Yes, we clean! Müllentsorgung in Wien

Foto: MA48 / Christian Houdek
WOHNEN & VERKEHR

veröffentlicht von david

20. November 2019

WOHNEN & VERKEHR

Eine Restmüll- und eine Papiertonne: Das bieten die meisten Wohnhäuser in Wien. Nur wohin mit dem Rest? Eine Einführung in die Müllentsorgung in Wien.

Hasta la mista, baby. All I need is Mist. Feng Pfui. Kompetenzzentrum für Müll. Die Werbesprüche auf den Mistkübeln der Wiener MA 48 (der Magistratsabteilung 48 für Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark) haben mittlerweile Kultstatus erreicht. Das sei ihnen vergönnt – denn für eine Stadt mit knapp 1,5 Millionen Einwohnern ist Wien unglaublich sauber. Die Müllmänner (und -frauen) der MA48 sind die Helden des Alltags, ohne die Wien nicht funktionieren würde – zumindest wäre die Stadt nicht so schön. Und auch ansonsten funktioniert die Müllentsorgung in Wien weitgehend hervorragend.

Als ich aus dem Waldviertel nach Wien gezogen bin, war ich die ersten Wochen aber etwas planlos. „Wo ist hier der Biomüll!?“, war mein erster Gedanke. In meinem Wohnhaus gab es eine Restmüll- und eine Papiertonne – aber keine Biotonne. Und Gemüse-Abfälle einfach im Restmüll fühlt sich als Waldviertler einfach falsch an. Also tat ich das, was Leute Anfang 20 eben so machen: Ich ergoogelte mir, wo ich nun bitte meinen Biomüll entsorgen kann – und dasselbe tat ich für Dosen, Plastikflaschen und Glas. Damit du das nicht musst, sind hier die wichtigsten Learnings aus zwei Jahren Müllentsorgung in Wien einmal zusammengefasst.

Es gibt (fast) keinen Biomüll!

Das war der wohl ernüchternste Teil meiner Müll-Recherche in Wien. Die Entsorgung von Biomüll ist in Wien, wenn man nicht gerade in den Außenbezirken wohnt, relativ schwierig. Denn eine Biotonne bekommt eine Hausanlage nur, „wenn eine Grünanlage vorhanden ist“, wie die MA48 schreibt. Und selbst dann muss sie der Hauseigentümer noch bestellen. Wenn du einer der Glücklichen bist, die in einem Wohnhaus mit Grünfläche leben – Glückwunsch, du hast eine Chance auf eine Biotonne. Für alle anderen ist es eher schwierig.

Biomülltonne für die Müllentsorgung in Wien

Eine ganz normale Biomülltonne in Wien. Foto: MA 48

„Aufgeben ist keine Option“, dachte ich mit jedoch. Und tatsächlich gibt noch andere Entsorgungsmöglichkeiten für Biomüll: die Altstoffsammelstellen und Mistplätze der MA48. Einige Altstoffsammelstellen und jeder Mistplatz haben einen Behälter für Biomüll . Wenn du neben einem dieser Mistplätze oder Altstoffsammelzentren wohnst, ist das toll. Du solltest die Gelegenheit nutzen und deinen Biomüll immer dort entsorgen.

Leider gibt es aber auch viele Situationen wie meine: Mein Haus hat keine eigene Biotonne und die nächste Altstoffsammelstelle mit Biomüll oder der nächste Mistplatz sind mindestens 20 Minuten entfernt. Und dass ich jetzt eine Stunde für meinen Biomüll in der Stadt herumfahre, dazu ist mir meine Zeit oft zu schade. Bis jetzt habe ich noch keine sinnvolle Lösung für das Problem gefunden, außer möglichst wenig Bio-Abfall zu produzieren, der dann (schweren Herzens) in den Restmüll kommt.

Der gesammelte Biomüll wird von der MA48 übrigens zu Humus verarbeitet, den es dann auf den Wiener Mistplätzen gratis abzuholen gibt.

Für alles andere: Note 1+

Die Biomüll-Problematik ist aber auch schon mein einziger Kritikpunkt. Abgesehen funktioniert ist die Müllentsorgung in Wien hervorragend. Das fängt allein damit an, dass man in Wien an jeder Ecke einen Mistkübel findet. Egal wo! In jeder anderen Stadt, in der ich bisher unterwegs war – war sie auch noch so schön – habe ich die vielen Mistkübel von Wien vermisst. Sie halten Wien sauber und gehören mit ihrem orangen Kopf und der typischen „Tschick“ an der Seite auf eine absurd-schöne Weise zum Stadtbild.

Neben dem MA48 Mistkübel hat außerdem fast jedes Haus eine Restmüll- und Papiertonne, die wöchentlich (oder öfter, je nach Plan) geleert wird. Die Tonnen sind verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk.

Altstoffsammelstelle für die Müllentsorgung in Wien

Eine Altstoffsammelstelle für Plastik, Glas, Papier und Dosen. Foto: MA 48

Falls du nach einer langen Nacht einmal einige (oder sagen wir sehr viele) Dosen und Flaschen zu entsorgen hast, ist das in Wien auch überhaupt kein Problem. Altstoffsammelstellen für Altglas, Dosen und Plastik finden sich praktisch an jeder Ecke. Allein in meiner Gegend im 16. Bezirk finden sich im Umkreis von ein paar hundert Metern mindestens fünf davon. Eine Karte mit allen Sammelstellen gibt es ganz einfach online.

Sonderfall Sondermüll

Neben all den klassischen Mülltrennungsklassen existiert dann noch der Sondermüll, der die Kategorie „alles andere“ gut zusammenfasst. Sondermüll kann man in Wien bei den Mistplätzen entsorgen. Und ja, ein Mistplatz ist genau das, wonach es sich anhört. Ein riesiger Platz gefüllt mit Dutzenden verschiedener Arten von Müll. Ganz egal, ob es alte Batterien, Elektrogeräte, Möbel, Metall oder ein halber Baum ist, der entsorgt werden muss: auf einem der Wiener Mistplätze findet er sicher einen Container dafür.

Mistplatz in Wien Liesing

Der Mistplatz der MA 48 in Wien Liesing. Foto: MA48 / Christian Houdek

Gut erhaltene Dinge, die zu schade zum wegwerfen sind, können auf den Mistplätzen ebenso abgegeben werden. Sie kommen dann in den 48er-Tandler, dem Second-Hand-Shop der MA48 im 5. Bezirk.

Was passiert mit dem ganzen Müll?

Nun wissen wir, wo welcher Müll in Wien hingehört, aber macht die MA48 überhaupt damit? Papier, Glas und Metall werden fast vollständig recycelt, Biomüll wird zu Biogas oder Humus verarbeitet und Restmüll wird zur Stromproduktion verbrannt. Übrigens wird der Restmüll in Wien nicht aussortiert. Wer etwas in den Restmüll wirft, was nicht hineingehört, muss sich bewusst sein, dass es verbrannt wird.

Die richtige Mülltrennung ist deshalb das Allerwichtigste – und manches gehört in einen anderen Behälter, als man zu Beginn vielleicht denkt. Die MA 48 hat hierzu ein tolles Video gedreht:

Mythen der Mülltrennung

Wir räumen mit ein paar Mythen zum Thema Mülltrennung auf! :-)PS: Mit der WienBot-App der Stadt Wien könnt ihr keinen Fehler bei der Mülltrennung mehr machen 🙂 ! Die App steht seit 2017 im Google play und im App Store zum Download zur Verfügung und ist ein eigener Sprachassistent.Den WienBot kann man nach dem MistABC, Parkgebühren und Eintrittspreisen, Öffnungszeiten und Veranstaltungen fragen. Man kann sich von ihm den nächsten Trinkbrunnen oder Müllsammelstellen in der Nähe im Stadtplan anzeigen lassen, wann die nächste U-Bahn fährt und wie man am schnellsten in den Wiener Prater kommt. :-Dhttps://www.wien.gv.at/bot/ARA, Austria Glas Recycling#desiskadreck

Gepostet von Die 48er am Montag, 29. Juli 2019

 

Mit all diesen Informationen dürftest du für den (leider) oft müllreichen Alltag in Wien bestens gerüstet sein. An dieser Stelle aber auch eine kleine Anregung: Beobachte doch einmal, wie viel Müll du in der Woche produziert und wo du ihn vermeiden könntest. Denn der beste Müll ist der, der erst gar nicht anfällt.

 
Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl
 

veröffentlicht von david

20. November 2019

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Er ist vielleicht ein bisschen in Vergessenheit geraten – doch kaum ein anderer Bahnhof ist so geschichtsträchtig und vielseitig wie der Westbahnhof.