickelt sich. Somit schießen auch hippe Lokale aus dem Boden, wie etwa das Karma Ramen, das authentische Asia-Küche serviert. Wenn dir der Sinn nicht so sehr nach Fernöstlichem steht, wirst du vielleicht in einem der zahlreichen Irish Bars oder Restaurants happy. Für uns Waldviertler gibt es hier auch ein besonderes kulinarisches Highlight – der Waldviertlerhof hat uns in unserem Test eindeutig überzeugen können. Genauso ist auch ein ganz besonderes Stück Wiener Kultur in Margareten beheimatet. Das Kaffeemuseum in der Vogelsanggasse hat sich ganz der braunen Bohne verschrieben und feiert die Wiener Kaffeehauskultur.

 
 

veröffentlicht von Alexandra

13. August 2017

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Wir haben alle Informationen über den Zuwanderer-Fonds zusammengestellt und außerdem zwei Waldviertlerinnen interviewt und über ihre Wohnerlebnisse in einem Apartment des Zuwanderer-Fonds sprechen lassen.