Der Zuwanderer-Fonds - mit wenig Aufwand zur ersten Wohnung

Kein Apartment des Zuwanderer-Fonds aber eine ähnlich kleine aber feine Küche.
WOHNEN & VERKEHR

veröffentlicht von Alexandra

21. August 2017

WOHNEN & VERKEHR

Wir haben alle Informationen über den Zuwanderer-Fonds zusammengestellt und außerdem zwei Waldviertlerinnen interviewt und über ihre Wohnerlebnisse in einem Apartment des Zuwanderer-Fonds sprechen lassen.

Falls du vorhast, dich in Zukunft als „Zuagroaste/r“ in Wien zu versuchen und am wienerischen Wohnungsmarkt am Verzweifeln bist, haben wir heute einen kleinen Geheimtipp für dich vorbereitet – den Zuwanderer-Fonds.

 

Über den Zuwanderer-Fonds

Der Zuwanderer-Fonds wurde 1971 von der Stadt Wien und Sozialpartnern wie der Arbeiterkammer, dem Österreichischen Gewerkschaftsbund, der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung gegründet. Das Ziel ist es, Menschen, die aus dem In- oder Ausland nach Wien zuwandern wollen, schnell und unbürokratisch eine Wohnung bieten zu können.

In den 11 eigenen Apartmenthäusern des Zuwanderer-Fonds und 16 mitverwalteten Apartmenthäusern gibt es 3.500 vollmöblierte Wohnungen zu einem annehmbaren Preis.

Du musst also nicht auf die Schnelle eine komplette Wohnung einrichten, denn das Mobiliar ist komplett vorhanden. Du kannst dich und den Inhalt deiner Geldbörse also vollends für deine Liebe zu Dekorationsartikel hin- bzw. ausgeben.

 

Die Apartments

Die Wohnungen sind, wie bereits erwähnt, vollmöbliert und bestehen aus 1-2 Zimmern. Neben einem Vorraum gibt es eine Kochnische (meistens in den Vorraum integriert), ein Badezimmer mit WC und Dusche und ein 2in1 Schlaf- und Wohnzimmer. Es gibt keine lästige Kündigungsfrist, nach einer Mindestwohndauer von sieben Monaten kann man innerhalb eines Monats ausziehen. Laut Website beträgt die Höchstmietdauer drei Jahre. Es dürfen höchstens 2 Personen in einem Apartment wohnhaft sein.

 

Der Preis

Die Kaution ist von Haus zu Haus unterschiedlich und beginnt ab 2700 und geht rauf bis 4000€. Das ist zwar nicht gerade billig, du bekommst aber bei deinem Auszug die Summe zurück, wenn du die Wohnung nicht komplett zerstörst. Ausgaben für eine/n Makler*in fallen weg.

Die Mietpreise sind wie die Größe der Wohnungen nicht einheitlich. In manchen Apartmenthäusern sind alle Wohnungen ca. gleich groß, in anderen gibt es Unterschiede bis zu 40 Quadratmeter. Eine etwa 20 Quadratmeterwohnung bekommst du oft schon ab 300€, die größten Wohnungen mit etwa 60 Quadratmeter kosten dann oft schon das dreifache.

Im Mietpreis sind neben den Betriebskosten auch die Kosten für die Heizung, das Warmwasser und den Strom inkludiert, alles natürlich inklusive Mehrwertsteuer. Nicht enthalten sind eine eventuelle Haushaltsversicherung und GIS-Gebühren. Von letzteren kannst du dich aber als Studierende/r befreien lassen. Wenn dein Lebensmotto „No risk no fun“ ist, musst dich also um nichts kümmern außer einen Vertrag für das Internet. Was wäre das Leben in Wien ohne die Möglichkeit die Artikel von Waldviertler.Wien zu lesen?

Für meine Wohnung in einem mitverwalteten Apartmenthaus zahle ich nicht das ganze Jahr über denselben Preis, jedes Vierteljahr bekomme ich eine Vorschreibung und werde über den aktuellen Preis informiert.

Die Mietpreise sind nicht immer mit den vorherrschenden Preisen in einem Bezirk vergleichbar, so kommt es teilweise sogar vor, dass eine Wohnung im 4. Bezirk beträchtlich billiger ist als eine im 11. Bezirk.

Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl

 

Die Wohnhäuser und ihre Lage

Auf dieser Website des Zuwanderer-Fonds kannst du dir die individuellen Preise und Informationen über die jeweiligen Wohnhäuser ansehen.

Neben Informationen zur Ausstattung und Möblierung, den monatlichen Kosten, der Adresse + Verkehrsanbindung, der Größe der Apartments und der Energiekennzahl wird jedes Wohnhaus beschrieben. Ebenfalls gibt es Beschreibungen der Lage und du kannst dir auch schon eine Vorstellung über das jeweilige Grätzl und die Nachbarschaft machen.

Die Wohnhäuser des Zuwanderer-Fonds befinden sich in folgenden Bezirken: 1020, 1030, 1040, 1100, 1110, 1170, 1190, 1210, 1220 und 1230. Für Wien-Neulinge: die zwei mittleren Zahlen geben den Bezirk an, so ist z.B. 1020 der 2. Bezirk oder 1190 der 19. Bezirk.

Die mitverwalteten Apartmenthäuser befinden sich in folgenden Bezirken: 1020, 1100, 1110, 1120, 1140, 1150, 1190, 1210, 1220 und 1230.

Laut der Website des Zuwanderer-Fonds sind die Apartments in den Wohnhäusern des Zuwanderer-Fonds auf drei Jahre befristet. Die Wohnungen in den Apartmenthäusern sind unbefristet.

Ein Wohnhaus mit vielen Wohnungen

Ein Wohnhaus mit vielen Wohnungen

 

Wie du zu einer Wohnung des Zuwanderer-Fonds kommst

Durch dieses Kontaktformular kannst du auswählen, in welchen Apartmenthäusern du an einer Wohnung interessiert bist. Die Mitarbeiter*innen des Zuwandererfonds melden sich dann bei dir und schon kann die Besichtigung losgehen.

In der Zentrale des Zuwanderer-Fonds kannst du dir den Schlüssel des Apartments für die Besichtigung holen. Die Adresse der Zentrale lautet Würtztlerstraße 15, 1030 Wien und befindet sich neben der U3-Station Schlachthausgasse. Die Beratungsstelle ist in der Schlachthausgasse 29, 1030 Wien im ersten Stock und nur einen Katzensprung entfernt.

Die Öffnungszeiten lauten:

  • Montag + Mittwoch von 08:00-15:00 Uhr
  • Dienstag + Donnerstag von 08:00-16:30 Uhr
  • Freitag von 08:00-12:00 Uhr

Nach der Besichtigung – vor dem Einzug

Folgende Unterlagen musst du für die Besichtigung und Abholung des Schlüssels mitbringen:

  • einen amtlichen Lichtbildausweis, also einen Reisepass oder Führerschein, welcher noch mindestens sechs Monate gültig ist
  • einen nicht älter als ein Monat alten Meldezettel (wenn du bereits in Wien gemeldet bist, hast du KEIN Anrecht auf eine Zuwanderer-Wohnung)
  • eine nicht älter als eine Woche alte Arbeitsbestätigung oder fixe Zusage einer Anstellung bei einer Wiener Firma mit folgenden Angaben
    • Firmenwortlaut laut Firmenbuch
    • Anschrift laut Firmenbuch
    • Firmenbuch- und UID-Nummer
    • Beschäftigungsart
    • Beginn und Dauer der Beschäftigung
    • Einkommen brutto und netto
    • Bestätigung über aufrechte Beschäftigungsbewilligung bei Nicht-EU-Bürgern
    • Versicherungsdatenausdruck einer österr. Krankenkasse, in dem die Anmeldung durch die die Arbeitsbestätigung ausstellende Firma ersichtlich ist
  • ODER als ordentliche/r Studierende/r: eine Inskriptionsbestätigung einer Wiener Uni
  • als Nicht-EU-BÜRGER: Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung

Wenn du als Student*in ein zu geringes Einkommen hast, kann jemand für dich bürgen.

Der Zuwanderer-Fonds ist dafür bekannt, dass die Abwicklung des Mietvertrages schnell von statten geht. Du kannst nach der Besichtigung sofort den Vertrag abschließen und das Apartment beziehen. Bei einer Wohnung in einem mitverwalteten Apartmenthaus kann es aber auch noch eine Weile dauern, aber keinesfalls länger als ein Monat.

Sofort zu bezahlen sind die Kaution, die erste Miete und eine Gebühr vom Finanzamt. Du kannst entweder bar oder aber auch per Bankomatkarte zahlen. Bei einer Kartenzahlung solltest du aber auf jeden Fall auf ein möglicherweise voreingestelltes Limit achten.

Falls nicht sofort eine Wohnung frei sein sollte – nicht verzagen, nochmal (an)fragen.
Dadurch, dass die Kündigungsfrist nur ein Monat beträgt, kann es sein, dass eine Woche später mehrere Apartments zur Auswahl stehen.
So einfach geht das Mieten einer Wohnung!

 

Von der Theorie zur Praxis – Das Interview

Das war die Theorie zum Zuwanderer-Fonds, nun folgt die Praxis. Die zwei Waldviertlerinnen Kerstin und Elisabeth erzählen uns genauer von ihrem Leben in einem Apartment des Zuwanderernfonds. Beide sind Studentinnen, Kerstin studiert VWL an der WU und Elisabeth studiert Bildungswissenschaften an der Uni Wien. Da persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse immer näher an der Realität sind als Infos auf einer Website, haben uns die beiden genauer berichtet, wie sie zu ihren Wohnungen gekommen sind und wie aufwändig das Ganze war.

 

Waldviertler.Wien: Wie hast du das erste Mal vom Zuwandererfonds gehört?

Kerstin: Ein Arbeitskollege von meinem Vater hat ihm erzählt, dass seine Tochter ein Apartment vom Zuwanderer-Fonds hat. Als der Zeitpunkt gekommen war, wo ich eine Wohnmöglichkeit suchen musste, hat mein Vater vorgeschlagen dort anzufragen.

Elisabeth: Das erste Mal habe ich vom Zuwandererfonds durch eine Bekannte gehört. Meine Mutter hat sich während der Suche nach einer Wohnung in Wien umgehört und zufällig hat eine Bekannte den Zuwandererfonds erwähnt, da ihre Tochter ebenfalls eine Apartment von dort hatte.

 

Waldviertler.Wien: Warum hast du dich dazu entschlossen, ein Apartment des Zuwanderer-Fonds zu mieten?

Kerstin: Die Apartments sind günstig und man bekommt sie sofort, wenn eines frei ist. Nach einer Mindestmietdauer von sechs (Anm.: mittlerweile sieben) Monaten kann man innerhalb von einem Monat ausziehen, wenn man will.

Elisabeth: Ich war schon sehr unter Zeitdruck bei der Suche nach einer Wohnung in Wien, da ich mich erst zwei Monate vor Studienbeginn auf die Suche gemacht habe. Kleine Wohnungen sind in Wien sehr teuer. Meistens muss man sehr hohe Provisionskosten zahlen, was bei den Apartments des Zuwandererfonds nicht der Fall ist. Die Wohnungen sind zwar nicht die billigsten, aber sehr praktisch, da das Apartment bereits komplett eingerichtet ist. Lediglich eine Kaution muss man bezahlen, die man allerdings beim Auszug wieder zurückbekommt.

 

Waldviertler.Wien: Kommen wir nun einmal zu den Hardfacts. Wie lange wohnst du schon in deiner Wohnung? Ist die Wohnung befristet?

Kerstin: Ich wohne seit drei Jahren in meiner Wohnung. Ich habe einen unbefristeten Mietvertrag.

Elisabeth: Im Oktober 2017 bin ich bereits zwei Jahre in meiner Wohnung. Diese ist befristet, ich kann höchstens drei Jahre darin wohnen.

 

Waldviertler.Wien: Befindet sich diese in einem Wohnhaus des Zuwanderer-Fonds oder in einem mitverwalteten Apartmenthaus? Wie groß ist deine Wohnung und wie hoch ist die Miete?

Kerstin: Meine Wohnung befindet sich im 2. Bezirk in einem Wohnhaus des Zuwanderer-Fonds. Für 24 Quadratmeter bezahle ich 294€ im Monat.

Elisabeth: Ich wohne im 19. Bezirk in einem mitverwalteten Apartmenthaus. Zum momentanen Zeitpunkt zahle ich für ca. 27 Quadratmeter ca. 486€.

Anm.: Im Vergleich zahle ich in einem mitverwalteten Apartmenthaus ca. 380€ für 20 Quadratmeter. Die Mieten in einem Wohnhaus des Zuwanderer-Fonds sind deutlich geringer.

Zwettler Zwickl
Zwettler Zwickl

 

Waldviertler.Wien: Wie lange hast du auf dein Apartment und das Einzugsdatum gewartet?

Kerstin: Ich habe eine Mail hingeschrieben, am nächsten Tag bekam ich die Antwort, dass eine Wohnung frei ist, wieder zwei Tage später haben wir uns die Wohnung angesehen und danach hatte ich eine Woche Zeit zu überlegen, ob ich die Wohnung will oder nicht.

Elisabeth: Bei meiner Suche hatte ich das Glück, dass der Zuwandererfonds einige neue Apartments anzubieten hatte. Ich musste nur drei Wochen warten, um den Vertrag zu unterschreiben.

 

Waldviertler.Wien: Wie groß waren der Aufwand und die Bürokratie bis zum Einzug?

Kerstin: Der Aufwand war sehr gering. Vor der Besichtigung mussten wir uns den Schlüssel von der Zentrale holen und wieder zurückbringen. Danach mussten wir noch einmal hin, um die Kaution und den Mietvertrag zu unterschreiben und das wars.

Elisabeth: Der Aufwand hielt sich in Grenzen. Problematisch war nur anfangs, dass das Büro weder über die Telefonnummer, noch per E-Mail erreichbar war. Höchstwahrscheinlich lag dies an dem großen Ansturm auf die neuen Apartments. Mein Vater arbeitet in Wien und dadurch gestaltete es sich um einiges einfacher. Er fuhr ins Büro um sich zu erkundigen. Einige Tage später konnte ich die Wohnungen besichtigen. Ich hatte die Wahl zwischen einem größeren und einem etwas kleineren Apartment. Dazu fuhr ich in das Büro, bekam die Schlüssel und besichtigte die Wohnungen alleine. Nach der Entscheidung bekam ich einen Termin für in zwei Wochen, um den Vertrag zu unterschreiben.

 

Waldviertler.Wien: Wie zufrieden bist du mit der Lage, dem Apartment + Einrichtung und der Miete?

Kerstin: Ich bin allgemein sehr zufrieden. Die Lage ist super für mich, da ich gleich Einkaufsmöglichkeiten habe und einen Bus der zur Uni fährt. Die Einrichtung war für mich am Anfang schon etwas gewöhnungsbedürftig, da die Möbel schon älter sind. Mit den persönlichen Sachen und ein bisschen Deko ist das aber halb so wild. Die Miete ist für mich super, da sie sehr gering ist. Ich habe zwar nur eine kleine Einzimmerwohnung, aber als Studentin genau ausreichend.

Elisabeth: Ich bin äußerst zufrieden mit der Lage meines Apartmenthauses. Es liegt zwei Gehminuten von der U4 entfernt und damit bin ich sehr schnell überall. Zur Universität fahre ich beispielsweise nur zwölf Minuten. Die Einrichtung der Wohnung ist stilvoll. Sie ist praktisch und erfüllt ihren Zweck. Die Miete ist in meinen Augen hoch für die Anzahl der Quadratmeter. Allerdings bin ich durch das Drumherum bereit, den Betrag zu zahlen. Es wird ein Pauschalbetrag inkl. Strom, Heizung etc. verlangt.

 

Waldviertler.Wien: Gibt es irgendwelche Besonderheiten im Vergleich zu „normalen“ Wohnungen?

Kerstin: Würde ich nicht sagen. Das einzig gute ist, dass wirklich nur Leute in dem Haus wohnen, die entweder studieren oder arbeiten. Die Hausbetreuerin ist auch super nett und kümmert sich sehr gut um das Haus.

Elisabeth: Eine Besonderheit ist definitiv der Pauschalbetrag. Egal wieviel Wasser ich benutze, oder einheize, ich zahle einen Fixbetrag. Auch positiv zu erwähnen sind die Wartungsarbeiten, wie beispielsweise neue Silikonfugen, neuer Siphon und hellere Glühbirnen.

 

Waldviertler.Wien: Kannst du eine lustige Geschichte über dein Wohnerlebnis erzählen? Wie sind deine Nachbarn?

Kerstin: Eine lustige Geschichte, nein. Die Nachbarn sind im Großen und Ganzen sehr nett und zuvorkommend. Eine direkte Nachbarin von mir, war im letzten halben Jahr etwas asozial. Sie hat immer erst ab 10 Uhr abends damit begonnen, extrem laut Musik zu hören und so weiter. Dieses Problem wurde sehr schnell seitens Zuwandererfonds gelöst.

Elisabeth: In meinem Wohnhaus befindet sich auch betreutes Wohnen. Dies finde ich sehr schön und interessant. Da damit auch der Kontakt zu Personen mit Behinderung beispielsweise stattfindet. Ich denke, jeder kann aus solchen Begegnungen lernen. Auch wohnen einige ausländische Bewohner im Wohnhaus. Im Haus herrscht stets freundliches Klima und jeder geht auf jeden zu, es wird freundlich gegrüßt und man hält einander die Tür auf. Es ist sehr schön, in einem so bunten Wohnhaus zu wohnen.

 
 

veröffentlicht von Alexandra

21. August 2017

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